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Nr. 121
Donnerstag, den 26. Mai 1932
82. Jahrgang
NGDRP stellt Preusten-DräsiSenten
Das Zentrum für nationalsozialistischen Landtagsprästdenten — Sitzung endet mit Schlägerei
Preußischer Landtag
Kerrl (Nat.-Soz.) zum Präsidenten gewählt
Berlin, 26. Mai
Räch voraufgegangener inoffizieller Fühlungnahme und grundlegenden Erklärungen der beteiligten Fraktionen im Preußischen Landtag wurde am Mittwoch die Wahl des Landtagspräfidiums durchgeführt. Landtagspräsident wurde mit 262 Stimmen der nationalsozialistische Abgeordnete Kerrl, Vizepräsidenten die Abgeordneten Wittmaack ($03.), Baumhoff (Ztr.) und Dr. von Kries (Dnat.).
Die zweite Sitzung des neuen Preußischen Landtags wurde vom Alterspräsidenten Litzmann wiederum bei vollbesetztem Hause und starkem Andrang auf den Tribünen um 2X Uhr eröffnet. Die Regierungsbank blieb wieder leer.
Eine Erklärung des Alterspräsidenten
Alterspräsident Litzmann erklärte zunächst: Aus der Presse habe ich erfahren, daß in der Eröffnungssitzung des Landtages von der linken Seite des Hauses während meiner Eröffnungsansprache schwere Beleidigungen ausgestoßen worden sind. Ich habe sie nicht verstanden. (Zurufe und Lachen links). Soweit die Beleidigungen mich persönlich angehen, ist es ausschließlich meine Sache, wie ich damit verfahren will Ich kann mich auf den Standpunkt stellen, daß ich von den Zurufern überhaupt nicht beleidigt werden kann. (Stürmische Bravorufe und Händeklatschen bei den Nat.-Soz — Die Kommunisten bringen ein dreifaches Nieder auf den Alterspräsidenten aus). Wenn die Beleidigungen aber gegen andere Persönlichkeiten gerichtet worden
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wird davon auch betroffen der Generalfeldmarjchall von Hindenburg. (Zurufe und Lachen bei den Kommt) Wenn ich müßte, wer diesen Ausruf gebraucht hat, würde ich entsprechende Maßnahmen dagegen getroffen haben. (Zuruf bei den Komm.: Die ganze Fraktion!) Das spricht nicht für Ihre Fraktion. (Erneutes Lachen bei den Komm.)
Vor Eintritt in die Tagesordnung wurden mehrere Anträge für die Beratung in der nächsten Plenumssitzung besprochen, worauf sich das Haus der Wahl des Präsidenten zuwandte.
Zunächst kam es noch zu einer
Kontroverse zwischen Nationalsozialisten und Sozialdemokraten.
In einer kurzen Erklärung des Abg. L 0 h f e (Nat.-Soz.) wurde der nationalsozialistische Abg. Kerrl als Präsidentschaftskandidat dem Hause präsentiert. Von dem Verhalten der übrigen Fraktionen bei der Wahl des Präsidenten würden sie ihr Verhalten bei der Wahl des Vizepräsidenten ab- hängig machen.
Der Abg. Hetlmann (Soz.) gab eine Erklärung im Sinne derjenigen im Aeltestenrat ab, in der hervorge- hoben wurde, daß die Nationalsozialisten im vorigen Landtag den Anspruch der stärksten Fraktion auf das Amt des Präsidenten nicht anerkannt hätten. Man fei auch keineswegs sicher, ob die Gegenseitigkeit wirklich gesichert sei. Die Nationalsozialisten wollten das Parlament nicht erhalten, sondern es herabwürdigen und zerstören.
anderes Bild
Abg. Kube (Nat.-Soz.) erwiderte: Die Sozialdemokratie müsse sich daran gewöhnen, daß der neue Landtag auf Grund der politischen Willensbildung der Nation ein zeige als der bisherige. Die Sozialdemokratie Partei, die das Wort „Objektivität" in bezug > Parlamentspräsidenten in den Mund zeige das unerhörte Verhalten Lobes
sei die letzte Partei, auf die Wahl eines l, nehmen dürfe. Das zeige das unerhörte Verhalten Lobes im Reichstag, der nur parteipolitisch handele. (Lebh. Beifall
d d. Nat.-Soz.).
