Dem Andenken von Sinters
Berlin. 27. Mai. Der Chef der Marineleitung, Admiral Dr. h. c. Naeder, widmet dem soeben verstorbenen Admiral a. D. Franz Ritter von Hipper einen ehrenden Nachruf, in dem es u a. heißt: Trauernd steht die Reichsmarine an der Bahre dieses aufrechten Mannes, dessen Name für im-- mer mit dem Ruhm und den Leistungen der Deutschen Flotte im Weltkriege auf das engste verbunden bleiben wird. Im Weltkriege an verantwortungsvollster Stelle stehend, hat Ritter von Hipper als Befehlshaber der Aufklärungs- streitkräfte auf der Doggerbank und in zahlreichen Vorstößen bis in die feindlichen Gewässer die Waffe erfolgreich zum Ansatz gebracht, zu deren wagemutiger Führung er wie kaum ein anderer vorausbestimmt war, an der er mit allen Fasern seines treuen Herzens hing und deren Besatzungen bis zuletzt feine unermüdliche Fürsorge gegolten hat. Der Höhepunkt des Seekrieges war mit der Skagerrak-Schlacht auch der Höhepunkt im Leben des Verewigten. Als Führer der weit vorgeschobenen Schlachtkreuzer und leichten Streitkräfts auf sich selbst gestellt, erfocht er in der die Skagerrak-Schlacht einleitenden Kreuzerschlacht am 31. Mai 1916 über den weit überlegenen Gegner einen Sieg, wie er wohl einzig in der Geschichte dasteht. Während der letzten Kriegsmonate stand er als höchster militärischer Führer an der Spitze der Hochseeflotte. Ein hervorragender Admiral, ein aufrechter deutscher Mann und treuer Kamerad ist von uns gegangen. Ein Führer und ein Ritter!
Die Londoner Blätter veröffentlichen ausführliche Nachrufe für den verstorbenen Admiral Franz Ritter von Hipper. „Daily Expreß" sagt in einem Leitartikel: Im Kriege war Hipper der große Gegner Englands, der den Beifall seiner Landsleute und die schmerzliche Bewunderung seiner Feinde errang. Lord Baetty, der Feind Hippers in der Schlacht bei Skagerrak, sagte, als er die Nachricht vom Tode Hippers erfuhr: „Ich bin sehr traurig. Er war ein tapferer Offizier und ein großer Mann." Besonders weisen die Blätter auf Hippers glänzende Leistungen in der Schlacht bei Skagerrak hin. „Times" sagt, daß die Engländer eine große Ueberlegenheit an Schiffen und Kanonen gehabt hätten. Dies habe ihnen aber gegen die zuversichtliche Kampfkraft des Geschwaders von Hipper nichts genützt. Beatty sei geschlagen zurückgekehrt, ein Ergebnis, das ohne Vorgang in der englischer Seegeschichte sei.
„Do. X“ fliegt nach England
Berlin, 27. Mai. Zu der Frage der Weiterverwendung des „Do X" nach dem so glänzend durchgeführten Ozeanflug wird bekannt, daß eine Einladung an die Deutsche Flugschiff G. m. b. H., welche den Rückflug des „Do X" organisiert hat, eingegangen ist, in England anläßlich der Cowes-Woche Rundflüge durchzuführen. In England, wo man stets an die Zukunft des großen Flugschiffes geglaubt hat, ist das Interesse an „Do X" wieder besonders lebhaft wachgerufen worden durch den neuerbrachten Beweis der Leistungsfähigkeit.
„Do X" hat auf seinem Ozeanflug auch wieder Post befördert, so z. B. aus Neufundland 17 089 Briefe, welche bereits 36 Stunden nach Abflug in Vigo in Spanien an Land gegeben werden konnten.
