Einzelbild herunterladen
 

Hersfelöer Tageblatt

8M^Z Hersfelder Kreisblatt M-WZWWZH

Fernsprecher ' W*"8'" Amtlicher Mnzeiger für den Kreis Hersfelö in ^rsfelb,0^^

Nr. 41

Donnerstag, den 18. Februar 1932

82. Jahrgang

Auftakt zum Wahlkampf

Eine Kundgebung Hitlers Reichslandbund gegen Hindenburg Aufruf der Zentrumspartei

SildMW 6er MMWW

Der Reichskommissar für die Oschilfe, Dr. Schlange- Schöningen, hat vor kurzem im Zusammenhang mit der neuen Verordnung über die Osthilfe ein Programm ent­wickelt, das in erster Linie die Sicherung der deutschen Landwirtschaft im Osten im Auge hat, das aber nicht ohne Verbindung ist mit der Sanierung der deutschen Landwirt­schaft überhaupt. Zwei Punkte stehen dabei im Vorder­grund des allgemeinen Interesses: einmal die Bannung der Gefahr einer Entvölkerung des deutschen O st e n s, zum anderen aber die volkswirtschaftlich grund­legende Frage der Ernährung des deutschen Vol­kes aus eigener Scholle. Daß die Landwirtschaft aus eigener Kraft nicht in der Lage ist, diese bedeutsamen Aufgaben zu erfüllen, ist selbst für den blutigsten Laien eine Binsenwahrheit. Auspowerung des deutschen Volkes durch die Tribute, dadurch Finanzentzug der deutschen Wirt­schaft bis zur völligen Blutleere, die weltwirtschaftliche Krise mit ihren bedenklichen Erscheinungen gerade in Deutschland und das sich dadurch ergebende riesenhaft« Anwachsen des deutschen Arbeitslosenheeres sind Gründe, die sich für die deutsche Landwirtschaft je länger je mehr zur Katastrophe entwickelten. Es hat in den Großstädten gewisse Politiker gegeben, die mehr oder weniger deutlich die Auffassung ver­traten, wenn ein Betrieb nicht mehr leistungsfähig sei, dann müsse er eben aufgegeben werden. So sehr dieser Grundsatz für den Einzelbetrieb gelten mag, so verheerend müßte er sich auswirken, wenn man ihn anwenden wollte für die Gesamtheit eines Wirtschaftszweiges.

In voller Erkenntnis der nationalen und volkswirt­schaftlichen Bedeutung der deutschen Landwirtschaft mit einem Gesamtproduktionsergebnis von rund 9 bis 10 Mil­liarden im Jahre 1927 Hick sich Die Neicysregrerung zu oer Auffassung bekannt, daß alles versucht werden muß, um die deutsche Landwirtschaft lebensfähig zu erhalten und sie so leistungsfähig zu gestalten, daß die Ernährung des deut­schen Volkes aus eigener Scholle sichergestellt werden kann. Durch die Umschuldungs- bzw. Entschuldungsaktion für den deutschen Osten sind zunächst Voraussetzungen geschaffen worden, um an sich gesunde und leistungsfähige landwirr- schaftliche Betriebe finanziell sicherzustellen. Auf Grund der neuen Osthilfeverordnungen hofft man jedenfalls, daß dieses Ziel erreicht wird. Man will ferner durch eine vor­sichtige und praktische Siedlungspolitik eine intensivere Be­wirtschaftung des deutschen Kulturbodens im Osten erreichen und so die Voraussetzungen schaffen, daß aus der deutschen Scholle in zunehmendem Maße die Erzeugnisse herausge- wirtschaftet werden können, die Deutschland in ernährungs- politischer Hinsicht vom Ausland unabhängig machen.

