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Hersfelöer Tageblatt

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Hersfelöer Kreisblatt

Amtlicher Mnzeiger für den Kreis Hersfelö

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Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei in Hersfeld, Mitglied des VDIB.

Nr. 43 (Erster Blatt)

Sonnabend, den 20. Februar 1932

82. Jahrgang

Generalangriff auf Schanghai

Nach Ablehnung des japanischen Ultimatums durch China Entscheidungsschlacht um Schapei

9ts HMnqs jioeiter Teil

Der Zwöfferausschuß des Völkerbundsrates hat an Ja­pan eine neue Beschwörung gerichtet, es möge sich doch an seine Pflichten als Mitglied des Völkerbundes und ständiges Ratsmitglied erinnern und in seinem Konflikt mit China eine versöhnliche und kluge Haltung einnehmen, weil an­dernfalls die ersprießliche Arbeit der Abrüstungskonferenz ernstlich gefährdet werde. Du liebe Zeit, wenn Japans Vor­gehen weiter keinen Schaden anrichten würde! Aber der fernöstliche Konflikt birgt andere ungeheure Gefahren in sich. Er wird nicht auf Japan und China beschränkt bleiben, die anderen Mächte werden hineingezogen werden, ob sie wollen oder nicht. Denn einmal wird das Maß dessen voll, was sich die Mächte von Japan an offener Verhöhnung bieten lassen können. Ist es nicht geradezu kläglich, wenn der Zwölfer­ausschuß den Japanern bescheinigt, daß sie in den letzten Monaten ihre Verpflichtungenloyal" erfüllt haben. Wor­auf soll sich dieses Lob beziehen? Man höre und staune: auf das japanische Vorgehen in der Mand­schurei! Daß Japan nach langem Sträuben endlich der Entsendung einer Untersuchungskommission des Völker­bundes zugestimmt hat, die dorten nichts mehr weiter fest­stellen kann als die vollzogene Besitzergreifung durch die Japaner, das wird den Japanern alsloyale" Erfüllung ihrer Völkerbundsverpflichtungen angerechnet. Höher kann der Völkerbund die Selbsterniedrigung nicht mehr treiben. Liegt darin nicht schon das Eingeständnis, daß der Völkerbund sich in der mandschurischen Frage auf den Boden der v o l l - zogenen Tatsachen stellen und die Annexion der Mandschurei durch die Japaner einfach nachträglich unter irgendeiner beschönigenden Formel anerkennen wird? Lei­der sei der Schanghai-Konflikt erst nach der Bil- dung der Mandschurei-Kommission eingetreten. Der Zwöl- " fH- [errat ipcuyt jern »uMes^Bedauern aus,/daß Jcnrsn in die- sem Konflikt sich nicht in der Lage sieht, eine Methode der friedlichen Regelung innerhalb des Völkerbundpaktes anzu- nehmen", d h. aus der geschraubten Sprache der Diploma­tie in die Sprache des Alltags übersetzt:daß Japan sich jede Einmischung des Völkerbundes entschieden verbeten hat." Und was ist die Antwort des Zwölferausschusses auf die Zurückweisung:Er erwartet, daß Japan gegenüber der Weltöffentlichkeit nachweist, daß seine Aktion in Schanghai gerecht und maßvoll ist".