Abg. Heilmann (So stündlich, daß hinter jedem stünden und daß der Landt<
führte aus, es sei selbstver- bgeordneten 50 000 Wähler ftünbenunb "daß der Landtag durch Mehrheit seinen Präsidenten wähle. Der Willensausdruck der Wählerschaft hätte nicht gehindert, daß mit den Stimmen des Zentrums, der Sozialdemokratie und der Kommunisten Wittmaack gewählt ^orben wäre. Seine Wahl sei nicht unmöglich durch den Willen der Wähler, sie sei unmöglich dadurch, daß das Zentrum sich entschlossen habe, für den Nationalsozialisten Kerrl zu stimmen, und daß die Kommunisten erklären, sie würden unter keinen Umständen ihre Stimme für Wittmaack ab
das Zen-
geben.
2« folgte dann die
Wahl des Landtugsprölidenten
Die Wahl wurde durch Stimmzettel bei alphabetischem Aufruf der Abgeordneten vorgenommen. Da jeder einzelne " sruf seines Namens an die Wahl- das Wahlverfahren längere Zeit
Abgeordnete nach urne treten muß, in Anspruch.
i dem Au
>, nahm
Beim Aufruf des Namens des Prinzen August Wil- Helm von Preußen erheben sich lärmende Zurufe bei den Kommunisten.
Nach beendigter Kartenabgabe stellen die Beisitzer das Ergebnis fest:
Es wurden 416 Stimmzettel abgegeben. Unbeschrieben waren sechs Stimmzettel, ungültig war einer. Von den übrigen gültigen 409 Stimmzetteln beträgt die Mehrheit 2ö5. Es haben erhalten: der Abg. 6 errl 262 Stimmen (Stürmische Bravorufe bei den Nat.-Soz.), der Abg. Will- maack (Soz.) 92 Stimmen und der Abg. Kasper (Komm.) 55 Stimmen.
.Der Abg. Kerrl (Nat.-Soz.) ist also zum Präsidenten gewählt, er nahm die Wahl an.
Der Alterspräsident übergab dann dem Präsidenten Kerrl das Präsidium.
Präsident Kerrl: Ich danke zunächst unserem verehrten Alterspräsidenten für die große Mühewaltung, der er sich bei der vorläufigen Führung der Geschäfte trotz seines hohen Alters unterzogen hat. Ich übernehme hiermit das Amt des Präsidenten des Hauses, zu dem Sie mich mit absoluter Mehrheit gewählt haben, nachdem zuvor in einzigartiger Erhebung das preußische Volk durch seine Willenskundgebung vom 24. April die Sechs-Männer-Gruppe des bisherigen Landtags. . . (Stürmische Unterbrechungen links und Rufe: Die erste Provokation!) zur stärksten praftion nicht nur dieses Hauses gemacht hatte, sondern zur stärksten, die es überhaupt jemals hier gegeben hat. Ich werde mein Amt den Bestimmungen der Geschäftsordnung entsprechend und wie es sich für einen Nationalsozialisten von selbst gehört, unparteiisch verwalten. (Lachen bei den Kommunisten). Die Kommunisten, so erklärte der Präsident dann noch, haben gestern und heute schon genügend Gelegenheit gehabt, uns von der Güte Ihres Stimmate- rials zu überzeugen. Es liegt in Ihrem Interesse, uns auch davon zu überzeugen, daß zu dem Stimmaterial auch der notwendige Verstand da ist. (Beifall rechts und stürmisch/ Rufe bei den Koxin. ........
• -^ Pieck (Komm.)
zur Ordnung. Als der Lärm der Kommunisten andauert, rief der Präsident: Zwingen Sie mich nicht zu schärferen Maßnahmen.
Das Haus schritt dann zur W ahl der drei Vizepräsidenten, die wieder durch verdeckte Stimmzettel erfolgte.
Es wurden gewählt: zum 1. Vizepräsidenten Abg. Witt- maack (Soz.) mit 167 von 253 abgegebenen Stimmen.
Zum 2. Vizepräsidenten der Abg. Baumhoff (Zentr.) mit 354 von 410 abgegebenen Stimmen.
Zum 3. Vizepräsidenten der Abg. Dr. von Kries (Dnat. mit 254 von 306 abgegebenen Stimmen.
