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Hersfel-erTageblatt

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HersfelSer Kreisblatt

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Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchbruckerei in Hersfeld, Mitglied des VDIV.

Nr. 37

(Erstes Blatt)

Sonnabend, den 13. Februar 1932

82. Fahraang

Die Allmacht der Rüstungsindustrie

Aufsehenerregende Enthüllungen in der französischen Kammer über das Treiben der Rüstungsfirma Schneider-Treuzot.

Politik, Geschält und Rüstungen

Scharfe Anklagen gegen die französische Regierung.

Paris, 13. Februar.

Der sozialistische Abgeordnete Paul Faure hielt gele genklich der allgemeinen Aussprache über den französischer Haushalt für 1932/33 in der Kammer eine Rede, die ein« einzige Anklage gegen die französische Regierung als Geld geberin sämtlicher ausländischen Rüstungsindustrien war U. a. wandle er- sich auch gegen die bekannte französisch« Rüstungsfirma Schneider-Creuzot als Mittlerin zwischen dei französischen Regierung und ausländischen Regierungen Schneider-Creuzot beliefere den größten Teil der europäi schen Staaten mit Kriegsmaterial.

Faure ging einleitend auf die französischen Anleiher an Ungarn ein, die in Wirklichkeit der Firma Schneider- Creuzot zugute gekommen seien. Letztere sei sehr weib gehend an der Allgemeinen Ungarischen Kreditbank beleb ligt. und die französische Regierung habe sich sogar gezwun­gen gesehen, eine Untersuchung nach dieser Richtung hir einzuleiten. Die Banque de l'Union Parisienne habe irr April 1920 eine sogenannte europäische Industrie- und Fi nanzvereinigung gegründet, deren Aufgabe es fei, die gro­ßen tschechischen Industrien und insbesondere die Skoda- Werke zu kontrollieren. Diese neue Vereinigung habe auch die Kapitalerhöhung der Allgemeinen Ungarische Kredit­bank durchgeführt. Der Verwalter der Dachgesellschaft, näm­lich der Banque de l'Union Parisienne, sei Eugen Schneider selbst, der Besitzer der Schneider-Werke. Paul Faure zitierte weiter einen Bericht der europäischen Industrie- und Finanz- Vereinigung, aus dem die Beteiligungen dieses Konzerns ir W vermag

Regierung vor, gerade der Banque de l Union Parisienne (Hauptaktionär Schneider-Creuzot) bei jeder Gelegenheit zu Hilfe geeilt zu sein.

Jedesmal, wenn ausländische Mächte in Frankreich Geld ausgenommen hätten, seien die Schneider-Creuzot- Werke mit Aufträgen von Kriegsmaterial überhäuft wor­den. Man habe das bei Mexiko, Serbien, Griechenland, Rumänien, Bulgarien, Japan, Spanien, der Türkei, sowie Italien gesehen. Umgekehrt habe man auch jedem dieser Länder Anleihen gewährt, wenn es den Schneider-Creuzot- Werken einen Auftrag erteilt habe.

Paul Faure ging sodann zur Rolle der Banque Franco- Iaponaise über, die besonders während des Krieges die Rüstungsindustrie unterstützt habe, und die heute noch mii Creuzot zusammen Japan ausrüste. In dieser Bank sei ein Mitglied der Familie Schneider-Creuzot Direktor, wäh­rend der augenblickliche Kriegsmarinemini st er Charles Dumont bis 311 seinem Eintritt in das Ka­binett Präsident der Gesellschaft gewesen sei Der Abgeordnete zählte dann in chronologischer Reihenfolge die verschiedenen Anleihen auf, die die französische Regierung vor dem Kriege an ausländische Staaten gewährt habe und die zum größten Teil für die Rüstungsindustrie verwandt worden seien. Ein großer Teil dieser Summen sei für Kriegsmaterial ausgegeben worden, das später für den Krieg gegen Frankreich gedient habe.

