Hersfel-erTageblatt
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Hersfelöer Kreisblatt
Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfel-
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Nr. 50
Montag, den 29. Februar 1932
82. Jahrgang
Amerika im Hintergrund
Keine Einigkeit unter den Grohmachten über die Haltung gegenüber Japan erreichbar
Aufmarsch der Fronten
Severings Kampfansage
Für Hindenburg — gegen den Terrorismus.
Berlin, 29. Februar.
In einer Konferenz der preußischen Obemräsidenten und Regierungspräsidenten, an der auch Ministerpräsident Braun und die Staatsminister Steiger und Grimme teilnahmen. erklärte Innenminister ©entring u. a. zur Wahl des Reichspräsidenten, es gebe nur einen ernsthaften Kandidaten, nämlich Hindenburg.
Zu den Parteien, die unverhüllt ihren Dernichtungswil- len dem heutigen Staat gegenüber zur Schau tragen, könne es keine andere Einstellung für preußische Beamte geben, als die bisherige ablehnende. Bei aller Wahrung der parteipolitischen Neutralität müsse den Bestrebungen staatsfeindlicher Parteien auch im Kampf um den Reichspräsidentenposten entschieden entgegen getreten werden. Vor allem müsse mit allem Mitteln den Versuchen terroristischer Beeinflussung der Wähler entgegengetreten werden.
Der Minister erklärte: Ich bitte Sie daher, von der Möglichkeit, Verleumdungen der Reichs- und Staatsregie. rung in der Presse durch Auflage von Berichtigungen ent- gegenzukreken, weitgehenden Gebrauch zu machen. Jede Ruhestörung größerer Art muß auf jeden Fall verhindert werden. Ich werde den Ausschank von Branntwein usw. für den 12. und 13. März verbieten.
Aufbau oder Chaos?
Finanzminister Dietrich spricht.
Berlin, 29. Februar.
In einer öffentlichen Kundgebung der Deutschen Staatspartei erklärte Reichsfinanzminister und Vizekanzler Biet« r i iv.ur Reichspräsidentenwahl, die heutigen Schwierigkei- AWNM-en nicht im S y ste m begründet, ionvern berühren auf iTer Tatsache, des verlorenen Krieges. Die eigentlichen Betriebsausgaben des Reiches seien heute nicht größer als vor dem Kriege. Der Grund der ungeheuren Steuern liege zunächst in den Folgen des verlorenen Krieges und ferner in den Kosten der großen Arbeitslosigkeit, die sich auf 3,3 Milliarden belaufen und wovon das Reich etwa ein Drittel zu tragen habe.
Der Ruf nach Systemwechsel könne höchstens bedeuten Inflation und Arbeitszwang. Wehe dem Volke, das dem Aberglauben erliege, daß es nur auf die Regierung-ankomme, nicht auf das Volk selbst!
Der Minister betonte zum Schluß: Hindenburg sei das Symbol der deutschen Einheit. Wir müßten hinwegsehen über alle Gegensätze und den Aberglauben an die Allmacht des Staates verwerfen. Das Volk müsse sich wieder auf sich selbst und auf die Kräfte besinnen, die in ihm ruhen.
Hitler an Hindenburg
Für Ritterlichkeit im Wahlkampf.
Berlin, 29. Februar.
In einem Brief an den Reichspräsidenten wendet sich Hitler vor allem gegen zwei Stellen des sozialdemokratischen Wahlaufrufs. In ihm wird eine etwaige Wahl Hitlers zum Reichspräsidenten gleichgesetzt mit Chaos in Deutschland und in ganz Europa und der Vernichtung aller staatsbürgerlichen Freiheiten, der Presse usw. Hitler erklärt hierzu, daß «r es in seinen Aeußerungen gegenüber Ausländern nie unterlassen habe, darauf hinzuweisen, daß jede bisherige deutsche Re- gierung von wahrhafter und aufrichtiger Friedensliebe beseelt gewesen wäre. „Wenn künftig Versuche erfolgen, unter Hereinbeziehung Hindenburgs Namen eine unbequeme deutsche Bewegung vor dem Ausland als Unruhestifterin hinzustellen, die nicht zurückgewiesen werden, so werden sie von Hitler persönlich in geeigneter Weise abgewehrt." Nachdem er weiter sagt, daß die verfassungsmäßig garantierte Wahlfreiheit gerade jetzt während der Vorbereitungen des Wahl- kampfes schonungslos unterdrückt wird, wendet sich Hitler gegen die Bemerkung des Innenministers Severing gegenüber den preußischen Ober- und Regierungspräsidenten, in der die Nationalsozialistische Partei als staatsfeindlich hingestellt wird. Was die Aeußerung anbelangt, daß Hitler feine Staatsarrgehöriakeit verloren habe, weil er aus Oesterreich desertiert sei, erklärt er, daß er schon im Februar 1914 überhaupt keine österreichische Heeresverpflichtung mehr hatte und mithin aus freiem Willen und nationaler Begeisterung bei Kriegsausbruch in die deutsche Armee eintrat. Der Brief schließt mit einem Appell an den Reichspräsidenten, in diesem Kampf die Grundsätze der Ritterlichkeit roieber herzustellen.