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Berlin, 27. Mai. Angesichts des schweren Unwetters, das am Pfingstmontag über die Gemeinden des Landkreises Koblenz niedergegangen ist, hat die preußische Staatsregierung dem Regierungspräsidenten in Koblenz bereits am 21. Mai zunächst 30 000 Mark zur Linderung der Not über- rversen lassen. Außerdem ist ein weiterer Bericht vom Regierungspräsidenten in Koblenz eingefordert worden, um Klarheit über den vollen Umfang des angerichteten Schadens zu erhalten, von dessen Feststellung alle weiteren Maßnahmen abhängig gemacht werden.
Versammlung
der Kreisgruppe Hersfeld des Verbandes der Preußischen Landgemeinden
am Donnerstag, den 2. Juni 1932
8 Uhr im kleinen Saal der Turnhalle in Hersfeld.
Tagesordnung:
1) Geschäfts- und Kassenbericht.
2) Umlage der Kreisgruppe.
3) Wahl des Vorstandes.
4) Die Finanznot der Gemeinden und der Gemeindehaushalt 1932.
5) Verschiedenes — Freie Anrräge.
Zu Punkt 4 wird Bürgermeister Bickel, Jhrings- Haufen referieren.
Vollzähliges Erscheinen der Mitglieder wird erwartet. Vertreter der nicht angeschlossenen Gemeinden sind als Gäste willkommen.
Orth, Vorsitzender.
Organisierte Unräten
In Berlin.
Zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten ist es in verschiedenen Stadtteilen Berlins zu Zusammenstößen gekommen. Am Stettiner Bahnhof wurden etwa 50 Nationalsozialisten von Kommunisten angegriffen. Dabei sollen von kommunistischer Seite zwei Schüsse abgegeben worden sein. Die Polizei nahm drei Personen fest, darunter zwei Kommunisten. Im Norden Berlins hatten Kommunisten versucht, Nationalsozialisten am Austoilen von Propagandamaterial zu hindern. Die Polizei mußte mit dem Gummiknüppel vorgehen, um die streitenden Parteien zu trennen. Im Nordosten der Stadt ram es ebenfalls zu einem Zusammenstoß zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten. Im Westen Berlins verletzte ein angeblich Parteiloser einen Nationalsozialisten durch einen Steinwurf. Der Täter wurde verhaftet. Weiter kam es in der Zionskirchstraße zu einer Schlägerei, bei der eine Person schwer und zwei leichter verletzt wurden. Drei Nationalsozialisten wurden von der Polizei festgenommen. Am Senefelder Platz wurden Nationalsozialisten von Kommunisten überfallen, wobei ein Nationalsozialist durch einige Messerstiche verletzt wurde. Etwa gleichzeitig versuchten Kommunisten ein in der Nähe gelegenes nationalsozialistisches Verkehrslokal zu stürmen. Die Angreifer flüchteten jedoch beim Erscheinen der Polizei.
In Hamburg.
Am Saeger-Platz in Hamburg kam es zu einem ernsten Zusammenstoß zwischen Polizei und kommunistischen Erwerbslosen, bei dem mehrere Personen durch Schüsse verletzt wurden. Aus den Reihen der Erwerbslosen fielen Revoloerschüsse, durch die ein Beamter schwer verwundet wurde. Daraufhin griff die Polizei ebenfalls zur Waffe und verletzte einen Erwerbslosen, der zuvor auf die Beamten geschossen hatte. Der Getroffene ist von den Demonstranten weggeschafft worden.
In Wuppertal.
Wegen der Kürzung der Unterstützungssätze oeranstal- ieten Wohlfahrtserwerbslose vor dem Barmer Rathause eine Demonstration, die so bedrohlichen Charakter annahm, daß sich die Polizei zur Räumung des Rathausvorplatzes gezwungen sah. Einem Teil der Demonstranten gelang es, bei der Säuberungsaftion in das Rathaus einzudringen. Ein Polizeikommando besetzte daraufhin das Rathaus und kontrollierte die Besucher. Das Rathaus mußte von der Po- llzei vorübergehend geschlossen werden, um eine reibungslose Abfertigung der Unterstützungsempfänger zu ermöglichen.
