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Zur Preutzenwahl

18 Listen beim

eingegangen.

Berlin, 12. April.

Die Frist für die Einreichung von Wahlvorschlägen für die preußische Landlagswahl ist jetzt abgelaufen. Beim preu­ßischen Wahlleiter, dem Präsidenten des preußischen Statt- stischen Landesamt, sind insgesamt 18 Wahlvorschläge zur Neuwahl des Preußenparlaments am 24. April eingegan­gen.

Ob all diese Vorschläge zugelassen werden und in welcher Reihenfolge sie auf dem Abstimmschein erscheinen, steht noch nicht fest. Die Entscheidung darübe" fällt der Landesaus- schuß der unter dem Vorsitz des Landeswahlleiters am Mitt­woch Zusammentritt. Die 18 Listen für bü kommende Preu­ßenwahl zeigen die gleiche Zersplitterung, die sich schon bei den letzten Landtagswahlen bemerkbar gemacht hat. Insbe­sondere haben auch die Vertreter der polnischen Minderheit wieder einen Wahlvorschlag eingereicht, doch ist kaum anzu- nehmen, daß bei dem erhöhten Wahlquotienten von 50 000 eine der Splittergruppen Aussicht auf die Erlangung eines Mandates hat. Es ist daher zwecklos, die Namen der übrigen Splittergruppen zu nennen, ehe der Landesausschuß ent­schieden hat, ob sie überhaupt zugelassen werden.

Braun zur Preutzenwahl

Berlin. Am Abend nach der Reick)spräsiden^nwahl verunstaltete die Eiserne Front in dem unerfüllten Sport­palast ihre erste große Kundgebung zur bevorstehenden Preußenwahl. Der preußische Ministerpräsident Otto Braun wandte sich in seiner Ansprache gegen den „Größen­wahn" Hitlers. Es sei ein Zeichen von der politischen Un­reife des deutschen Volkes, daß eine Bewegung, die von hohlen Phrasen getragen werde, einen solchen Umfang an­nehmen könnte.

Die politische Meinungsfreiheit der Beamten werde in keiner Weise beschränkt, aber es könne nicht geduldet wer­den, daß ein Beamter die Regierung, der er dient, von der er sein Geld empfängt, beschimpft und Organisationen an­gehört, die die Feinde des Staates seien.

Gegen das Tempo, in welchem die Lohn- und Gehalts- abbauaktion vorgenommen worden fei, habe er stets feine Bedenken geltend gemacht; man habe nicht erreicht was man wollte: die Senkung der Arbeitslosigkeit. Immer noch haben weite Kreise des deutschen Volkes nicht begriffen, an welchem Abgrund sie stehen. Am 24. April müsse das deutsche Volk beweisen, das es zwar den unseligen Kriea verloren habe, aber nicht den Verstand. Mit dem Ruf: „Auf zum Kampf für das demokratisch-republikanische Preußen und für den Sozialismus" schloß Braun seine mit stürmischem Beifall ausgenommene Ansprache.

KPD. droht mit Obstruktion

Zur heutigen Landtagssitzung.

Berlin. Das Zentralkomitee der KPD. erläßt zur heu­tigen Tagung des Preußischen Landtages eine Erklärung, in der es heißt, die Kommunistische Partei habe die Einberu­fung des Landtages gefordert, um gegen die Beeinträchti­gung der kommunistischen Wahlfreiheit und für die Lebens­forderungen der Arbeiter, Erwerbslosen und aller Werk­

tätigen Stellung zu nehmen. Die Erklärung wendet sich ge-

tuuyvn x^icuuivg qu iifynicn. jüvc vs/t-iiutuny uz^iiu^t jiu/ yu' - .... . «nh

M^l/^^,^»1^1«^^ ffO >t. den Sozialdemokra- 1.

„Jeder Versuch der Regierungsparteien, die Beratung un­serer Anträge zu durchkreuzen, wird von der kommunistischen Landtagsfraktion mit Obstruktion beantwortet werden."

Ei» Dementi

Gerüchte über die Umbildung des Preußenkabinetts.

Berlin, 12. April.

Gewissermaßen als Auftakt zu dem preußischen Wahl­kampf, der bereits sehr stark im ganzen Staatsgebiet einge­setzt hat, sind Gerüchte über eine bevorstehende Umbildung preußischen Staatsregierung verbreitet worden. Da- wurde behauptet, daß dem Christlichsozialen Volksdienst preußische Landwirtschaftsministerium angeboten wor-

der bei das den

fei

Wie die Reichsführung des Ehriftlichsozialen Volksdien­

lllieiitiiiieiiiiiilriiiBi!

