Dr. 3i.
Umfelder cageblan
2. Blatt.
Gedanken zum Sonntag
„Ein Beispiel habe ich euch gegeben, dich i$r tut, wie ich euch getan habe. Wahrlich, wahrlich ich jage euch: Der Knecht ist nicht größer denn sein Herr, noch der Apostel größer, denn der ihn gesandt hat. So ihr solches wisset, selig seid ihr, so ihr's tut." Jesus kennt das Wesen ber Menschen. Es ist, als ob er innerlich noch einen letzt«», zusammenfassenden, erschöpfenden und doch einfachen und unvergeßlichen Ausdruck gesucht hätte, der den Jüngern noch einmal den Sinn seines Lebens und das Wesen der Jüngerschaft einpräge. Und er hat einen Ausdruck gefunden, wie er ergreifender und eindringlicher nicht gedacht werden kann. Schon hatten sich alle zum Mahle niedergelassen. Da erhebt sich Jesus wieder, ohne Worte, holt das Becken, gießt es mit Wasser voll, gürtet sich einen Schurz um und beugt sich der Reihe nach über jeden Jünger und wäscht chnen die Füße, als wäre er ein geringer Sklave zu chrem Dienste bestellt. Dann trägt Jesus das Gerät weg, nimmt seinen Platz in ihrer Mitte wieder ein und faßt, was er eben getan hat, in wenige, schlichte Worte zusammen: „Wisset ihr, was ich euch getan habe? Ein Beispiel habe ich euch gegeben, daß ihr tut, wie ich euch getan habe. So ihr solches wisset, selig seid ihr, so ihr's tut!"
In der Fußwaschung hat Jesus den Jüngern den Sinn und Geist seines Lebens noch einmal dargestellt. Er ist nicht gekommen, sich dienen zu lassen, sondern zu dienen. Sein ganzes Leben ist ein Dienst, und das Element, aus dem bei ihm alles fließt, ist die Liebs. Erst an seiner Person ist der Menschheit aufgegangen, was Liebe ist. In dem aber, was den Sinn und Geist seines Lebens ausmacht, liegt auch das Wesen wahrer Jüngerschaft. Ihm nachfolgen, sich ihm hingeben, zu ihm bekehrt sein, ein wiedergeborner Mensch sein, dem Reiche Gottes angeboren, kann gar nichts anderes heißen, als in sein Element hineingehoben werden und nun auch aiifangen. in der Liebe zu leben, in der Liebe, die bar» auf ausgeht, den Menschen wohlzutun in dieser Welt, wo so vieles ihnen wehe tut, und ihnen eine emporziehende Hand enlgegenzustMen in dieser Welt, wo so vieles sie in die Tiefe zieht ober stößt Wir brauchen nur einmal entschlossen anjufqngen. dann gehen uns die Augen auf, und wir sehen rings um «ns der aufgebrochenes Ackerfeld, in das Wir die Saal der bicmmbev Liebe ausstreuen können. „So ihr solches wisset. selig seid ihr, ss ihr's tut" Selig, weil in Gott ist. wer in der Liebe wandelt' Selig, weil dem Knechts, der treu ist, der Eingang zur Freude des Herrn sich öffnet!
Las Gespenst des Geburtenrüllganger
Von Dr. A. Wilhelm.
Geburtenrückgang und Bevölkerungsbewegung sind leider in den letzten Jahren mehrfach Objekt düsterer Prophezeiungen geworden Selbst sehr angesehene und ernst zu nehmende Bevölkerungspolitiker haben durch übertrieben pessimistische Darstellungen zu sensationellen Berichten Anlaß gegeben, und Beunruhigung in weite Volkskreise getragen Abgesehen davon, daß man sehr geteilter Meinung darüber sein kann, ob angesichts von 6 Millionen Arbeitslosen ein Bevölkerungszuwachs ober eine Bevölkerungsabnahme mehr zu wünschen ist. verbietet die wissenschaftliche Exaktheit daß die Statistik zu irgendwelchen tendenziösen Zwecken mißbraucht wird. Um so dankenswerter ist es. daß ein in der ganzen wissenschaftlichen Welt so angesehener Gelehrter wie der Berliner Mathematiker und Statistiker Prof. Dr R. von Mises in dem neuesten Heft der „Naturwissenschaften" sich mit dem Problem der Bevölkerungsbewegung eingehend auseinandersetzt. Prof. von Mises kommt zu dem ganz exakten Ergebnis, daß im Augenblick wenigstens von einer Bevölkerungsabnahme absolut nicht die Rede fein kann, ja daß im Gegenteil trotz Verminderung der Geburtenzahl eine Bevölkerungszunahme bis zum Jahr 1945 aus 68 bis 70 Millionen für Deutschland zu erwarten ist, sofern nicht die gegenwärtigen schweren wirtschaftlichen Verhältnisse einen weiteren erheblichen Geburtenrückgang im Gefolge haben.