Zeugenvernehmung im Deosheim-Prozeb
Im Devaheim-Prozeß wurde am Donnerstag der Direktor der Wirtschaftsabteilung des Devaheim-Konzerns, Dr. Schlunk, der auch Geschäftsführer der Evangelischen Ver- sicherungs-Zentrale war, vernommen. Nach Angaben Dr. Schlunks betrugen die Einkünfte Pastor Bremers aus der Evangelischen Versicherungs-Zentrale 16 000 Mark. Aus anderen Fonds erhielt Pastor Cremer noch einen Betrag von 10 000 Mark, und ferner 60 000 Mark für die Anschaffung von zwei Autos und deren Unterhaltung. Um einen Skandal zu vermeiden, sei auch ein Schuldkonto Dr. Cre- mers in Höhe von 20 000 Mark gedeckt worden. Der nächste Zeuge ist Pfarrer D. Dr. Steinweg, der Direktor der Wohl- sährtsavteilung des Zentralausschusses für innere Mission Nach Ansicht Pfarrer Steinwegs sei Pastor Cremer nicht .berechtigt gewesen, aus den Geheim- konten Beträge zur Anschaffung von Autos zu entnehmen. Pastor Cremer habe aber als eine Autorität auf wirtschaftlichem Gebiet gegolten. Man habe ihm deshalb größtes Vertrauen entgegengebracht, weshalb eine Kontrolle der von ihm verwalteten Fonds unterblieben war. Zeuge Pastor Thiel beziffert den Verlust, den die Hilfskasse, die eine Einrichtung sämtlicher Wohlfahrtsorganisationen aller Richtungen und Konfessionen ist, durch das Bankhaus Rambaum u.
SdanntmnAnngtn der Stadtbehörde«.
Der Eigentümer des von der Städtischen Sparkasse Hersfeld ausgesertigten
Auswertungs-Sparbuches Rr. 46501
mit einem Guthaben von 479,47 RM. hat den Verlust des Buches gemeldet. Der Besitzer des letzteren wird aufgefordert, unter Vorlage des Buches seine Rechte alsbald bei uns geltend zu machen. Erfolgt innerhalb der nächsten 4 Wochen, vom Tage der Veröffentlichung ab gerechnet, kein Widerspruch, so wird das Sparbuch gemäß § 19 Absatz 2 der Satzung für kraftlos erklärt und dem Spargläubiger ein neues Buch ausgefertigt.
Der Vorstand
der Städtischen Sparkasse Hersseld.
^isitkarten unks Buchdruckerei
Co. erlitt, auf 4^ Millionen Mark, der durch die Verbände, die zur Hilfskasse gehörten, gedeckt worden war.
Bei der Vernehmung des Geschäftsführers der Hilfskasse, Dr. Libbertz, der später in der Bankfirma Rambaum u. Co. tätig war, wurde festgestellt, daß er ein monatliches Gehalt von 2500 Mark von der Hilfskasse erhielt. Bei der Trennung des Bankhauses von der Hilfskasse erhielt er eine Abfindung von mehreren Monatsgehältern, außerdem übernahm die Hilfskasse seinen Debetsaldo bei der Bankfirma mit 140 000 Mark. Der Staatsanwalt erklärt dazu, daß es sich hier um eine Art kaufmännische Rechnung handelt, bei der man nicht mehr mitkommen könne. Von der Beeidigung des Zeugen wurde Abstand genommen. Unter Eid wurde sodann der Präsident des Zentralausschusses für Innere Mission, der 73jährige Universitätsprofessor Geheimrat Seeberg-Berlin vernommen, der erst 1928 oder 1929 Kenntnis von den Geheimkonten erhielt. Die darüber einlaufenden Klagen kamen von so vielen Seiten, daß der Zeuge selbst die Verfügung über die Geheimkonten übernahm.
