HersfMer Tageblatt
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Nr. 70
Mittwoch, den 23. Mär; 1932
82. Jahrgang
Wallfahrt nach Weimar
Zur Reichsfeier versammelte» sich am 100. Todestage Goethes Vertreter aller Länder der Erde
Die Lierpreisseukung
Hekkoliterpreis insgesamt um 11,50 Mark gesenkt.
Berlin, 23. März.
Räch mehrtägigen Verhandlungen zwischen dem Reichs- preiskommissar einerseits und den Brauereien und Gastwirten andererseits ist es zu einer Einigung über die Frage der Bierpreissenkung gekommen. Die Brauereien senken laut Verordnung den Bierpreis um 2,25 Mark und die Gastwirte den Ausschankpreis um die gleiche Summe je Hektoliter. Die Preissenkung tritt bei den Brauereien sofort in Kraft, bei den Gastwirten am Sonnabend. Die Senkung beträgt einschließlich der Biersteuersenkung in Höhe von 7 Mark insgesamt 11,50 Mark je Hektoliter.
Der durchschnittliche Ausschankpreis wird gemäß der. Bierpreissenkung wie folgt berechnet: Durch Gegenüberstellung der Preise vom 8. Dezember 1931 und der neuen Preise ist festzustellen, welcher Ausschankpreis je Hektoliter sich für jede Gemäßart unter Zugrundelegung des hierfür geforderten Preises ergibt. Die Hektoliterpreise für die einzelnen Gemüßarten sind zusammenzurechnen, und die Summe ist durch die Anzahl der Gemäßarten zu teilen. Gemäße von mehr als einem halben Liter bleiben unberücksichtigt. Die Senkung hat vorzugsweise bei den gebräuchlichsten Gemäßarten zu erfolgen, jedoch soll dort, wo die Steuersenkung den Betrag von 7 Mark ausmacht, der Ausschankpreis für wenigstens eines der am 8. Dezember 1931 vorhandenen Gemäße mit weniger als einem halben Liter Inhalt um volle 5 Pfennig ermäßigt werden. Die Senkung der
mäßigen, um den die Steuer für den Hektoliter ermäßigt worden ist. Soweit Gaststätten bis zum 7. Dezember 1931 bereits gesenkt haben, kann die Anrechnung dieser Senkung auf Antrag gestattet werden, jedoch mit der Beschränkung, daß gegenüber den Preisen vom 8. Dezember die gesamte Biersteuersenkung und der Preisnachlaß in vollem Umfange sich auswirken.
Zuukers-Werke zahlungruusöhig
Ein neues Opfer der Krise.
Berlin, 23. März.
Die Junkerswerke, nämlich Junkerswerke Hauptbüro, Forschungsanstalt Prof. Junkers, Junkers u. Eo., Junkers Flugzeugwerke A.G., Junkers Motorenbau G. m. b. H. und Kalorifer-Werk Hugo Junkers, haben ihren Gläubigern milgeteilt, daß sich Professor Junkers im Interesse der Fortführung seiner Werke und zum Schutze der Gesamt- interessen der Gläubiger verpflichtet gehalten hat, das ge- richtliche Vergleichsverfahren zu beantragen und daß im Verfolg dieser Maßnahme die Zahlungen eingestellt worden sind.
Diese Maßnahme sei eine Folge der Tatsache, daß die seit Ende vorigen Jahres laufenden Verhandlungen um die Zuführung entsprechender liquider Mittel, die noch bis vor einigen Tagen als sehr aussichtsreich bezeichnet hätten werden können, vorläufig nicht zu einer Lösung führten. Es bestehe die beruhigende Tatsache, daß, wenn auch Jlliquiditüt vorhanden ist, Ueberschuldung nicht vorliege, wie eine erst vor einigen Wochen stattgefundene neutrale Revision erwiesen habe. Diese habe eine starke Aktivität des gesamten Status ergeben, wobei die in den entsprechenden Forschungsergebnissen enthaltenen besonderen Vermögenswerte noch nicht einmal berücksichtigt worden seien. Im übrigen seien Umsatz und Auftragsbestand bei den einzelnen Werken nicht ungünstig, teilweise besser als im Vorjahre. Auch habe eine seit langer Zeit durchgeführte starke Drosselung der Unkosten eine gewisse Erleichterung zur Folge gehabt.
Man sei entschlossen, das Bestehen der Werke auf alle Fälle sicherzustellen, nicht nur um die großen in den Junkerswerken vorhandenen Werte zu sichern, sondern auch um den insgesamt 3000 Arbeitern und Angestellten ihre Existenz- möglichkeit zu erhalten.
Die Iunkers-Diesel-Kraftmaschinen-G. m. b. H. in Chem- nitz, deren Anteile nicht im alleinigen Besitz von Professor Junkers sich befinden, wird von diesen Vorgängen nicht oe- rührt.
Arbeitslosigkeit unverändert
Berlin, 23. März.
