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Die Möchte beraten

Viermächle-Konferenz soll häufiger zusammentrelen.

London. 6. April

Die sogenannte Donaukonferenz der vier Großmächte Deutschland, Italien, Frankreich und England, ist am Heu- tigen Mittwoch zur ersten Aussprache zusammengetreten. Staatssekretär von Bülow vertritt als Delegationsführer die deutschen Interessen.

Zum Abschluß der englisch-französischen Besprechun­gen in London sagt der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph":

Die Besprechungen sind so erfolgreich gewesen, daß jetzt beabsichtigt wird, zahlreiche weitere persönliche Zusammen­künfte zwischen den Ministern der vier Mächte Großbri­tannien, Frankreich, Deutschland und Italien zu veranstalten, um die europäischen Probleme zu behandeln. Diese Zu­sammenkünfte würden folgende zwei Formen annehmen: 1. unformelle Begegnungen zwischen Staatsmännern von je zwei Mächten und 2. häufiger Wiederzusammentritt der Viermächtekonferenz.

In einer Meldung der „Agentur Havas" aus London werden Einzelheiten über den französisch-englischen Mei­nungsaustausch wiedergegeben. Danach sollen sich beide Re­gierungen über die für die wirtschaftlichen und finanziellen Schwierigkeiten der Donaugegend in Frage kommenden Hilfsmittel geeinigt haben. Dieses Problem habe den einzi­gen Gegenstand der Beratungen gebildet.

Irgendein fester Beschluß sei wegen Abwesenheit der Vertreter Deutschlands und Italiens, die am unmittelbar­sten an der wirtschaftlichen und finanziellen Wiederaufrich tung Mitteleuropas interessiert seien, nicht gefaßt worden. Staatssekretär von Bülow und Minister Grandi würden also nicht vor vollendete Tatsachen gestellt sein. Als wichtig sei festzustellen, daß Frankreich und England sich über eine Methode und die Aktionsmiltel geeinigt hätten. Ihrer An­sicht nach werde der Zusammenbruch der Donaustaalen nur durch eine gemeinsame solidarische Anstrengung durch diese Staaten selbst und die finanzielle Unterstützung der vier Großmächte vermieden werden.

Um dieses Ziel zu erreichen, sei es ratsam, daß die fünf Donaumächte gemeinsam die Bestimmungen für einen enge­ren wirtschaftlichen Zusammenschluß feststellten, und hier­für scheine es keinen anderen Weg zu geben als Kombi­nationen auf der Grundlage des Vorzugszollsystems. Natür­lich müßten die vier Großmächte sich verpflichten, nicht etwa mit Hilfe der Meistbegünstigungsklausel einige Vorteile aus diesen Zolltarifsenkungen für sich zu beanspruchen. Frank­reich, England, Italien und Deutschland müßten im Gegen - teil sofort nach Mitteln suchen, die Lage zu sanieren, sei es durch Revision der finanziellen Belastung der Donaustaa­ten, sei es durch Gewährung neuer finanzieller Unterstützun­gen. In diesem Falle werde die Wiederherstellung des Ver­trauens der Finanzmärkte in die Zahlungsfähigkeit der Do­nauländer nicht ohne Kontrolle über ihr Budget und ihre Währung erfolgen können.

„Times" zufolge verlautet, man hoffe, daß die Arbeit der Viermächtekonferenz am Donnerstagabend beendet sein werde, damit den Donaustaaten sobald wie möglich mitge- teilt werden könne, welche Schritte die Mächte zu ihrer Un­terstützung zu tun bereit seien. Bei den Unterredungen sei anerkannt. worden, daß die geplante wirtschaftliche Gruppie­rung der Donaustaaten, wenn sie Wert haben solle, aus Ein­heiten bestehen müsse, die untereinander ihre Erzeugnisse austauschen könnten. Es sei aber keine Rede davon gewesen, daß irgendein Staat aus politischen Gründen ausgeschlossen werden solle.

