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Hersfelöer Tageblatt

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Reisfelder Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Reisfeld

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Druck und Berlag von Ludwig Funks Buchbruckerei in tzersfelb, Mitglied des BDJV.

Nr. 89 (Erster Blatt)

Sonnabend, den 16. April 1932

82. Jahrgang

Neue Gensation im Kreuger-Gkandal

Berliner Grundstücke doppelt beliehen

Schwere Verluste der sranzösischen Börse

Steigende Erregung in Schweden

Auskuhrüberschub 152 MMonen

Der deutsche Außenhandel im März.

Berlin, 16. April.

Im deutschen Außenhandel können sich gegenüber der in allgemeine Umsatzbeschränkung ausmündenden Handels­politik der Welt einerseits und der besonderen finanziellen Zwangslage Deutschlands andererseits saisonmäßige Ten­denzen nur noch schwer durchsetzen. So hätte normalerweise im März ein stärkeres Ansteigen der Ausfuhr und ein annähernder Gleichstand der Einfuhr erwartet werden müs­sen. Die Einfuhr ist im März um 77 Mill. RM. auf 364 Mill. RM. gesunken. Der Weltrückgang der Einfuhr (minus 17,5) ist im wesentlichen die Folge der mengenmäßigen Schrumpfung der Einfuhr, die fast 15 Prozent betragen hat; der durchschnittliche Preisstand ist nur um 3,1 Prozent gesunken. Beteiligt am Rückgang sind die Rohstoffe mit 42 Mill. RM., die Lebensmittel mit 20 Mill. RM. und die Fer­tigwaren mit 15 Mill. RM.

Die Ausfuhr beträgt im März 516 Mill. RM. Hinzu kommen wie im Vormonat Reparationssachlieferungen im Werte von 11 Mill. RM. Die Abnahme der Gesamkausfuhr gegenüber Februar beziffert sich auf 10,7 Mill. RM., von denen 6 Mill. RM. auf die Fertigwaren und 4 Mill. RM. auf die Rohstoffe entfallen. Zurückgegangen ist die Ausfuhr namentlich nach der Schweiz und Großbritannien, ferner nach China und Dänemark, zugenommen hat der Waren­absatz nach Frankreich, den Niederlanden und Schweden. Die Handelsbilanz schließt im März mit einem Ausfuhrüber- schuß in Höhe von 152 (Februar 86) Mill. RM. ab. Ein- schließlich der Reparationssachlieferungen beziffert sich der Ausfuhrüberschuß aus 163 (97) Mill. RM.

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Auswirkungen der deutschen Butterzollerhöhungen.

Sowohl in Holland wie in Dänemark ist die Stimmung gegen Deutschland wegen der Erhöhung des Butterzolls im Wachsen begriffen.

In Holland hat sich eine Abwehrfr.nk organisiert, die beabsichtigt, falls die jetzige Regelung des deutschen Butter- zolles beibehalken wird, einen Boykott gegen alle deutschen Waren zu propagieren. Auch in Dänemark nimmt die Be­wegung gegen deutsche Waren und zugunsten der Einfuhr aus England ständig zu.

Schon jetzt wird in der Devisenzuteilung Deutschland stark benachteiligt, und es ist damit zu rechnen, daß diese Tendenz noch eine Verschärfung erfahren wird. In der deut­schen Ausfuhrindustrie mehren sich Merkmale der durch die Butterzollerhöhung entstandenen schweren Schädigung der deutschen Ausfuhrinteressen. Von feiten der deutschen Aus­fuhrindustrie ist man infolgedessen bei der Reichsregierung vorstellig geworden, daß beschleunigt eine Verständigung mit Holland und Dänemark erzielt werden müsse.

Ein Lichtblick

Die Siedlungsergebnisse für 1930 und 1931.