Am 15. März wurden rund 6129 000 Arbeitslose gezählt. Danach hat sich der Stand der Arbeitslosigkeit gegenüber dem letzten Zähltermin vom ersten März nur unwesentlich verändert.
Deutsche Antwort an England
Zu Verhandlungen über die Handelsbeziehungen bereit.
Berlin, 23. März.
Die deutsche Antwortnote an England enthält den Hinweis, daß Deutschland im Hinblick auf die schwierigen Verhältnisse im Bergbau zu den Einschränkungen gezwungen gewesen ist, die in England stark kritisiert worden seien.
Deutschland schlägt Verhandlungen vor nicht nur über die Kohlenfrage sondern über den Gesamtkomplex der deutsch-englischen Handelsbeziehungen und weist dabei darauf hin, daß von Deuffchland bereits zweimal Verhandlungen angeboken worden sind. Die Rote spricht die Hoffnung aus, daß England den vorgeschlagenen Weg beschrei- ten werde. 3m Laufe dieser Verhandlungen könne auch die Kohlenfrage mit der Hoffnung auf einen Ausgleich der Differenzen behandelt werden.
Keine Praserenzverträge mit Rumänien
Ueber die Diskussion, die wegen der Inkraftsetzung der Präferenzverträge mit Rumänien gegenwärtig geführt wird, wird von zuständiger Stelle in Berlin erklärt, daß es gegenwärtig den Anschein habe, als ob die andere Vertragsseile keinen großen Wert mehr auf den Präferenzvertrag lege, obwohl dieser nur in ihrem Interesse vorgeschlagen worden sei.
Tschechoslowakei und Douauvlan
Außenm der französis
efch nahm zu den Vorschlägen g für die wirtschaftliche Zusam-
menarbeit der mitteleuropäischen Staaten Stellung. Er wies darauf hin, daß die italienische Regierung zögere und die deutsche Regierung sich in ihrem Memorandum im wesentlichen ablehnend äußere.
Die tschechoslowakische Regierung sei bereit, an konkreten Verhandlungen der fünf mitteleuropäischen Staaten auf der Grundlage des Präferenzgedankens teilzunehmen. hierbei halte sie jede politische Aktion von vornherein für ausgeschlossen, ebenso Verhandlungen über eine Zollunion Dieser Staaten. Sie trete in keine Verhandlungen ein, an denen nicht auch Rumänien und Jugoslawien teilnehmen werden. Wenn Berlin und Rom zu der französischen Initiative nicht ihre Zustimmung geben, werde die ffchechoslo- wakische Regierung an nichts teilnehmen.
Der Minister erklärte, das französische Memorandum setze voraus, daß sich die Großmächte klar für den Grundsatz des politischen Desinteressements in Mitteleuropa erklären. Die mitteleuropäischen Staaten hätten bereits ihre politische Reife erlangt und seien bemüht, in Mitteleuropa eine solche Stellung zu erreichen, wie sie zum Beispiel heute Belgien, Holland oder die skandinavischen Staaten haben.
Dr. Benesch hält jede mitteleuropäische Politik, welche Oesterreich in irgendeine antideutsche politische Konzeption hineinziehen würde, für grundsätzlich verfehlt. Die Tschechoslowakei wünscht keine solche Konstellation, da sie ihr nicht zum Vorteil gereichen würde, sondern sie wünscht, mit Deutschland in möglichst freundschaftlichem, politischen Verhältnis zu stehen.
Wie einer Meldung des Krakauer Kuriers zu entneh- ist, sind Außenminister Zaleski und der Staatssekretär lußenministerium Oberst Beck nach Paris gefahren, um
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im Außenministerium Oberst Beck nach Paris gefahren, um dafür zu sorgen, daß Polen bei dem französischen Donaubundplan nicht Übergängen werde.
Voiucare schwer erkrankt
Paris, 23. März
In zahlreichen europäischen Hauptstädten war am Dienstag das Gerücht verbreitet, daß der ehemalige Ministerpräsident Raymond Poincar^ gestorben sei. Auch in Paris erhielt sich hartnäckig das Gerücht, das schließlich von der Polizeipräsektur in Bar le Duc dementiert wurde. Räch den letzten Rachrichken hat sich jedoch das Befinden des erkrankten Politikers derart verschlechtert, daß es Anlaß zu Besorgnissen gibt.
Der Zündholzkönig beigesetzt
Stockholm. Dienstag, 16 Uhr, wurde Jvar Kreuzer im Krematorium auf dem nördlichen Friedhof Stockholms beigesetzt. Auf Wunsch der Angehörigen wurde keine Trauerrede gehalten. Aus dem In- und Auslande war eine Fülle von Blumenspenden eingetroffen.
Memeliändischer Landtag aufgelöst Mißtrauen gegen das Direktorium.
Memel, 23. März.
