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Paul Schonyerr,

■ der bekannte Dichter und Schriftsteller, Träger des Burgtheaterringes 1931, wurde ■ 65 Jahre alt. [Atlantic] g

e Spur muhte erfaßt und verfolgt werden." — „Aha, und da?" i „Dazu brauchte er tausend Mark. Und die hatte ich nicht!

8 Dreihundert tjatte ich mir gespart. Die gab ich ihm. Er konnte i damit aber nur ganz geringe Arbeit leisten. Sein Weg wies ihn 8 zunächst ins Ausland. England. Eine Frau, begleitet von einer g jungen Weibsperson, einem Mann und einem Säugling ist ■ nachweislich zur angegebenen Zeit in einem kleinen nordischen i Küstenstädtchen gewesen. Längere Zeit. Sie haben sich scheu = und zurückhaltend benommen —"

„Verzeihen Sie, kleine Stiefmama — bis hierher folgte ich | Ihrer Erzählung mit Teilnahme, Interesse und Spannung, i Hier aber bitte ich, meine Überzeugung aussprechen zu dürfen: | Sie sind einem ganz gerissenen Subjekt in die Hände gefallen. I Bestimmt sind zu dieser und jeder anderen Zeit alte und junge | Frauen mit oder ohne Säugling an jedem Ort der Welt zu i finden gewesen."

„Ja, aber er sagte mir doch, daß das Kind blond und ein I Mädchen gewesen sei!"

„Ein überwältigend überzeugendes Dokument! Ein blon-

i des Mädchen! Das kann natürlich nur das | Ihre gewesen sein! Frau Gisela, danken l Sie dem Geschick, daß es Ihnen die tau- | send Mark vorenthielt. Jeder Pfennig, i diesem Moloch geopfert, war verloren!" „Dann hätte ich aber gar keine Hoff- 1 nung mehr?"

Jammernd sagte es die junge Frau.

Referendar Brockmann lieh die zittern- | den Hände der jungen Frau mit trost- l vollem Druck frei. Stand auf, trat ans । Fenster und starrte eine kurze Zeitspanne l in Sinnen verloren in das Straßenbild.

„Frau Gisela", er wandte sich und trat i vor die zusammengesunkene Gestalt der I schmerzensreichen Mutter, „ich habe Sie | vorhin an einem Schwur gehindert. Was i Sie mir auch sagen wollten — ich glaube

8 Ihnen nach dieser Stunde alles, auch i das Ungeheuerlichste, ohne Schwur!' Ich

8 habe so unverzeihlich an Ihnen gefrevelt, | daß ich im Moment nicht weiß, ob ich

8 jemals diese Schuld sühnen kann. Sie ■ haben mir ein Opfer gebracht, so grenzen- £ los, so erhaben! Ich weiß ja nun, daß 1 Ihnen die Preisgabe des Geldes Ihr | Lebensglück zum zweiten Male vernichtet. ■ Und dennoch nehme ich Ihre Hilfe an, | wiewohl ich im Moment nicht weiß, ob ich ■ jemals diese Schuld sühnen kann. Sie

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haben mir ein Opfer gebracht, so grenzenlos groß und er­haben—t Das in einem harten Leben vergebens ersehnte Geld — heute fiel es Ihnen in den Schoß. Sie hätten mit diesem Gelde vermocht, sich Sklaven für Ihre Zwecke zu kaufen. Sie gaben die ganze Summe ungeschmälert mir! Sie gaben sie einem Mann, von dem Sie nichts wissen, als daß er ihr Feind ist, Ihnen das Grausamste anzutun imstande, was ein Mensch dem andern zufügen kann."

„Von dem ich weiß, daß er gut und unglücklich ist und seines Vaters ganzer Stolz."

„Gleichzeitig mit dem Gelde geben Sie sich diesem Menschen preis! Ihr ängstlich gehütetes Geheimnis, die Schuld in Ih­rem Leben, Sie breiteten sie vor mir aus. Sie taten dies alles, damit ich leben soll!" Die Stimme des Sprechenden verriet zitternde Erregung. Die ungeheuerliche Tat der Frau vor ihm legte sich wie eine heilige Hand aus sein wundes Gemüt. Er fuhr fort: „Ich kann Ihnen heute nicht danken! Ich werde es nie genügend können! Aber einen Schwur sollen Sie von mir mit in ihre ferneren Tage nehmen. Gott, der diesen Schwur hört, helfe mir zum Gelingen und strafe mich, wenn ich jemals in meinem Leben lässig werden sollte, ehe ich mein Versprechen eingelöst habe. Frau Gisela, ich schwöre Ihnen bei allem, was heilig ist, daß ich Ihr Kind suchen werde! Es wird für mich nur noch einen Lebenszweck geben: das verlorene Mädchen zu finden. Gott helfe mir!"

Erschüttert sah die Frau. Die Hände verkrampft im Schoße. Schwere Tränen rannen ungehemmt' über ihre Wangen. Zu sprechen vermochte sie nicht. Aber sie umklammerte seine Hände. Diese Bewegung verriet dem Mann ihre Zuversicht: Nun wird alles gut! Du vollbringst das Unmögliche.

„Kleine Stiefmama", der Referendar lächelte bei diesen Worten, „darf ich heute abend mit Ihnen und Vater den Tee nehmen?"

Froh überrascht blickte sie ihn an: „Das wollen Sie tun? Aber das wird Ihren Vater freuen! Ich will es ihm gleich sagen —" Frau Gisela kam zu sich. Sie fand sich durch Harros Frage auf realem Boden wieder. Die ganze Wucht und Schwere der vergangenen inhaltvollen Stunde warf ihre ge­sunde Lebensbejahung ab. „Wie jung sie noch ist", dachte der Mann erstaunt.

Er fragte: „Was wird Vater von alledem erfahren, was wir durchgesprochen haben?"

„Von mir nicht mehr, als daß Sie gerne und freiwillig zu ihm kommen. — Die ganze Schuld meines Lebens habe ich ihm gebeichtet. Nur über die Existenz des Kindes sprach ich nicht. Noch nie und zu keinem. Aber ich will ihm nun auch dieses noch mitteilen, heute noch!"

(Fortsetzung folgt)

Mussolinis Besuch beim Papst am Jahrestag des Lateranfrieden» und Vorabend des zehnjährigen Krönungstages des Papstes. sAtlanticj

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