Alle bisherigen Untersuchungen über die Bevölke rungszu- oder abnahme unterschätzen fast durchweg du möglichen spontanen Aenderungen. Der Krieg z. B. hat uns nicht nur 1,8 Millionen Tote gekostet, sondern außerdem noch eine Geburtenverminderung von 3,5 Millionen im Gefolge gehabt, so daß also die Menschenverluste Deutschlands im Krieg insgesamt 5,3 Millionen betrugen. Diese ungeheure Lücke war bereits Ende 1920 durch einen gewaltigen Geburtenüberschuß wiederausgefüllt. Solche kolossalen Schwankungen können also plötzlich auftreten und es ist durchaus wahrscheinlich, daß mit etwaigem Nachlassen der Wirtschaftskrise die Eheschließungen und die Geburten erneut stark zunehmen würden.
Selbst wenn man aber von solchen unvorhergesehenen Schwankungen absieht. ist nach der Meinung von Pros, von Mises durchaus noch kein Anlaß zu irgendwelchem Pessimismus. Zunächst einmal wird sich noch auf Jahrzehnte hinaus die Ueberalterung des deutschen Volkes für den Bevölkerungszuwachs günstig auswirken. Seit einigen Jahren stirbt in Deutschland jährlich nur jeder 85. Mensch währeick normalerweise etwa jeder 57. sterben müßte. Diese abnorm günstige Zahl bedeutet nicht etwa, daß jeder lebende Deutsche die Hoffnung hat, 85 Jahre alt zu wrden. sondern diese abnorme Ziffer ist eine Folge der Kriegsopfer. Es sind näm- lich durch Die Minderzahl der Geburten und durch die Frontverluste gerade diejenigen Altersklassen nach dem Kriege schwach besetzt gewesen, in denen die Sterblichkeit besonder- groß zu sein pflegt, und das sind in erster Linie die Kinderjahre. Wenn also nur noch 12 Todesfälle auf je 1000 Lebende anstatt der zu erwartenden 18 entfallen, so ist das eben nicht ein besonderer Erfolg der Hygiene oder ein Beweis für einen besonders günstigen Gesundheitszustand, sondern lediglich eine Folge des Krieges.
Auf der anderen Seite ist eine langsame und kontinuierliche Verbesserung der Lebenswahrsä-einlichkeit in Form der Erhöhung des Durchschnittsalters seit vielen Jahrzehnten festzustellen. Noch im Jahre 1870 hatte im Durchschnitt jeder Deutsche nur bte Aussicht, 35 Jahre alt zu werden. Innerhalb von 60 Jahren hat sich das Durchschnittsalter also — und das ist selbstverständlich eine Folge des hygienischen Fortschritts und der verbesserten Lebensbedinaunaen
— um nicht weniger als 22 Jahre erhöht. Eine weitere Erhöhung ist unzweifelhaft auch für die Folgezeit zu erwarten.
Wenn man, wie das vor 2 Jahren der Ob rregierungs- rat im Statistischen Reichsamt Dr. Friedrich Burgdörfer gemacht hat, der die Bevölkerungsbewegung für sehr weite Zeiträume berechnet so kommt man unter Zugrundelegung der gegenwärtigen Geburtenziffer allerdings schließlich zu einem „Bevölkerungsschwund". Es läßt sich nämlich aus der Absterbeordnung, wie das R. von Mises exakt mathematisch nachgewiesen hat, ein Normalwert, ein sogenanntes Ge- burtensoll, berechnen, welches gerade ausreicht. um den Be- völkerungsstand konstant zu erhalten, und die gegenwärtige Geburtenziffer liegt etwas unter diesem Normalwert. Aber gegenüber den Burgdörferschen Folgerungen weist R. von Mises mit Recht darauf hin, daß es keinen vernünftigen Sinn hat, mit heute geltenden Zahlen Rechnungen anzu- stellen, die über 2 bis 3 Jahrzehnte hinausreichen. Von Mises ist der Meinung, daß man vernünftigerweise Voraussagen auf höchstens 20 Jahre beschränken muß, und nach den in seinem Institut angestellten Berechnungen ist für die nächsten 15 Jahre wenigstens noch ein kontinuierliches Anwachsen der Bevölkerungszahl bis auf rund 70 Millionen zu erwarten. Was dann fein wird, können wir heute auch noch nicht annähernd übersetzen, genau so wenig wie sich im Jahre 1900 hätte voraussehen lassen, welche Gestalt die Absterbeordnung im Jahre 1925 annahm. Vorläufig ist also der Bevölkerungsschwund Deutschlands nur ein Schreckgespenst für Nervö'e. Jeder Pessimismus entbehrt der realen Grundlage. Ob in 20 Jahren Deutschland Ge- ourtenuberschuß oder Geburtenmangel Hai, das läßt sich heute ebensowenig beantwortet«, wie die Frage, ob wirtschaftlicher Wodlstand ober wirtschaftliche Not herrschen wird. Wenn aber dann tatsächlich eine Geburtenverminde- rung in unerwünschtem Maße eingetreten sein sollte, so ist deren Bekämpfung jedenfalls die Sorge einer fernen heute noch unübersehbaren Zukunft.
