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Hersfelöer Tageblatt

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Hersfelöer Kreisblatt

Amtlicher /lnzeiger für den Kreis hersfelü

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Druck und Berlag von Ludwig Funks Buchdruckerei in Hersfeld, Mitglied des BDJB.

Nr. 53

Donnerstag, den 3. März 1932

82. Jahrgang

China räumt Schanghai

Japanisches Umgehungsmanöver zwingt die Chinesen, Schapei zu räumen und sich auf eine Verteidungsstellung zurückzuziehen

$em WahIlmps

Mufröl der NSDAP

Die Reichsleitung der NSDAP. hat einen Aufruf zur Reichspräsidentenwahl erlassen, in dem das deutsche Volk nach scharfer Kritik der Politik der letzten dreizehn Jahr« aufgefordert wird, Gericht zu halten mit dem ganzen Sy- stem, das für die Politik verantwortlich sei. Es heißt in dem Aufruf dann u. a. weiter: Am 13. März, dem Tage, an dem vor zwei Jahren Hindenburg seinen Kamen unter die von diesem System angenommenen Pounggesetze schrieb, die Not, Hunger und Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung in das deutsche Volk gebracht haben, greift das seine Le­bensrechte anmeldende junge Deutschland, verkörpert in sei­nem Führer Adolf Hitler, nach der Macht im Staate und wird die alten, zu neuem Leben untauglichen Parteigebilde hinwegfegen.

Die nationalsozialistische Bewegung in dieser Stunde als Sturmkolonne um ihren Führer geschart ruft heute das ganze deutsche Volk auf, mit ihr anzutreten, umMdolf Hitler den Weg zu bahnen an die Spitze der Nation und damit zur Führung Deutschlands in die Frei- ' heit.

Hitler ist für Millionen das erlösende Wort, weil sie heute verzweifeln und nur in diesem Namen einen Weg sehen zu neuem Leben und neuem Schaffen. Hitler erfüllt das Vermächtnis der zwei Millionen toten Kameraden des Weltkrieges, die nicht starben für das heutige System der langsamen Vernichtung unseres Volkes, sondern für Deutsch­lands Zukunft. Hitler ist der seinen Feinden verhaßte Mann aus dem Volk, weil er das Volk versteht und für das Volk kämpft. Hitler, das ist der stürmische Wille der neuer Gestaltung ringt und den Glauben an eine bessere Deutsche Zukunft nicht aufgeben will und kann, und da­rum ist Hitler das lodernde Fanal und die Parole aller, die eine deutsche Zukunft wollen.

Sie alle werden am 13. März den Männern des Sy­stems, die ihnen Freiheit und Würde versprachen, aber Steine und Phrasen statt Brot gaben, zurufen: Euch ken­nen wir zur Genüge, jetzt sollt Ihr uns kennenlernen! Hit­ler wird siegen, weil das Volk seinen Sieg will!

Eine Kandidatenrede Dnefterberg;

Der 2. Bundesführer des Stahlhelm, Oberstleutnant a.

D. D u e st e r b e r g, und der deutschnationale Reichstags- abgeordnete von Freytagh-Loringhoven sprachen in einer gut besuchten Kundgebung in Bremen. Duesterberg er­klärte als Kandidat für die Reichspräsidentenwahl, daß er sich aller Widerwärtigkeiten seines Auftrages bewußt sei. Seine Kandidatur sei für ihn feine Zähl-, sondern eine Ueberzeugungskandidatur. Die Zahl der Gegner werde ihn nicht abhalten, für seine Ueberzeugung zu streiten.

Prof. von Freytagh-Loringhoven gab seinem Bedauern darüber- Ausdruck, daß für den ersten Wahlgang eine Kan­didatenzersplitterung nicht zu vermeiden gewesen fei. Er hoffe, daß der zweite Wahlgang eine Einheitskandidatur der Harzburger Front bringen werde.

MBB für Sindenburg

Der Bundesvorstand des Allgemeinen Deutschen Be­amtenbundes erläßt zur bevorstehenden Reichspräsidenten­wahl einen Aufruf, in dem es u. a. heißt:

Im ganzen Reiche rüsten die Anhänger der faschistischen Diktatur seit Monaten zum entscheidenden Schlage gegen Volksrechte und Demokratie. Sie wollen die Grundrechte der republikanischen Verfassung im Reich und in den Län­dern zertrümmern, um ihre unumschränkte Herrschaft über Beamte, Angestellte und Arbeiter ausüben zu können.

