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Hersfel-erTageblatt

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Reisfelder Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelü

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Druck und Berlag von Ludwig Funks Buchdruckerei in Hersfeld, Mitglied des BDIB.

Nr. 55 (Erstes Blatt)

Sonnabend, den 5. März 1932

82. Jahrgang

Grohkampf um die Präsidentschaft

3m ganzen Reich werden durch zahlreiche Massenversammlungen die Wähler ausgerüttelt

Wtnsung im Osten

Der Konflikt im Fernen Osten scheint nunmehr in sein drittes Stadium sintreten zu wollen. Erstes Stadium der Streit um die Mandschurei, zweites Stadium Mufrollung der chinesischen Frage, drittes Stadium A u f r o l l u n g der japanischen Frage, der Kampf um die Vor­herrschaft imStillen Ozean, der damit das Recht auf seinen Namen verliert, den ihm seine Entdecker gegeben haben. Während der Völkerbund wie die richtige Kräh- winkler Feuerwehr endlich so weit ist, seine Spritze auf das erste Brandobjekt, den mandschurischen Schuppen zu richten (die Untersuchungskommission des Völkerbundes für die Mandschurei ist noch immer nicht an Ort und Stelle einge- troffen), hatte das verheerende Element Zeit, das chinesische Haus zu ergreifen, und schon droht der Funkenflug das ganze Dorf in Brand zu stecken. Folgerichtig entwickelt sich eines aus dem anderen, und das entfesselte Element spottet aller diplomatischen Spritzenkünste.

Die gesamte atlantische Flotte der Vereinigten Staaten hat den Befehl erhalten, durch den Panama-Ka- nal in den Stillen Ozean auszulaufen und im Raume zwi­schen der kalifornischen Küste und Hawai Flottenmanö­ver zu verunstalten. Aus der Kriegsgeschichte weiß man, was es zu bedeuten hat, wenn Herbstmanöver plötzlich im Frühjahr abgehalten werden. Es handelt sich allemal ihn eine verschleierteMobilmachung. Krieg heißt man Manöver. Die amerikanische Flottenleitung beeilt sich zwar, zu erklären, daß die pazifischen Flottenmanöver in keiner Weise etwas mit den Vorgängen in China zu tun hätten. Sie seien schon vor dem Panthersprung der Japaner nach Schanghai geplant gewesen. Sie gibt aber doch zu, von dem Befehl, daß die gesamten atlantischen See- streitkräfte daran teilzunehmen haben,

V Dieser Vorgang erinnert lebhaft an die Zurückziehung der englischen Flotte aus dem Mittelmeer kurz vor dem Weltkrieg. Wie jenes Ereignis der deutlichste Beweis da­für war, daß England und Frankreich ihre Rollen für den kommenden Seekrieg verteilt hatten, so kann man auch heute aus der Entblößung des Atlantischen Ozeans von allen amerikanischen Flottenstreitkräften den sicheren Schluß ziehen, daß die beiden angelsächsischen Seemächte sich über die Zusammenarbeit im Stillen Ozean einig geworden sind.

Die amerikanische Flottenleitung wird also mit ihrer Behauptung, daß sie von dem Befehl, die atlantische Floste nach dem Stillen Ozean zu überführen, überrascht wor- den sei, so wenig Glauben finden wie mit der anderen, daß diese Uebersiedlung nichts mit dem Konflitk im Fernen Osten zu tun habe. Sie will auch gar keinen guten Glauben da­mit finden. Es gehört nun einmal zu den Eigentümlich­keiten der diplomatischen Sprache, daß sie etwas abstreitet, um es zu unterstreichen und daß sie etwas um so mehr ableugnet, je mehr sie es unterstrichen haben will. Ja­wohl, die Welt soll wissen, daß die Vereinigten Staaten auf alles gewappnet sind. Die Zusammenziehung der amerikanischen Seestreitkräfte vor der pazifischen Küste der Vereinigten Staaten ist nicht nur eine unmißverständ­liche Drohung an Japan, sie soll auch der Beruhigung des eigenen Landes dienen.

