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Japans Antwort unbefriedigend

Tokio, 5. Februar.

Die japanische Antwort auf die Vorschläge der Mächte wurde den Botschaftern überreicht. Japan erklärt sich bereit, die Feindseligkeiten einzustellen, wenn die Lhmesen das gleiche tun, andernfalls würde sich Japan gezwungen sehen, auf seiner Handlungsfreiheit zu bestehen. Angesichts der chinesischen Drohungen und des Ernstes der gegenwärtigen Lage erachtet die japanische Regierung es als unmöglich, auf die Mobilisierung oder auf die Vorbereitung kriege­rischer Handlungen zu verzichten. Sie lehnt die Einrichtung einer neutralen Zone im Bezirk von Schapei nicht ab, be- trachtet aber die Frage von Schanghai als vollkommen un­abhängig von der mandschurischen Frage, die durch den Be- schluk des Völkerbundes vom 10. Dezember erledigt sei, uns für die sie nicht gewillt ist, die Hilfe interessierter oder neu- traler Beobachter anzunehmen. Der fünfte Punkt des Vor- schlages sei infolgedessen unannehmbar.

Was Tolio will

DieTimes" veröffentlicht eine Erklärung des japa­nischen Außenministers I o s h i s a w a, in der es u. a heißt: Die japanische Regierung unterscheidet klar zwischen dem mandschurischen Streitfall und den Ereignissen in Schanghai. Solange dieser Unterschied nicht anerkannt wird, wird die japanische Politik mißverstanden.

Die Interessen Japans in der Mandschurei sind von ungeheurer wirtschaftlicher und politischer Bedeutung. Du Mandschurei ist für Japan eine Angelegenheit von Leben und Tod, während die japanischen Interessen in Schanghai denjenigen der anderen Mächte ähnlich sind.

Japan hat in Schanghai keine gebietsmäßigen oder po­litischen Absichten; es wünscht nur, friedlich Handel zu trei­ben und seine Staatsangehörigen zu schützen. Die Ermor­dung eines japanischen Priesters und ein beleidigender Ar­tikel gegen die kaiserliche Familie sind nur der Höhepunkt einer langen Reihe von japanfeindlichen Handlungen ge­wesen, die durch die Annahme der japanischen Bedingungen abgeschlossen würden.

Japan ist zur Annahme eines vernünftigen Abkommens zur Wiederherstellung des Friedens unter ehrenvollen Be- dingungen bereit. Durch Zurücknahme der chinesischen Trup­pen muh die Sicherheit der japanischen Staatsangehörigen erreicht werden. Das muh geschehen, bevor die japanischen Truppen zurückgenommen werden können.

deftige Sümpfe in Schanghai

Schanghai, 5. Februar.

Die Japaner griffen erneut die chinesischen Stellungen am Rordbahnhof an und versuchten, die chinesischen Trup- pen zu überflügeln. Der Angriff mißlang, nachdem du Chinesen in der Nacht Verstärkungen herangezogen hatten und auch einen Panzerzug einsetzlen. Die chinesischen Trup­pen gingen anschließend zum Gegenangriff über. Zwei japanische Bataillone an der Wusung-Bahn sind in Gefahr, abgeschnitten zu werden Die Wusung-Forts sind erneut von japanischen Zerstörern beschossen worden.

Harakiri des Admirals Shiolawa?

,^».r?,^ «^mHüi sSyluiutDu i^aränrt vegangen yaven. Db= wohl dieses Gerücht noch keine Bestätigung findet, wird es von vielen hier geglaubt, da Shiosawa in dem Oberkom­mando der japanischen Flotte in den chinesischen Gewässern durch Admiral Nomura ersetzt worden ist.

Waffenruhe in Nanking vereinbart

An Bord eines vor Nanking liegenden japanischen Kriegsschiffes wurde eine Konferenz zwischen vier chinesi­schen Regierungsbeamten, dem japanischen Konsul und dem japanischen Seebefehlshaber abgehalten. Es wurde verein­bart, daß von keiner Seite das Feuer eröffnet werden soll, es sei denn, daß sich eine Seite einer Herausforderung schuldig macht. Die japanischen Kriegsschiffe sind eine Strecke weiter stromaufwärts gefahren, während sich die chinesischen Kriegsschiffe flußabwärts bewegten. Zwischen beiden Geschwadern liegen jetzt die englischen und amerikani­schen Kriegsschiffe.

Japan beruhigt Moskau

Räch dem Einmarsch der japanischen Truppen in Char- bin hak die japanische Regierung ihren Botschafter in Mos­kau beauftragt, der Sowjetregierung milzuteilen, daß die ja­panische Regierung gezwungen sei, Charbin zu besetzen.