Wer in der Stunde höchster Not und Gefahr als Be­amter der Republik versagt, wer Hitler, Thälmann, Duester- berg oder einem anderen Kandidaten als Hindenburg seine Stimme gibt, der stärkt die Front aller staatsfeindlichen Ele­mente und treibt damit Staat und Wirtschaft in das Chaos. Entscheidet Euch für Hindenburg und verhelft der Republik und dem deutschen Volke zum Siegel

Zentralstelle für Plalat-Zealur

Der Reicksinnenminister hat die Länderregierunyen gebeten, mit der Zensur der Wahlplakate für die Präsi­dentenwahl eine Zentralstelle zu veauftragen, deren Ent­scheidung für das ganze Land gelten soll. Nach den bishe­rigen ^Bestimmungen mußten derartige Plakate bekanntlich eweils von den örtlichen Polizeibehörden zugelassen wer- )en. Um eine einheitliche Handhabung über die Zulassung der Wahlplakate herbeizuführen, ist die vorliegende Bitte an die Länder gerichtet worden. Die Bitte des Reichsinnen­ministers hat für Preußen jedoch keine Bedeutung, da es -in« Zentralstelle dieser Art für Preußen bereit» gibt.

Der amtliche Wahlzettel

Den Länderregierungen ist ein Muster des amtlichen Wahlzettels für die Reichspräsidentenwahl zugeleitet wor­den. Die Kandidaten sind in der Reihenfolge Duesterberg, von hindenburg, Hitler, Thälmann und Winter aufgeführt.

Reichspräsident von Hindenburg ist an zweiter Stelle aufgeführt, weil er ebenso wie bei der Wahl 1925 seine Annahmeerklärung mitPaul oün Hindenburg" und niesn mitvon Beneckendorff und Hindenburg" unterzeichnet hat.

Der Krieg im Sintern

Zwei Todesopfer in Ostpreußen.

3n der Ortschaft Tannenwalde versuchte eine größere Anzahl von Kommunisten nach Schluß einer nationalsozia- listischen Versammlung, ihre politischen Gegner zu überfallen. Da es zu Schießereien kam, wurden die Landjägerei und ein Zug der Schutzpolizei eingesetzt. Die Beamten mußten von der Schußwaffe Gebrauch machen. Eine Arbeiterin aus Tannenwalde und ein Arbeiter aus Königsberg, letzterer Mitglied der KPD, wurden getötet. Außerdem wurden mehrere Personen leicht verletzt.

In einer Wirtschaft im Stadtteil Essen-Borbeck sollte eine nationalsozialistische Versammlung stattfinden. Als sich bereits etwa 30 bis 40 SA.-Leute im Saal eingefunden hotten, verließ ein Mann den Saal. Als er den Hausflur betrat riß ihm ein Kommunist die Mütze weg und lief mit ihr davon. Die Nationalsozialisten nahmen die Verfolgung auf. In der Heeg-Straße fielen plötzlich etwa 60 Anhänger der KPD mit Stöcken, Zaunlatten und Messern über die Nationalsozialisten her. Auch einige Schüsse wurden abge­feuert. Elf Nationalsoizalksten wurden durch Messerstiche und Schläge verletzt. in eine_ nationalsozialistische Versammlung ein. Es kam zu einer Schlägerei, die nach Räumung des Saales von den Kommunisten auf der Straße fortgesetzt wurde. Die Kom­munisten griffen die Polizei und die Landjäger an. Es fie­len auch Schüsse. Etwa 20 Personen wurden verletzt.

Menge stürmt NSDAP -Versammlung

Sechs Schwer-, 15 Leichtverletzte.

land ein mü1

Gladbeck. Die NSDAP. hatte nach Gladbeck-Aweckel eine Versammlung einberufen, zu der auch Andersdenkend« Einlaß begehrten. Etwa 40 Nationalsozialisten hatten aber die Saaltür geschlossen. Gegen 19.15 Uhr ließ sich die Meng« außerhalb des Saales nicht mehr halten und drängte gegen die Tür, die nun geöffnet wurde. Es ents Durcheinander. Von draußen fielen Schüsse und wurden Steine in den Staal geworfen. Sechs Personen erhielten schwere und 15 leichte Verletzungen. Die Verletzten, die ver­schiedenen Organisationen angehören, wurden dem Kranken­hause zugeführt. Die Polizei stellte die Ruhe und Ordnung bald wieder her und besckstagnahmte verschiedene Pistolen, Totschläger und ein Rehgeweih, das als Waffe gedient hatte. Mehrere Personen wurden festgenommen.

Der fünfte Reichspräsidentschafis-Kandidat.

Als fünfter Kandidat für die Reichspräsidentenwahl ist der Betriebsanwalt Gustav Winter aus Großjena aufgetaucht. Gustav Winter hat durch feine Forderung der Aufwertung der rotgestempelten Tausendmarkscheine und sein phan­tastisches Projekt einer Wirtschaftsreform einen beträchtlichen Anhängerkreis um sich gesammelt.

Botschafter Nadolny hat Genf für kurze Zeit verlassen, um sich nach Berlin zu begeben, und dem Reichskanzler Dr. Brüning über den weiteren Verlauf der Abrüstungskonfe­renz Bericht zu erstatten.

BräRbent ohne Direktorium

Simmat übernimmt die Geschäfte.

Memel, 3. März.

