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Hersfelöer Tageblatt

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Reisfelder Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hsrsfelü

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Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei in tzersfeld, Mitglied des BDJV.

Nr. 112 «Erstes glatt) Sonnabend, den J4. Mai 1932

82. Jahrgang

Sorgenvolle Pfingsttage

Der Konflikt um Croener Die Haltung der Regierung Nachwehen der Zwischenfälle im Reichstag

Deutsche Wussten

Wir alle stehen an diesem Pfingsten des für unser Volk so schicksalschweren Jahres noch unter dem Eindruck der Er­eignisse in den vergangenen Wochen. Die hohe Beteiligung aller Volksschichten an den verflossenen Wahlen hat gezeigt, ein wie reges Interesse heute jeder einzelne an den Geschicken unserer Nation nimmt. Wenn dadurch auch zweifellos die politischen Leidenschaften bis zur Siedehitze getrieben wur­den, was nicht selten sogar in entsetzlichen Bluttaten seinen Niederschlag fand, so bezeugt doch diese Tatsache, daß die Einsicht Allgemeingut geworden ist, daß das Schicksal des Vaterlandes zugleich auch das Schicksal des einzelnen ist, mit dem er auf das engste verbunden ist und Wiederaufstieg oder Untergang zu teilen hat. Durch den schweren Winter haben wir uns unter Aufbietung aller Kräfte und unter höchster Anforderung an die Opferbereitschaft aller, die noch etwas zu opfern haben, mit Gottes Hilfe hindurchgebracht. Doch auch das Frühjahr hat uns kaum eine merkliche Erleich­terung herbeigeführt, und nach wie vor liegt unsere Wirt­schaft im Argen, und besteht die ungeheure Zahl derer, die in den besten Jahren ohne Arbeit kümmerlich ihr Leben fristen. Draußen an den Stätten der großen Politik ringen unsere Staatsmänner um die Lösung der beiden für uns lebenswichtigsten Fragen, Abrüstung und Reparationen; in der Heimat aber herrscht unablässig Haß und Zwietracht. Der Ruf nach Einigkeit, auf allen Seiten erhoben, ist unge- hört verhallt, und, wenn wir ehrlich sind, werden wir zugeben müssen, daß sich diese Einigkeit auch in absehbarer Zeit nicht wird herstellen lassen. Denn die Gegensätze, die sich in unse­rem Volke so unheilvoll auswirken, sind nun einmal nicht nur innen- oder wirtschaftspolitischer Natur, sondern sie liegen in dem Unterschied der Weltan^zuungLnbegründet

r begrüßen, daß sich ge- -eden klare Fronten ge­

mäß den weltanschaulichen Unterschtz" " ~

bildet haben, die nunmehr wohl den Kampf um politische Entscheidung werden antreten müssen.

um die inner­

Die Ergebnisse der letzten Wochen haben noch eine an­dere bedeutsame Tatsache gezeitigt, an der niemand wird vorübergehen können; die Tatsache nämlich, daß sich immer drängender in den weitesten Kreisen unseres Volkes ein ent­schiedener nationaler Widerstandswille erhebt, der laut und gebieterisch die Lebensrechte eines freien Volkes fordert Ob die Bewegung, in der dieser Wille sich zu verwirklichen strebt, dazu geeignet ist, das ist eine Frage rein parteipoli­tischer Art und soll hier nicht erörtert werden; aber das Vor­handensein solcher Kräfte überhaupt kann nur jeden mit dank, barer Freude erfüllen, der aus göttlicher Berufung heraus sein Vaterland liebt und ihm in hingebender Treue dient. Das Erstarken dieser Kräfte wird auch den Teil des Aus­landes aufhorchen lasten, dessen außenpolitisches Programm auch heute noch darauf beruht, uns, ein Volk von fechszig Millionen, uns, das Volk der Dichter und Denker, aber auch das Volk der Technik und der Industrie für alle Zeiten in Knechtschaft am Boden zu halten.