Roman von Marlise Sonneborn

Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle 'Saale)

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»Mein liebes Kind", erwiderte der Duke mit wahrhaft väterlicher Güte, „wenn Sie nicht eben wären, die Sie sind — irgendein Fräulein Miller oder Clerk — aber ... es sind unglückliche Zusammenhänge! Nach den Wahlen ..."

„Nach den Wahlen?"

„Nach den englischen Parlamentswahlen ..."

„Ich verstehe nichts mehr ..."

„Kommen Sie lieber zu Tisch ... man ist immer ge­neigt, alle Dinge zu schwer zu nehmen, wenn man noch nicht gefrühstückt hat."

Bei Tisch — wirklich, der Eßsaal des schloßartigen Gebäudes war ein Meisterstück der Barocktunst! — vergaß man ein wenig die Situation.

„Dieses alte Ungeheuer kann direkt nett sein!" dachte Brigitte, und ihre L«une hob sich.

Also wirklich — ein vorzüglich erzogenes junges Mäd­chen, dachte der Duke — sie weint nicht, sie bockt nicht — ein wenig Eigensinn muß man ihr zugute halten — ihre Lage ist krumm. Und er versuchte, zum ersten Male, seinem Gegenüber ins Gesicht zu sehen. Er hatte es ge­flissentlich vermieden, so gut es ging — sein Gewissen war zu schlecht gewesen. Er hatte nur den allgemeinen Ein­druck von etwas Jungem und Niedlichem — jetzt blieben feine Blicke an den schlanken, wohlgepflegten, doch sport­mäßig kräftigen Händen hängen, die so anmutig Messer und Gabel führten — glitten hinauf an dem geschmack­vollen, Hellen Seidenkleid — Gott sei Dank, sie war wenig­stens nicht mehr halbnackt! — und huschten schnell über das schmale, rassige Gesicht —

In dem Augenblick geschah etwas Ungeheuerliches.

Dem Herzog fielen Messer und Gabel buchstäblich aus der Hand — er verschluckte sich und, mit krampfartig ge­

stes mittellt, beruhen diese Berichte aus freier Erfindung. Keine Stelle des Volksdienstes fei an solchen Verhandlun­gen beteiligt gewesen, und eine Aenderung der bisherigen Ovpositionsstellüng des Volksdienstes ;ur derzeitigen preußi­schen Regierung komme nicht in Frage. Die preußische Landtagsgruppe des Volksdienstes werde auch iede 7N>t- wirkung bei der geplanten Aenderung der Geschäftsordnung des Landtags ablehnen.

Vorläufig fein Reichstag

Der Ältestenrat des Reichstags beriet über den Wie- derzusammentritt des Reichstags. Präsident Lobe schlug vor, jetzt noch keine Entscheidung darüber zu treffen, sondern den Aeltestenrat für den 26. oder 27. April von neuem zusammenzuberufen. Staatssekretär Pünder teilte mit, daß die Vorarbeiten am Reichshaushalt und die außenpolitischen Verhandlungen noch nicht so weit gefördert seien, daß der Reichstag schon jetzt mit seinen Beratungen über diese An- gelegenheiten beginnen könne.

Demgegenüber verlangten die Kommunisten die Ein­berufung des Reichstags selbst schon für den 26. April. Dieser Forderung schlössen sich die Deutschnatwnalen und die Ra- ttonalsoziälislen an. Die übrigen Parteien, die die Mehr­heit bilden, nahmen jedoch den Vorschlag des Präsiden­ten an.

Die Sitzung der 833

Luther bereits nach Berlin zurückgereist.

Basel, 12. April

Die Sonntagssitzung der Gouverneure der Notenbanken bei der BJZ dauerte nur knapp eine Stunde. Das schwedische Mitglied war wegen der Kreuzer u. Toll-Angelegenheit in Schweden festgehalten und nicht erschienen. Dagegen war der neuernannte Präsident der Oesterreichischen National- bank, Dr. Kienböck, zu den Verhandlungen zugezogen.

Dr. Luther, der sich am Nachmittag in Basel in der Kli­nik des Krankenhauses nochmals hatte untersuchen und verbinden lassen, wurde bei seinem Erscheinen in der Sitzung von allen Seiten auf das herzlichste beglück­wünscht.