Der neue Präsident Simmat hat die Geschäfte der Di­rektoriums übernommen, obwohl ein Direktorium noch nicht gebildet worden ist.

Gouverneur M e r k y s sowie T o l i s ch u s und S i m* m a t hielten bei dieser Gelegenheit Ansprachen. Simmat erklärte unter anderem, daß er auf Sinhaltung des Statuts Wert legen wolle, (l?) Es haben neue Verhandlunaen mit den Mehrheitsparteien stattgefunden, die aber ebenfalls zu keinem Ergebnis führten, da Simmat auf seinem alten Standpunkt verharrt, neben zwei Angehörigen der Mehr­heitsparteien einen weiteren Litauer nach feiner Wahl als Landesdirektor zu ernennen.

Woraus es aukommt

Generaloberst a. D. heye über Abrüstung und Tribute.

Breslau, 3. März.

Auf Einladung des Stahlhelm sprach vor einem Kreis geladener Gäste der ehemalige Chef der Heeresleitung, Ge­neraloberst a. D. Heye, über das ThemaWas gab ba» Wehrdiktat von Versailles uns Deutschen und was ist von der Abrüstung der anderen zu erwarten". Generaloberst Heye berichtete einleitend über seine Eindrücke auf seinen Reisen nach Nordamerika und nach Mittelamerika, wo er habe feststellen können, daß sich ein gänzlicher Stimmungs- unschwung zugunsten Deutschlands bemerkbar mache. Auch in England denke man heute über Deuftchland anders als im Weltkriege. Deutschlands einzige Feinde, deren Willen auf Knebelung und die Vernichtung Deutschlands gerichtet sei, seien heute Frankreich, Polen und die anderen Vasallen­staaten. Das Versailler Diktat sei erfüllt von der Rachsucht und von der Angst der Feinde, insbesondere Frankreichs. Niemals werde Frankreich von selbst abrüsten. Darüber müsse sich jeder Deutsche klar sein. Frankreich habe in Genf den Vorschlag gemacht, eine Armee des Völkerbundes zu gründen.

3m Völkerbund fei naturgemäß Frankreich maßgebend, und französische und polnische Truopen sollten in der Haupt­sache diese Völkerbundsarmee bilden, damit Frankreich, Polen und die übrigen Vasallenstaaten die Bered) tigung er­hielten, ihre Truppen nicht abzurüsten. Es sei zu hoffen, daß die deutsche Regierung in Gens nicht auf den Vorschlag Her­einfalle, denn niemals würde Deutschland die 13 Jahre Bor- sprung wieder einholen, die die übrigen Staaten vor uns haben.

Zur Tributfrage übergehend betonte Generaloberst Heye, Deutschland habe sechsmal mehr bezahlt als der ganze Wiederaufbau in Frankreich gekostet habe. Rund 11K Milliarden Gold ruhten heute in den Safes der Bank von Frankreich, während wir hungerten und die Welt vergeblich um Hilfe bäten. Mit der Srlegsfchuldlüge wolle Frankreich uns vor der Welt ächten, um seine Raubpolitik zu legali­sieren. Das Diktat von Versailles sei ein Rechtsbruch schlimmster Art. Darum fort mit Veriailles, fort mit Kriegs­schuldlüge, die leider noch immer nicht amtlich zurückgewie­sen worden fei, und fort mit den Tributen, die uns bedrück­ten.

Deutsch-italienische Verhandlungen

Abschluß eines Zusatzabkommens.

Rom, 3. März.

Die zwischen der deutschen und italienischen Delegation geführten Besprechungen über einige Abänderungen des be­stehenden deutsch-italienischen Handels- und Schiffahrtloer- trages vom 31. Oktober 1925 haben zum Abschluß eines Zusatzabkommens über eine Reihe konkreter Frauen geführt, das in den nächsten Tagen unterzeichnet wird. Außerdem haben die beiden Delegationen während der Ver­handlungen die Handelsbeziehungen ihrer Länder einer um­fassenden Nachprüfung unterzogen. Sie sind dabei zu der Ueberzeugung gekommen, daß erfolgversprechende Möglich­keiten für eine enge wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Italien bestehen.

Demgemäß haben die beiden Regierungen sich entschlos­sen, zunächst binnen kürzester Frist Besprechungen zwischeu deutschen und italienischen Produzenten herbeizuführen, um damit die tatsächlichen Grundlagen zu Vereinbarungen zwi­schen den gleichartigen Wirtschaftszweigen beider Lander zu schaffen. Die beiden Regierungen sind darüber einig, daß die Ergebnisse dieser Besprechungen einen nützlichen Aus­gangspunkt für künftige Verhandlungen zwischen den beide« Ländern bilden werden.

Sturm auf Kohlenhalde«

Walsum. Die Kohlenhalden der stillgelegten Zeche Rhein I" der Vereinigten Stahlwerk« wurden von an- nähernd 500 Personen an verschiedenen Stellen zugleich ge­stürmt. Die Polizei hat 30 Personen festgenommen.