Macdonald und Tardieu erklärten beide, die Erfahrun­gen des Tages hätten sie davon überzeugt, daß die beste Methode der Erörterung europäischer Probleme in direkter Fühlungnahme bestehen würde, und man gab der Hoffnung Ausdruck, daß es zu weiteren Besprechungen kommen werde, und zwar nicht nur zwischen Vertretern Frankreichs und Großbritanniens sondern auch zwischen Frankreich und Deutschland, Frankreich und Italien, Deutschland und 3ta- lien und zwischen Großbritannien und Deutschland und Italien. Es herrscht die Auffassung, daß direkte Besprechun­

„Geben Sie mir die Anschrift Ihres Vaters."

„Ich möchte selbst..."

„Ausgeschlossen."

„Dann — verzichte ich."

„Sagen Sie mir wenigstens Ihren Namen, mein Fräu­lein."

Brigitte zögerte.

Doch dabei konnte kaum eine Falle sein.

Oh, sie war grenzenlos mißtrauisch geworden in diesen Zagen.

„Brigitte Holm..."

„Holm?"

„Holm!"

„Aus Hamburg?"

„Ich habe es bereits gesagt ..."

„Sie sind nicht — von Adel?"

„Von Adel? - Nein!"

„Oh, es täte mir leid, wenn es die Eigenliebe des Lord- Windermere verletzte. Aber sollte nicht vor Jahren ein Verwandter von Ihnen in Diensten des Herzogs von Arles gestanden haben — und sich das Schmuckstück — vielleicht — angeeignet haben?"

Jetzt konnte sich Brigitte nicht mehr helfen.

Das komische der Situation überwältigte sie.

Sie — vis-L-vio diesem seltsamen Gentleman in dem engen Stübchen, das für sie beide nicht einmal Raum und Gelegenheit zum Sitzen bot — das streitbare Gespräch — endlich diese ungeheuerliche Wendung der Unterredung. Waren es ihre überreizten Nerven — war es die gesunde Jugend in ihr? Sie brach — nachdem sie einige Sekunden lang das ernsthafte Gesicht vor sich verblüfft angeschaut

gen dieser AN mehr Ausilchk aus Säueknde umfassende Ver- Änbarungen bieten würden als irgendeine andere Methode.

Der französische Korrespondent des „Daily Telegraph" weiß zu berichten, daß die polnische und die schweizerische Regierung wegen ihres großen Interesses an der Donau- frage ersucht hätten, zur Viermächtekonferenz zugelassen zu werden.

Tardieu wieder in Paris

Ministerpräsident Tardieu ist wieder in Paris einge- troffen. Pressevertretern gegenüber erklärte er, daß er von den Londoner Besprechungen sehr befriedigt sei. Die zui Verhandlung stehenden sieben Punkte seien nacheinander in freundschaftlichem Geiste eingehend geprüft worden. Aller­dings dürfe man noch nicht von Ergebnissen sprechen, i)a nichts Endgültiges beschlossen worden sei. Finanzminill-r Fländin werd, die Verhandlungen abschließen.

Stimsons Genfer Mission

Washington. Im Staatsdepartement wurde zu der Er­klärung des Präsidenten Hoover bemerkt, Stimson werde in Genf vor allem darauf dringen, daß als Angriffs- waffen nach Möglichkeit a b g e s ch a f f t werden: Unter­seeboote, schwere und leichte Panzerwagen, leicht transpor- tierbare schwere Geschütze, Bombengeschütze und Giftgase. Weiter müßten die Ausgaben für das Kriegsmaterial zu­sammen mit der Truppenzahl herabgesetzt oder begrenzt wer­den. Alle weitergehenden Vermutungen der Presse über die Aufgaben Stimsons (etwa Schuldenbesprechungen usw.) seien unzweckmäßig.

Ein neues Volksbegehren

„Das Deutsche Reich ist ein Einheitsstaat".

Duisburg, 6. April.

Der „Radikale Mittelstand", eine Absplitterung von der Wirtschaftspartei, hat beim Reichsminister des Inneren einen Zulaffungsantrag auf ein Volksbegehren eingebracht, in dem es heißt:

Die auf die Gliederung des Reiches in Ländern bezüg­lichen Vorschriften der Reichsverfassung werden aufgehoben. Artikel II der Reichsverfassung lautet: Das Deutsche Reich ist ein Einheitsstaat. Die den Ländern nach der Reichsver­fassung zustehenden Rechte gehen auf das Reich über. Der größte Teil der für den Zulassungsantrag von Stimmbe­rechtigten ist bereits erreicht, so daß das Volksbegehren in allernächster Zeit zur Durchführung gelangen dürfte.

