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| Monaten! Immer verloren! Das Geld, das meine Mutter mir hinterließ, ist lange in alle Winde zerstreut l Und heute nacht, ja Gnädigste, jetzt hören Sie den letzten Akt: heute nacht stellte ich einen Wechsel aus. Wissen Sie, was das heißt, einen Wechsel ausstellen, für den keine Deckung da ist? Wissen Sie vor allem aber, was es heißt, den Namen eines andern unter solch ein Papier zu setzen? Wenn Sie jetzt Ihr Bild sehen könnten, Schwester Gisela! Mir ahnt, Sie wissen, was mit mir

geschieht!"

„Ich kann — das — nicht — fassen!"

„Ich auch nicht, glauben Sie es mir, Teuerste!" Der unglückliche Mann stand während seiner entsetzlichen Beichte wie von innerem Krampf geschüttelt. Aber mit wahrer Wollust bohrte er in der schmerzenden Wunde seiner Seele: „Wessen Name unter dem Wisch steht? Natürlich der meines Vaters. Ist mir meine Festüber­raschung nicht glänzend gelungen? Und wie hoch die Summe ist, die ein Lump wie ich in einer Nacht, auf eine Karte gesetzt, verlor? Setzen Sie sich, Frau Kom- merzienrat — Sie werden ja ohnmächtig! — So! — Und nun sollen Sie auch die Zahl hören, damit Sie wissen, wozu ein Mensch fähig ist, der von Heim und Vater, von Gott und der Welt losgerissen ist. Fünszig- tausend Mark habe ich in letzter Nacht verspielt! Fünfzig-

tausend Mark! Sie zittern? Sie möchten Einspruch er­heben? Nutzt nichts, diese Summe müssen Sie auf die Verlustliste setzen. Und mein Todesurteil ist unter­schrieben!" — „Ihr Todesurteil —"

„Ja glauben Sie denn, ich käme meinem Vater lebend mit einer solchen Beichte unter dieAugen?Siezweiselten soeben an meiner Kavaliersehre — Sie sollen sofort Ihr Un­recht bestätigt sehen. Diese Ehrenschuld wird gedeckt, das weiß ich! Vater tritt für seinen toten Einzigen ein. Für seinen toten, verstanden? Gewiß auch einmal für den Lebenden, aber dazu wird er keine Gelegenheit haben. Das können vielleicht sogar

Sie verstehen!"

„Welch ein Wahnsinn! Welche Verirrung! Wie dürfen Sie an solche Greuel überhaupt nur denken! Wie könnten Sie es über sich vermögen, einem solchen Vater solch bitteres Leid anzutun!"

„Gewiß denke ich daran, und Ihnen geschieht doch damit alles andere, nur kein Schaden! Ihre Spekulation blüht über Erwarten! Diese freilich hohe Summe ist für Vater leicht zu beschaffen, der ansehnliche Rest seines Vermögens ist dann Ihr unbestrittenes Eigentum. Nur ein paar ungemütliche Tage haben Sie dafür in Kauf zu nehmen —"

„Sie sind ja von Gott verlassen l Sie freveln ja so schranken-

, für die Branden-

Helfer in Feuersnot helfen in Wintersnot An 30 Sammelplätzen hat die Berliner Feuerwehr mit der Sammlung Winterhilfe begonnen. — Line der etwa 2 Meter hohen Werbefäulen am । burger Tor.

Kehrmaschinen

An Paris sind neuerdings Kehrmaschinen für die Bürgersteige eingeführt worden. Sie ähneln Kinderwagen, haben eine Sprengvorrichtung und eine durch einen Motor betriebene Bürsten- walze. Der Kehrricht wird in einem Behälter aufgefangen. sKeystonef

los, daß Sie nur von Gott verlassen sein können. Was liegt mir an dem Gelde! Ich werde sofort mit Ihrem Vater sprechen." „Dann stürben Sie zuerst und ich, noch bevor ein fremder Fuß diesen Raum betritt! Ich verbitte mir Ihre Vermittlung in meinen internsten Angelegenheiten!" Ein drohender Griff um ihre Handgelenke, ein hartes Schütteln ihrer ganzen Ge­stalt folgte diesem neuen Ausfall.

„Lassen Sie mich los, Sie unglückseliger Mensch!"

„Es sei, wie Sie wünschen!" Ein abschleudernder Stoß ließ die verstörte Frau zurück gegen den Aktenschrank taumeln.

„Nun sollen Sie auch sehen, in welcher Beschäftigung Sie mich vorhin störten." Er nahm aus dem Schubfach, vor dem er saß, eine Pistole und hielt sie der Frau vor die Augen. Sein Ge­sicht verriet einen traurigen Triumph: „Geputzt, geölt und doppelt geladen! Gebrauchsfertig! Aber da ich Ästhet bin und einer Dame einen unschönen Anblick ersparen möchte, bitte ich Sie nun dringend, mein Zimmer zu verlassen!"

„Ich bleibe! Und jetzt erst recht! Wenn sie Ästhet sind, werden Sie mich auch nicht höchstselbst vor die Türe setzten. Aber nun hören Sie mich um Ihrer verstorbenen Mutter willen an —"

„Pst, schweigen Sie! Meine verstorbene Mutter möchte ich in keiner Weise mit Ihrer Person in Verbindung bringen."

„O lassen Sie mich reden!" Flehend erhob Gisela die Hände. ' Sie wußte keine Beschwörungsformel mehr. Sie wurde in ihrer Todesangst zum Kind.

Der vom Wahnsinn gepeitschte Mann horchte auf. Die Wahr­haftigkeit in der Frau Angstschrei hatte in seinem zerrissenen Herzen gezündet. Für einen Augenblick kam sein wahres Ge­sicht zum Vorschein: ein gramverzerrtes, angstentstelltes Männerantlitz.

Diesen Augenblick nutzte die Frau. Sie schrie ihre Hilfs­bereitschaft dem Aufhorchenden fast ins Gesicht: „Ihr Vater darf nichts erfahren! Nie und nimmer! Das wäre ebensogut sein Tod, als es sein Ende wäre, von Ihrem schmachvollen Tode zu hören. Ich kann Ihnen doch helfen — ich habe doch Geld! Fast so viel, wie Sie brauchen — furchtbar viel Geld!" Sie nestelte in Todesangst am Ausschnitt ihres Kleides, darin sie vor nicht ganz einer Stunde die Bestätigung ihres Reich­tums geborgen hatte.

„Sie haben Geld? Und Sie wollen mir?" Referendar Brockmann lachte plötzlich auf. Wie über einen guten Witz. Frau Gisela empfand das Verletzende dieses Lachens wohl, aber sie gab ihren Versuch nicht auf. Diesem verzweifelten Manne gegenüber war die schlimmste Demütigung vonnöten. Was sollte werden, wenn sie jetzt nicht Siegerin blieb? Sie drängte ihm das Formular vor die Augen.

Harro schleuderte das Papier verächtlich zu Boden.

(Fortsetzung folgt)

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