wollte Herbeiführung des Zusammenbruchs als Partei des Landesverrats demaskiert. Ich sümpfe lieber gegen den Feind, als daß ich infolge der marxistischen Brüningpolitik vor Hunger krepiere! Mit talmudisch geschulter Spitzfindigkeit hat man aus den Worten des Abg. Goebbels eine Beleidigung konstruieren wollen. Er hat dabei von einem Lobe gesprochen, das kann niemals eine Beleidigung sein. Das sind die letzten Zuckungen eines unsinnigen Systems, das sich, unfähig, sich sonst zu wehren, nur der Mittel brutalster Vergewaltigung bedienen kann. (Lebh. Beifall bei den Nat. Soz. — Große Unruhe links und in der Mitte).
Abg. Dr. Schuhmacher (Soz.) wendet sich unter dem Lärm der Rechten gegen die Ausführungen von Dr. Goebbels. Goebbels sei kein Politiker, sondern ein kümmerliches, kleines Feuilleton, der nur vom dauernden Appell an den inneren Schweinehund im Menschen lebe. Er und seine Partei haben es zwar verstanden, die Dummheit zu mobilisieren, aber schließlich werde die Dummheit nicht in Deutschland Sieger bleiben. Für den Geist der Nationalsozialisten sei es bezeichnend, daß der Nationalsozialist Feldmann- Hessen zu fünf Jahren Zuchthaus wegen Spionage zugunsten Frankreichs verurteilt werden muhte.
Abg. Künstler weist die Behauptung zurück, daß er Deserteur gewesen sei. Er habe vielmehr an der Westfront gekämpft. Darauf wird die Aussprache fortgesetzt.
Abg. Mbricht (Komm.)
erklärt, das deutsche Proletariat werde weder Hindenburg, noch die Kandidaten des Faschismus wählen.
Hitler habe ebenso wie die Sozialdemokraten die Brü- ningsche Notverordnungspolitik toleriert. Alle seien einig in der kapitalistisch-imperialistischen Unterdrückungspolitik gegen das Volk, nur die Kommunisten würden den Kamps gegen dieses System führen.
Abg. Battrusch (Bolksnat. Reichsogg.)
seine Gruppe stehe treu zu Hindenburg. Die Nationalsozialisten hätten seinerzeit nicht Herrn von Hin- denburg geholt, sondern sie hätten sich seinerzeit gegen ihn erklärt als chn der Jungdeutsche Orden in der entscheiden- oen Sitzung auf den Schild erhoben habe. Andere Teile der nalionalen Opposition hätten sich oom Nazitum und eigenem Machtkitzel bestimmen lassen, setzt Herrn von Hindenburg die Treue zu brechen. Der Redner fuhr fort:
Wir aber stehen zu ihm, weil wir in ihm den besten Garanten für die Sicherung der nationalen und christlichen Ordnung in Deutschland sehen. Wir wissen, wie sinnlos die Luge ist, daß der Reichspräsident unter dem Einfluß iemes Sohnes und des Staatssekretärs Meißner sich poli- tisch gewandelt habe. Wir wissen, daß er sich treu geblieben ist, wir kennen ihn als einen Mann von sozialer Gesinnung. ' 3
. , weiteren Ausführungen des Redners werden wiederholt durch nationalsozialistische Zwischenrufe unterbrochen.
12 Uh^ Etagt^ w^ &ie Weiterberatung auf Mittwoch,
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Berlin, 24. Februar
Der Zweite Bundesführer des Stahlhelm, Oberstleutnant a. D. Duesterberg, erläßt eine Erklärung, in der er sagt:
Zu unserem Bedauern hat der Reichspräsident von Hindenburg sich entschlossen, ohne Kursänderung und schon im ersten Wahlgang sich aufstellen zu lassen. Wir vom Stahlhelm haben unsere Soldatentreue im Felde und vom November 1918 bis zum heutigen Tage nicht mit Worten, sondern mit Taten bewiesen. Die Reichspräsidenten wähl ist aber ein politischer Wahlakt, nicht eine militärische Handlung.
Ich neige mich in Ehrfurcht vor dem greifen Generalfeldmarschall, den ich wie einen Vater verehre. Daß wir den Kampf um die Reichspräsidentenschaft ritterlich führen, ist für uns alte Soldaten selbstverständlich. Das gilt auch dem anderen nationalen Kandidaten gegenüber, dem Führer der RSDAP, dessen Einbürgerung der Stahlhelm für selbstverständlich erklärt hat.