Volkspartei erläßt Hindenburg-Aufruf
Reichsausschuß und innerparteiliche Vorgänge.
Berlin. Vor dem Reichsausschuß der Deutschen Volks- partei erstattete der Parteiführer Dr. Dina « ld « y den Bericht über die politische Lage. Der Wechsel im politischen Kurs müsse durch Kampf im Parlament, nicht aber durch den Druck der Parteien auf das Reichsoberhaupt erreicht werden. Aus diesem Grunde trete auch die Deutsche Volks- partei für die Wiederwahl Hindenburgs ein.
Zu den innerparteiliches» Vorgänge», sagte £& LiKSMvr
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^"^^^ der Parteiführung über den Zusammen- tchluß von Organisationen der Deutschen Volkspartei mit anderen Parteien verhandelt oder dazu auffordert.
Hitler im Sportpalast
Berlin, 29. Februar.
In einer Kundgebung der Nationalsozialisten, die am Sonnabend abend im Sportpalast stattfand, erklärte als erster Redner Dr. Goebbels, die Gelegenheit sei gekommen, um dem System den letzten Stoß zu versetzen. Goebbels kündigte an, es würden bis zum 13. März etwa 50 000 Massenkundgebungen im ganzen Reiche abgehalten werden.
Um 9.30 Uhr erschien Hitlerim Sportpalast, von Heilrufen der Versammlung begrüßt. Er führte aus, die Regie- rungspolitik der letzten dreizehn Jahre habe Deutschland immer tiefer ins Verderben gestürzt. Die Stunde der Abrechnung sei jetzt gekommen. Er, Hitler, sei stolz darauf, heute seinen Namen als Symbol und Hoffnung von Millionen Deutscher dem zerbröckelnden System entgegenhalten zu dürfen. Die Versammlung ging dann in Ruhe auseinander. Zu Zwischenfällen kam es nicht.
Neuer Anschlag gegen Kahelübertragung?
Kurz vor Uebertragung der Ansprache Hitlers im Sportpalast durch die bestehende Kabelverbindung zwischen Sportpalast und Sporthalle in Wilmersdorf wurde festgestellt, daß an einer Stelle das Kabel angeschnitten und eine neue Leitung bis in die nahe gelegenen Büsche gezogen wurde. Es hat den Anschein, als sollte hier, wie bei der Störung der Neujahrsrede des Reichspräsidenten, eine Gegenan- spräche eingeschaltet werden.
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Gegen Verbot des „Angriff".
Gegen das Verbot des „Angriff" haben die Nationalsozialisten beim Reichspräsidenten, dem Reichskanzler und dem Reichsgericht Beschwerde eingelegt.
Nicht nur Zählkandidat
Köln. Der vom Stahlhelm aufgestellte Präsidentschaftskandidat, Oberstleutnant a. D. Duesterberg, hielt in der Großen Messehalle eine Ansprache, in der er erklärte, er betrachte seine Kandidatur zur Präsidentschaft nicht nur als eine Zählkandidatur, sondern als eine Ueberzeugungs- k a n d i d a t u r. Der Stahlhelm kämpfe nicht für eine Person, sondern für die Nation.
Der Reichspräsident beim Morgenspaziergang.
Diese am Sonnabend gemachte Aufnahme zeigt den Reichs Präsidenten im Park seines P.alais beim morgendlicher Spaziergang mit feinen Enkelkindern Gertrud, Helga unk Hubertus, den Kindern des Obersten von Hindenburg.
Japan geschieht nichts!
„Unter keinen Unfständen Sanktionen".
London, 28. Februar.
Die amerikanische Regierung hat den führenden europäischen Mächten zu verstehen gegeben, daß sie sich an etwaigen Völkerbundssanktionen gegen Japan nicht beteilige und sich deshalb auch nicht bei der Vollsitzung des Völkerbundes vertreten lassen werde. Unter diesen Umständen feien die Mächte darin einig, unter keinen Umständen die Aufwer- fung der Frage von Sanktionen zuzulassen.