Er habe in seinen Akten u. a. Bilder des ehemaligen Königs von Bulgarien, des ehemaligen türkischen Marine­ministers, die beide die Creuzot-Werke besuchten und die Dort große Aufträge für Kriegsmaterial vergeben hätten. Leiden Staaten seien außerdem von Frankreich größere Anleihen gewährt worden, und als bei Kriegsausbruch die Aufträge für die Türkei noch nicht ausgeführt gewesen seien, habe sich der türkische Minister mit französischem Gelde bei Krupp eingedeckt. Die letzte rumänische Anleihe fiel mit einer Waffenbestellung bei einer italienischen Gesellschaft zusammen. Außerdem befinde sich seitdem eine rumänische Militärmission bei den Creuzot-Werken.

Paul Faure ging sodann auf die Rolle über, die Creu- jot angeblich in Deutschland gespielt habe und noch spiele. Cr werde der Kammer Schriftstücke vorlegen, die beweisen würden, daß Mitglieder der Familie Schneider-Creuzot, wie z. B. der Schwager Schneiders, mit dem ehemaligen deutschen Kaiser Fahrten auf dessen Jacht unternommen haben. Er fragte die Regierung sodann, ob sie sicher sei, daß aicht noch heute geheime Puloermischungen von den Creu- wt-Werken sowohl für deutsche als auch für tschechoslowa­kische Rechnung über die Grenze gingen. Haushaltsmini­ster Pietri erklärte hierzu, daß er nicht in der Lage sei, dar­auf zu antworten. Hierauf legte Faure weitere Schriftstücke nor, wonach einmal 1000 Kilo Puloermischung an eine Ge- wehr-Fabrik in Leipzig zur Herstellung von Patronen für Nausergewehre für japanische Rechnung geschickt worden seien. Ein anderes Mal hätten die Schneider-Werke um die Ausfuhrgenehmigung für 2400 Kilo Pulver an eine badische Patronenfabrik ersucht.

Der Abgeordnete erklärte zum Schluß, daß die sozia­listische Partei alle von ihm angeführten Urkunden und die »orgelegten Photographien in ganz Frankreich anschlagen lassen werde, um dem französischen Volk die Augen über die Politik seiner Regierung zu öffnen ____

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Spaniens Programm

Genf, 13. Februar.

Die Aussprache der Abrüstungskonferenz wurde an

Freilag eingeleitet durch eine Rede des spanischen Außen­minister Zulueta, der der Konferenz ausführliche Vorschläg« unterbreitete. Diese Vorschläge enthalten das von den mei­sten Vorrednern befürwortete Verbot der schweren Angriffs­waffen, der Linienschiffe und die Beschränkung der Grüß« und des Aktionsradius' der Unterseeboote, ferner das Ver­bot der militärischen Verwendung von Handelsschiffen, du völlige Abschaffung der Militärluftfahrt und die Jnlernatio nalisierung der Zivilluftfahrt.

Außerdem soll im Gegensatz zum Konventionsentwurs nicht nur das künftig anzuschaffende, sondern auch da- lagernde Material erfaßt und zum Zweck der besseren Kon­trolle der wesentliche Inhalt des Waffenhandelsabkommen- von 1925 sowie eines von der Konferenz auszuarbeitenden Abkommens über die Beschränkung der privaten Waffen- und Munitionsherstellung in die Abrüstungskonvention hineingearbeitet werden. Schließlich soll das im Konven­tionsentwurf vorhandene Kündigungsrecht wegfallen. Zu- lueta sprach in seiner Rede sein Bedauern darüber aus, daß die Konferenz zur Herabsetzung und Begrenzung der Rü­stungen nicht eine Abrüstungskonferenz schlechthin geworden sei. Nach dem schrecklichen Kriege hätten die Völker der Erde von ihren Staatsmännern gewiß nicht das Schauspiel einer Abwägung und der mathematischen Vergleichung der gegenseitigen Rüstungen erwartet, sondern das klare Be­kenntnis und den entschlossenen Uebergang zur völligen

Ueber seine offiziellen Vorschläge hinaus gab der spa­nische Außenminister der Konferenz zur Erwägung, daß ein System wirklicher internationaler Sicherheit vorhanden ist. Es müsse aber noch folgende Punkte umfassen: Herab­setzung der Personal- und Materialrüstungen auf das Maß, das für die Aufrechterhaltung der inneren Ordnung, die Erfüllung der internationalen Verpflichtungen und die An­forderungen des Völkerbundsrates unbedingt notwendig ist, Beschränkung der Marine auf den Küstenschutz, Neutrali- sierung der Meerengen und den Beitrag zu einer internatio­nalen Polizeiflotte, sowie schließlich strengste und um­fassendste Ueberwachung der gesamten Abrüstungsmaß- nahmen.