Die letzten amerikanischen Flottenmanöver am Panama- Kanal sind noch in aller Erinnerung. Sie endeten mit einem Erfolg der Angreifer, denen es nach der Entscheidung des Schiedsrichters im Ernstfälle gelungen wäre, die Schleusen des Panama-Kanals durch einen Fliegerangriff zu zerstören. Dieser Ausgang des Manövers war natürlich eine abgekartete Geschichte. Die Stimmung des amerikani­schen Volkes sollte beunruhigt und für eine Vermehrung der Flotte und den Bau des Nicaragua-Kanals gewonnen werden. Inzwischen ist der Bau des Nicaragua-Kanals vom amerikanischen Parlament beschlossen worden. Er wird einmal die stärkste Seefestung der Welt werden, ein wahrer Fuchsbau mit dem Doppelbecken des Nicaragua- und des Managua-Sees als Kessel und nicht weniger als vier Ausfallpforten nach dem Stillen Ozean. Im Verein mit dem gegenwärtig im Umbau befindlichen Panama-Kanal wird er zu einer Zwingburg für das lateinische Süd- und Mittelamerika und zum Beherrscher zweier Weltmeere wer­den. Vorläufig aber ist er noch nicht gebaut, der Panama- Kanal ist im Umbau begriffen. Heute müßte das Flotten- spiel um den Panama-Kanal einen anderen Ausgang be­kommen. Die Verteidigung müßte unbedingt siegen und dem amerikanischen Volk das tröstliche Bewußtsein einflößen, daß der Panama-Kanal in sicherer Hut sei.

Ein nicht minderes Sorgenkind ist schon in ruhigen Zeiten Hawai. Diese wichtige Inselgruppe, etwa ruf einem Drittel des Weges nach Östasien gelegen, ist zwar im Besitze der Vereinigten Staaten. In der buntscheckigen Be- völkerung dieser Inseln stellen aber die japanischen Ein­wanderer weitaus das stärkste Kontingent, ohne daß es die Amerikaner gewagt hätten, die strengen Einwanderungsver- bot«, die für das Inland gelten, auch auf diese Inseln an* zuwenden. Wer die Metboden der japanischen Politik kennt, weiß, daß sich unter diesen japanischen Händlern nicht wenige japanische Offiziere befinden mögen, die die Achgabe haben, einen Handstreich d«r japanischen Flotte vom Lande

aus zu unterstützen. Von den Philippinen ganz zu schweigen. Wohl hat man in Amerika in den letzten Jah­ren mit dem Gedanken gespielt, diese Inselgruppe aufzu- geben. Man hat es aber wohlweislich unterlassen, diesen Gedanken in die Tat umzusetzen, weil sie sonst doch nur in die Hände der Japaner fallen würde.

Doch nicht nur auf diesem weit vorgeschobenen Dor- vosten Amerikas dürfte es wesentlich zur Beruhigung oe:= tragen, die amerikanische Flott« im Stillen Ozean zu wissen, sonoern auch in Neuseeland und Australien, wo man den Kampf um die Vorherrschaft im Stillen Ozean lebhaft als eine Rassenfrag« empfindet und sich mit den Amerikanern solidarisch fühlt.

Die Meldungen aus Schanghai lauten ziemlich verwor­ren. England und Amerika haben sichtlich das Bestreben, den Völkerbund beiseitezuschieben, dessen französische Führung eine mehr als zweideutige Haltung einnimmt und durch ihre Verschleppungstaktik den Japanern direkt in die Händ? arbeitet. Darum darf auch die scheinbare Bereitwilligkeit der Japaner, auch ihrerseits ihre Truppen zurückziehen, wenn die Chinesen ihre Truppen hinter die 20-Kilometer- Zone zurückziehen, niemand täuschen. Es ist dasselbe be­wußte Doppelspiel, das die Japaner so erfolgreich in der Mandschurei betreiben. Die japanischen Diplomaten sind scheinbar zum Einlenken bereit, während die Militärs unbe­irrt ihre Ziele weiterverfolgen!