Die Verlängerung der Kredite an Oesterreich. Ungarn und Jugoslawien um voraussichtlich weitere drei Monate steht so gut wie fest. Bei der heutigen trostlosen Finanzlage vor allem Oesterreichs und Ungarns ist an eine Rückzahlung der Kredite sowieso nicht zu denken. Bei der Besprechung der Geschäftstätigkeit im letzten Monat wurde festgestellt, daß die starke Zunahme der Sichteinlagen der Zentralbanken um etwa 140 Millionen auf 463 Millionen zu einem wesent­lichen Teil von der erhöhten Einlagetätigkeit der Bank von England herrührt.

Der Verwaltungsrat der BJZ. ist Montag vor­mittag zu seiner 20. Sitzung, der ersten des dritten Geschäftsjahres, unter dem Vorsitz seines Präsiden­ten, MacGarrah, zusammengetreten. An der Sitzung nah­men von deutscher Seite Reichsbankpräsident Dr. Luther und Bankier Melchior teil. Die Verhandlungen waren nur von kurzer Dauer, da die meisten Fragen in den Vorbesprechun-

Kreisen der in Basel versammelten Notenbank-Gouverneure große Genugtuung ausgelöst obwohl man an der Wieder­wahl Hindenburgs nicht ^iifelfe.

Immerhin hat, wie die schweizerische Depeschenagentur berichtet, das Anwachsen der Hitler-Stimmen einige Be­sorgnis hervorgerufen und wird als Anzeichen dafür ge- wertet, daß die nationalsozialistische Welle ihren Höhepunkt noch nicht erreicht hat. Diese Lage müsse bei künftigen Be­sprechungen, an denen internationale Finanzleute maß­gebenden Einfluß hätten, berücksichtigt werden, und es müsse alles darangesetzt werden um Deutschlands Lage zu er­leichtern und damit seine innere Stabilität zu sichern.

Reichsbankpräsident Dr. Luther ist bereits nach Deutsch­land zurückgereist.

spreizten Fingern nach seiner Serviette greifend — hustend und prustend — mit dunkelgerötetem Gesicht, schien er in Gefahr, einen Schlaganfall zu erleiden.

Brigitte sprang auf und hielt ihn in den Armen, ehe Jim, der servierte — Dienerschaft schien es nicht aus­reichend zu geben in diesem feudalen Schloß — hinzu­springen konnte.

Brigitte löste mit töchterlicher Sorgfalt den engen Kragen und winkte Jim, ein Glas Wasser zu bringen.

Aber der Duke wehrte ab.

Er erhob sich mühsam — und mit noch halb versagen­der Stimme bat er Brigitte, ihn zu entschuldigen.

Jim führte ihn fort, indes Brigitte — verstört, doch mit der unüberwindlichen Naschhaftigkeit ihrer Jahre und ihres Geschlechtes — sich das delikate Dessert eigenhändig vom Büfett holte und ohne Skrupel den Anteil des Her­zogs mitverzehrte.

Den hatte Jim in seinem wahrhaft fürstlichen Kabinett aus einen Liegestuhl gebettet.

„Der Herr Herzog sind unwohl?" fragte er besorgt.

Goyle schüttelte den Kopf.

Er griff auf das Tischchen, das neben der Liege stand, und nahm eine Photographie, die sich dort befand — in einem schönen, vergoldeten Rahmen.

„Jim", fragte er, „wo hast du dies Gesicht heute schon einmal gesehen?"

Und Jim, als ob es ihm wie Schuppen von den Augen fiel, schlug sich vor die Stirn.

„Ich bin, weiß Gott, ein alter Esel, das nicht gleich zu bemerken. Nun erkläre ich mir auch, weshalb ich eine so warme Sympathie empfand."

„Und ich", erwiderte der Herzog und richtete sich auf, als ob er nicht eben einem Ohnmachtsanfall nahe ge­wesen, „ich weiß, daß ich auf dem richtigen Wege bin. — Jetzt mag kommen, was da will!"

Brigitte — der schönen, ungewohnt gewordenen Frei­heit froh — ging unterdessen auf Entdeckungen aus. Um die Wahrheit zu sagen, sie dachte in diesem Augenblick nicht an Flucht. Der alte Herr stand womöglich im Begriff,

Die neuen Bankenzinsen

für t

Berlin. Der Zentrale Kvrditausschuß hat den Zinssatz fürtäglichfälligeGelderin provisionsfreler Rech­nung auf höchstens 2« Prozent, bei vrovisionspflichtiger Rechnung auf höchstens 8 Prozent festgesetzt.