Yanemark

Der dänische Außenminister Munch knüpfte an den Appell an, den Reichskanzler Dr. Brüning in seiner Rede an die kleineren Staaten gerichtet hatte, einen gemein­samen Boden für eine fruchtbare Aussprache zu suchen Er stellte fest, daß die bisher vorgetragenen Auffassungen viele gemeinsame Grundgedanken haben und vielleicht die Errei­chung einiger vorläufiger Ergebnisse ermöglichten. Es sei offenbar, daß diese erste Abrüstungskonferenz zu keiner völ­ligen Lösung des Problems gelangen könne. Aber es sollte nicht unmöglich sein, gleichzeitig in großen Zügen ein Pro­gramm der allmählich fortschreitenden Rüstungsherabsetzung aufzustellen, das bis zur völligen Erfüllung der Zusage des Völkerbundspaktes fortgesetzt werden könne. Die deutsche Delegation, so fuhr Munch fort, hat mit großem Nachdruck die Anerkennung des Grundsatzes der Gleichberechtigung für alle Staaten auf diesem Gebiet gefordert.

Der dänische Außenminister sprach sich gleichfalls für das Verbot der offensiven Waffen aus. In erster Linie müßte man diejenigen Waffen verbieten, deren offensiver Charakter in den Friedensverträgen anerkannt worden sei. was den chemischen krieg betrifft, so sei unbedingt not­wendig, wenn man die Verwendung dieser Mittel verhin­dern wolle, auch ihre Herstellung zu verbieten und dafür eine wirksame Kontrolle einzuführen.

MechoHowalel

Der tschechoslowakischeAußenministerDr. Benesch stellte in feiner Rede die Sicherheitsfrage in den Vordergrund, ohne jedoch eine positive Erörterung der Ab- rüstungsfrage zu unterlassen. Die Konferenz müsse um jeden Preis zur Unterzeichnung eines ersten Abkommens zur Be­grenzung und Herabsetzung der Rüstungen führen. Sie dürfe vorher nicht endgültig auseinandergehen. Man müsse sich klar und aufrichtig sagen, daß der jetzt zu erreichenden ersten Etappe nach einer Anzahl von Jahren eine zweite Etappe folgen müsse. Wir wissen alle, so erklärte Benesch, daß das Problem der Schulden und Reparationen und die Schwierigkeiten unter gewissen Großmächten das Abrü- stungsproblem nicht weiterkommen lassen. Wir müssen den festen Willen haben, so rasch wie möglich zu der zweiten Etappe Überzugehen. Das bedeute aber, so sagte Benesch weiter, daß aus der ersten Abrüstungskonferenz eine neue Atmosphäre hervorgehe. Man müsse zur Achtung der Pakte, der Verträge und der internationalen Inst tutionen zurück­kehren. Benesch erklärte, die Tschechoslowakei nehme den Konventionsentwurs als Grundlage der weiteren Arbeiten an, schlage aber folgende Zusätze vor:

1 der zweiten sagte Benesch

1. Der vorliegende Konventionsentwurs muß, nachdem er ein« Einigung der interessierten Mächte über die für jede von ihnen notwendigen Ziffern herbeigeführt hat, schon jetzt den Grund­satz einer klaren unzweideutigen Begrenzung der Rüstungen zum Ausdruck bringen.

2. Die Tschechoslowakei ist bereit, eine vollständigere und wirk­samere Kontrolle, als sie der Konventionsentwurs vorsieht, für die Mannschaftsbestände, Rüstungen, für Massenherstellung und Waffenhandel anzunehmen.

3. Sie ist für ein ausgedehnteres System des Verbotes des che- mischen und bakteriologischen Krieges und ist bereit, diese, verbot aus die anderen Formen des Offensivkrieges, besonders aus das Luftbombardement der Zivilbevölkerung und der Städte und insbesondere der Landeshauptstädte auszudehnen.