Das javanische Oberkommando habe strenge Anweisung erhalten, keine Schritte zu unternehmen, die gegen die russi­schen Interessen verstießen. Nach Wiederherstellung nor­maler Verhältnisse würden die japanischen Truppen Charbin wieder räumen. Die japanischen Truppen hätten Anweisun­gen erhalten, irgendwelche Konflikte mit russischen Beamten zu vermeiden.

Fünfzig Kilometer südlich von Charbin wurden die japanischen Truppen von den Resten der chinesischen Armee unter Führung des Generals Tinglschau angegriffen. Die Chinesen wurden völlig geschlagen und entwaffnet.

Die Kämpfe um Tschapei

Schanghai. Nach dem furchtbaren japanischen Luft­bombardement auf Tschapei, das volle vier Stunden an= dauerte, halten die Chinesen noch die Ruinen des Bahnhofes von Tschapei, außerdem auch die Wusung-Forts, obwohl diese von den Japanern erneut bombardiert worden sind.

Schiffe mit etwa 13 000 chinesischen Flüchtlingen mußten nach Schanghai zurückkehren, da sie die Wusung-Forts nicht passieren durften. ,

Auf die ständigen Proteste der Behörden der internatlo- nalen Zone hin sollen die Japaner sich entschlossen haben, ihre Truppen aus der englischen und amerikanischen Konzes- si'onszone zurückzuziehen.

Noch diese Woche Osthilfegefetz?

Berlin. Das Reichskabinett wird sich heute nachmittag mit dem neuen Osthilfegesetz beschäftigen. Die Vorbe­reitungen sind unter Leitung von Reichsminister Schlange bereits soweit gediehen, daß das Reichskabinett das Gesetz wahrscheinlich bereits in dieser Sitzung verabschieden kann, so daß nach der Unterzeichnung durch den Reichspräsidenten mit der Veröffentlichung für Sonnabend nachmittag oder Sonntag zu rechnen ist.

Abgeordneter Dr. deß t

Berlin, 5. Februar.

Regierungsdirektor Dr. Joseph Hetz, der Vorsitzende der Zentrumsfraktion im Preußischen Landtag ist gestorben. Heß wurde am 13. Mai 1878 in Köln geboren, war Mitglied der Verfassunggebenden Preußischen Landesversammlung und zog 1921 als Mitglied der Zentrumsfraktion in den Preu­ßischen Landtag ein. Er war ferner Mitglied des Parla­mentarischen Beirats beim Reichskommissar für die be- ietzten westlichen Gebiete und seit 1920 Mitglied des Kreis­tages in Ahrweiler und des rheinischen Provinziallandtages. Auch in der katholischen Akademikerbewegung spielte Heß eine führende Rolle. Auf schulpolitischem Gebiete ist er mit mehreren Arbeiten hervorgetreten.

In der Wandelhalle der Berliner Universität kam es zu Schlägereien zwischen Studenten. Die Polizei räumte die Wandelhalle und den Vorhof der Universität. Zehn Per­sonen wurden zwangsgestellt. Der Rektor hat die Schlie­ßung der Universität für einen Tag angeordnet.

Der Senat der Universität hat die Verweisung von vier Studenten von der Universität Berlin verfügt, nämlich der nationalsozialistischen Studenten Schlüter und Brenner und der sozialistischen Studenten Eckstein und Dreßler. Ferner wurde dem Vorsitzenden des nationalsozialistischen Studen­tenbundes an der Universität Berlin, Bofinger, die Entfec- nung von der Universität Berlin angedroht.

Tributkonferenr in Saris?

Zusammenkunft LavalMacDonaldBrüning vorgesehen.

Paris, 5. Februar.

Die Genfer Abrüstungskonferenz steht im Vordergrund des Interesses der großen Parlser Blätter. Als besonderes Ereignis hebt man die Tatsache hervor, daß der Führer der französischen Abordnung, Kriegsminister Tardieu, das Wort sofort nach dem englischen Außenminister ergreifen wird und nicht erst, wie dies anscheinend zunächst in seiner Absicht gelegen hat, die Ausführungen Reichskanzler Brünings ab* wartet. Diese neue Taktik wird von den Blättern verschie­den ausgelegt. Während die einen behaupten, daß der fran­zösische Kriegsminister beabsichtige, die gesamte Aussprache durch seine Redevon vornherein auf Das richtige Gleis zu führen, betonen die anderen, daß sich Tardieu bei seinem Entschluß von einer Art Höflichkeit habe leiten lassen. Er wolle nicht nach dem Reichskanzler sprechen, da er dann ge­zwungen sei, sofort gegen die deutsche These Stellung zu nehmen und zu polemisieren. Seine Ausführungen würden nunmehr den Charakter einer nochmaligen eingehenden Dar­legung des französischen Standpunktes zur Abrüstungsfrage haben.

