Einzelbild herunterladen
 
  

Hersfelöer Tageblatt

X^k'^i'?^^^ mm K V& f XX Monatlich« Bezugspreis - Durch die Post bezogen

^^'f^C Reklamezelle (90 mm breit) 50 Pfg |46t*ct|^|A^ E^^AiAHl AfT 1.35 Reichs-Mark, ausschließlich Bestellgeld, für (Grumichrift Korpus). Ber Wiederholungen wird V V 1Hersfelb 1.10 Reichs-Mark bei freier Zustellung, für

entsprechender Preis-Nachlaß gewahrt. Für die Abholer 1.00 Reichs-Mcuk. J

Fernsprech« ^^' "öe " b Amtlicher Anzeiger Mr den Kreis HersfelöDruef und ^^^^^^^SuE^uchbruckerei

Nr. 115

Donnerstag, den 19. Mai 1932

82. Jahrgang

Frankreich gegen deutsch rumän. Zollabkommen

Deutschland erhebt in Bukarest Vorstellungen Rumönien verschiebt aus Verlangen Frankreichs die Inkraftsetzung der Verzugszölle

Volksdeutsche Pfingsten

Eine Rückschau auf die Elbinger Tagung des VDA.

Zwei große Gedanken standen über der Elbinger Pfingst- tagung des VDA.: Die gesamtdeutsche Idee, die diesen Verband aller Deutschen trägt und das tragische Problem des deutschen Ostens, das von der Politik eine Lösung for­dert. Die Tagung ist ein voller Erfolg geworden. Ueber 7000 Menschen waren in der alten Ritter- und Hansestadt zusammengekommen. Und diese 7000 Menschen verkörper­ten in sich, was wir Deutschen sind und doch immer noch nicht ganz sind: Die deutsche Nation drinnen und draußen! Auch in Elbing ist der gesamtdeutsche Volksgedanke wieder lebendig geworden in pfingstlichen Maientagen, überleuchtet von warmem milden Sonnenglanz. Am Elbing-Fluß über Hass und Nehrung hin wehten die zahllosen blauen Wimpel mit ihrem bunten Bänderschmuck, getragen von einer Jugend neuen Geistes, die nichts wissen will von den Trennungs- wänden der Staatsgrenzen, der Parteien und Konfessionen, lobald esumdasVolkstumfelbstgeht. In Elbing hat man den Sinn dieser Veranstaltung begriffen. Es ist wirklich hier Volk im Werden. Aus tragischer Zersplitte­rung und Unterdrückungsnot wirkt es heraus wie eins Wende deutschen Schicksals. Anfänge zwar noch, in der tat- llichlichen Durchdringung des ganzen Menschen auf Tausende beschränkt, aber doch dazu bestimmt, einst vielleicht Millio­nen zu einen.

Daß dieser Geist der Volksdeutschen Gemeinschaft und der volklichen Verbundenheit gerade im zerfurchten, zerschnit­tenen Ost-Land eine Quelle der Kraft werden muß, hat sich in Elbing wieder gezeigt. Die vom Reich durch eine wider­natürliche Grenze abgetrennte Weichselmark hat gefühlt, daß hier eine Bewegung sich gezeigt hat, die jenes Gefühl der Einsamkeit und Verbitterung beseitigen kann, das die Ost- öettich-elr so gumr. 7000 oeutfche Menschen aus allen Gauen Deutschlands, aus fast allen Außengebieten haben mit eige­nen Augen den entsetzlichen Widersinn der neuen Grenz- führung gesehen, mit eigenen Ohren die Erzählung der Nöte und Leiden des deutschen Ostens gehört. 7000 deutsche Menschen standen vor der Marienburg, vor dem hochragen­den Ordensschloß in Marienwerder, vor dem Weichselkreuz an der Dreiländerecke, vor dem aufreizenden Grenzstein, der das Wort Versailles in eingemeißelter Schrift zeigt. 7000 deutsche Menschen fuhren über das blitzende Haff, wander­ten über die Nehrung, standen vor dem Tannenbergmal, fuh­ren über die Masurenseen, sahen das Abstimmungsdenkma! in Marienburg und standen an der neuen Gewaltgrenze des Memellandes. Das ist ein Ereignis, das rein zahlenmäßig nicht gewertet werden kann.