Das Preußische Statistische Landesamt hat jetzt die end­gültigen Siedlungsergebnisse für 1930, sowie ein abgekürztes vorläufiges Ergebnis für 1931 veröffentlicht. Beide Jahre zeigen ein weiteres lebhaftes Anwachsen der Siedlungstätigkeit. Während in den ersten Jahren nach der Inflation 1500 bis 2500 Siedlerstellen jährlich be­gründet wurden, mit einer Gesamtfläche, die stets um 20 000 Hektar lag, beginnt mit dem Jahre 1927 der Auf­schwung, 1928 wurden bereits über 3500 Stellen, 1929 rund 5000 Stellen, 1930 rund 7500 Stellen und 1931 ziemlich 8000 Stellen geschaffen. Die Zahl von 10 000 Neusiedler­stellen, die der Landwirtschaftsminister für das Jahr 1931 als Programm aufgestellt hatte, konnte nicht ganz erreicht werden, da die von ihm ausdrücklich vorbehaltene glatte Fi- nanzierungsmöglichkeit infolge der Finanzkrise, die Mitte vorigen Jahres ausbrach, fehlte.

Der Fortschritt in der Stellenzahl ist nicht etwa durch Förderung der Kleinsiedlung erreicht worden; die Klein- siedlungsstellen haben im Gegenteil absolut und relativ an Bedeutung verloren. Infolgedessen stieg auch die Gesamt­fläche der Siedlungen von einigen 20 000 Hektar in den ersten Jahren nach der Währungsbefestigung auf rund 75 000 im Jahre 1930 und rund 82 000 Hektar im abge­laufenen Jahre. Besonders wesentlich ist die starke Ver­mehrung der typischen Bauernstellen; gegenüber rund 3000 Fällen mit mehr als 10 Hektar im Jahre 1930 wurden es 1931 rund 4000. Auch die Anliegersiedlung weist gegenüber der letzten Jahren eine erhebliche Vermehrung auf. Ueber 6500 Landwirte erhielten im Jahre 1930 Landzulagen von insgesamt 14 440 Hektar, also durchschnittlich über zwei Hek­tar und 1931 sind es rund 10 000 Landwirte mit 20 000 Hektar. Unter den Siedlungsprovinzen steht Ostpreußen an erster Stelle mit 2165 Neusiedlerstellen im Jahre 1930 und 2256 im Jahre 1931. Die anderen typischen Siedlungs­provinzen sind Pommern, Brandenburg, die beiden Schle­sien und Schleswig-Holstein, von den westlichen Provinzen ist Hannover mit je 360 Stellen und rund 3400 Hektar in jedem der beiden Jahre zu nennet). . ,

Arbeitsbeschaffung durch Urbarmachung

Allenkirchen, 16. April.

Im Kreishaus au Altenkirchen fand eine Besprechung des Oberpräsidenten oer Rheinprovinz, der Regierungspräsi­denten, der Landräte und der Leiter der rheinischen Arbeits­ämter statt, die sich in der Hauptsache mit der Arbeitsbeschaf­fung für die Erwerbslosen befaßte.

Oberpräsident Dr. Fuchs wies darauf hin, daß auf dem Gebiete der Urbarmachung minderwertigen Waldes und der Entwässerung der Wiesen und Felder für viele Hunderttau­sende Arbeitslose Arbeit zu beschaffen ei. Durch die Aus führung dieser Arbeiten könne es ermög icht werden, daß ein großer Teil der Bevölkerung, der bereits jetzt Land bear­beite, in der Hauptsache aber in der Industrie beschäftigl sei, sich auf landwirtschaftlichem Boden selbst ernähre. Mim bestens Millionen Hektar Acker und etwa 2% Millionen Hektar Wiesen in der Rheinprovinz erbrächten nur gerin­gen Ertrag, da sie nicht entwässert seien.

Die Aussprache über dieses Thema ergab die Auffas­sung, daß umgehend mit der Reichsanstalt für Arbeitslosen­versicherung und Arbeitsvermittlung wegen der Durchfüh­rung dieser Arbeilen nach dem Grundsatz des freiwilligen Arbeitsdienstes, der eine Ausdehnung erfahren solle, ver­handelt werden soll.

Deutschlands Schuldendienkt bis 1945

Jahresaufwendungen von 0,6 bis 0,8 Milliarden.

Berlin, 16. April.

Von amtlicher Seite wird eine Uebersicht über die Til­gung und Verzinsung der langfristigen deutschen Ausländs­anleihen in den Jahren 1932 bis 1945 gegeben.

leihe in ^öhe »on^2189 Millionen RM., um biF An^iher öffentlich-rechtlicher Körperschaften von 1515 Millionen RM. um die Kommunalobligationen von 208 Millionen RM., 8i< Pfandbriefe von 947 Millionen RM. und die Anleihen son­stiger Kreditnehmer in Höhe von 3586 Millionen RM. Dei Gesamtbetrag beläuft sich auf 8445 Millionen RM.

