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Hersfelöer Tageblatt

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Hersfelder Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö

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Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei in Hersfeld, Mitglied des BDJB.

Nr. 124

Montag, den 30. Mai 1932

82. Jahrgang

Der Kanzler bei Hindenburg

Berlin. Reichspräsident von Hindenburg, der am Sonn- tag morgen um 7 Uhr aus Ostpreußen in Berlin eintraf, empfing Reichskanzler Dr. Brüning zum Vortrag über die gesamte politische Lage. "----'

Heute Klärung der Lage?

Brünings Besprechungen mit Hindenburg.

Berlin. 30. Mai.

Die Sonntagsbesprechung zwischen dem Reichspräsiden­ten und dem Kanzler hat die Entscheidung über die weitere innerpolitische Entwicklung noch nicht gebracht. Die Aus- spräche geht heute weiter. Erst dann wird sich über ihren Inhalt etwas Positives sagen lassen. Reichspräsident und Kanzler sprachen gestern nur unter vier Augen. Die Unter­redung erstreckte sich auf den gesamten Fragenkomplex, der für die politische Situation augenblicklich bestimmend ist. Alan kann wohl annehmen, daß der Kanzler sich heute zu- rächst noch einmal M seinen Freunden bespricht, und daß es dann spütsstens im Laufe des Nachmittags zur Klärung kommen wird.

Reichsarbeilsminister besondere Bestimmungen über den Freiwilligen Arbeitsdienst bei landwirtschaftlichen Siedlun- gen erlassen. Hilfsbedürftige Arbeitsdienstfreiwillige unter Jahren können in Zukunft während des Arbeitsdienstes eine Unterstützung bis zu zwei Reichsmark täglich aus Reichs- mitteln auch dann erhalten, wenn sie nach den sonstigen Vor­schriften der Verodnuna nicht gefördert werden könnten. Um den Einsatz des Freiwilligen Arbeitsdienstes bei landwirt­schaftlichen Siedlungen möglichst zu beschleunigen, soll in der Regel der Vorsitzende des Arbeitsamtes des Dienstortes über Anerkennung und Förderungen der Arbeiten selbständig entscheiden können. Die Verordnung tritt am 6. Juni 1932 in Kraft.

Reichstag am 6.3nni?

Die parlamentarischen Arbeiten der Woche.

Berlin, 30. Mai

Die parlamentarischen Arbeiten im Reichstag wie im preußischen Landtag nehmen in dieser Woche ihren Fort­gang. Am Dienstag treten der Haushalts- und der Steuer­ausschuß des Reichstages zusammen.

Am Abend findet dann die mit Spannung erwartete Zusammenkunft des Aeltestenrates statt, in der die Frage der Wiedereinberufung des Reichstages ausgiebig erörtert werden wird. Ob der Reichstag zu dem von dem Präsiden­ten seinerzeit in Aussicht genommenen Termin des 6. Juni, für den sich die Oppositionsparteien mit aller Entschiedenheit einsetzen werden, einberufen wird, steht noch dahin.

Brüning über die Arbeitsnot

Helft den Jugendlichen! Die Welt muß handeln.

Berlin, 30. Mai.

Auf dem Jahresbankett der ausländischen Presse in Berlin sprach am Sonnabend vor einem großen Audi­torium von Ministern, auswärtigen Diplomaten und Presse­leuten im Hotel Adlon Reichskanzler Dr. Brüning über die A r b e i t s k r i s e und ihre Folgen. Nach einem Appell des apostolischen Nuntius Monsignore O r s e n i g o an die Journalisten und Diplomaten der Welt, Ströme des W o h l - **1^^ uns*kwiw beschäftigt, ist das Problem der Arbeitslosen. Sechs Millionen Arbeitslose, mit ihren Angehörigen zwölf Millio­nen Menschen, das ist rund ein Fünftel unseres Volkes!

Zwei Millionen Menschen, das ist rund ein Drittel der Erwerbslosen, sind unter 25 Jahren, und eine Million von diesen unter 21 Jahren.

Eine grausame, in ihren Ursachen nicht verstandene Funk­tionsstörung des modernen Wirtfchafksorganismus ver­dammt diese Jugendlichen, sich als überflüssige und unnütze Mitglieder der Gesellschaft zu empfinden. Wundert man sich, daß in ihrem Herzen und Sinnen ein Radikalismus aufquillt, der nur vom Untergang und der Zerschlagung alles Beste­henden Besserung erwartet?