Der außenpolitische Berichterstatter desExcelsior" glaubt zu wissen, daß gewisse Strömungen im Gange seien, um eine Zusammenkunft MacDonalds mit Brüning und Laval in Paris herbeizuführen. Diese Zusammenkunft solle jedoch ausschließlich der Reparationsfrage gewidmet sein, die augenblicklich schwer auf der Abrüstungskonferenz laste.

Fühlungnahme der Delegationen

Im Zuge der Besprechungen, die traditionsgemäß am Anfang internationaler Konferenzen zwischen den Delega- tionsführern stattfinden, hat Botschafter Nadolny w den letzten Tagen mit den Vertretern England- Italiens, Ruß­lands, Norwegens und Ungarns Fühlung genommen Es ist auch eine Begegnung zwischen ihm und dem französischen Delegationsführer T a r d i e u am Donnerstagnachmittag er» folgt.

Es darf nunmehr als sicher bezeichnet werden, daß der Reichskanzler zusammen mit Staatssekretär von Bulow am Sonnabend nach Genf reift. _ . J

Frankreich verlängert Reichsbankkredit

Paris. Havas teilt mit, daß am 4. Februar der Kredit der Bank von Frankreich an die Reichsbank in Höhe von 25 Millionen Dollar für einen weiteren Monat verlängert worden ist.

Englands Schutzzollpolitik

Reue Richtlinien für die Landwirtschaft.

London. Das Unterhaus beschäftigte sich bei der Bera­tung verschiedener handelspolitischer Fragen u. a. auch mit der Zollfrage. Hinsichtlich der Aufgaben des Sonderaus­schusses, der sich mit der Empfehlung von zusätzlichen Zollen befassen soll, bemerkte C h a m b e r l a i n, daß der Ausschuh beschließen müsse, was mit den Zöllen zu geschehen habe, die unter dem Gesetz gegen anormale Einsuhr geschaffen wurden. Der Ausschuß werde vorzuschlagen haben, ob diese Zolle all« mählich herabaesetzt werden oder durch den allaemeinsn -Ta-

Wtommeft vermieden werden sollten.

Paige Croft, einer der entschiedensten Vertreter der Schutzzollbewegung, erklärte, die Borschläge des Schatzkanz­lers seien befriedigend.

Der konservative Abgeordnete Amery trat für einen all­gemeinen Nottaris ein.

Der Abgeordnete der Arbeiteropposition, Attlee, bezeich­nete die Vorschläge der Regierung als nutzlos.

Im weiteren Verlaufe der Debatte erklärte Sir Herbert Samuel, die von dem neuen Ausschuß zu schaffenden Zölle würden das Land endgültig in ein protektionistisches ver­wandeln. Er kündigte an, daß die Regierung dem Parla­ment binnen kurzem Richtlinien für eine Landwirtschafts- volitik vorlegen werde, die zum Ziele tve Stärkung der Han­delsbilanz haben. Das Gesetz gegen die anormale Einfuhr würde im Mai ablaufen, dann würde vielleicht eine weitere zeitweise Gesetzgebung für eine kurze Periode erforderlich sein.

Dr. meii. Eiiiabem oeoeener

Roman von Marlise Sonneborn

Copyright by Martin Feuditwanger, Halle (Saale)

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Ich tanze am liebsten allein und am schönsten. Aber einen weiß ich, der gern mit mir tanzt..."

Meinst du etwa mich, du Krabbe?"

Dich? Onkel Hannes, du bist aber wirklich zu dick! Werner!"

Werner?"

Herr Ley!"

Frau Lasar lachte ironisch dazwischen.

Also Ley Ihr sprichwörtliches Glück bei Damen."

Sie konnte Gisela nicht ausstehen. Das Kind war ihr zu schön.

Ley erbleichte. Er schämte sich vor Elisabeth.

Ich wüßte nicht", wehrte er ungeschickt ab.

Antony lachte.

Und die Liebesbriefe der Amerikanerinnen?"

Werner hatte sich wiedergefunden.

Ein flüchtiger Blick in Elisabeths Gesicht hatte ihm ge­zeigt, wie die Worte der Frau sie traurig stimmten. Also konnte er ihr nicht ganz gleichgültig sein.

Das war das persönliche Pech der Amerikanerinnen mein Herz schlug weiter regelmäßig", sagte er in fröhlicher Persiflage.