Bei der Wahl des ersten Vizepräsidenten enthielten sich die Nationalsozialisten, bei der Wahl des Präsidenten und des dritten Vizepräsidenten die Sozialdemokraten der Abstimmung.
Die Wahl der Beisitzer erfolgte durch Zuruf und zwar wurden 5 Nationalsozialisten, drei Sozialdemokraten, 2 Zentrumsabgeordnete und je ein Deutschnationaler und Kommunist gewählt.
Auf Antrag des Vizepräsidenten Baumhoff wurde ein nationalsozialistischer Antrag auf Einsetzung eines Ausschusses zur
Vorbereitung der neuen Geschästsordnung der Ausschußberatung überwiesen.
Ziemlich erregt wurde es, als der nationalsozialistische Abg Dr. Freister zur Geschäftsordnung das Wort nahm und es als vordringlichste Aufgabe des Landtages bezeichnete. Preußen zu einem Rechtsstaat zurückzuführen. Weiteste Kreise der Bevölkerung zweifelten an der Objektivität der gegenwärtigen Rechtspflege, was durch die Tatsache bewiesen würde, daß Tausende von Männern, die bereit seien, ihr Bestes für das Vaterland herzugeben, in den Gefängnissen säßen.
Zum Saale hinausgeprägelt
während einer Polemik des Abg. pieck (komm.) ruft dieser den Nationalsozialisten zu: 3n Zhren Reihen sitzt eine ungeheure Zahl von Mördern!
Darauf erhebt sich bei den Nationalsozialisten unge- ^urer Lärm. Nationalsozialistische Abgeordnete drängten nach vorn. Die Kommunisten stürmten auf die Rednertribüne und umgaben schützend ihren Redner. Als der Abg. Hinkler (Nat.-Soz.) die Treppe zur Rednertribüne betrat, wurde er von einem kommunistischen Abgeordneten ins Ge- sicht geschlagen. 3m gleichen Augenblick flog ein Tintenfaß in die nationalsozialistischen Reihen. Hierauf entstand eine allgemeine, wüste Schlägerei zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten, Stühle, Tischkästen wurden als Waffen benutzt. Die Lampen des Stenographentisches wurden zertrümmert. 3m Verlauf der Schlägerei wurden die Kommunisten von den Nationalsozialisten aus dem Saal getrieben. Einige Abgeordnete wurden schwer verletzt; einer von ihnen wurde von fünf Abgeordneten aus dem Saale getragen.
Die nationalsozialistischen Abgeordneten fingen das bekannte Lied: „SA. marschiert." Die übrigen Abgeordneten verlassen den Saal.
Vizepräsident Baumhoff hatte während der Schlägerei seinen Platz verlassen und damit die Sitzung geschlossen.
Vorspiel im Aeltestenrat
In der Sitzung des Aeltestenrats, die die Wahl des Landtagspräsidenten vorbereitete, erklärte der Führer der nationalsozialistischen Fraktion Abg. Kube, seine Fraktion würde bei den Präsidentenwahlen im Plenum nach der Stärke der Fraktionen wählen und beanspruche daher für ihren Kandidaten, den Abg. Kerrl, den Posten des Landtagspräsidenten.
Der stellvertretende Vorsitzende der Zentrumsfraktion Abg. 5 te g e r führte aus, das Zentrum würde ebenfalls sich bei den Präsidentenwahlen nach der Stärke der Araktionen richten und also für den Abg. Kerrl (NS.) als Landtagspräsidenlen und für die anderen vom Vorredner genannten Kandidaten stammen.
Abg. H e i l m a ii n (Soz.) forderte zunächst eine Klärung der Frage, ob, die Nationalsozialisten die jetzige Geschäftsordnung als für sie rechtsverbindlich anerkennen. Da die Nationalsozialisten im alten Landtag weder für den sozialdemokratischen Präsidenten Vartels'noch für Witt- maack gestimmt hätten, seien sie nicht in der Lage für den nationalsozialistischen Präsidenten zu stimmen. Die Stellung des Landtagspräsidenten sei außerdem eine politische Machtstellung, da ein Teil der Rechte des in Preußen nicht, vorhandenen Staatspräsidenten auf ihn übertragen sei. Auch aus diesem Grunde könnten die Sozialdemokraten, getreu ihrer Tendenz, den Nationalsozialisten den Zugang zur Staatsmacht nach Möglichkeit zu verwehten, für den nationalsozialistischen Präsidentschaftskandidaten nicht stimmen.