Mieüer Gefechte bei Schanghai

5000 Häuser eingeäschert. 8000 Zivilisten getötet.

Nanking, 5. März.

Die Chinesen meiden, daß die javanischen Truppen bei

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ZU scharfen Feuergefechten gekommen ist. Die Hauptmaste der chinesischen Armee zieht sich gegen Quinsän zurück.

Nach Meldungen der Agentur Gomyn sind in Schapei rund 5000 Häuser eingeäschert und etwa 8000 Zivilpersonen getötet worden. Die Leichen liegen noch auf den Straßen. Das chinesische Stadtoberhaupt hat sich an das japanische Oberkommando gewandt mit der Bitte, für die Beseitigung der Leichen Sorge zu tragen.

Die Generale der 19. Armee haben eine Erklärung ab­gegeben, daß sie durch das weitere japanische Vorrücken gezwungen seien, auf eine zweite Verteidigungslinie zurück- zugehen. Sie seien entschlossen, diese bis zum letzten Mann und zur letzten Kugel zu halten.

General Ljuwen von der 19. chinesischen Armee er­klärte, daß der Rückzug der chinesischen Truppen aus Scba- pei und Wusung aus rein strategischen Gründen erfolgt sei. Die neuen Stellungen der chinesischen Truppen seien sehr günstig, da die japanische Armee nicht in der Lage sei, sich auf die Kriegsflotte zu stützen, wie es bei Wusung und Schapei der Fall gewesen sei. Er erklärt« weiter, daß der Kampf zwischen Japan und China jetzt erst beginne,

Ermächtigungsgesetz für Pilsudski

Vorschau. Die polnische Regierung hat im Sejm einen Gesetzentwurf eingebracht, durch den der Staatspräsident di« Vollmacht erhalten soll, Verordnungen mit Gesetzeskraft in der Zeit zwischen dem Abschluß der gegenwärtigen und der Eröffnung der nächsten Sejm-Sitzung zu erlassen.

Parade vor Hindenburg.

U. B. z. Der Reichspräsident v. Hindenburg schreitet die Front des Wachregiments ab, neben ihm (Mitte) der Regi- mentskommandant, (links) der Chef der Heeresleitung General o. Hammerstein.

Stollen macht Den Anfang Oesterreichischitalienisch« Handelsvereinbarung.

Wien, 5. März.

Die Amtliche Nachrichtenstelle meldet aus Rom, daß dort von dem österreichischen Gesandten in Rom Dr. Lothar Egger und dem italienischen Minister des Aeußeren Grandi jetzt eine Ausfuhrvereinbarung unterzeichnet wurde, die den Zweck verfolgt, im allgemeinen Interesse der Förderung der internationalen Warenaustausches den Verkehr zwischen den beiden Ländern zu beleben.

Die Amtliche Nachrichtenstell« schreibt: Dies« Verein­barung sieht die Bildung eines gemeinsamen Tarifrates vor, der zur Aufgabe haben wird, die Ausfuhr der Erzeugnisse der beiden Länder in frachtlicher Hinsicht zu erleichtern. Sie enthält weiter Erleichterungen für die Durchfuhr. Das Ab- kommen bestimmt ferner, daß die vertragschließenden Teile den Abschluß von besonderen Vereinbarungen zwischen Ge­sellschaften der beiden Länder erleichtern werden, um di« Gewährung von Ausfuhrkrediten zu begünstigen. Für bie Gewährung dieser Ausfuhrkredite soll eine österreichisch-ita­lienische Aktiengesellschaft mit dem Sitz in Mailand errichtet werden.