Antony horchte auf.

In diesem Ton hatte Werner lange nicht mehr geredet. Sie deutete sich die Worte nach ihrem Geschmack. Gott Ley war ja ein ganz anderer Mann als dieser Philister Alander. Wenn er seinen Humor wiedergewänne?

Ja, aber Kind, das geht doch nicht tanzen! Schon wegen deiner Gesundheit", tönte Deldens Stimme besorgt dazwischen.

Ach, Onkel Hannes, was ist an der schon zu ver­derben!"

Gisela wußte, was ihr den Onkel gefügig machte.

Oder was meinen Sie, Doktor Degeener?"

Elisabeth senkte die Stirn.

Gut ist es für sie ja sicher nicht!"

Ach, einmal und kurze Zeit!" bestand Gisela auf ihren Willen.

Aber das wäre denn doch die Höhe bei dem Be­fund!" platzte Alander dazwischen, ganz unfehlbare ärzt-' liche Autorität.

Delden wehrte ab.

Auch die Lasar nahm plötzlich für Gisela Partei.

Sie empfand Lust zu einem Tanz und Alander oder auch Ley würden ja schließlich Partner sein müssen.

Ley freilich war in seiner Höflichkeit an die ärztliche Erlaubnis gebunden.

Ach, bester Doktor, dies reizende Kind einmal tanzen zu sehen welch ein Genuß. Tanzt sie denn die Tarantella?"

Unsinn Tarantella!", brummte Delden.

Was ist das Tarantella?"

In Giselas schwarzen Augen flammten brennende Lust und Neugier.

Na denn geh schon. Bestell' bei der Musik einen Tanz", gab Doktor van Delden nach.

Herr Kollege! Ich protestiere!"

Ja, ja, protestieren Sie schon, Kollege Alander. Sie haben auch vollkommen recht. Aber Gisela tyrannisiert mich nun mal so..."

Frau Doktor Degeener Sie als Chefärztin des Kinderhauses..

Kollege Alander, verbieten Sie dem Vogel doch das Fliegen. Gisela tanzt leider viel zu viel einfach für sich. Selbst ganz ohne Musik, nach dem Rhythmus, der in ihrer eigenen kleinen, graziösen Person liegt."

Ich wollte dem Vogel die Flügel schon beschneiden!"

Doktor Elisabeth Degeener sah vor sich nieder.

Wozu?, dachte sie, die kleine Gisela könnte auch da­durch nicht geheilt werden, daß man ihr jede Freude nähme. So lasse man sie doch.

Aber Doktor van Delden, der diese ihre Gedanken emp« fand, wehrte gutmütig ab.

So schlimm ist es ja auch gar nicht mit d« Gisela."

Man schwieg einen Augenblick in dem kleinen Kreise. Armer Delden, dachten Doktor Elisabeth Degeener und Doktor Alander mitleidig.

Unter den bunten Farben der Lampions, auf dem kr>rz- geschnittenen Rasen tanzte Gisela.

Ihre schwarzen Locken hoben und senkten sich wie Flocken bei dem ruhigen und doch so reizvoll rhythmischen Bewegungen des biegsamen Körpers, dessen knabenhafte Schmalheit das schöne Kleidchen Gisela hatte es ganz nach Wunsch bekommen noch betonte.

Ihre Augen leuchteten wie dunkle Edelsteine, ihre Wangen röteten sich zart; um den Mund lag eine frühreife Sehnsucht.

Niemand ahnte es er selbst am wenigsten -, daß Gisela nur für einen hier im Kreise tanzte, nur einem ge­fallen, nur dem einen ihre Kunst zeigen wollte: Werner Ley.

Alle nacheinander standen aus, traten heran, schauten, bewunderten das entzückende Kind und seine schwalben- hafte Grazie.

Nur Werner Ley sah kaum hin, dachte nicht einmal an sie, suchte mit scheuen Augen ein Profil, das ihm in der Blicklinie lag. , ,

Und dann hörte Gisela lebhaft applaudiert! - plötz- lieb auf.

Jetzt will ich mit jemand tanzen! - Werner, du!?"

Herr Ley? Unmöglich! Ich protestiere!"

Ach, lieber Doktor Atanver! Nach diesen Fünfhundert- Meterläusen einmal eine Runde mit einem kleinen Mäd­chen!"

Es wurde ein sehr gehaltener Tanz.

Aber Gisela strahlte vor Stolz. Der Anblick der beiden schönen, jungen Menschen, die ihren Körper meisterlich be­herrschten, war so reizvoll, daß selbst Doktor Alander seine gekränkte ärztliche Autorität vergaß. (Fortsetzung folgt)

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