Irlands Antwort

„Untertaneneid muß verschwinden".

Dublin, 6. April.

In der Antwort der Regierung des irischen Freistaates wegen der beiden Streitpunkte mit England wird erklärt, die Auffassung des Freistaates gehe dahin, daß der Unkertanen- eid aus der Verfassung verschwinden müsse.

Er sei eine rein innerpolitische Frage, die Irland allein interessiere. Was die Jahreszahlungen betreffe, so könne hierüber verhandelt werden, und de Valera sei bereit, sich zu diesem Zweck nach London zu begeben.

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Politische Mordorganifation

Der Prozeß gegen die Moskauer Attentäter.

Moskau, 6. April.

Zu Beginn der Dienstagabendsitzung des Prozesses ge­gen Stern und Wassiljew resümierte zunächst der Vertreter der Anklage der Ergebnisse der bisherigen Beweisaufnahme.

Wassiljew, der nach Stern vernommen wurde, be­kannte sich als Feind der Sowjetunion und erklärte, von dritten Personen beauftragt worden zu sein, einen Anschlag auf den deutschen Botschafter zu organisieren.

Er schilderte, wie er Stern kennen gelernt und zur Aus­führung des Attentates bestimmt habe? — Mit den Aus­sagen Wassiljews schließt der Teil des Prozesses, der die Um­stände und die politischen Beweggründe des Anschlages be­handelt.

hatte, in ein helles und letzten Endes befreiendes Lachen aus.

Der Duke verlor ein wenig die Haltung vor dieser Perlenreihe ausgelassener Heiterkeit.

„Sie, mein Herr", lachte ihn Brigitte aus, „Sie — wollen meine Vorfahren — freie Hanseaten, die vor Jahr­hunderten schon Räubereien jeder Art verfolgten und rächten — eines Diebstahls bezichtigen — Sie, die Sie mir das Beste rauben, was ein Mensch hat — die Frei­heit? Sie sollten sich schämen..."

Und da sie nun ihrerseits begann zu glauben, sie habe es mit einem Irrsinnigen zu tun — andererseits aber auch gemerkt hatte, daß der „Duke of Goyle" — wie der Kauz sich zu nennen beliebte — einen ungeheuren Respekt vor ihrem Vetter Windermere hatte, beschloß sie, ihre Ueber* legenheit zu benutzen und aus der Sache das Beste zu machen, was irgend ging.

„Es ist unerhört, eine Dame wie mich in ein solch un* zivilisiertes Gelaß zu stecken; Lord Windermere wird empört sein, daß man mich — zu allem anderen noch -— nicht einmal standesgemäß untergebracht hat."

Goyle knickte buchstäblich zusammen.

„Sie — wohnen in der Tat sehr einfach"

„Einfach?"

Brigitte fühlte, wie sie die Oberhand gewann, und zog ihre Konsequenzen.

„Und nicht einmal meine Koffer hat man mir besorgt. Man mutet mir zu, in einem Badeanzug und Bademantel Tage zu verbringen. Wie unfair!" (Sie wußte, daß kein einigermaßen zivilisierter Engländer diesen Vorwurf aus dem Munde einer Dame erträgt.) „Wenn Lady Windermere das wüßte! Was ist überhaupt aus meinen Sachen geworden? Ich kann nicht umhin, anzunehmen, daß sie mir von den Beauftragten Seiner Herrlichkeit des Herzogs von Goyle — entwendet worden sind. Wirklich nur, um das — Medaillon zu suchen? Ich verlange vor allem meine Garderobe und ein anständiges Unter­kommen, ehe ich mich auf irgendeine Unterhandlung ein- lasse."

Bilder vom Wahlkampf.