4. Sie ist überzeugt, daß das verbot gewisser Kriegsmittel durch ein Sanktionssystem ergänzt werden mühte.

5. Sie betrachtet die französischen Vorschläge als sehr bedeutsam und erklärt sich schon jetzt bereit, sie nach eingehender Erörte­rung ihrer konkreten Bestimmungen entweder in ihrer Ge­samtheit oder in den Teilen, die von den anderen Mächten angenommen werden, zu übernehmen. Ebenso werden die Vorschläge der anderen Mächte von der tschechoslowakischen Delegation in ernste Erwägung gezogen werden.

6. Die tschechoslowakische Delegation ist der Ansicht, dah ange­sichts der Erschütterung des Vertrauens in die internationalen Institutionen Mittel und Wege gesucht werden müssen, um eine vollständigere, ernstere und wirksamere Organisation des Sy­stems der internationalen Gerichtsbarkeit herbeizuführen.

Die Tschechoslowakei sei unter der Voraussetzung, daß die anderen Mächte den gleichen Weg beschreiten wollen, bereit, der Konferenz die Herabsetzungen zu unterbreiten, die die Tschechoslowakei heute als mit dem Zustand ihrer na- ' tionalen Sicherheit vereinbar betrachte. Diese Herabsetzung würde sich auf die Dienstzeit im Landheer beziehen. Die tschechoslowakische Delegation sei auch bereit, im Einverneh­men mit den anderen interessierten Mächten die Möglichkeit der Herabsetzung der Haushaltsausgaben für den Unterhalt

Devtsch-italitmsche Zusammenarbeit

Grandi reift zur Berichterstattung nach Rom.

Genf, 13. Februar.

Der italienische Außenminister Grandi reift für einige Tage nach Rom, um dem Regierungschef Mussolini Bericht über die bisherigen Ergebnisse der Abrüstungskonferenz zu erstatten. Die bisherigen Ergebnisse der Abrüstungskon­ferenz werden auf italienischer Seite in bezuy auf die Klar­stellung der Haltung der europäischen Großmächte als so be­deutend angesehen, daß eine Stellungnahme der Regierung zu den weiteren Verhandlungen als unbedingt notwendig erscheint.

Man betont auf italienischer Seite insbesondere die große praktische Bedeutung einer engen Zulammenarbeit zwischen Deutschland und Italien auf der Avrüstungskon- ferenz und hebt hervor, daß sich bereits in der ersten Woche der Abrüstungskonferenz eine erfreuliche und erfolgreiche Uebereinstimmung zwischen den beiden Abordnungen erge­ben habe, die auf einer gleichen Einstellung in den grundsätz­lichen Fragen des Abrüstungsproblems beruhe. Man ver­tritt ferner die Auffassung, daß sich im Laufe der unvermeid­lichen schweren Kämpfe der nächsten Zeit ein gemeinsames Vorgehen der beiden Mächte als immer dringender not­wendig erweisen werde und daß in allen Fragen der Ab­rüstungskonferenz heute bereits völlige Uebereinstimmung zwischen der deutschen und der italienischen Regierung be- stehe.

Stimfon greift ein?

Washington, 13. Februar.

Staatssekretär Stimfon erklärte, er sei nur bereit nach Genf zu fahren und an der Abrüstungskonfei r e n z teilzunehmen, wenn es sich herausstellen sollte, das seine Anwesenheit von irgendwelchem Ruhen sein würde

Sicherheit durch Abrüstung

Kundgebung der deutschen Völkerbunds-Liga.

Genf. Die Deutsche Liga für Völkerbund, die für b« Dauer der Abrüstungskonferenz in Senf ein Büro eingevid) tet hat, verunstaltete gestern einen Empfang. Staatssekretär 1 z. D. vonRheinbaben betonte in einer Ansprache, daß es sich bei der deutschen Forderung nach Gleichberechtiguni nur darum handeln könne, gleicheSicherheitzu schaf­fen durch eine erhebliche Gesamtreduzierungde« Rüstungen der anderen Mächte. Der italienisch« Außenminister Grandi habe sich in entschiedener Weise fui die deutsche These eingesetzt. Die französische Forderung nach weiteren kollektiven Sicherheitspakten sei nur ein Bor- wand, um den mangelnden Abrüstungswillen Frankreich« zu verschleiern.

Es müsse jetzt verhindert werden, daß die Konferenz sich um die Probleme Sicherheit und Abrüstung im Kreist herumdrehe.