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^ersfel-erTageblatt

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Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei in Hersfeld, Mitglied des VDIV.

Nr. 62

Montag, den 14. März 1932

82. Jahrgang

Die Reichspräsiöenten-Wahl

Voransfichtlich 2. Wahlgang zwischen Hindenburg und Hitler

Der Wahltag:

; Vorläufige Schlußzählung des WTV.

Berlin. Um 24.30 Uhr zählte das WTB. 37 523 200 ab gebene Stimmen. Davon entfielen auf:

Duesterberg 2 577 000

Hindenburg 18 503 700

Hitler 11324 200

Thälmann 4 971 900

Winker 111900.

ungültig 34 500.

Wie kaum anders erwartet war, hat die Reichspräsi- dentenwahl am gestrigen Sonntag ein entscheidendes Er­gebnis nicht gebracht. Das deutsche Volk wird in einigen Wochen erneut zur Urne schreiten müssen, um sein Staats­oberhaupt zu küren. Es ist selten ein Wahlkampf mit große- rer Schärfe geführt worden als der gestrige. Das Aufgebot der Propagandamittel erreichte ein Höchstmaß.

an ^^ vorläufigen S ch l u ß e r g eb n i s sind 32 Wahlkreise vollständig enthalten. Es fehlen noch Teile aus den Wahlkreisen Berlin, Baden, aus dem Amtsbezirk Mann­heim und aus Mecklenburg, schätzungsweise etwa 700 000 Way,berechtigte. Nach dem gegenwärtigen Stand der Zah­lung

fehlen Hindenburg weniger als eine viertel Million Stimmen zur absoluten Mehrheit.

Das Ergebnis der außenstehenden Bezirke dürfte sich so stark von dem Durchschnitt des Eesamtrefultates nicht unterfchei- ven, um diese Differenz aufzubringen.

Alan muß also mit einem zweiten Wahlaana ^"^ ;!'\h JjiM^ "^»-»«MMer^tUl.

M der Vorsprung des Reichspräsidenten von Hindenburg in keinem Falle einzuholen ist.

Der Wahltag ist im allgemeinen ruhig verlausen, von einigen bei fast allen Wahlen auftretenden Zwischenfällen abgesehen. So ist es am Wahlvormittag in Hückeswagen zu einem Zusammenstoß zwischen Kommunisten und National­sozialisten gekommen, wobei 3 Kommunisten getötet wurden. In Mitteldeutschland ist es zu nennenswerten Zwischenfällen nicht gekommen. Die Wahlbeteiligung betraf hier meist die Beteiligung bei früheren Wahlen. Im Regierungsbezirk M<M>eburg hatte die Wahlpropaganda angesichts der ange- küWigten scharfen Maßnahmen der Polizei am Sonntag ganz wesentlich nachgelassen. Das gleiche gilt auch für den Verlauf des Wahltages in Halle. In Erfurt ist es zu keinerlei Störungen der Wahlhandlung gekommen. In Thüringen ist der 13. März ebenfalls außerordentlich ruhig verlaufen. In der Landeshauptstadt war die Wahkpropa- ganda besonders rege. Bereits mittags hatten hier über 50 Prozent der Stimmberechtigten gewählt.

Wahlausschreitungen tm Reich«

Drei Kommunisten erschaffen

Hückeswagen b. Remscheid. Zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten kam es Sonntag vormittag zu Zusammen­stößen, bei denen von den Nationalsozialisten geschossen wurde. Zwei Kommunisten wurden sofort getötet, ein dritter wurde so schwer verletzt, daß er nach einigen Stunden starb. Die Täter, jüngere Nationalsozialisten, wurden verhaftet^ Zur Aufrechterhaltung der Ordnung wurde ein Kommando der Staatlichen Polizei Remscheid alarmiert.

Zehn Verletzte bei einem Zusammenstoß.

Moers. Aus noch nicht geklärten Gründen entstand fvüt ghends vor dem Verlock« der bliliE Kin^urnn-ttuna Ms

Vorläufiges Endergebnis der Wahl.

B e r l i u, 14 März, 2 Uhr nachts.