Die jährlichen Aufwendungen für den Dienst der Aus­ländsanleihen betragen zwischen rund 0,6 und 0,8 Milliar­den RM. Die höchsten Belastungen ergeben sich in der Jahren 1932 in Höhe von 819 Millionen, 1934 in Höhe vor 803 Millionen, 1937 in Röhe von 827 Millionen und 1938 in Höhe von 804 Millionen RM.

Für die Beurteilung der Devisenlage im Jahre 1932 darf nicht außer acht gelassen werden, daß außer dem Dienß der langfristigen Ausländsanleihen und abgesehen von der zumeist durch das Stillhalteabkommen geregelten kurzfristi­gen Krediten einige größere mittelfristige Anleihen und Kre­dite von öffentlich-rechtlichen Körperschaften fällig werden.

Die ßeaalitätserlliirmmeii

Brief Groeners an Frank II.

Berlin, 16. April.

Reichsinnenminister G r o e n e r hat die ihm feineren überreichten Legalitätserklärungen der nationalsozialistischer Unterführer an den Reichstagsabgeordneten Dr. Frank II mit folgendem Schreiben zurückgesandt:

Sehr geehrter Herr Abgeordneter! Ihrem Wunsche entsprechend, sende ich Ihnen die Mappe mit den Legalitäts­erklärungen von Führern der Nationalsozialistischen Deut­schen Arbeiterpartei, die Sie mir zusammen mit Herrn Hauptmann a. D. Göring übergeben hatten, ergebenst zu­rück. Ich glaube, daß es allen diesen Herren mit ihrem Willen zur Legalität durchaus ernst ist. Aber dieser Wille und diese Erklärungen allein genügen nicht, wenn die Par­tei sich nicht von Dingen befreit, die ihrem Wesen nach ille­gal sind. Es ist auf die Dauer ein mit der Staatsautorität nicht zu vereinbarender Zustand, daß die Partei eine militä­risch organisierte Sonderarmee unterhält, deren Führer, meist alte Offiziere, gerade in dem Bestreben, militärisch wei- terzuarbeiten und Besonderes zu leisten, diese notwendiger­weise mit der Führung und den Machtmitteln des Staates in Konflikt bringen müssen. Eine solche Organisation wird eines Tages die Partei in die Illegalität reißen. Die Lega­lität der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei wird daher erst dann als eine wirkliche und uneingeschränkte be­trachtet werden dürfen, wenn sie von allen derartigen Be­lastungen befreit ist."

In einem Offenen Brief imVölkischen Beobachter" nimmt Rechtsanwalt Dr. Frank II zu diesem Schreiben des Reichsinnenministers Stellung und versucht, auch die Auflösung des Reichsbanners und die Aufhebung des preu­ßischen Verbots der Zugehörigkeit öffentlicher Beamter zur NSDAP. als naturnotwendige Folge des Verbots der SA und SS. darzutun.

Nach einer Mitteilung der Pressestelle der Reichsleitung der NSDAP. hat Hitler den Rechtsanwalt Dr. Luetgebrune in Hannover beauftragt, die Rechtslage bezüglich des SA.- Verbots zu prüfen. Es werde Sache des Staatsgerichtshofes für das Deutsche Reich fein, über die Gültigkeit der Ver- Planung zu befinden.

Treviranus Über das SA-Verbot

Essen, 16. April.

Reichsverkehrsminister Traviranus äußerte sich auf einer Zusammenkunft mit Vertretern der westdeutschen Press« und derJungen Rechten" u. a. zu dem Verbot der SA.- und GL.-Formationen. Schon vor geraumer Zeit, so sagte -der Minister, habe die bayerische Staatsregierung den Entschluß gefaßt, das SA.-Verbot in Bayern durchzuführen.

Er, der Minister, wisse bestimmt, daß die nationalso- zialistische Führung außerordentlich dankbar sei für die

Beseitigung dieses Unruhcherdes innerhalb der NSDAP.