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Roman von Marlise Sonneborn
Copyright by Martin Feuditwanger, Halle (Saale)
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»Unser Vertrag lief auf sechs Jahre!" begann Doktor van Delden.
»Er ist erledigt in dem Augenblick, wo Sie wünschen...I"
»Also jetzt!"
„Sehr wohl!"
„Ich zahle Ihnen das Gehalt!"
„Ich verzichte!"
„Ich bitte Sie!"
„Gehaben Sie sich wohl, Herr Doktor van Delden. Vielleicht haben Sie recht, von Ihrem Standpunkt aus. Aber auch wir Aerztinnen sind Menschen!"
„Frauen!" warf Doktor van Delden maliziös ein-.
„Auch das!"
Und kennen keine Treue gegen den Mann, nicht gegen den Beruf, dachte Doktor van Delden, aber er sprach es nicht aus.
„Ich habe Ihnen vieles zu danken!" sagte Elisabeth stolz. „Und vergesse das nicht. Wenn Sie einmal milder denken sollten, menschlicher, gerechter, ich bin stets bereit" — sie stockte —. „über diese Stunde hinweg für Sie zu wirken, wie immer es sei!"
„Ich auch! Ich danke Euer Exzellenz!"
Elisabeth warf den Kopf zurück. Mit dieser offiziellen Anrede brach er freilich jede Brücke zwischen ihnen ab. Ohne noch einen Blick auf den bisherigen Freund zu werfen, verließ sie sein Zimmer.
Doktor van Delden stützte den Kopf in beide Hände.
Das war das Ende vom Liede!
Er stöhnte leise in sich hinein.
„Onkel Hannes?"
Der Arzt fuhr auf.
Hitler ReichsratsmitglieL
oder Einbürgerung auf direktem Wege?
Berlin, 24. Februar.
3n einer nationalsozialistischen Wahlversammlung im Sportpalast erklärte Dr. Goebbels, er sei von Hitler ermächtigt, in aller Form mitzuteilen, daß feine gestrige Mitteilung über die Aufstellung Hitlers zum Präsidentschaftskandidaten mit dessen Wissen geschehen sei.
Im Zusammenhang mit der Kandidatur Hitlers für die Reichspräsidentenwahl gewinnt die Frage feiner Einbürgerung wieder an Interesse. Von nationalsozialistischer Seite wird die von einem Berliner Abendblatt verbreitete Nachricht über die Anstellung Hitlers als Professor für politische Pädagogik in Braunschweig bestricken. Dagegen hält man es für wahrscheinlicher, daß Hitler von der braunschweigischen Regierung zum bevollmächtigten Vertreter im Reichsrat ernannt wird. Aber auch diese Lösung dürfte gewissen Schwierigkeiten begegnen, zumal der augenblickliche Bevollmächtigte eines Landes im Reichsrat der Minister des Innern und der Gesandte sein Stellvertreter ist. Entweder müßte also der jetzige braunschweigische Gesandte Boden sein Amt niederlegen oder Hitler müßte zum zweiten Stellvertreter ernannt werden.
Unter solchen Umständen erscheint es nicht ausgeschlossen, daß der Versuch unternommen wird, Hitler auf direktem Wege einzubürgern. Die Entscheidung dürfte in den allernächsten Tagen erfolgen.
Vertrauensvotum für Tardieu
Prügelszenen in der Kammer.
Paris. In der Sitzung der Kammer polemisierte der radikale Abgeordnete Bergery gegen Tardieu. Er setzte sich für allmähliche Abrüstung ein und erwartet von ihr einen besseren Dienst für Frankreich, als die vom Ministerpräsident in den Vordergrund gerückte Sicherheit durch Rüstungen. Tardieu habe erklärt, daß die in >dem französischen Abrüstungsentwurf vorgeschlagene internationale Armee sich einem Schiedsspruch im Rahmen der Verträge unterwerfen müsse. Das sei für die Hälfte der Länder Europas, ja für Tardieu selbst, wenn er an die Geschichte denke, unannehmbar. Die Vorschläge Frankreichs auf der Abrüstungskonferenz liefen auf eine Verweigerung der Abrüstung hinaus. Die Mehrheit, auf die sich die neue Regierung Tardieu stütze, habe nicht die unbestritten notwendige moralische Autorität, um die Abrüstungspolckik zu einem guten Ende zu führen. Nach Bergery sprach .der radikale Abgeordnete Francois Albert, der die Regierung Tardieus das „Ministerium der letzten Oelung" nannte. In Beantwortung der Jnterpella- ckonen erklärte T a r d i e u, die Kammer habe die Pflicht, das Budget zu verabschieden. In der Reparationsfrage betonte Tardieu die Solidarität der Regierung mit der kürzlich von Herriot geäußerten Doktrin Frankreichs zu diesem Problem. Frankreich wolle den Frieden und habe in der Abrüstungs- frage Vertrauen zu den internationalen Abmachungen. Frankreich sei es auch gewesen, das erklärt habe, bedingungslos entschlossen zu sein, die Beschränkung der Rüstungen herunter anzunehmen. Der Ministerpräsident schloß seine aber trotzdem müßten die Franzosen begreifen, daß jetzt die internationalen Probleme vorgingen. Mit Rücksicht hieraus müsse man versuchen, sich auf die internationalen Probleme zu einigen.