von einen

Was für den deutschen Osten gilt, gilt in ähnlicher Weise auch für die übrigen landwirtschaftlichen Gebiete des deutschen Vaterlandes. Es muß hier eine Umstellung vor sich gehen, die je nach der Eigenheit des Bodens, der klima­tischen Verhältnisse und der Bedürfnisse der Bevölkerung eine systematische Intensivierung der deuffchen Landwirt- chaft ermöglicht. Die Grundfrage wird dabei immer die ein, ob die Möglichkeit besteht, die finanziellen Voraus- etzungen zu schaffen. Denn die besten Theorien haben keinen Wert, wenn sie sich nicht praktisch auswerten lassen. Die heutige Zeit stärksten Kapitalmangels ist vielleicht am un­geeignetsten, an dieses Problem der Sicherstellung der Volksernährung heranzugehen. Andererseits aber erfor­dern die deutsche Finanzlage und das damit in Verbindung stehende Kreditproblem eine schleunige Entwicklung der Frage der Eigenernährung. Es machen sich heute unter dem Drucke des Kapitalmangels vielfach in der Landwirtschaft Bestrebungen geltend, eine Art Notbewirtschaftung der Betriebe durchzuführen, d. h. durch Einsparung Düngemitteln und anderen Anschaffungen bewußt auf Ernteminderertrag hinzuarbeiten. Wenn sich solche Ueberle- gungen allgemein in der Landwirtschaft durchsetzen sollten, dann würden sie nicht nur alle bisher geleistete Arbeit zum Aufbau der deutschen Landwirtschaft über den Haufen wer­fen, sondern würden auch alle Maßnahmen ernstlich in Frage stellen, die getroffen ober vorbereitet wurden zum Schutze der deuffchen Landwirtschaft. Denn beide eingangs erwähnten Aufgaben, Bevölkerungspolitik im Osten und Er- nährungspolitik im ganzen Reiche, stehen engftens mit der Frage in Verbindung, wie weit die Landwirtschaft selbst dar­an mitarbeitet. Sollte sich ergeben, daß aus Verkennung der Sachlage oder durch eine gewallte Extensivierung der Landwirtschaft die Sicherung der Eigenernährung nicht zu erreichen ist, dann wird keine Regierung mehr in der Lage sein, die notwendigen Mittel zum Schutze der Landwirtschaft aufzubringen.

Wir sollten gerade aus den Erfahrungen der Kriegsjahre lernen, wo sich ergeben hat, daß durch den Rückgang des Stickstoffverbrauches um rund 100 000 Ton­nen und durch verschlechterte Bodenbearbeitung unsere Ge­treideernten um 15 Millionen Tonnen, d. h. um 50 Pro- zent der Vorkriegsernten zurückgegangen waren. Dabei be­steht an allen verantwortlichen Stelle volle Klarheit, daß Die Landwirtschaft durch Mangel an Mitteln vielfach zu einer Einschränkung des Verbrauches der künstlichen Dünge­mittel geschritten ist. Die Regierung hat diese für den Ernte­

ertrag drohende Gefahr erkannt und deshalb für den gan­zen deutschen Osten die Einnahmen der Betriebe zusätzlich der Mittel, die durch die Bank für Jndustrieobligationen zur Verfügung gestellt werden, für die Frühjahrsbestellung und damit für die Aufrechterhaltung der bisherigen Ernten sicher­gestellt. Hierbei ist daran gedacht, die vorhandenen Gelder in erster Linie für Düngemittel, Saatgut und Löhne aufzu- wenden und erst dann noch verbleibende Ueberschüsse für 'ie Befriedigung alter Forderungen freizugeben.

In engstem Zusammenhang mit der Frage einer In­tensivierung der Landwirtschaft steht die Schließung der Preisschere. Wenn es nicht gelingt, die Preisspanne zwischen landwirtschaftlicher und Industrieerzeugung auszu- gleichen. dann ist überhaupt nicht denkbar, wie man das höhere Ziel, nämlich die Sicherung der Volksernährung aus eigener Scholle, erreichen will. Das Ausland macht un­serer Wirtschaftspolitik den Vorwurf, daß sie durch über­mäßige Rationalisierung die Voraussetzung für eine über­ragende Wirtschaftskraft geschaffen habe, so daß sich bei einem Wettbewerb der einzelnen Länder auf dem Welt­markt bei gleichen Voraussetzungen ein starkes Uebergewicht der deutschen Wirtschaft ergeben müßte. In diesem Vor­wurf steckt in Wirklichkeit die größte Anerkennung für die deutsche Wirtschaft, die es trotz der Schwere der Zeit ver­standen hat, ihre Betriebe leistunasfäbia au gestalten.

Die Hitler-Bewegung

Massenkundgebung in Düsseldorf.

Düsseldorf, 18. Februar.