Davon abgesehen erfahre sie durch das Verbot eine große finanzielle Erleichterung.

Einen Veraleich der SA. mit dem Reichsbanner hinsicht­lich des Eharaktsrs als einen Staat im Staate lehnte der Minister ab. Wenn man einen Vergleich ziehen wolle, so könnte man die SA. nur mit dem 1929 verbotenen Rotfront- kämpferdund vergleichen.

3m t »eiferen Verlauf feiner Ausführungen bezeichnete der Minister die Reichsreform als die dringlichste aller Aufgaben. Der Dualismus Reich-Preußen müsse verschwin­den. Mit dem jüngsten Beschluß des Landtages, die Ge- schäftsordnung zu ändern, erklärte sich der Redner nicht ein­verstanden.

Hessen-Landtag einberufen

Darmstadt, 16. April.

Auf Antrag der nationalsozialistischen Fraktion hat der Landtagspräsident den Hessischen Landtag auf Dienstag ein­berufen.

Sie halten fich die Waage

SA.-Beschwerde vom Oldenburger Landtag abgelehnt.

Oldenburg, 16. April.

In der Freitaa-Sitzung des Oldenburaifchen Land-tag« stand das Verbot der SA. durch die Reichsnotv«rordnung zur Debatte.

Die Abstimmung über den Antrag der NationalsoM- listen über Befchwerdeeinlegung beim Reichsinnenminister ergab Stimmengleichheit, wobei sich Nationalsozialisten, Deutschnationale, Volkspartei und Landvolk mit 14 Stimmen und Sozialdemokraten, Staatspartei, Zentrum und Kommu­nisten mit gleichfalls 14 Stimmen gegenüber standen.

Die Abstimmung wurde mit dem gleichen Ergebnis wie­derholt. Damit war der nationalsozialistische Antrag end­gültig abgelehnt.

Gegen jedes Währungsexperiment

Minister Warmbold über die Wirtschaftseingriffe der Reichsregierung.

München, 16. April.

Auf der 30. Jahreshauptversammlung des Bayerischen In- dustriellenverbandes erklärte Reichswirtschaftsminister Warmbold, er habe volles Verständnis dafür, daß man nicht mit allen Maßnahmen der Reichsregierung einverstan­den sei. Er hoffe, daß die zur Zeit notwendigen Eingriffe in die Wirtschaft bald überflüssig würden. Man könne nicht energisch genug vor jedem Gedanken an ein Abg-ehen von der Stabilität der Währung warnen. Ein Währung»- experiment in Deutschland werde ungleich schwerere Folgen haben als in England. Eine Entwertung würde in Deutsch­land den Mittelstand so gut wie vernichten und eine Um­schichtung des Vermögens herbeiführen.

Die Devisenbewirtschaftung müsse zum Schutze der Währung unter allen Umständen durchgeführt werden.

Die Rechtfertigung für die Eingriffe in hie Wirtschaft fei der Kampfzustand, in dem mir uns mit dem Ausland befänden. Es fei zu wünschen, daß dieser Zustand bald beendet sei. Dazu sei allerdings nötig, daß unter den Völkern eine andere Auffassung über den Waren- und Goldverkehr Platz greife.

Der Anschlag auf Dr. Luther

Die Untersuchung gegen die Täter.

Berlin, 16. April.

In der Untersuchung gegen Dr. Rosen und Kertscher hat die Staatsanwaltschaft den Schlafwagenschaffner und den Zugführer des Baseler Zuges, mit dem Reichsbankpräsident Dr. Luther am vorigen Sonnabend von Berlin abreiste, als Zeugen vernommen. Es handelt sich bei ihnen um bit ersten eigentlichen Tatzeugen, und man wird nun nach ihrer Darstellung des Vorfalls vorausichtlich auch noch Dr. Luther selbst nach feiner Rückkehr vernehmen, um auch von ihm eine genaue Schilderung des mißglückten Anschlags zu er­halten.

Infolgedessen wird auch die Entscheidung, ob Dr. Rose« und Kertscher vor das Schnellgericht kommen, oder ob gegen sie entsprechend dem Antrag ihres Verteidigers die Vor- Untersuchung eröffnet werden soll, erst nach der Vernehmung de» Reichsbankpräsidenten fallen.