Der Reichswahlleiter gab nach 2 Uhr nachts bekannt, daß 37 660 377 gültige Stimmen abge geben worden sind. Davon entfallen auf:

Deusterberg 2 557 876 von Hindenburg 18 661 736 Hitler 11338 571

Tdälmann 4 97:079

Winter 111477

Stimmen. An der Absoluten Mehrheit fehlen für Hindenburg rd. 150 000 Stimmen, so daß ein zweiter Wahlgang erforderlich ist. Hitler erklärte im zwe ten Wahlgang wieder zu kandidieren.

schwere Schlägerei zwischen Nationalsozialisten und Reichsbannerleuten. Es fielen zahlreiche Schüsse, und die Gegner gingen mit allen möglichen Schlaginstrumenten auf­einander los. Die Schaufensterscheiben des Zentrumsver- laz^s " urden zertrümmert. Durch Schüsse, Stiche und Hiebe wurden zehn Personen verletzt, davon zwei schwer. Die Po­lizei schritt mit einem größeren Aufgebot «m. Einige ißer« sonen wurden festgenommen.

Überfall auf Wachlokal der Eisernen Front.

Jnsterburg. Sonntag früh gegen 4 Uhr wurde das Wachlokal der Eisernen Front von etwa 89 Nationalsozia­listen überfallen. Sieben Mitglieder der Eisernen Front wurden verletz^ darunter einer schwer. 35 Nationalsoziali-

Ein Toter bei Wohlunru-en in Siegen.

Siegen, 14. März.

Im Anschluß an einen Massenkundgebungszug der Eisernen Front am Sonnabend kam es auf dem Marktplatz zu kommunistischen Ansammlungen. Da die Menge der Auf­forderung der Polizei, die Straße freizuhalten, nicht nachkam, sondern auf die Polizisten Schüsse abgab und sie mit schweren Steinen bewarf, machten die Beamten vom Gummiknüppel Gebrauch und erwiderten das Feuer.

Dabei wurde ein 44 Jahre alter verheirateter Mann, offenbar ein der KPD. nahestehender Teilnehmer, durch einen Schutz getötet.

Politischer Zusammenstoß in der Nacht.

Burg (Dithmarschen). An der Chaussee von Burg nach Wilster kam es in der Nacht zum Sonntag zwischen einigen sich dort begegnenden Nationalsozialisten und Reichsbanner leüten zu einem Z u s a m m »ust o ß, bei dem es durch Messerstich- und Schüsse drei Schwerverletzte gab.

Zusammenstöße im Waldenburger Bergrevier.

Im Waldenburger Bergrevier kam es mehrfach zu Zu­sammenstößen, die mehrere Verletzte und einen Toten for­derten. Bei einer Schlägerei zwischen Klebekolonnen der Nationalsozialisten, Kommunisten und des Reichsbanners in Weißstein wurden acht Personen verletzt, darunter ein Reichsbannermann schwer. In Fellhammer kam es bei einem Umzug der Eisernen Front zu einem Zusammenstoß mit Nationalsozialisten, wobei drei Personen verletzt wurden. Der arbeitslose Berghauer Adolf Schmidt, der an dieser Schlägerei nicht beteiligt war. wurde später tot aufgefunden. Sichtbare Verletzungen sind nicht vorhanden. Durch die Leichenöffnung soll sestgestellt werden, ob Schmidt, wie an­genommen wird, einem Herzschlag erlegen oder bei den Zusammenstößen ums Leben gekommen ist.

Zündholzkönig erschießt sich

Finanzieller krach großen Ausmaßes?

Paris, 14. März.

Am Sonnabend vormittag hat sich der schwedische Zünd holzkonig Jvarkreugerin Paris erschossen. Kreu- gcr, der gerade von einer Amerikareise zurückgekommen war, hatte für Sonnabend nachmittag eine geschäftliche Be­sprechung anberauml, an der englische, französische und ame- rikanische Bankiers teilnehmen sollten. Als der Vizepräsident des Verwaltungsrates fesistellle, daß Kreuzer nicht erschien, fuhr er in dessen Wohnung, wo er Kreuzer angekleidet aus seinem Bett vorfand. Er hatte sich durch einen Revolverschuh in die Herzgegend das Leben genommen.

Kreuzer hinterließ drei Abschiedsbriefe, in denen er als Grund seines Selbstmordes Lebensmüdigkeit und finanzielle Schwierigkeiten angibt. Er hatte in New N o r k bereits einen Nervenzusammenbruch erlitten.