In der große Messehalle in D ü s s e l d o r f sprach Adolf Hitler vor mehr als 10 000 Personen über die Entwicklung der nationalsozialistischen Bewegung und über die Ur­sachen der Not des deutschen Volkes. Seine Stugführunaen. oie ourcy vamipretyerama^F. gt<^Mng nach inet weite­ren Versammlungssälen in der Tonhalle übertragen wurden, beschäftigten sich zunächst mit den politischen und wirtschaft­lichen Vorgängen in Deutschland, die durch die Spaltung des deutschen Volkes in zwei Lager bestimmt worden seien. Dieser Kampf sei gleichzeitig die Ursache dafür gewesen, daß Deutschland na* außen wehrlos und rechtlos sein müsse. Wenn es keine Verbindung von Nationalismus und Sozia­lismus gebe, würd« der Weg immer weiter auseinander­führen. Dann gebe es für Deutschland keine Freiheit nach außen und kein soziales Glück. Das Schicksal der einzelnen sei untrennbar miteinander verknüpft. Politik dürfe heute nicht heißen, den politischen Tagesfraaen nachzuiag«n, son­dern die Ursachen unserer Not zu erforschen. Die Haupt­ursache dieser Not sei das Mißverhältnis von Bevölkerungs- zahl und Lebensraum, der für das deutsche Volk in unerträg­licher Weise beengt sei. Eins sei sicher: Wunder im Völker­leben geschähen nur dann, wenn ein Volk ein solches Wun­der verdiene. In den vergangenen 13 Jahren hätten in Deutschland die internationale Partei der Sozialdemokratie und das Zentrum regiert. Was sie in der Zukunft tun wollten, interessiere nicht, wohl aber, was sie in der Ver­gangenheit getan hätten. 13 Jahre seien sie ihren Weg ge­gangen, und heute stehe Deutschland in einer grauenvollen Katastrophe. Hitler beschäftigte sich dann mit der Entwick­lung der Nationalsozialistischen Partei und meinte, die poli­tischen Gegner zweifelten an den von seiner Partei bekannt- gebenen Zahlen.

Am 13. März", so fuhr Rillet fort,werden wir sie ihnen zeigen. Wir werden ihnen zeigen, daß in der Zeit, in der sie alles in Deutschland zerstörten, anderes aufgebaut worden Ist Heute stehen wir am Beginn eines Kampfes,

bei dem es um mehr geht als um einen Posten."

Kommuniltische Störungsoersuche

Bei den Hitlerverfammlungen in Düsseldorf

es mehrfach zu Slörungsversuchen durch Kommunisten zu Schlägereien, bei denen einige Beteiligte Stich-

kam und und

Schutzverletzungen erhielten. Insgesamt wurden von der Polizei etwa 100 Personen festgenommen, die je zur Hälfte der ASDAP. und der KPD. angehören. Aus sicherheits- polizeilichen Gründen mußte das Parteihaus der KPD. in der kölner Straße vorübergehend besetzt werden. Die Ver­sammlungen selbst sind in Ruhe und Ordnung verlaufen.

In Gerresheim wurden sechs Lastkraftwagen angehal­ten, mit denen auswärtig« Teilnehmer ohne polizeiliche Ge­nehmigung nach Düsseldorf fahren wollten.

Spätabends kam es in Düsseldorf auf der Mittelstraße zu Auseinandersetzungen zwischen Nationalsozialisten und Reichsbannerangehörigen, in deren Verlauf einige Natio­nalsozialisten Hiebverletzungen erhielten. Die Polizei stellte die Ruhe schnell wieder her.

Reichrlandbuud gegen Hindenburg

Berlin, 18. Februar.

Vom Reichs-Landbund wird mitgeteilt:Es ist der Oeffentlichkeit bereits bekannt, daß der geschäftsführende Präsidept des Reichs-Landbunde». Graf von Kalckneutb. io-

wohl für seine Person wie auch für den Reichs-Landbund abgelehnt hatte, dem sogenannten Sahm-Ausschuß beizu- treten. Hieraus wurde schon mit Recht geschlossen, daß der Reichs-Landbund einer Wahl Hindenburgs, die von der Linken und der Mitte propagiert und gestützt würde, ab­lehnend gegenübersteht. Die Stellungnahme des Landbund­präsidiums zur Kandidatur Hindenburgs, die auch der des Bundesvorstandes des Reichs-Landbundes entsprach, hatte Graf von Kalckreuth in einem bisher unveröffentlichten Schreiben an die Führer der nationalen Opposition u. a. wie folgt zum Ausdruck gebracht:

Den Gedanken, bei einer Volkswahl die Wiederwahl Hindenburgs durch die nationale Opposition zu unterstützen, halte ich nur dann für möglich, wenn Hindenburg durch entscheidende Schritte eine Trennung von der Linken und ein Bekenntnis zur nationalen Seite vollzogen hat. Solche Schritte könnten in der Berufung eines nationalen Reichs­kabinetts oder in der Auflösung des jetzigen Reichstages liegen. Ohne daß Hindenburg für feine Person eine klar« politische Entscheidung zur nationalen Seite zum Ausdruck gebracht hat, kann ich mir ein Eintreten für die Persön­lichkeit Hindenburgs bei der Reichspräsidentenwahl nicht Dorfteilen. Rücksichten auf Hindenburg, etwa aus seiner Ehrenmitgliedschaft im Reichs-Landbunde oder seinen frühe­ren historischen Leistungen als Führer im Weltkriege, kon- nen mich nicht von der Feststellung entbinden, daß die Wahl Hindenburgs im Jahre 1925 nicht die von seinen damaligen Wählern erstrebte Wendung in der Führung des deutschen Staates gebracht hat, sondern im Gegenteil sich als Stütze des von uns als schädlich festzustellenden gesamtstaatlichen und gesamtwirtschaftlichen Zustandes in Deutschland aus« gewirkt hat. Die Beflissenheit, mit der jetzt Mitte und Linke für die Kandidatur Hindenburg eintreten, erweist die Rich­tigkeit meiner Auffassung."

"1^ daher infolge der durch den

derwahl ablehnen, unabhängig von der noch zu erwartenden Lösung der Kandidatenfrage durch die nationale Opposition. Der Reichs-Landbund kämpft für die Besetzung des Reichs- präfldenkenpostens durch eine Persönlichkeit, die Deutschland von der Beherrschung durch die verhängnisvollen Kräfte be­freit, die für die Irrwege unserer bisherigen nationalen und Wirtschafts-Politik verantwortlich sind."

Gegen Sladilalirmus

Kundgebung der christlichen Gewerkschaften.

Berlin, 18. Februar.

Der Vorstand des Gesamtverbandes der christlichen Ge­werkschaften Deutschlands erläßt eine Verlautbarung an die christliche Arbeiterschaft, in.der es u. a. heißt:

Kot ist der Boden des Radikalismus. Zwischen zwei Radikalismen, zwischen Kommunismus und Rationalsozia- lismus, schwankt das deutsche Voltsschicksal. Der Kommu­nismus verspricht das Paradies menschlicher Gleichheit. Die christliche Arbeiterschaft hat diesen utopischen Wahn seit An­beginn bekämpft. Dar russische Beispiel gibt ihr recht. Aber auch den Nationalsozialismus lehnt die christliche Arbeiter­schaft ab.

Die christliche Arbeiterschaft braucht für ihren nationalen Lebenswillen den Nationalsozialismus nicht als Wecker. Ihr nationales Bekenntnis zu einem. geeinigten freien deutschen Volkstum wächst aus ihrer christlichen Weltan­schauung. Dieses feste Richtbild fehlt dem Nationalsozialis­mus. Sein Rasienglaube ist urschriftlich. Die christliche Ar­beiterschaft hat die marxistische Auffassung leidenschaftlich bekämpft, daß alle Kultur nichts als Ausstrahlung der Wirt­schaft ist. Genau so lehnt sie die nationalsozialistischen Theo­rien ab, die verkünden, daß wahre Kultur abhängig sei vom Blut der nordischen Rasse. Das äußere Gebaren des Natio­nalsozialismus, seine Gewaltanwendungen, die dem Terror des Kommunismus gleichkommen, sind barbarisch und stehen im Gegensatz zu jeder christlichen Lebensform.

DNVP. und Präsidentschastsfrage

Berlin. 18. Februar.

Auf der gestrigen Tagung des V o r st a n d s der Deutschnationalen Volkspartei in Berlin der übrigens als neues Mitglied der Hohenzollernprinz Oskar von Preußen beiwohnte berichtet« Dr. Hugenberg über die durch die Reichspräsidentenwahl geschaffene politische Lage. Dabei wurde auch über die bei der NSDAP. bestehenden Absichten Mitteilung gemacht. In vollständiger Uebereinstimmung aller Landesverbände und Vorstandsmitglieder begMßte der Vorstand die Veröffentlichung der Parteileitung, di« ben Kampf gegen die von der schwarz-roten Koalition getra­gene Kandidatur Hindenburgs ankündigt.

Der Vorstand billigte die Zurückhaltung, die feiten» bet Deutschnationalen Partei aus besonderen Gründen in der Nennung von Kandidaten geübt wurde. Der ausschlag­gebende Gesichtspunkt für die Behandlung der Reichsprasi fidentenfrage müsse der in Harzburg verkündete Kampf gegen das System sein. Der Vorstand erklärte einstimmig, daß er alle weiteren Entscheidungen in der Frage der Reichs­präsidenten wohl vertrauensvoll in die Hand Dr. Hugenbergs lege.. _ -----