Gens und der flfthnllilt

Die Verhandlungen des Völkerbundes.

Genf, 5. März.

Die außerordentliche Völkerbundsversammlung hat im Rahmen des neugeschaffenen Hauptausschusses, in dem alle Mitglieder des Völkerbundes vertreten sind, bie Verhand­lungen über den chinesisch-japanischen Konflikt fortgesetzt. Die Diskussion entspann sich lediglich über die Frage, ob

ei, standen ebenso entschiedene Erklärungen der Chinesen entgegen. Die Japaner waren außerdem bemüht, die ganze Angelegenheit als zur Zuständigkeit der in Schanghai be- ündlichen Vertreter der streitenden Parteien und der Groß­mächte gehörig anerkennen zu lassen, während bie Chinesen eine energische Intervention des Völkerbundes forderten und vor den japanischen Zusicherungen warnten.

Der Präsident hymans stellte auf Grund der Debatte As einmütig« Auffassung des Hauptausschusses fest, daß die Linftellung der Feindseligkeiten die Grundlage sein müsse, auf der die Völkerbundsversammlung sich mit dem Streitfalls materiell zu beschäftigen habe.

Schanghai-Resolution angenommen

China verbittet sich Bedingungen für den Waffenstillstand.

Genf. Der Hauptausschuß des Völkerbundes nahm am Freitag abend die vom Büro ausgearbeitet« Entschließung über die Regelung der Lage in Schanghai an. In der dar« auf einberufenen Vollsitzung des Völkerbundes «rklärte der Vertreter Chinas, er nehme die Entschließung an. Auch die Vollsitzung sprach sich für Annahme der Resolution aus.

Die Entschließung bezieht sich nur auf bie Waffenstill- standsverhandlungen, nicht auf bie spätere Konievenz.

Der chinesische Vertreter betonte ausdrücklich, daß man in den Waffenstillstandrverhandlungen China keinerlei Be­dingungen stellen dürfe.

Gegen allgemeine Abrüstung

Tardieu erläutert Frankreichs Standpunkt.

Paris. Vor dem Kammerausschuß für Auswärtig« Angelegenheiten sprach Ministerpräsident Tardieu über die außenpolitische Lage. Er erklärt«, Frankreich habe feinen Willen zur Herabsetzung der Rüstungen bewiesen und würde außerdem, wenn die anderen Staaten sich an der Bildung der von Frankreich angeregten internationalen Armee be­teiligten, einwilligen, neue Herabsetzungen seiner Rüstungen zu studieren. Frankreich nehme weder die allgemeine Ab­rüstung, noch die Gleichmachung der Rüstungen an, die eine Prämie zugunsten des Betruges der Zahlen wäre.

Um das Arbeitsprogramm der Abrüstungskonferenz.

Der stellvertretende deutsche Delegationsführer auf der Abrüstungskonferenz, Freiherr von Rheinbaben, verhandelt« mit dem Berichterstatter des Hauptausschusses, Venesch, über die Aufstellung des Arbeitsprogramms der Konferenz. Heut« wird v. Rheinbaben eine Besprechung mit dem stellvertreten­den Führer der französischen Abordnung, Paul-Boncour, haben. ;

Lappounterhändler beim Präsidenten

Helsingfors. Ein Mitglied der Regierung erklärt«, daß sich die Lage zusehends entspanne. Iirveskil« ist nach wi« not von Lappo in Stärke von etwa 500 Mann besetzt. Auch Maentsaelae ist noch in den Händen einer kleineren Lappo- Abteilung. Gegen diesen Ort ist eine Einkreisungsaktion von Militär und Schutzkorps im Gange. Die Regierung besteh« auf Ablieferung der Waffen und Auslieferung der Führer.

Die von Maentsaelae nach Helsingfors entsandten Par«^ lamentäre sind von Präsident Svinhufvud empfangen; worden, J