Es wird gemeldet, daß in Tokio über diese neue Note des Zwölferausschussesgroße Erregung" herrsche. Wir glauben es nicht, daß die Aufregung so groß war, sondern daß man dieses Dokument kläglicher Ohnmacht des Völker­bundes mit schallendem Hohngelächter ausgenommen hat. Japan legt es ja sichtlich darauf an, den Völkerbund Her- auszufordern. Welche Beweise will es der Weltöffentlich­keit und dem Völkerbünde noch geben, daß es gar keinen Wert darauf legt, ob von diesen Instanzen sein Verhalten alsgerecht und maßvoll" anerkannt w^rd? Ja welche Be­weise verlangt der Völkerbund noch, um Japans bösen Willen als erwiesen anzusehen und gegen Japan als erklärten Friedensbrecher nach den Bestimmungen des Völkerbunds­statuts und des Kelloggpaktes vorzugehen? Daß die Aech- tung Japans noch immer nicht erfolgt ist, ist der beste Be­weis dafür, daß der Völkerbund eine elende Komödie, nichts als Lug und Trug ist. China hat die Probe aufs Exempel machen müssen, was der Schutz des Völkerbundes wert ist. Wer sehr optimistisch veranlagt ist, der könnte, solange es sich nur um die mandschurische Frage drehte, vielleicht noch der Hoffnung sein, daß es gelingen werde, den Brand zu lokalisieren; so aber ist jede Hoffnung geschwunden, seit­dem die Japaner ihren Vorstoß nach der Iangtse - Mündung, der Herzschlagader des chinesischen Reiches gerichtet haben. Dreimal sind ihnen die verhaßtenweißen Teufel" im Laufe des letzten Menschenalters in den Arm ge­fallen, als die Japaner versuchten, die chinesische Frage in ihrem Sinne zu lösen, 1895 nach dem japanisch-chinesischen Krieg, 1905 nach dem russisch-japanischen Krieg und 1922 nach dem Weltkrieg. Und dreimal hatten die Japaner zähne­knirschend von ihren Plänen abstehen müssen. Das erstemal waren es die Russen, Deutschen und Franzosen, das zweite und drittemal aber die Vereinigten Staaten, die den Ja­panern in den Weg traten. Sie sind auch heute die Gegen­spieler in der Herrschaft um den StillenOzean. Ihnen gilt auch heute der Haupthaß der Japaner. Kaum geringer aber ist ihr Haß gegen England, das, früher Japans stille Rückendeckung, heute zu feinen Gegnern übergegangen ist. Sie geben sich gar keine Mühe, diesen Haß zu verbergen. Japanische Granaten fielen auf ein eng­lisches Kriegsschiff und töteten ein paar englische Matrosen. Barsch forderte ein japanischer Kommandant den eines amerikanischen Kreuzers auf, sich zur Seite zu scheren und ihm freies Schußfeld zu geben. Und der Amerikaner trollte sich. Für die amerikanischen und englischen Schiffe ein unerträglicher Zustand, alle japanischen Herausforderun­gen einstecken zu müssen, weil die Diplomatie noch immer glaubt, einen offenen Konflikt vermeiden zu können. An­dererseits sitzen die fremden Kriegsschiffe im Ernstfalle auf dem Wusung wie in einer Mausefalle. Vielleicht erklärt auch dieses die merkwürdige Langmut der beiden angelsäch­sischen Mächte. Die Japaner wissen, daß der Konflikt mit den beiden Rivalen um den Stillen Ozean auf die Dauer

unvermeidlich ist und geben sich darum gar keine Mühe mehr, ihm aus dem Wege zu gehen. Sie denken vielmehr: je eher, je besser.

In Europa verschließt man sich noch immer krampfhaft der Erkenntnis, daß der erste japanische Schuß gegen Schanghai den zweiten Teil des Welt­krieges eröffnet hat. In Genf spielt man die Ab- rüstungskomödie oeiter. Draußen aber an den Rändern des Stillen Ozeans und des Indischen Ozeans sieht man überall schon das Gespenst der japanischen Flotte auftau­chen, so z. B. vor Singapore. Die Japaner werden ihre Flotte nicht so weit von ihrer Operationsbasis vorstoßen lassen. Aber auch baj ein- ist klar, daß Japan Freunde hat, auf die es rechnen kann, daß es also keine geschlossene Völkerbundsaktion gegen sich zu befürchten hat.

Man munkelt, daß Skoda bereits für die Japaner Granaten drehen soll, trotzdem der Kelloggpakt derartiges verbietet. Und was der Tscheche tut, das tun natürlich Schnei­der & Creuzot erst recht, zu denen ja Skoda im Abhän- gigkeitsoerhältnis steht. Umgekehrt liefern natürlich Ame­rikaner und Engländer den Chinesen, vorläufig als stille Teilhaber, bis sie offen hervortreten werden.

Germanicus.

Der Brand im Osten

Japans Ultimatum abgelehnt.

Schanghai, 20. Februar.

Die Chinesen haben das japanische Ultimatum, das am heutigen Sonnabendnachmiltag um 17 Uhr Ortszeit ab- läuft, endgültig abgelehnt.