In einer Pressekonferenz, die von der schwedischen R e - g i« r u n g sofort einberufen wurde, erklärte der schwedische Bankeninspektor, die Öffentlichkeit müsse die R u he behalten. Kreuzers Tod brauche keine Erschütterungen ernster Art für das schwedische Bankgewerbe herbeizuführen.

Der zur Konferenz erschienene Ministerpräsident teilte mit, die Regierung werde dem Reichstag sofort einen Gesetzentwurf vorlegen, durch den die Möglichkeit ge­schaffen lverden soll, einzelnen Unternehmungen für be­grenzte Zeit Zahlungsaufschub zu gewähren. Die Mög­lichkeit einer mehrtägigen Börsenschließung wird erörtert. Dagegen ^ist keine Bankenschließung beabsichtigt.

In Frankreich hat der Tod Kreuzers wegen der finanziellen Beziehungen des Großindustriellen zu französi­schen Unternehmunaen arn6u> tH^fii^ Staat «Sauger me^ret^OU Millionen Francs schulde-, un­begründet.

Die Schwierigkeiten Kreuzers seien auf Anleihen zurück- zuführen, die er einigen Ländern bewilligt habe, die infolge Währungsschwierigkeiten Moratorien erklären mußten.

R-uter meldet, daß die Papiere des Kreuzer- und Toll- Konzerns in großen Mengen auf den Markt geworfen wur­den, noch ehe t ie Nachrichten über den Tod Kreuzers «inge- troffen waren.

NachNew Park Times" seien in den letzten zwölf Mo­naten ungefähr 2^ Millionen Kreuger-Anteile aus europä­ischen Besitz in die Hände der Amerikaner übergegangen.

Landtagswahl in Mecklenburg-Strelitz

Nach dem amtlichen Endergebnis der Landtagswahlen

in Mecklenburg-Strelitz:

Socialdemokraten 16166 Stimmen, zehn Mandate;

Vc ,anb d. Haus- u. Grundbef.-Ver. 1588 St., 1 Mand.;

Bürgerliche Mitte 3035 Stimmen, ein Mandat; Nationalsozialisten 14 233 Stimmen, neun Mandate;

Kommunisten 5450, drei Mandate;

Deutschnationale 18 469 Stimmen, elf Riandat«; Christlich-Soziale 796 Stimmen, kein Mandat.

Die BanteilnBoe

Verordnung über die Verschmelzung der Großbanken.

Berlin, 13. März.

Im Reichsanzeiger wird die Verordnung über die Ver­schmelzung der Darmstädter- und Nationalbank mit der Dresdner Bank sowie des Varmer Bankvereins mit der Commerz- und Privatbank veröffentlicht. Danach genüg! für die Beschlußfassung der Generalversammlungen der be- teiligten Banken über die Genehmigung der Verschwel- zungsverträge sowie über im Zusammenhang mit der Der- schmelzung stehende Herabsetzungen und Erhöhungen des Grundkapitals mit Einschluß der erforderlichen Aenderun- gen der Gesellschaftsverträge die Mehrheit der abgegebenen Stimmen.

Die vom Reich übernommene Ausfallbürgschaft für die Erfüllung von Verbindlichkeiten der Danat-Bank wird ab- gelöst. Die Ausfallbürgschaft erlischt mit dem 31. März 1932 ober, sofern die Verschmelzung mit der Dresdner Bank bis zu diesem Tage im Handelsregister nicht eingetragen sein sollte, mit dem Tage der Eintragung. Sie wird aufrecht­erhalten gegenüber im Ausland oder im Saargebiet an­sässigen Gläubigern, soweit es sich um Forderungen han- delt, die von dem deutschen Kreditabkommen von 1932 be­troffen werden, oder um solche Forderungen, über die nach den Grundsätzen der Devisenbewirtschaftung nur mit Geneh­migung der Devisenbewirtschaftungsstelle oder der Reichs- bank verfügt werden darf.

15 Verletzte bei Zugzusammenstotz

Dresden. Auf dem Bahnhof Falkenstein ist Sonn- taq vormittag eine alleinfahrende Lokomotive mit einem Personenzug zusammengestoßen. Dabei entgleisten ^rleti- der der Zuglokomotive und zwei Personenwagen. Nach der amtlichen Feftellung sind 13 Reisende, ein Postbeamter und ein Lokomotivführer leicht verletzt worden.