In London wird erklärt, für England würde es nicht angebracht sein, wie Amerika es getan habe, schon im voraus eine gewisse Verletzung des Kelloggpaktes oder des ?^eunmächteoertrages durch Japan anzunehmen, da es als Mitglied des Völkerbundes der Genfer Entscheidung nicht oorgreifen dürfe. In London herrscht Besorgnis über die Bemerkung im Schreiben Stimsons an Senator Borah, die den amerikanischen Wunsch nach einer Erhöhung der durch den Washingtoner und Londoner Flottenvertrag festgesetzten Grenzen der Seerüstungen andeutet, so daß man sich in London frage, ob Amerika etwa an die Anwendung der im Londoner Vertrag enthaltenen „Gleit-Klausel" denkt. Dies würde England in eine unangenehme Lage bringen, da es bisher nicht einmal seine volle vertragliche Flotten- stärke ausgebaut habe.
Die Verluste bei Kiangwan
• Schanghai, 29. Februar.
Wie gemeldet wird, find die Neuangekommenen japanischen Truppen in der Internationalen Zone gelandet. Die japanischen Verluste bei den Kämpfen um Kiangwan werden "uj 1500, die der Mnejey.auj 4000 Mann geschätzt. Außer- oem feien 8000 chinesische Zivilpersonen getötet oder verwundet worden.
Die japanischen Kommandanten in Schanghai sollen sich entschlossen haben, angesichts der bevorstehenden Ankunft chinesischer Verstärkungen Kriegsschiffe auf dem Dangt- sekiang einzusetzen.
In Beantwortung der von den Großmächten unternommenen Demarche gegen die Landung japanischer Truppen in der internationalen Konzession werde Japan antworten, es sei ihm unmöglich, in die militärischen Operationen einzugrei- fen; es werde aber nach den internationalen Gesetzen der Gerechtigkeit verfahren.
Chinesen räumen Kiangwan
Flugplatz Hangkschau durch Japaner zerstört.
Schanghai. Die Chinesen haben Kiangwan völlig geräumt und eine Linie Schützengräben unmittelbar westlich der Stadt bezogen. An dieser neuen Front kam es zu Kämpfen. Die Chinesen behaupteten jedoch ihre neuen Stellungen.
Der Flugplatz Hangtschau war das Ziel eines japanischen Luftangriffs. Drei japanische Bombenflugzeuge zer- störten den ganzen Flugplatz. Der dem Marschall Tschiang- kaischek gehörerrde Flugplatz soll gleichfalls vollständig zerstört worden sein.
Kiangwan gleicht zur Zeit einem einzigen Totenlager. In den Straßen wurden 1600 tote Zivilisten gezählt, während die Ruinen der einstmaligen Stadt zweifellos noch Hunderte von Toten bergen. Der Leichengeruch vertreibt die Chinesen aus den Mauern der Stadt. An eine Beisetzung der Todesopfer kann nicht gedacht werden, da die Stadt ununterbrochen heftigen Angriffen der japanischen Artillerie und der japanischen Flugzeuge ausgesetzt ist.
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In Völkerbundskreisen tauchte das Gerücht auf, daß in Schanghai ein sofort in Wirkung tretender Waffenstillstand geschlossen worden sei.
Brotpreiserhöhung verboten!
Berlin, 29. Februar.
Der Reichskommissar für Preisüberwachung erläßt angesichts der Getreidepreisentwicklung für Roggen und der sich daraus ergebenden rückläufigen Bewegung am Roggenmehlmarkt und der weiter getroffenen Maßnahmen zur Beeinflussung der Marktlage für Roggen und Roggenmehl folgende Verordnung: >
Der Kleinverkaufspreis für Brot im Gewicht von minde- stens 500 Gramm, zu dessen Herstellung mehr als 30 Pro jent Mahlerzeugnisse des Roggens verwendet werden, darf nicht über den Stand der letztvergangenen Woche erhöht, lverden.
Zuwiderhandlungen werden mit Geldstrafe geahndet, Dies« Anordnung tritt mit der Bekanntgab« in der Funk- stunde Berlin am 28. Februar in Kraft.
Ich weise darauf hin, daß ich befugt bin, bei Zuwiderhandlungen die Fortführung des Betriebes zu untersagen oder Schließung der Betriebs- und Geschäftsräume anzu- ordnen.