Die Veranstaltungsfolge stand im Zeichen der straff die Zügel haltenden sicheren Hand des neuen Vorsitzenden, des früheren Reichswehrministers Dr. Gehler. Sein Wort und Wille meisterte das Geschehen, so daß Veranstaltung und Veranstaltung hintereinander, nebeneinander sich entfaltete, die der inneren Arbeit gewidmeten Sitzungen, die stim- mungsstarken Kundgebungen. Ein« Frauentagung zeigte die Besonderheit der Frauenarbeit, die besonders starke Er­folge aufweisen kann. In der Hauptversammlung sprach der estländische Abgeordnete Dr. Hasselblatt über die Lage der deutschen Volksgruppen in Europa, ein anderer Redner über den Korridor als europäisches Problem. Die Studen­tentagung befaßte sich mit der für den Osten entscheidend wichtigen Siedlungsfrage, mit dem Minderheitenrecht. Von den Berufstagungen war di« Bauerntagung besonders stark besucht. Hervorragende Kenner berichteten über die Ost­siedlung, über die erzieherischen Forderungen der Bekämp­fung der Agrarkrise. Die Arbeitertagung zeigte wieder nicht nur die Möglichkeit, sondern die Notwendigkeit, den deut­schen Arbeiter an den Volkstumsgedanken heranzuführen und ihn zur Mitarbeit zu bringen.

Eindrucksstark waren die von der Jugend getragenen Kundgebungen, eine Vannerweihe, bei der die Geistlichen beider Konfessionen und der österreichische Bundesratsvize- präfident Dr. Hugelmann sprachen. Ein Fackelzug und ein an bunter Vielgestaltigkeit sowie an Ausdehnung reicher Festzuz brachten der Stadt und der Umgegend die Mission der Volks­idee nahe. Iugendvorträge, Sportwettkämpfe, eine Singe- stunde, Gottesdienste fügten sich an und ein. Die Stimme des deutschen Ostens sprach in einem Festakt, in dessen Rah­men der Oberpräsident Ostpreußens Dr. Siehr für den reichs- deutschen Osten, Senator Strunk, Danzig, für die abge­trennten Grenzgebiet«, der Abgeordnete Roth, Hermann­stadt, für die weiterliegenden ostdeutschen Siedlungsgebiete das Wort ergriffen, das von den Funkwellen in den Aether getragen wurde. Den Zusammenschluß des Ostpreußischen Schulvereins mit dem großen VDA. brächte auch in Königs­berg noch eine Sonderkundgebung zum Ausdruck. Eine Ab- stimmungskundgebung an der Marienburg, ein Jugendtref­fen in der deutschen Freistadt Danzig beschlossen das volks- deuffche Pfingstfest an der Weichsel.

... Die Züge rollen heimwärts durch den unseligen Korridor, Sonderschiffe tragen begeisterte Jugend zurück über das Baltische Meer. Und' ringsum, wo deutsche Menschen wohnen, tragen deutsche Zeitungen den Pulsschlag des deut­schen Volksherzens weiter, das in Elbing, im deutschen Ost- land« schlug. Friedrich Lan B a d « n d i e ck.

Kanzler-Arricht über Gens

Berlin, 19. Mai.

In der nächsten Woche beginnt in den Ausschüssen des Reichstages die Arbeit wieder. Als erster sitzt der Haushalts- ausschuß am Montagnachmittag. Er beschäftigt sich zunächst mit den Anträgen der Oppositionsparteien, die die Außer­kraftsetzung aller oder einzelner Notverordnungen verlan­gen. Dann folgen Anträge, die eine Aenderung von Notver­ordnungen vorsehen. Wann der Ausschuß mit der Beratung des neuen Haushaltsplans beginnen kann, steht noch dahin, da der Etat bekanntlich noch nicht im Reichskabinett verab­schiedet ist.

Für Dienstag, den 24. Mai, vormittags 11 Uhr, ist nun­mehr auch der Auswärtige Ausschuh von seinem Vorsitzen­den, Abg. Dr. Frick (Ral.-Soz.), einberufen worden. Aus der Tagesordnung steht «Bericht des Reichskanzlers und Reichsaußenministers über die Genfer Verhandlungen, Tri­bute, ausländische Schulden, Abrüstung, Memelland, Danzig".

Am Mittwoch wird u. a. auch der Handelspolitische Aus­schuß wieder zusammentreten, auf dessen Tagesordnung eine Aussprache über die handelspolitische Lage steht.

Giftgas als Kriegsmittel

Genf, 19. Mai.