Abg. Sieger (Ztr.) erwiderte, daß die Anerkennung der Geschäftsordnung durch den Präsidenten dem Zentrum als Selbstverständlichkeit erl^e'me. Er wies die Sozialde- iffiki-gr^'^^ --"- “***'
WM Das Zentrum wolle den Versuch der Zusammenarbeit
machen, denke aber nicht daran, eine Blankovollmacht zu geben. Abg. kube (Nat.-Soz.) betonte, es fei für feine Araktion selbstverständlich, daß der Präsident nach der gültigen Geschäftsordnung zu amtieren habe.
Kabinett Braun bis auf weiteres
NSDAP. soll auf Ministerpräsidentschaft und Innenministerium verzichten.
Bei den politischen Besprechungen über Preußen war in der letzten Zeit wiederholt erklärt worden, Ministerpräsident Braun habe nicht die Absicht, als geschäftsführender Regierungschef weiter zu amtieren. Er soll vielmehr die Absicht gehabt haben, bereits am Mittwoch seine Amtstätigkeit einzustellen. Die übrigen sozialdemokratischen Minister in der Preußenregierung, Grimme und Severing, wären dann voraussichtlich diesem Beispiel gefolgt, obwohl Severing von Anfang an anderer Ansicht gewesen sein soll. Inzwischen hatten jedoch die maßgebenden Parteiinstanzen der SPD beschlossen, jede Handlung, auch eine negative, zu unterlassen, die geeignet wäre, den Nationalsozialisten, die sie als „Staatsfeinde" ansehen, zur Macht zu verhelfen.
Braun werde sich, so heißt es in einer parlamentarischen Information des Nachrichtenbüros des Vereins Deutscher Zeitungsverleger, der Parteidisziplin fügen und infolge des erwähnten Beschlusses die geschäftsführende Leitung des Kabinetts weiterhin ausführen. Weiter betont man in parlamentarischen Kreisen, daß vermutlich der plenarsitzungsfreie Donnerstag der Aronleichnamskag, zu Besprechungen zwischen Nationalsozialisten und Zentrum über die Regierungsbildung benutzt werde. Man sagt, daß das Zentrum wie in Württemberg so auch in Preußen nicht gewillt sein dürfte, den Nationalsozialisten die bedeutendsten staatlichen Machtmittel, vor allem die Polizei, in die Hand zu geben. Daraus ergebe sich, daß die Regierungsverhandlungen zwischen Nationalsozialisten und Zentrum nur dann Aussicht auf Erfolg haben könnten, wenn die Nationalsozialisten dem Zentrum die Position des Ministerpräsidenten und des Innenministers zugestehen würden. Ob es zu einer solchen Vereinbarung kommt, fei abzuwarten.
Komme eine Einigung zustande, dann dürfte die endgültige Entscheidung im Herbst fallen.
Hitlers Glaube
Oldenburg, 26. Mai. Adolf Hitler sprach in dem olden- buraischen Städtchen Rodenkirchen vor einer Massenversammlung Er kritisierte scharf die bestehenden Verhältnisse und stellte fest, daß das System restlos versagt habe. Aber auch das alte Deutschland habe zum Teil Schuld daran. Hitler erklärte, heute beständen zwei Richtungen in unserem Volke: Nationalsozialismus und Sozialismus. Der Nationalsozialismus, wie er in den bisherigen Parteien zu finden gewesen sei, sei eine schlecht« Ausdeutung der Idee gewesen. Daher habe er, Hitler, beide Ideen verschmolzen und sei zu der Erkenntnis gekommen, daß reiner Nationalsozialismus nichts anderes als ein veredelter Sozialismus und Sozialismus nichts als guter Nationalsozialismus fein könne. Beiden schwebe die Hingabe an das ganze Volk vor. Heute seien es 13 Millionen und aus ihnM werde, das sei sein unerschütterlicher Glaube, das deutsche Volk werden, das sich zum Nationalsozialismus bekenne. Das deutsche Volk beginne den großen Fluch von 1918 auszulofchesst ^