3m Memelländischen Landtag, in Gegenwart zahlreicher Vertreter der in- und ausländischen Presse, verlas der neue Landespräsident Simaitis die Regierungserklärung. Der Präsident stellte seine Mitarbeiter dem Landtage vor, g'ng dann auf die Gründe ein, die nach Ansicht der litauischen Regierung zur Absetzung des Direktoriums Böttcher geführt hätten und schilderte die Verhandlung wegen Bildung eines neuen Direktoriums. Er betonte dabei, daß es - notwendig fein werde, diejenigen Beamten, die nicht die litauische Staatsangehörigkeit besäßen, aus Dem Dienst des Memelgebietes zu entfernen.
Bei Der Besprechung der Regierungserklärung stellten die Mehrheitsparleien den Antrag, dem jetzigen Direktorium das Mißtrauen auszusprechen. Während sich die litauische Fraktion für das Direktorium aussprach, wandten sich die Sozialdemokraten und die Arbeiterpartei dagegen. In der Abstimmung wurde der Mißtrauensantrag mit 22 gegen die 5 litauischen S ti mmen angenommen. Daraufhin kam ein Akt des Gouver- neurs zur Verlesung, der die A u f l ö s u n g des Landtages verfügt.
„Kamps wie noch nie"
Eine Unterredung Hitlers.
London, 23. März.
„Daily Expreß" veröffentlicht eine Unterredung seines ^SerlingrSnrx^iniyihy Hitler erklärte, er sei keineswegs durch das Wahlergebnis niedergeschlagen. Die Opposition sei jedoch stärker gewesen, als er erwartet habe. Die Lügen hätten ihre Wirkung getan. Es sei eine harte Schlacht gewesen, die aber noch nicht vorüber sei. Er werde kämpfen, wie er noch nie gesümpft habe. Hitler sagte ferner, er sei ganz sicher, beim zweiten Wahlgang seine Stimmenzahl zu vermehren. Die Haupt- überraschung beim ersten Wahlgang sei die Abnahme der kommunistischen Stimmen und die bemerkenswerte Geschlossenheit der Sozialdemokratie gewesen. Er habe allein soviel Stimmen gewonnen, wie die Zentrumspartei seit 40
Jahren unverändert erziele.
Der Korrespondent des „Daily Expreß" schreibt schließlich, daß ihm einer der nächsten Berater Hitlers anschließend an die Unterredung mitgeteilt habe, die RSDAP. erwarte einen Aufruf mehrerer mächtiger nationaler Organisationen, in dem deren Mitglieder zur Unterstützung Hitlers im zweiten Wahlgang ausgefordert würden.
Reichrlandbund zur Stichwahl
Berlin, 23. März.
Der Bundesvorstand des Reichslandbundes faßte folgende Entschließung: „Die Gründe, die den Reichslandbund veranlaßt hatten, feine Stimme nicht für Hindenburg ein» zusetzen, bleiben auch für den zweiten Mahlgang in vollem Umfange bestehen. Die verheerenden Auswirkungen der Irrwege der bisherigen deutschen gesamtstaatlichen und Wirtschaftspolitik sind für die deutsche Wirtschaft von Tag zu Tag fühlbarer. Daher kann ein deutscher Bauer am 10. April nicht Arm in Arm mit der bauernfeindlichen Sozialdemokratie den Reichspräsidenten wählen. Der Reichslandbund hat schon für den ersten Wahlgang die Herausstellung der Persönlichkeit bewußt den anderen Gruppen der Rationalen Front überlassen. Seine Stellungnahme für den zweiten Wahlgang bedeutet daher keine parteipolitische Bindung.
In der Stimmabgabe für Hitler, der als einer der bis- herigen Kandidaten der nationalen Bewegung feine Kandidatur in der zweiten Wahl aufrechterhält, sieht der Reichslandbund eine starke kämpferische Kundgebung. Der notwendige Kampf des deutschen Landvolkes um Befreiung und Selbsterhaltung des Berufsstandes gegen das hinter der Person Hindenburgs schutzfuchende System muß in den darauffolgenden Entscheidungskämpsen bei den Landtagswahlen stärksten Ausdruck erhalten. Der 24. April muß den Sieg bringen."
Stahlhelm zum weiten Wahlgang
Berlin, 23. März.
Der Stahlhelm hat einen Aufruf herausgegeben, in dem er erklärt, daß die Kandidatur des zweiten Bundesführers im 1. Wahlgang zum Ziele gehabt habe, Hindenburg „von dem Einfluß derjenigen politischen Kräfte" zu befreien, „denen der November 1918 zu verdanken ist". Den Bestrebungen des Stahlhelm fei es nicht gelungen, dieses Ziel zu erreichen.
Die Wiederwahl des Reichspräsidenten von Hindenburg fei mit überwältigender Mehrheit des deutschen Volkes entschieden. Der Stahlhelm sehe daher keinen Grund, sich als Bund noch im zweiten Wahlgange zu beteiligen.
Für den Entscheidungskampf am 24. April heiße es: Keine Stimme dem Snstem! Keine Stimme einer Parteikandidatur — Endziel bleibt die gemeinsame Staatsführung durch die nationale Front!