Zum ersten Male trat am Mittwoch in Genf ein Son­derausschuß zusammen, um die Frage der chemisch-bakterio- logischen Kriegsmittel zu prüfen. Da in den bisherigen Be­sprechungen der Abrüstungskonferenz eindeutig der Wille zum Ausdruck kam, die Anwendung solcher Kriegsmittel künftig M verbletem beiäüoL der AusiLuß. von eurer all­gemeinen Aussprache abzusehen und sofort in die Einzel­beratung darüber einzutreten, welche Kriegsmittel dieser Art im einzelnen unter das Verbot fallen sollen. Bis Freitag sollen die einzelnen Delegationen ihre Vorschläge einreichen.

Die übrigen zahlreichen Ausschüsse der Abrüstungskon­ferenz beschäftigen sich gegenwärtig noch immer mit der Frage der Begriffsbestimmung der Angriffswaffen. Diese Verhandlungen sind bisher wenig erfolgreich verlaufen, da auf französischer Seite gerade die schweren Angriffswaffen als Verteidigungsmittel hingestellt werden und damit der englisch-amerikanische Besuch, zu einem allgemeinen Ver­bot der Angriffswaffen zu gelangen, planmäßig sabotiert wird.

RumSnien unter Pariser Eiaslab

Keine Inkraftsetzung des deutsch-rumänischen Vorzugszoll­abkommen«.

Bukarest, 19. Mai.

Der hiesige deutsche Gesandte sprach am Mittwoch früh beim Ministerpräsidenten 3orga und dem neuen Handels­minister Tasca vor, um sich-über den Stand der Präferen- tialangelegenheit zu unterrichten. Es wurde ihm mitgeleill. daß an eine Inkraftsetzung des Vertrages zur Zeit nicht zu denken sei. Diese Hinauszögerung ist wahrscheinlich auf den Einfluß des am Dienstag aus Belgrad zurückgekehrten Außenministers Ghika zurückzuführen. Wie verlautet, wird die Regierung erst das Ergebnis der französischen Kabinetts bildung abwarten, ehe sie sich endgültig entscheidet.

Die Abhängigkeit der Bukarester Regierung von Paris wird auch durch die Tatsache unterstrichen, daß sich zur Zeit mehrere Vertreter Rumäniens in Frankreich befinden, um mit den voraussichtlich einflußreichen Mitgliedern der zu­künftigen Mehrheit bzw. Regierung Fühlung zu nehmen. Es handelt sich dabei in erster Linie um die Möglichkeit des rumänischen Getreideabsatzes in Frankreich. In französi­schen wirtschaftlichen Kreffen halte man den Rumänen jedoch u. a. entgegen, daß es soeben einen Handelsvertrag mit Deutschland abgeschlossen habe, der für Deutschland sehr vor­teilhaft sei. Unter dem Druck dieser französischen Wirt­schaftskreise, die dabei in vollem Einverständnis mit Tar- dieu handeln, dürfte die Verschiebung der Inkraftsetzung des deutsch-rumänischen Zollabkommens erfolgt sein.

Memel-Gouverneur noch nicht ernannt

Kowno. Die Ernennung des neuen Gouverneurs für das Memelgebiet verzögert sich abermals, da seine Stellung zur Kownoer Regierung einer Neuregelung unterzogen wer- den soll. Der neue Gouverneur wird in jeder Hinsicht Kowno unterworfen sein und nicht-erst den Rang eines Ministers und Kabinettsmitgliedes erhalten. Die Kandidatur Gylis scheint wieder in den Hintergrund getreten zu sein. Von zuständiger Stelle wird erklärt, daß die Ernennung des neuen Gouverneurs noch in dieser Woche erfolgen werde.

Kein Schwachbier in Amerika

Washington. Der Senat lehnte einen Antrag ab, wo­nach die Herstellung und der Verkauf eines Bieres mit einem Alkoholgehalt von Prozent erlaubt werden sollte.

Arbeitsbeschaffung im Reichskabinett

Berlin. Am Dienstag hat sich das Reichskabinett vor allem mit der Frage der Arbeitsbeschaffung befaßt. Dabei ist die finanzielle Seite des Problems im großen und ganzen geklärt worden.

Im Anschluß an die Kabinettssitzung empfing der Reichskanzler im Beisein der zuständigen Ressortminister Vertreter der Gewerkschaften zu einer längeren Aussprache.

Um Österreichs Regierungsbildung

Reue Schwierigkeiten Dr. Dollfuß'.