Hauptfrage ist heule die

Arbeitsbeschaffung und der Absatz der Arbeit.

Wie kann der Staat für Arbeit sorgen? Sie alle wissen, daß die Kosten der sogenannten produktiven Erwerbslosen­fürsorge die der reinen Arbeitslosenunterstützung bei weitem übersteigen. Auch haben wir nicht das nötige Geld dafür. Gegenüber allen Lockungen, durch künstliche Mittel das Geld bereitzustellen, ist die Reichsreglerung fest geblieben. Sie würden zur unaufhaltsamen Entwertung der Reichsmark führen, eine zweite Inflation würde das Volk nicht überste­hen, ohne in unrektvares Chaos zu versinken.

Es bleiben also nur andere Wege übrig, um dieses Pro­blem zu lösen, das der Quadratur des Zirkels gleicht. Heben dem, was das Reich zur Vergebung öffentlicher Arbeiten durch die Prämienanleihe finanzieren kann, kommen insbe­sondere

Siedlung und freiwilliger Arbeitsdienst in Betracht, hauptsächlich die Stadtrandsiedlung. Der frei­willige Arbeitsdienst soll mit Zahlung der Arbeitslosenunter­stützung und Gewährung von Naturalien oder einer ganz bescheidenen Zusatzzahlung besonders bei den Jugendlichen den in ihnen liegenden gesunden und natürlichen Beschäfti- gungsdrang erfüllen und ein Hinvegetieren verhindern. Eines aber ist zu bedenken:

Deutschland kann diese Frage, die für uns schlechthin die entscheidende ist, nicht allein lösen. Von der Geißel der Arbeitslosigkeit, die alle Welt ergriffen hat, kann sie auch nur durch gemeinsame Aktion befreit werden.

Es gibt wohl unglücklich Besiegte, aber keine glücklichen Sieger! Der internationalen Presse fällt die verantwor­tungsvolle Aufgabe zu, die Staatsmänner und Wirffchafls- führer voran zu treiben.

Der Kanzler schloß mit den Worten, er sei überzeugt, daß die Presse dieser Aufgabe bewußt sei und ihre Macht, die mit Recht als die stärkste Großmacht bezeichnet werde, in Erkennt­nis des der Menschheit drohenden Unheils mit aller Kraft einsetzen werde.

In einem Schlußwort betonte der Vorsitzende des Ver­eins, V l o k z y l, das Vertrauen in die Arbeit des Reichs­kanzlers. Er wünschte, daß die gegenwärtige große Zeit keine kleine Presse finde.

Erster praktischer Schritt

Neue Verordnung über den Freiwilligen Arbeitsdienst.

Berlin, 30. Mai.

_ Zur FtzrherWg der landwirtschgWLen SiedlunabatNr

Landtagswahl in Oldenburg

Völliger Zusammenbruch der Miktelparteien mit Aus- nähme des Zentrums.

Emden, 30. Mai.

Nach den bisher vorliegenden Meldungen ist die Land­tagswahl im ganzen Lande Oldenburg ruhig verlaufen. Die Wahlbeteiligung ist mit etwa 70 Prozent geringer als im Vorjahre (75 Prozent). Der absolute Stimmengewinn der NSDAP. und auch der Deutschnationalen wird sich in einer Vermehrung der Mandate auswirken. Die Kommunisten haben überall verloren, die Sozialdemokraten in den meisten Bezirken, aus denen Meldungen vorliegen, ebenfalls. Die Nationale Vereinigung, Zusammenfassung von Deutscher Volkspartei und Wirtschaftspartei, erlitt einen völligen Zu- samenbruch. Die Staatspartei hat Verluste erlitten, die, ab­gesehen von der Stadt Oldenburg, zwischen 25 und 40 Pro­zent schwanken. Das Zentrum hat sich gut gehalten.

*) Die Vergleichszahlen in den Klammern beziehen sich auf die Oldenburgischen Landtagswahlen vom 17. Mai 1931.