Nachdem die Abgeordneten Herriot und Frank- l i n - B o u i l l o n erklärt hatten, daß ihre Fraktionen gegen die Regierung stimmen müßten, brächte die Radikale Linke den Vertrauensantrag ein. Vor der Abstimmung kam es zu verschiedenen Zwischenfällen. So wurde dem Kommunisten Duclos wegen seiner heftigen Reden das Wort entzogen. Als Leon B l u m ausführle, daß die Sozialisten in der Sicherheitsfrage anderer Ansicht seien, als der Ministerpräsident, ruft der rechtsstehende Abgeordnete General Saint- 3uff: «Der Advokat Deutschlands spricht!" Auf diese Bemerkung hin stürzten sich die Sozialisten auf den Redner und es kommt zwischen rechts- und linksstehenden Abgeordneten zu einer Schlägerei. Räch Wiederaufnahme der Sitzung sprach die Kammer Tardieu mit 309 gegen 262 Stimmen das Vertrauen aus.
„Gisela — wo kommst du her?"
„Ich wollte dir guten Morgen sagen!"
Er zog sie in seine Arme. Dieses Kind — Gott sei Dank! — blieb ihm.
„Gise!" sagte er zärtlich und strich über ihr lockiges Haar.
„Habt ihr euch gezankt?" fragte das Kind in brennender Neugier und schmiegte sich zärtlich an ihn.
„Ihr euch? Wer?"
„Du und Doktor Degeener!"
„Hast du gehorcht?" fragte der Arzt ernst und strafend.
Das Kind schüttelte den Kopf.
„Aber sie sah so blaß und verstört aus — und du bist traurig, armer Onkel Hannes!"
„Ja, Gise, das bin ich. Frau Doktor Degeener wird uns verlassen!"
„Bald?"
„Sofort!"
„Aber warum denn?" fragte Gisela in gut gespielter Ahnungslosigkeit.
„Oh, aus zwingenden Gründen!"
Gisela überlegte.
„Ich habe sie nicht mehr so gern wie früher!"
„Warum nicht?"
„Ich weiß nicht! Nur sie ist anders!"
„Mein Liebling, schick' jemand zu Doktor Alander. Ich muß ihn sprechen!"
Doktor Alander kam. Ernst und würdig. Doch strahlte heimlicher Triumph aus seinen Zügen.
„Herr Kollege, Sie haben leider recht behalten. Doktor Degeener hat uns infolgedessen verlassen. Es gilt, den Patienten die Angelegenheit nach Möglichkeit zu verbergen. Sprechen Sie mit diesem — diesem Ley. Ich wünsche, daß auch er uns verläßt. Und Sie werden — mit dem Kollegen Doktor Vivie zusammen — die Kinderabteilung übernehmen. Sie werden den Geist der Anstalt bereits so weit erfaßt haben, daß Sie keine Potsdamer Disziplin einzuführen versuchen!"
Doktor Alander lächelte gezwungen.
Die Gegner Hindenburgs.
1. Oberstleutnant a. D. Duesterberg, der Vorsitzende des Stahlhelm, 2. Adolf Hitler, der Kandidat der Nationalsozialisten, 3. Ernst Thälmann, der Kandidat der Kommunisten.
Weitere Mietrsenlung
Forderung des Bundes Deutscher Miekervereine.
Dresden, 24. Februar.