Zu diesem Zeitpunkt feiern wir nun Pfingsten in deut­schen Landen. Diese Feier darf nicht nur in der Erinnerung bestehen an jenes große Ereignis, da der Geist Gottes, der heilige Geist, Besitz ergriff von den Jüngern des Herrn, da sie ihre gewaltige Aufgabe begannen, das Evangelium von Jesus Christus in die Welt hinauszutragen, und die erste christliche Gemeinde gegründet wurde. Pfingsten will uns darauf hinweifen, daß dieser Geist, der damals die ersten Christen beseelte, der sich die ganze Welt erobert hat. auch heute noch vorhanden ist und in unserer Zeit mitten unter

UNS lebt und wirkt. Zwar können wir ihn nicht mit Augen sehen, mit Händen fassen; denn Geist ist seinem Wesen nach etwas nicht Greifbares, Sichtbares, er bedarf, um überhaupt Eingang in unsere Vorstellungswelt zu finden, immer der Materie, durch die er wirkt und sich offenbart. Die Materie nun, deren sich der Geist bemächtigt, ist der Mensch, Darin beruht die Größe des Menschen, das erhebt ihn über alle anderen Schöpfungen Gottes in der Natur hinaus, daß er Träger des Geistes ist. Zugleich erwachsen ihm hieraus aber auch eine ungeheure Verantwortung und die Quelle all seiner Leiden. In die freie Wahl des Menschen ist es gestellt, welchen Geist er in sich aufnehmen will, den Geist des Guten oder des Bösen, des Wahren oder des Falschen, den Geist Got­tes oder den des Unglaubens. Jeden Geist aber müssen wir vorerst begreifen, gedanklich erfassen, ehe er von uns Besitz ergreift, unser Ich gestaltet und unser Dasein und unsere Lebensführung formt. Das ist die große Tragödie in der Menschheitsgefchichte, daß der Mensch, mit Schuld beladen,

Lebensführung formt. Das ist die große Tragödie in der Menschheitsgeschichte, daß der Mensch, mit Schuld beladen, nickt mehr den Geist Gottes verstand und sich darum immer mehr von Gott entfernte. Darin liegt auch der tiefste Sinn der Sendung Jesu Christi, daß er durch seinen Opfertod menschliche Schuld tilgte und dadurch der Mensch wieder die Fähigkeit erwarb, sich Gott zu nähern, seinen Geist zu begrei­fen und in sich aufzunehmen. Zwei Bedingungen sind frei­lich unerläßlich, um zu diesem Ziel zu gelangen, die göttliche Gnade und der unerschütterliche Glaube des Menschen an diese Gnade. Das Leben des wahren Christen gipfelt in dem Gebet um die Gnade, Gottes Geistes, des heiligen Geistes teilhaftig zu werden und sich diesen Geist zu erhalten.

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Was für den einzelnen gilt, bezieht sich auch selben Maße für unser Volk. Auch durch unser V schallt mahnend die Stimme des

in dem- ich durch unser Vaterland Propheten:Land, Land höre des Herrn Wort!" Keine nationale Wiedergeburt ist möglich ohne die innere Wiedergeburt des deutschen Volkes, der deutschen Seele in Gott. Wir müssen wieder zu­rückfinden zu den Wurzeln unserer Kraft, die in den beiden Grundbegriffen Gott und Vaterland verankert lies sich deutsche Ehre, Wahrheit, Lauterkeit und unenL...,. .... zu Volk und Vaterland sich beseelen lassen von dem heilige Geist Gottes, dann hat schon zu allen Zeiten in der G schichte die deutsche Nation sich aus dem Staube der Ernie­drigung zu neuer kraftvoller Größe erhoben. Diese Vor­aussetzung kann nicht allein durch das Zutun einzelner Män­ner oder Parteien erreicht werden, daran muß das ganze Volk in allen feinen Schichten und Berufen arbeiten, jeder an seinem Platze.

gen. Wenn dliche Liebe

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Möge dem Pfingsten, das wir heute begehen, einst ein anderes Pfingsten folgen, an dem ein einiges deutsches Volk seine Hände im Gebet gen Himmel erhebt:Komm heiliger Geist, kehr' bei uns ein!"

Die Folgen der Borgönge im Reichstag klage beim Staatsgerichtshof. Keine vorzeitige Einbe­rufung des Reichstags.

Berlin, 14. Mai.