Das amtliche Endergebnis der Landtagswahl im Frei­staat Oldenburg ist: *)

3m Sozialpolitischen Ausschuß wird am Mittwoch die Kleinrentnerfürsorge behandelt werden. Dem Ausschuß für Kriegsbeschädigtenfragen lieg« Erledigung vor, die in drei S Auch die A

en weit über 100 Eingaben zur Übungen beraten werden sollen, usschüsse des Reichsrates werden im Laufe der Woche die Vorberatung des neuen Reichshaushalts auf- nehmen.

Die nächste, dritte Vollsitzung des preußischen Landtags findet am Mittwoch um 14 Uhr statt. Vorher wird der Aeltestenrat noch einmal die Saalschlacht behandeln und sich darüber schlüssig werden, in welcifer Form die in Aussicht genommenen Vorbeugungs- und Schutzmaßnahmen für die Zukunft zu treffen sind. Ebenso tritt vor Beginn der Sitzung der neugewählte Vorstand bes Landtages zusammen, der aus dem Präsidenten, den drei Vizepräsidenten und den zwölf Beisitzern besteht.

Sie Reichsvost in her Krise

% Milliarde Einnahmeausfall.

Berlin, 30. Mai.

-Dem Reichstag ist vom Reichspostministerium soeben ein Tätigkeitsbericht über das Rechnungsjahr 1931 vorgelegt worden. Unter dem Einfluß der Finanzlage mußte die Vergebung von Lieferungen und Leistungen leider stark gedrosselt werden. Immerhin konnte das im Herbst 1930

Sozialistische Arbeiter Kommunisten

Rationale Vereinigung Deutsche Staatspartei Oldenburgisches Landvolk Nationalsozialisten Zentrumsparlei

Zahl der Wahlbersch 274 022, davon ungültig 1

50 987 1464

15 590

2 308

6 213

5 987

131 525

18 942) 2

" t5 629 " fä653

'54 893

gedrosselt cinaeleitete

usätzliche Arbeitsbeschaffungsprogramm

2

9

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zu

' 8 515) 1

* 5 404) 1

97 802) 24

42114 (46 252) 7

(19) ( 9)

Stadt Olderstmrg.

Oldenburg. Die Wcchlrrgebniss« in der Stadt Oldenburg sind folgende: Deutschnationale 3020 (2454); Sozialdemo- kraten 4686 (5866); Sozialistische Arbeiterpartei 346 (0); Kommunisten 2419 (3366); Nationale Vereinigung (Volks­partei und Wirtschaftspartei) 560 (2884); Staatspartei 2296 (2636); Landvolk 20 (98); Nationalsozialisten 12 635 (10 870); Zentrum 1234 (1307).

Frankreichs Außenpolitik

Paris, 30. Mai.

H e r r i o t, der voraussichtlich der Leiter der neuen fran­zösischen Regierung sein wird, hielt in Lyon eine Rede, in der er die Aufgabe der künftigen Regierung kennzeichnete. Ihre Aufgabe so erklärte er werde durch die Liebe zum Frieden beherrscht werden. Sie lasse sich in die Anwendung des GrundsatzesSicherheit, Schiedsgerichtsbarkeit, Abrü­stung" zusammenfassen. Es handele sich darum, den Anteil Frankreichs an der internationalen Gerechtigkeit sicherzustel­len und nicht zuzulassen, daß der wertvolle Körper Frank­reichs angetastet werde. Vaterlandsliebe werde diejenigen beseelen müssen, die von nun ab das Werk des Friedens ver­wirklichen wollen.

Abrüstungskonferenz in der Krise

Die fünf deutschen Mindestforderungen.

Berlin, 30. Mai.

Staatssekretär z. D., Freiherr von R h e i n b a b e n, Mitglied der deutschen Delegation, erklärt in den Blattern eines amerikanischen Zeitungskonzerns, die Abrüstungskon­ferenz kann sich nach der guten wie nach der schlechten Seite fortentwickeln. Normal verlaufen wird sie nur bei richtiger Lösung etwa folgender fünf Gedankengänge:

Die Aktion der qualitativen Abrüstung muß wenigstens auf einigen wichtigen Gebieten aus dem technischen Wirr­warr zu politischer Entscheidung geführt werden.

In bezug auf die ziffernmäßige Abrüstung ist ebenfalls ein praktisches Resultat anzustreben.