Die Verhandlung wurde auf Sonnabend vormittag vertagt.
Volkswirtschaft
Berliner Effektenbörse.
Die Berliner Effektenbörse vom Donnerstag eröffnete nicht ganz einheitlich, aber doch in etwas widerstandsfähiger Haltung. Zu berücksichtigen ist, daß auch an den ausländischen Börsenplätzen durchweg starke Rückgänge zu verzeichnen waren. Recht schwache Haltung zeigte der Markt der festverzinslichen Werte. Größeres Angebot kam insbesondere in Kommunnlobugationen heraus, die zum großen Teil aus Mangel an Käufern nicht notiert werden konnten. Ausländische Anleihen überwiegend schwächer. Verkehrswerte waren allgemein gut behauptet. Der Bankenmarkt zeigte nur geringe Kursveränderungen. Montanaktien überwiegend etwas schwächer, doch überstiegen die Rückgänge kaum 1 Prozent. Am Kalimarkt waren Salzdetfurth gesucht. Kali-Chemie erneut matt, der Rückgang betrug etwa 10 Prozent des Kurswerts. Farbenaktien etwa 1 Prozent fester, im Verlaufe dann schwächer. Chade verloren über 15 RM. Sehr matt waren ferner Gesfürel, ebenso RWE. und Fetten. Siemens dagegen fester. Stärker rückgängig waren Süddeutsche Zucker, Schubert & Salzer sowie Holzmann.
Am Geldmarkt hat das Angebot angesichts des herannahenden Ultimos sich stark verringert. Die Sätze wurden aber noch mit 5,25 Prozent und darüber unverändert genannt. Monatsgeld stellte sich auf etwa 6—8 Prozent.
Am Devisenmarkt war der Dollar in Holland und der Schweiz etwas schwächer, das englische Pfund weiter fest.
Devisenkurse. Dollar 4,209 (Geld) 4,217 (Brief), engl. Pfund 15,52 15,56, holt. Gulden 170,73 171,07, Belga (Belgien) 58,99 59,11, ital. Lira 21,62 21,66, dän. Krone 84,62 84,78, norm. Krone 76,97 77,13, franz. Franken 16,605 16,645, tschech. Krone 12,465 12,485, schweig. Franken 82,32 82,48, span. Peseta 34,77 34,83, schweb. Krone 79,62 79,78, österr. Schilling 51,95 52,05.
Berliner Produktenbörse.
An der Berliner Produktenbörse vom Donnerstag war nach den starken Preisrückgängen der letzten Tage das Angebot an vromptem Jnlandsweizen sehr zusammengeschrumpft. Es standen daher nur geringe Mengen zur Verfügung. Da gleichzeitig Nachfrage für den laufenden Bedarf bestand, konnte die Notiz um 3 Mk. heraufgese^ werden. Auch am Markte der Zeitgeschäfte war der laufende Monat entsprechend höher bewertet. Desgleichen konnten die späteren Monate etwa 1% M. gewinnen. Roggen, der । wenig angeboten war, aber auch nur in geringen Umfange ge- ftagt wurde, konnte mit der Bewegung mitgehen und erzielte Preisausbesserungen am Promptmarkt um 1 RM., im handelsrechtlichen Lieferungsgeschäst um H bis 1 M.
Notierungen vom 26. Mai 1932. $t£ 1000 Ka.: Kl. Speiseerbsen । Weizen, mark. 267—269 Futtererbsen Roggen,märt. 196—198 Peluschken ; Braugerste 186—193 Ackerbohnen Futtergerste 178—185 Wicken ' Hafer, mLrt. ____ 160—163 Lupinen, blgu
21,00—24,00 15,00—17,00 16,00—18,00 15,00—17,00
16,00—18,00 10,00—11,50
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