In der Aeltestenratsfitzung am Donnerstagabend spielte auch das vor kurzem ergangen« Urteil des Staatsgerichts­hofes eine Rolle, durch das der Minderheit des Preußischen Landtags das Recht zugesprochen worden ist, die Einberu­fung des Landtags auch während einer Tagungspause zu er­zwingen. Die Nationalsozialisten forderten, gestützt aus

on auf Verlangen von einem

geordneten, Staatssekretär Zweigert vom Reichsinnenministerium, Präsident Löbe, Vizepräsident Ester und die Vertreter der Mehrheitsparteien blieben jedoch bei der Auffassung, daß die bisherige Praxis des Reichstages unanfechtbar sei, wonach Artikel 24 der Verfassung sich nur auf Parlamentspausen nach einem Sessionsschluß bezieht und

be! einfachen Vertagungen des Reichstages die Einberufung der nächsten Sitzung dem Präsidenten in Uebereinstimmung mit Regierung und Mehrheit der Parteien überlassen wer­den

kann.

Die Führer der nationalsozialistischen Reichstagsfraktion haben sich nach Müncherrbegeben. wo eine Besprechung über die letzten parlamentarischen Vorgänge mit Adolf Hitler stattfand. Von der Führerbesprechung hängen die weiteren Schritte ab, die die Nationalsozialisten unternehmen werden. In nationalistischen Kreisen erwarte man, daß der erste Schritt ein Strafantrag gegen den Polizeivize- präsidenten Dr Weiß sein wird.

Nachdem der nationalsozialistische Antrag, einen festen Termin für die nächste Reichstagssitzung, und zwar noch vor dem 6. Juni festzusetzen, im Aeltestenrat abgelehnt worden ist, werden die Nationalsozialisten voraussichtlich darauf ver­zichten, noch einmal einen Antrag auf Einberufung des Ael- teftenrats oder des Reichstags zu stellen. Das Ergebnis der Münchener Besprechung wird wohl das fein, daß sofort klage beim Staatsgerichtshof für das Deutsche Reich erhoben wird, um ein ähnliches Urteil wie das gegen Preußen auch für das Reich zu erstreiten. Ein solches Urteil könnte je­doch, selbst wenn es für die Nationalsozialisten günstig aus- fiele, kaum wesentlich vor dem 6. Juni ergehen. Ueber die eingebrachten Beschwerden der Nationalsozialisten gegen die geschäftsordnungsmäßigen Maßnahmen des Präsidenten Löbe wird also erst im Juni von Plenum entschieden werden.

Ein Dementi der Regierung

keine Beteiligung an dem Vertagungsbeschluß.

Berlin, 14. Mai.

Der Reichsregierung ist in der presse vorgeworfen wor­den, daß sie sich an politischen Schiebungen beteiligt habe, die am Donnerstag zu der Vertagung des Reichstag ge­führt hätten. Von zuständiger Stelle wird demgegenüber darauf hingewiesen, daß Staatssekretär pünder am Don­nerstag im Aeltestenrat erklärt habe, dem Reichskanzler und der Reichsregierung sei von solchen Schiebungen nichts be­kannt, und sie hätten sich nicht an derartigen Schiebungen beteiligt.

An der Abwicklung der weiteren Tagesordnung des Reichstags fei die Reichsregierung sehr interessiert gewesen, damit das Ausland sehe, daß sie die Mehrheit im Reichstag besitze. Die Reichsregierung habe ferner großes Interesse daran gehabt, daß folgende zwei Punkte auf die Tagesord­nung der Reichstagssitzung gesetzt worden seien: 1. das Kre­ditermächtigungsgesetz und 2. die politische Ausspraci?e mit allen parlamentarischen Auswirkungen (Mißtrauensvoten und dergl.). Diese Absicht sei auch am Donnerstag für die Reichsregierung maßgebend gewesen.

Gerichtliches Nachspiel

Berlin, 14. Mai.

Der nationalsozialistische Abgeordnete Gregor Straffer, der nach Zeugenaussagen an der Schlägerei im Reichstags gebäude beteiligt gewesen sein soll, wurde auf dem Anhaltei Bahnhof, als er gerade im Begriff war, abzureisen, von Be- amten der politischen Polizei festgenommen und nach dem Polizeipräsidium geschafft. Später wurde auch er dem Schnellschöffengericht vorgeführt.

Der Prozeß gegen die nationalsozialistischen Reichslags- abgeordneten Straßer, Heines, Stegmann und Weitzel be­gann vor dem Berliner Schnellschöffengericht unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Wofür. Die vier Abgeordneten wurden von der Polizei vorgeführt.