Ewiger Kalender „llrano;"
Einfachste Methode zur zuverlässigen Ermittlung eines Wochentages (feit Einführung des gregorianischen Kalenders bis Ende dieses Jahrhundert 1582—1999). Man stelle aus Tabelle I die J a h r e s z i f f e r (im dickumrandeten Teil) fest aus dem Schnittpunkt der Kolonnen für die Jahresendzahlen und Jahrhundertzahlen. Dann stelle man aus Tabelle II die T a g e s z i f f e r (im dickumrandeten Teil- fest aus dem Schnittpunkt der Kolonnen für die Tage und Monate. Die Summe der I ahres - und Tagesziffer zeigt in Tabelle II (in den Kolonnen für die Tage) den gesuchten Wochentag an.
Jahrhundert- zahlen
17.. 18. 19..
7
! 6 41
2 751;
3 1 6I
4 2 7
5 3 11
Tabelle l Jahresendzahlen
(Schaltjahre sind unterstrichen)
0107 1218 - 29 35 40 46 - 57 63 68 74 - 85 9196
02—13 19 24 30 — 41 47 52 58 — 69 75 80 86 — 97 OS ^fill—^25 31 36 42— 53 59 64 70 - 8187 92 98
54 - 65 71 76 82 - 93 99
04i 10-—[21^27 32 38 —49 55 80 66 —*77 83 88 94
OölV 16:22;—;33-39 44 50 — 61 67 72 78 - 89 95
Beispiele: 24. November 1883: Jahresendzahl 83 zu Jahrhundertzahl 18, ergibt Jahresziffer 3, Tag 24 zu Monat November ergibt Tagesziffer 4. Summe 3 und 4 gleich 7 ist Sonnabend.
Tabelle I! Tage Die nnteratrldienen Mo; nate Jenaer und Petrruar gelten (Ih d'e Sdialtjahre
x ■ u o : n £ V
-'S
So. | li 815 22 29
6 5 2 1 7 3 4
Mo. = 2 9 16 23 30
DL i 31017 24 31
Mi? s 4 11 18 25
Do" 1 612 1936
- —......, ............ '
Fr.s 6 13 20 27
St ; 7 14 21 28
7 6 3 2 1 4 5
117 4 3 256
2 1 5 4 3 6 7
3 2 6 5 4 7 1
43-7651 2 i 5 4 17 6 2 3 |
10. Januar 1932 (Schaltjahr): Jahresziffer 1; Tages Ziffer 7; Summe 8 ist Sonntag.
Noi-rogramm für offene Krankenfürsorge
Als Ergänzung zum Notprogramm für die Gesundheitsfürsorge hat das Reichsministerium des Innern unter Mitwirkung der beteiligten Verbände ein Notpogramm für die offene Krankenfürsorge herausgegeben. Gundsätzlich wird festgestellt, daß zur Unterstützung und Ergänzung des ärztlichen Dienstes besondere Fürsorgemaßnahmen erforderlich sind. Die wichtigste Maßnahme dieser Art sei die Hauspflege, und zwar als Krankenpflege im Hause (auch Hauskrankenpflege genannt) und als Haushaltspflege (gewöhnlich Hauspflege genannt). Krankenpflege im Hause ist in erster Linie Dienst am Kunden, Haushaltspflege ist Führung des Haushaltes. Werden hierfür öffentliche Mittel beansprucht, so sind folgende Voraussetzungen erforderlich: 1. Notwendigkeit und Möglichkeit der Fürsorgemaßnahmen sollen nachgewiesen werden. Entstehen im Einzelfall besondere Kosten, so soll in der Regel eine ärztliche Bescheinigung beigebracht werden. 2. Die Anwendung der Fürsorgemaßnahme kommt nur in Betracht, wenn Behandlung oder Dauer-unterbringung in einer Anstalt nach ärztlichem Urteil noch nicht ober nickt mehr angebracht ist. Durch örtliche Vereinbarungen soll er»' reicht werden, daß Lücken in der Versorgung der Bevölkerung geschlossen und Ueberschneidungen vermieden werden, so daß die fürsorgebedürftige Bevölkerung unter Berücksichtigung persönlicher Wünsche ausreichende Hilfe erlangen kann. Die Aufgabe der Haushaltspflege im Rahmen der
ofenen Krankenfürsorge ist die Aufrechterhaltung der Familie und des Haushalts in Krankheitsfällen: „Sie ist eine wichtige Sparmaßnahme; sie verhindert, daß die Kinder auf öffentliche Kosten außer Hause untergebracht werden müssen, ermöglicht rechtzeitige Einweisung in das Krankenhaus und frühere Entlassung der Kranken im Zeitpunkt der Genesung, oft auch eine Vermeidung der Anstaltsbehandlung überhaupt."