Ein letzter Versuch, eine Verständigung herbeizuführen, wurde von den Behörden der internationalen Niederlas- Die Sitzung mv"^ nach mehrstündi­ger Dauer ergebnislos abgebrochen, Schapei und auf den Wufung-Forks auf beiden Seiten die Stellungen bezogen und die Geschütze schußbereit gemacht wurden. Dauernd marschierten neue japanische Verstar- kungstruppen durch die Straßen Schanghais, und Hundert« von Lastkraftwagen mit Munition rollen an die Front.

In den frühen Morgenstunden wurden die Bewohner der internationalen Niederlassung durch heftiges Schießen geweckt. Soviel bisher festgestellt werden konnte, eröffne­ten die Chinesen das Artilleriefeuer auf die japanischen Stellungen sowie auf das Hauptquartier und die im Hafen liegenden japanischen Kriegsschiffe. Im Hongkiu-Bezirk wurde durch das chinesische Feuer beträchtlicher Schaden an« gerichtet.

Die Schlacht um Schanghai hat begonnen

Die japanischen Truppen haben nach schwerem Artille­rie. und Maschinengewehrfeuer inzwischen den großen An­griff auf Schapei und Wusung eingeleitet. Japanische Flug­zeuge haben wieder Schapei und Wusung mit Bomben be­legt. Die Chinesen leisten kräftigen Widerstand.

Wie aus Nanking gemeldet wird, treffen die Chinesen umfassende Verteidigungsmaßnahmen, die weit über das Gebiet von Schanghai hinausgehen. Ein ganzes Netzwerk von Schützengräben wird entlang der Linien der Tienfin Pukau- und der Lunghai-Eisenbahn ausgebaut, und zwar in einer Länge von über 1500 Kilometer.

Kaiser Puyi mandschurischer Präsident?

Der Name des Oberhauptes des neuen unabhängigen mandschurischen Staates ist zwar noch nicht bekannt, aber die japanischen Blätter erwarten, daß es der vormalige junge Kaiser von China Puyi sein wird. Aus Mukden wird berichtet, daß der Gouverneur der Provinz Mukden. Tsangschiyi, unformell den Posten des Premierministers an- genommen hat.

Die japanische ZeitungAsahi Schinbun" meldet bereits, daß der frühere Kaiser von China einstimmig zum Präsiden- ken des Vollzugsausschuß der unabhängigen Mandschurei ge- wählt worden sei.

Der Chef der japanischen Armee in der Mandschurei, General Honjo, teilte der mandschurischen Regierung mit, das japanische Oberkommando hoffe, mit der mandschurischen Regierung gut zusammenzuarbeiten; die japanische Regie­rung werde ihre Truppen sofort aus der Mandschurei ab­berufen, wenn die mandschurische Regierung ihre eigene Armee gebildet habe und in der Lage sein werde, für die Ordnung in der Mandschurei zu sorgen. Die japanischen Truppen in der Mandschurischen Republik übten nur Po­lizeifunktionen aus.

Keine Anerkennung durch Amerika

Die maßgebenden Beamten des amerikanischen Staats­departements haben angedeutet, daß die amerikanische Re­gierung die neugebildete unabhängige mandschurische Regie­rung in keinem Fall anerkennen werde, da sie von den ja­panischen Militärbehörden gewaltsam eingesetzt sei. Eine Anerkennung würde auch Stimsons Erklärung über die Fernostpolitik der Vereinigten Staaten vom 7. Januar zu­widerlaufen.

Die gelbe Kriegsfackel

Völkerbundsversammlung telegraphisch einberufen.

Genf. 20. Februar.

Der Völkerbundsrak hat gestern abend nach über drei­stündiger Sitzung beschlossen, entsprechend dem chinesischen Antrag die Völkerbundsversammlung auf den 3. März ein- zuberufen.

Die Delegierten aller in S ch a n g h a i vertretenen Rats- Mitglieder einschließlich Chinas und Japans haben zugesagt, mit Rücksicht auf den bevorstehenden Ablauf des japanischen Ultimatums sofort telegraphisch auf die Wieder­aufnahme der Verhandlungen an Ort und Stelle und di« Vermeidung weiterer Feindseligkeiten hinzuwirken.

, Die Abrüftungrlonserenz

vor dem Ende der Haupiaussprache.

Genf, 20. Februar.