Heines gibt als Vorstrafen fünf Jahre Gefängnis wegen Totschlages durch Urteil im Fememordprozeß in Stet­tin, 1 Jahr 3 Monate Festung wegen Beihilfe zum Hoch­verrat und 14 Tage Gefängnis wegen Fortführung der ver­botenen OrganisationRoßbach" an. Der Angeklagte Steg­mann ist wegen Beamtennötigung und Widerstandes sowie wegen Körperverletzung, Weitzel wegen Beleidigung, Wider­stand und verbotenen Waffenbesitzes vorbestraft. Gregor Straßer hat Vorstrafen wegen verschiedener politischer Pressedelikte.

Während der Feststellung der Personalien war der Schriftsteller Dr. Klotz erschienen, der im Gesicht und Nacken noch große blutunterlaufene Stellen hat. Oberstaatsanwalt ' Köhler formulierte die Anklage gegen die vier Angeklagten (auf gemeinschaftliche tätliche Beleidigung und Körperver­letzung mittels gefährlicher Werkzeuge. Das Gericht be­schloß die Zulassung des Dr. Klotz als Nebenkläger. Der avgeoroneten cheines zu einer Schilderung der Vorgang« im Reichstag.

Bei der Vernehmung gab Abgeordneter Heines unum­wunden zu, daß er dem Nebenkläger eine Ohrfeige ge­geben habe. Ob auch andere geschlagen hätten, sei ihm nicht bekannt. Er habe sich im Erfrischungsraum eine Zigarre holen wollen, sah Dr. Klotz, den er aus dem Jahre 1923, als Klotz noch Angehöriger der Nationalsozialistischen Partei war. kannte und glaubte, eine Bemerkung gehört zu haben, von der er nur die Worteauch Schweine" verstano. Er sei ohnehin darüber empört gewesen, daß der Nebenkläger sich erlaubte, in den Reichstag zu kommen, und habe ihm gesagt:Du bist ja der Bursch', der die Broschüre gegen Röhm geschrieben hat", und habe ihm ins Gesicht geschlagen. Der Abgeordnete Stegmann will eine ähnliche Bemerkung gehört haben; er sah, wie Heines den Nebenkläger eine Ohrfeige gab und Dr. Klotz darauf­hin ihn mit einem Stuhl warf, worauf er, Stegmann, den Klotz eine Ohrfeige gab. Der Abgeordnete Weitzel wurde, wie er erklärt, im Restaurant durch den von Dr. Klotz ge­worfenen Stuhl am Bein verletzt. Als er nun vom Plenar­saal in den Wandelgang kam, begegnete ihm Dr. Klotz mit einigen anderen Leuten, und er gab ihm ein paar Ohrfeigen. Der Abg. Strasser erklärt, er habe Klotz nicht berührt. Er wandte sich auch gegen die Behauptung, wonach er im Ael­testenrat gesagt habe, es sei schade, daß Klotz nicht tot wäre. Das Mißverständnis sei dadurch entstanden, daß der Vor­sitzende Dittmann erklärte, es fei ein Wunder, daß Klotz noch lebe, worauf er, der Angeschuldigte, gesagt habe, er hätte nichts dagegen gehabt, wenn Herr Klotz vor der Ab­fassung seiner Broschüre gestorben wäre.

Es wurden sodann die Zeugen vernommen, Angestellte des Reichstags, Journalisten usw., die die Vorgänge mitan- I gesehen haben. Neue, bisher unbekannte Tatsachen brachten sie nicht vor.

Das Urteil

Nach Beendigung der Beweisaufnahme betonte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer, daß das Vorgehen der Reichstagsabgeordneten schwere Strafen verdiene. Er be­antragte gegen die Abgeordneten Heines und Stegmann wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung je vier Monat« Gefängnis, gegen den Abgeordneten Weitzel zwei Monate Gefängnis, gegen den Abgeordneten Gregor Straßer wegen formaler Beleidigung 100 Mark Geldstrafe.

Nach halbstündiger Beratung fällte das Gericht folgen­des Urteil: Der Angeklagte Straffer wird freigesprochen, die Angeklagten Heines, Stegmann und Weihe! erhallen wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung mit tätlicher Beleidi­gung je drei Wonate Gefängnis. Die verurteilten National­sozialisten werden Berufung einlegen.

22 Nationalsozialisten verhastet

Berlin. Im Zusammenhang mit dem Pwzeß gegen die vier nationalsozialistischen Abgeordneten bildete sich gestern nachmittag am Kriminalgericht ein Demonstrationszug von etwa 30 Angehörigen der NSDAP der smgend durch die Straße marschierte. Die Polizei löste den Zug auf und nahm 22 Nationalsozialisten fest.