Die Wissenschaft vom blauen Kuckuck ist wieder bereichert worden: Die Geltungsdauer der Verordnung über Lohnpfändung, die auf den 31. Dezember 1931 befristet war, ist um 6 Monate auf Grund einer Notverordnung vom 23. Dezember 1931 verlängert worden. Monatlich 195 RM., wöchentlich 45 RM., täglich 7,50 RM. und ein Drittel des Mehrbetrages find vom Arbeits- oder Dienstlohn pfän- dungsfrei. Hat der Schuldner gegenüber Verwandten Un= tsrhaltsvsrpflichtungen, so erhöht sich der unpfändbare Teil des Mehrbetrages für jede Person, der Unterhalt zu ge- währen ist, um ein Sechstel, höchstens jedoch auf zwei Drittel des Mehrbetrages. Uebersteigt der Arbeits- oder Dienstlohn die Summe von 650 RM. für den Monat, so findet auf den Mehrbetrag die obengenannte Vorschrift keine Anwendung.
Aus der Landwirtschaft
D:e landwirtschaftlichen Genossenschaften im Januar.
Roch der Statistik des Reichsverbands der deutschen landwirtschaftlichen Genossenschaften-Raiffeisen waren am 1 Februar 1932 insgesamt 40 590 landwirtschaftliche Genossenschaften vorhanden. Die Bewegung im Gesamtbestand her landwirtschaftlichen Genossenschaften während des ersten Monats des laufenden Jahres zeigt im allgemeinen die Tendenz der Vormonate, wenn auch die Rückläufigkeit sich etwas verringert hat. Betrugen die effektiven Abgänge im De- gember 1931 insgesamt 41 Genossenschaften, so bringt der Januar 1932 mit 94 Abgängen und 62 Neugründungen nur eine Verminderung um 32 Genossenschaften. An dieser Verminderung sind in der Hauptsache wieder die Spar- und Darlehnskassen (— 26) und die Bezugs- und Absatzgenos- ienichaften (— 17) beteiligt. Die Gründe für die Rückläufigkeit sind in der Hauvtsache in der nach wie vor anhaltenden Wirtschafts- und Finanzkrise und insbesondere in den Schwierigkeiten zu suchen, mit denen die Landwirtschaft zu sümpfen hat. Nur zum kleineren Teil sind die anhaltend fortschreitenden Rationalisierungsmaßnahmen im genossenschaftlichen Unterbau dafür maßgebend gewesen. Ihren Rückgang haben auch die Elektrizitätsgenossenschaften, und zwar mit 15 effektiven Abgängen fortgesetzt. Bei den Spe- zialabsatzgenossenschaften hält dagegen, wenn auch in vermindertem Tempo die Gründungstätigkeit noch immer an, was bei den Molkereigenossenschaften 11, bei den Viehver- wertungsgenossenschaften 4, bei den Eierverwertungsgenos- senschaften 2 und bei den Obst- und Gemüseverwertungs- genossenschaften 5 effektive Zugänge zeigen.
Goethes Gesicht im Laufe seines Lebens.
Deutschland und mit ihm die Goethe-Freunde in allen Ländern der Erde rüsten sich, den 22. März 1932 als den hundertsten Todestag Johann Wolfgang von Goethes, des grüß- ten deutschen Dichters, feierlich zu begehen. Unser Bild zeigt Bildnisse Goethes, die das Gesicht im Wandel der Jahre darstellen. Die Bildnisse zeigen Goethe im Alter von 16, 23, 41, 50, 60 und 77 Jahren.