Wien. Am Dienstag haben Verhandlungen zwischen Dr. Dollfuß, der als Bundeskanzler in Aussicht genommen ist, und den Vertretern der Großdeutschen Volkspartei statt- gefunden. Nach 20 Uhr erschien der Obmann der Groß­deutschen Partei bei Dr. Dollfuß und teilte ihm mit, daß seine Partei, da chr das Regierungsprogramm ungenügend er­scheine, nicht in der Lage sei, in die Regierung einzutreten.

Bundespräsident M i k l a s hat Dr. Dollfuß gebeten, seine Bemühungen um die Regierungsbildung fortzusetzen. Der designierte Bundeskanzler wird versuchen, ein Kabinett zu bilden, das sich sowohl aus Parlamentariern als auch aus Beamten zusammensetzt.

Mahnung an alle"

Eine neue Enzyklika des Papstes.

Rom, 19. Mai.

Das neue Rundschreiben des Papstes über die gegen­wärtigen Nöte der Menschen, ist Mittwoch abend durch Ra- dio von der Vatikanstadt aus, in verschiedenen Sprachen auszugsweise verbreitet worden. In dem Rundschreiben heißt es «. a.:

Der Heilige Vater erhebt aufs neue feine Stimme, um alle zu mahnen, sich zu vereinen und sich mit aller Kraft den Uebeln, die die ganze Menschheit drücken und dem noch schlimmeren, die sie bedrohen, entgegenzustellen". Der Papst fragt nach der Wurzel der Wirrnis und findet sie in der Gier nach irdischen Gütern. Unterdessen machen sich, so sagt der Papst, die Umsturzparteien das allgemein« Elend zunutze und entrollen immer schamloser die Banner der Gottlosigkeit und des Hasses gegen jegliche Religion. Früher waren die Gottlosen vereinzelt in der großen Menge, heute dagegen bilden sie in verschiedenen Ländern ein festgeschlossenes und wohlgegliedertes Heer.

Der Papst beschwört alle Völker der Erde, abzulassen von der niedrigen Selbstsucht und alle Kräfte in einer ein­zigen Front zu vereinen. In diesem Kampfe für die Re- * ligion und den sozialen Frieden müsse man alle erlaubten menschlichen Mittel gebrauchen.

Mißbrauchte Gastfreundschaft

Entziehung der Unterrichtserlaubnis für polnische Lehrer.

Bütow, 19. Mai.

Der Regierungspräsident in Köslin hat drei im Kreise Bütow ansässigen Lehrern an polnischen Minderheitsschulen die Unterrichtserlaubnis entzogen, weil sie ihr Gastrecht in Deutschland nicht so aufgefaßt haben, wie es den für einen Gast notwendigen Gepflogenheiten entspricht. Es handelt sich um die peinigen Lehrer Labon in Rudolfwalde (früher Oslawdamerow), Ledochowski in Platenhein und G a - b r u ch in Gröbenzin.

Da mit dem Fortfall der Unterrichtserlaubnis zugleich der Grund für den Aufenthalt der drei polnischen Lehrer in Deutschland hinfällig ist, hat der Landrat des Kreises Bütow den drei Herren die Aufenthaltserlaubnis entzogen. Darauf­hin haben sie, wie erst jetzt bekannt wird, noch vor dem Pfingstfest Deutschland verlassen und sind nach Polen zurück­gekehrt.

Der Fall Pleb vor dem Haag

Genf, 19. Mai.

Der Völkerbundsrat hat in seiner Mittwoch-Sitzung davon kentnis genommen, daß die deuffche Regierung wegen der klage des Fürsten pleß sich an den Haager Gerichtshof gewandt hat.

Der Fall des Fürsten Pleß, der als Führer der deutschen Minderheit in Ostoberschlesien seit Jahren von den polni­schen Behörden auf alle mögliche Art, insbesondere durch völlig unberechtigte Steuerford«rungen, wirtschaftlich geschä­digt wird, hat den VölSerbundsrat schon wiederholt beschäf­tigt. Die polnische Regierung hat sich einer gütlichen Rege­lung dieser Angelegenheit bisher stets entzogen, so daß der deutschen Regierung nichts übrigolieb, als nunmehr Polen wegen Verletzung des Minderheitenvertrages vor dem Haager Gerichtshof zu verklagen. Die Frage ist von grund­sätzlicher Bedeutung, da es sich hier nicht, wie fälschlicher­weise von Polen behauptet wird, um eine private Steuer- angelegenheit des Fürsten Pl«ß handelt, sondern um eine Frage des Minderheitenschutz^.