Der französische Vorschlag auf Schaffung einer mterna- tionalen Armee sollte so schnell wie möglich aus der Diskus­sion ausscheiden. , v r ,

Auch in Frankreich sollte man endlich erkennen, daß ohne Anpassung der ziffernmäßig kleineren deutschen Rüstung an eine allgemein gültige Konvention, eine deutsche Unterschrift nicht zu haben sein wird. m r e

Ohne entscheidendes Handeln der Großmächte kann ein Weg aus der Kris« nicht gefunden werden.

__________________________________ en Verkehrs- und Bekriebsverbefferungen durchgefuhrt.

Die Verkehrszahlen lagen fast überall unter denen des Vorjahres. Nach dem vorläufigen Ergebnis ist bei einer Betriebseinnahme von rund 1914 Millionen RM für das Rechnungsjahr 1931 mit einem Einnahmeausfall von etwa 216 Millionen RM zu rechnen; er wird zu sechs Siebenteln gedeckt durch die auf allen Gebieten vorgenommenen Ein­sparungen, das restliche Siebentel mit rund 30 Millionen RM muß der gesetzlichen Rücklage entnommen werden. Die Ablieferung an das Reich wird etwa 227 Millionen be­tragen, rund 12 vom Hundert der Betriebseinnahmen.

Die Verlängerung des Redislontlreditr

Wieder Schwierigkeiten in Paris.

Die Frage der Verlängerung des Internationalen Re­diskontkredits der Rei^

schaftsratsfitzung der den.

erlangerung des Internationalen R«- chsbank soll auf der nächsten Regent- Bank von Frankreich erörtert wer-

Die Verlängerung des französischen Anteils an diesem 90 Millionen Dollar-Kredit macht insofern gewisse Schwie­rigkeiten, als die Regierung Tardieu der Ansicht ist, daß sie nicht mehr befugt sei, eine Entscheidung in dieser Angele­genheit zu treffen und gern die Verantwortung dafür der kommenden Regierung, d. h. Herriok, überlasten möchte. Trotzdem nimmt man in hiesigen Finanzkreisen an, daß die Verlängerung schließlich erfolgen werde.

Es fragt sich nur, ob es der Reichsbank gelingen wird, eine neue Herabsetzung des Zinssatzes, der schon einmal von acht auf sechs Prozent herabgesetzt worden ist, zu erreichen. Dieser Wunsch stoßt auf StMsievigkeiten und zwar nicht nur bei der Bank von Frankreich, sondern auch bei den anderen kreditgebenden Notenbanken.

Hingegen scheint die Frag« der von einigen Kredit­gebern und namentlich von der Bank von Frankreich ge- ! an Aktua-

wünschten neuen teilweisen Tilgung des Kredites lität eingebüßt zu haben, da d e Erkenntnis an

gebüßt zu haben, da d"e Erkenntnis an Boden ge- hat, daß die augenblicklich« Devisenlage der Reichs- dank ihr eine derartig«, wenn auch geringfügige, Tilgungs- quote schwer möglich machen könnte.

wonnen

Das revolutionäre Spanien

Schießereien im ganzen Land / Verkehr unter Polizeischuh.

Madrid, 30. Mai.

Die Agitation der Syndikalisten und Anarchisten hat in Spanien eine unsichere Lage geschaffen. In S e o i l l a, das von Militär besetzt ist, kam es Sonntag nacht mehrfach zu Schießereien, bei denen eine Zivilperson schwer verletzt wurde. In einem dicht bevölkerten Stadtviertel von Madrid kam es zwischen der Zivilgarde und einem Trupp Demon­stranten zu einem Zusammenstoß, in dessen Verlauf ein an der Kundgebung nicht beteiligter Mann tödlich verletzt wurde. Die Straßenbahn- und Untergrundbahnwagen wurden von der Polizei begleitet. Das Fernsprechamt war von Zivil- garde bewacht. Zahlreiche Verhaftungen wurden vorgenom- men. In der Ortschaft Bunol (Provinz Valencia) wurde ein Leutnant der Zwilgarde von Manifestanten durch Axt­hiebe schwer verletzt. Der spanische Innenminister glaubt trotz der vielen Zunschenfälle, über die aus den ferngelegenen Landesteilen in Madrid noch keine genauen Nachrichten em= getroffen find, annehemn zu können, daß die revolutionäre Bewegung als gescheitert angesehen werden könne.