Die Reichsorganisation der Mieter, der Bund Deutscher Mietervereme e. V., Sitz Dresden, hat an den Reichstag und die Reichsregierung eine Entschließung gerichtet, in der u. a. eine weitere Senkung der Mieten, die Beseitigung aller Sonderzuschlage zur Miete und der Mieterschutz für alle Wohn- und Gewerberäume in einem sozialen Mietrecht gefordert werden. Weiter werden gerechte Erfassung der Infla- twnsgewmne des Allhausbesitzes in der Hauszinssteuer und die Verwendung der Hauszinssteuer für die Arbeitsbeschaf- oerlangt^ Forderung einer gefunden Wohnungswirtschaft .Um dem Reichstag und der Reichsregierung zu zeigen, u L Mieterschaft wirklich hinter diesen Forderungen sieht, hat die Bundesleitung unter absichtlicher Ausschaltung von Großstädten, mit Ausnahme der Stadt Dresden als Bundessitz, eine Unterschriftensammlung als besondere Willenskundgebung unter den Wahlberechtigten von 27 Ge- meinben in den verschiedensten Reichsteilen veranstaltet. Sie hat ohne vorherige Vorbereitung das Ergebnis gehabt, daß innerhalb 10 Tagen 511 587 Unterschriften von Wahlberech- M^blelstet wurden. Am gleichen Tage haben sich gegen WO Mietervereme mit den gleichen Forderungen an den Reichstag und die Reichsregierung gewendet.
Die ersten Opfer des Erubenftreiks
Warschau, 23. Februar.
„ ®»e Streit läge im Kohlenrevier von Dombrowa ver- schärft sich weiter. Die Kommunisten versuchen, auf die Arbeiterschaft einzuwirken, die Gruben durch Zurückziehung de^Roldlenstes zu zerstören. Etwa 1500 Demonstranten verletzt wurden.
Solen knebelt die Wahrheit
Die Oppositionsparteien verlassen das Parlament.
Warschau, 23. Februar.
Bei einer Aussprache im polnischen Sejm über die ständigen Konfiskationen stellte der nationaldemokratische Abgeordnete Trompczynsk fest, daß man in Polen die Wahrheit nicht mehr schreiben könne. Abgeordnete des Regierungs- blocks versuchten durch ständige Zwischenrufe, die Opposi- tionsredner zu stören. Als oppositionelle Abgeordnete den Sejmmarschall ersuchten, die Ruhestörer zurechtzuweisen, wurden sie selbst sofort zur Ordnung gerufen. Darauf verließ die Opposition zum Protest den Saal. Der allein gebliebene Regierungsblock erledigte dann in fliegender Eile die einzelnen Vorlagen nach seinem Sinne.
„Das nicht!"
„Und noch eins, mit dem Wattebausch, das kann nicht stimmen. Doktor Degeener hat da ein sehr exaktes System, aus dem hervorgeht, daß Sie sich irren in diesem Falle!"
„Ich irre mich in diesem Falle so wenig wie in dem anderen!" sagte Doktor Alander mit hervorbrechender Arroganz. »Aber da die Dame sowieso erledigt ist, bleibt es sich ja gleich!"
„Wir werden genau nachprüfen. Doktor Degeener ist ein vorzüglicher Arzt. Ich glaube noch nicht daran!"
»Verliebte Weiber!" warf Doktor Alander hochmütig hin.
Doktor van Delden tat das Herz weh. Er wollte nicht wissen, daß er selbst ähnlich empfand.
In der Sprechstunde erschien Frau Lasar.
»Sie wollen mich gütigst noch einmal untersuchen, verehrter Doktor! Ich reise ab."
»Ich bestätigte es Ihnen schon vor einigen Tagen, gnädige Frau - Sie sind gesund!"
„Ich verdanke Ihnen meine Genesung. Ich werde Ihr Sanatorium warm empfehlen. Es ist ein wahrer Jungbrunnen, gerade mit seiner strengen Disziplin und puritanischen Einfachheit. Und ich hoffe, das wird so bleiben!" Die letzten Worte wurden bedeutungsvoll gesprochen. Doktor van Delden runzelte die Brauen.
„Wieso - nicht?"
Antony markierte sehr natürlich die Verlegene.
„Ach Gott — man ist altmodisch!"
„Wieso?"
„Man ist keine studierte Dame und nicht so frei in seinen Anschauungen!"
„Sie spielen auf ein peinliches Ereignis an. Ist denn das so bekannt?"
„Die Spatzen zwitschern es vom Dach. Bei d e m Gehabe der Dame kein Wunder!"
„Gehabe?" (
„Ja, werter Chef, wissen Sie denn nicht...?"
„WaE , (Fortsetzung folgt.) j