Für Kündigungsg «lder mit einer Kündigungs­frist von weniger als zwei Monaten beträgt der Zinssatz höchstens 4% Prozent, bei zwei Monaten 4% und von drei Monaten bis zu einem Jahr höchstens 5 Prozent.

Fest« Gelder für mindestens 31 bis 61 Tage dür­fen höchstens mit 4% Prozent, für 62 bis 91 Tage mit 5 Prozent und 92 bis höchstens 864 Tage mit 5« Prozent be­zahlt werden.

Vom euglifch-irifche» KonflUt kein Nachgeben de Valeras in der Treueidfrage.

London, 12. März.

Vor einer Massenversammlung in seinem Wahlkreis Ennis hielt Ministerpräsident de Valera, umgeben von Soldaten der Republik, eine eindeutige Rede über die For­derungen des irischen Freistaates: Keine Drohung wird uns daran hindern, so erklärte er, den Eid aus der irischen Ver­fassung zu entfernen. Irland ist keine britische Kolonie. Es ist eine der ältesten Nationen der Welt. Unser Unabhängig- keitsrecht ist älter als irgendein britisches Statut, älter als das englische Parlament und älter als die englische Nation selbst. Das irische Volk will die Abschaffung des Treueides und wir werden feinem Willen, soweit es in unserer Macht steht, Folge leisten. Wir werden keinerlei Einmischung von außen dulden, da es sich um eine rein innere Angelegenheit handelt.

Die besten Rechtsgelehrten Irlands haben nachgewiesen, so erklärte oe Valera weiter, daß Irland nicht dazu verpflich­tet sei, auch nur einen roten Heller Entschädigungszahlun- gen zu leisten. Kein Pfund werde Irlands Boden mehr ver­lassen, wenn England nicht triftige Beweisgründe für sein unbestreitbares Recht auf diese Zahlungen vorbringen könne. Dagegen würden die von den irischen Landwirten abzufüh- renden Jahreszahlungen an England weiter geleistet werden.

des

ersten

Die Bergung der Piccard-Gondel. Abtransport der aus dem Schnee ausgegrabenen Piccard- Gondel vom Eurgl-Gletscher.

krank zu werden — und sie empfand so etwas wie Ver­antwortung für ihn, seit sie ihn einen Augenblick hilflos gesehen.

Durch die dem Etzsalon vorgelagerte Veranda sprang sie fröhlich in den herrlichen Park, atmete tief die reine Luft, liebkoste die blühenden Blumen — und pflückte ein paar prachtvolle, frühe Rosen — mit denen in der Hand sie wieder ins Schloß eilte, um sich nach dem Befinden des Herzogs von Goyle zu erkundigen. Mit einem ziemlich verstörten Gesicht, aber von gesunder Farbe und erhottem Aussehen kam er ihr beretts die Verandastufen herunter entgegen. Der suchende Blick seiner Augen verriet ihr, daß er für ihre Anwesenheit keinen roten Heller mehr gegeben haben würde.

• Unwillkürlich lachte sie hell auf, und ein erleichtertes, aber auch güttges Lächeln trat ebenfalls auf das etwas trockene Gesicht ihres Widersachers.

„Ich habe mir erlaubt, in Ihrem Park diese Rosen zu pflücken, um sie Ihnen an Ihr vermeintliches Krankenbett zu bringen — aber ich sehe zu meiner Freude — es ist nicht mehr nötig."

„Ich danke Ihnen, liebes Kind — und nicht wahr — Sie werden mir keine Ungelegenheiten machen?"

»Ich — Ihnen?"

„Sie werden nicht unnötigerweise meinem Diener die Lage erschweren, indem Sie versuchen zu entweichen?"

„Ist es denn - von hier — so leicht?" fragte Brigitte voll Schelmerei.

„Ihrem klugen Köpfchen möchte sich ein Ausweg zeigen; leicht ist es gerade nicht. Den Park umgibt ein hohes Gitter aus Eisen — und meine Leute sind un­bestechlich."

„Ich denke an die Meinen. Ihr Telegramm wird sie kaum beruhigen und dann - es ist recht langweilig — so allein."

„Ich werde Ihnen Gesellschaft schicken."

„Einen Ihrer" — Brigitte verschluckte das Beiwort, das ihr aus der Zunge lag —, »einen Ihrer Agenten?"

(Fortsetzung folgt.)