Die große politische Aussprache auf der Abrüstungs­konferenz geht ihrem Ende entgegen. Die Rednerliste ist nahezu erschöpft, und das Büro hat demgemäß beschlossen, am Sonnabend und am Montag keine Sitzungen abzuhal- ten. Am Dienstag wird das Büro der Konferenz zusam­mentreten, um sich über den weiteren Gang der Arbeiten schlüssig zu werden. Es ist vorgesehen, das die Ausschüsse ihre Arbeiten in der übernächsten Woche aufnehmen.

Um den 21. März herum wird eine mindestens drei­wöchige Unterbrechung der Konferenz eintreten.

In der Freitagssitzung der Abrüstungskonferenz kamen die außereuropäischen Staaten zu Wort. Der Her freier Aegyptens, Fakhry Pascha, erklärte, das Zusammen­leben der Völker müsse aufgebaut werden auf dem Grund­satz der Anerkennung der Sicherheit aller Nationen, des gesetzmäßigen Rechtes auf nationale Verteidigung, der Her­absetzung der nationalen Rüstungen, der verpflichtenden und einer internationalen Streitmacht im .Dienste des Völkerbundes. Denier tretet Judieus, A. ga Khan, begrüßte die Vorschläge Frankreichs, meinte jedoch, daß es unmöglich fein werde, eine höchste allgemeine Auto­rität zu schaffen, so lange noch Staaten wie Sowjetrußland und Amerika sowie die Nachbarstaaten Indiens außerhalb des Völkerbundes stünden.

Rat ohne Tat

Noch kein praktisches Ergebnis im Memelkonflikt.

Genf, 20. Februar.

In den langwierigen und schleppenden Beratungen über die Memelfrage ist bisher jedes praktische Ergebnis an der völlig unnachgiebigen Haltung des litauischen Außenmini­sters Zaunius gescheitert. Zaunius verlangte bisher, daß der Rat sich darauf beschränken solle, im Haag ein Rechis- gutachken über die Zuständigkeit des Völkerbundsrates in der Memelfrage einzuholen. Diese Forderung erscheint selbstverständlich als völlig unhaltbar.

Im Hinblick auf das fortgesetzte Hinauszögern jeder Entscheidung durch die litauische Regierung ist es nunmehr unbedingt notwendig, daß der Völkerbundsrat, und insbe- fondere die vier Unterzeichnermächte des Memelabkommens, entscheidende Schritte ergreifen, um den Bruch des Memel­abkommens durch die litauische Regierung amtlich festzu­stellen und eine Abänderung des gegenwärtigen verfassungs­widrigen Zustandes im Memelgebiet herbeizuführen. Es kann nicht länger geduldet werden, daß die litauische Regie­rung durch unhaltbare, rechtliche Vorwände und unbegnin- bete Bedenken jede Entscheidung des Rates unmöglich macht.

Nach litauischem Vorbild

Lettland will deutsche Sprache ausrotten.

Riga, 20. Februar.

Das lettländische Ministerkabinett Skujeneek beschloß, auf dem Wege der Notverordnung ein Sprachengesetz für Lettland zu erlassen, das u. a. eine einschneidende Beschrän­kung der Benutzung der deutschen Sprache in Lettland be- zweckt und bereits am 4. März in Kraft treten dürfte.

Nach dieser Notverordnung darf in der lettländischen Wehrmacht und in allen staatlichen und kommunalen Be­hörden nur die lettische Sprache benutzt werden, ebenso im Verkehr privater und juristischer Personen mit staat­lichen und kommunalen Stellen. Während die Regelung der Sprachenfrage im Parlament dem Landtag selbst vor­behalten bleibt bekanntlich sind bisher deutsche und ruf- fische Reden gestattet müssen jetzt in den Kommunalver- waltungen deutsche und russische Redner auf Verlangen nur eines Parlamentsmitgliedes ihr« Reden in die lettische Sprache übersetzen. Alle Firmenaufschriften, Plakate, Stem­pel usw. müssen in lettischer Sprache geführt sein. Das gilt auch für Vereine und sonstige Organisationen. Nur an zweiter Stell« ist nebenbei Die Sprache der Minderheit gestattet. Im amtlichen Verkehr dürfen nur lettische geo­graphische Bezeichnungen verwandt werden. Damit toll die Verwendung alter geschichtlicher deutscher und russischer Ortsbezeichnungen ausgerottet werden. So soll es z. B. jetzt statt Mtau nur noch Jelgava heißen usw.