Nationalsozialistische Wahl-Kundgebung im Berliner Lust­garten. U. B. z. oben: Adolf Hitler spricht, hinter ihm Graf Helldorf und Dr. Goebbels. Unten: Eiserne Front in der Tennishalle. Grzesinski spricht.

x Forderungen der Bergarbeiter

Brüssel. Der Internationale Arbeitsausschuß der Berg­arbeiter, der in Brüssel tagt, fordert in einer Kundgebung an die Bergarbeiter aller Länder in Anbetracht der außeror­dentlich ernsten Lage im Kohlenbergbau die Verstaatlichung der Bergwerksbetriebe, Vergesellschaftlichung der Ueber- schü,se und Einführung der 40-Stunden-Arbeitswoche. Das Internationale Arbeitsamt müsse umgehend eine Konferenz einberufen zur Prüfung der Frage der Arbeitszeitverkür­zung im Bergbau.

Tätliche Kohlenkontrolle in Polen

Warschau. Der Handels- und Jndustrieminister wird, wie wir hören, in den nächsten Tagen die Vollmacht erhalten, Gn benbesitzer zur Bildung von Verbänden anzuhalten un^^ Beiträge sowie andere Angaben festzusetzen, die zur Rege­lung des Kohlenabsatzes notwendig sind? Der Minister soll berechtigt sein, Kohlenlieferungen für die Beoölkerunq sowie einzelne Gruben und Bestimmung der Reihenfolge des Ex­portes zu regeln. Hohe Gefängnisstrafen drohen Zuwider­handelnden.

NSDAP.-Versammlung aufgelöst

Hannover. In einer Massenversammlung, in der hiesi­gen Stadthalle sprach Dienstag abend General Litzmann. In seinen Ausführungen bezeichnete er sich als „Waffen­schmied Adolf Hitlers". Der zweite Redner, der Reichstags­abgeordnete Gauleiter Ruft, Hannover, richtete scharfe An­griffe gegen die Regierung Brüning, die die Polizei ver­anlaßten, die Versammlung wegen Uebertretung des Repu- blikschutzgefetzes aufzulösen. Der Saal wurde reibungslos geräumt.

„Sie sind vollkommen in Ihrem Recht um diesen An­sprüchen ...", murmelte der Herzog ergebungsvoll.

Er begann zu ahnen, daß die Torheit, die er gemacht, sich noch viel ungeheuerlicher auswachsen werde, als er je für möglich gehalten. Er hatte das sistierte Wesen immer nur als Trägerin und Besitzerin —. wenn auch unrecht­mäßige Besitzerin — des Medaillons betrachtet; nun - mußte er zu seinem Erstaunen merken, daß es ein Mensch mit durchaus eigenen Ansprüchen, mit Willenskraft — mit Forderungen war. Zu seinem weiteren Erstaunen zeigte sich die Besitzerin keineswegs beschämt oder reuig über die Tatsache, das von ihm erstrebte Gut bei sich entdeckt zu finden — sie schien im Gegenteil fest anzunehmen, daß außer ihr niemand einen begründeten Anspruch auf das­selbe zu machen berechtigt sei.

All diese Erkenntnisse entmutigten den von seiner fixen Idee verblendeten alten Herrn und überwältigten ihn fast. Die Furcht, bet den bevorstehenden Wahlen von seinem politischen Gegner Windermere ausgestochen zu werden, im Kampf mit der des endlich einmal ausgetauchten Medaillons verlustig zu gehen, machten ihn unschlüssig — selbst zaghaft.

Klar war ihm nur eins: diese junge energische Dame hatte ein Anrecht auf eine ihren Gewohnheiten gemäße«! Lebenshaltung.

„Ich bitte Sie, einige Tage meine Gastfreundschaft an­nehmen zu wollen."

„Ich - fürchte, ich habe sie bereits genossen."

„Alles, was Sie entbehrt haben, wird Ihnen unver­züglich nach besten Kräften ersetzt werden."

„Ich will wissen, wo ich bin."

„Sie werden noch heute atzend — in wenigen - Stunden — hier abreisen."

„Zu meinen Verwandten?"

„Gestatten Sie — ich habe eine nette kleine Besitzung, wenige Meilen von hier — auf der Sie sich ohne Zweifel wohl fühlen werden."

„So? Glauben Sie in der Tat..."

(Fortsetzung folgt.)