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Hersfelöer Tageblatt

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Amtlicher /inzeiger Mr ven Kreis Hersfelö

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Druck und Berlag von Ludwig Funks Buchdruckerei in Hersfeld, Mitglied des BDIB.

Nr. 25 (Erstes Blatt) Sonnabend, den 30. Januar 1032 82. Jahrgang

Japan bedroht Weltfrieden

Nach blutigen Kämpfen zunächst Waffenstillstand in Schanghai Der ohnmächtige Völkerbund in peinlichster Verlegenheit

Der »nichtamtliche^ Krieg

Kampfe in Schapei Chineseustadt in Brand

Schanghai. 30. Januar

In der Morgendämmerung wurde das Bombardement von Schapei wiederaufgenommen, und man hörte ohrenbe­täubende Explosionen. Die Japaner besetzten um 6.15 Uhr früh die militärischen Hauptpunkte in Schapei, doch wird an­genommen, daß die Chinesen die Eisenbahnstation mit Hilfe von Panzerzügen zurückerobert haben, in dem Augenvlick, als die japanischen Streikkräfke hier geschwächt waren, da sie ihren an anderen Stellen hartbedrängten Abteilungen Ver­stärkungen zu Hilfe geschickt hakten.

Kurz nach 4 Uhr morgens brach in der Chinesenstadt Schapei Feuer aus. Die Flammen griffen schnell um sich, und der Brand nahm einen immer größeren Umfang an. Von den Dächern der internationalen Niederlassung aus konnte in der Dunkelheit deutlich beobachtet werden, wie in der fünf Kilometer entfernten Chinesenstadt ein Haus nach dem andern in Flammen aufging, während die Luft von dem Knattern der Gewehr- und Maschinengewehrschüsse und dem dumpfen Krachen der fallenden Bomben und dem Summen der Flugzeugmoloren erfüllt war.

Eine der von japanischen Fliegern abgeworfenen Bom­ben fiel in eine Straße der ausländischen Konzessionszone. Sie richtete beträchtlichen Schaden an, verletzt wurde jedoch niemand.

Die Zahl der in Schapei verletzten Chinesen wird aus 2000 geschätzt.

Eine japanische Abteilung ist auf chinesischem Gebiet in Pootung, auf der Schanghai gegenüberliegenden Fluh- seite,zum Schutze einer Anzahl dort befindlicher japani­scher Fabriken" gelandet worden.

Der Oberbefehlshaber der japanischen Flotte, Zoscha- sawa, erklärte, daß beabsichtigt sei, eine Anzahl Marinetrup­pen nach Nanking zu entsenden, da die dort liegenden zwei Kriegsschiffe nicht ausreichlen, die japanischen Interessen in Routing zu schützen.

Ein Dutzend japanische Zerstörer haben früh die Mün­dung des Jangtse passiert.

China will jetzt gegen das japanische Vorgehen Wider­stand leisten. Die Reserven der 19. kantonesischen Armee, die gegenwärtig im Gebiet von Routing stehen, und die dritte Division der Nationalgarde sind mobil gemacht und verladen worden, um nach Schanghai abzugehen.

Chinesische Truppen sind in die Westviertel der Stadt, die an die internationale Konzession grenzen, eingedrungen. Zur Unterstützung der regulären ausländischen Truppen bei der Bewachung der Konzessionsgrenze sind Freiwillige Her­angezogen worden. Die Japaner treffen Vorbereitungen zum Angriff auf den Nordbahnhof von Schanghai.

Der chinesische Ministerpräsident Wangtschingwei er­klärte Pressevertretern gegenüber, der Fliegerangriff aus Schapei habe mehrere hundert Opfer gefordert. Die Ver­antwortung dafür trage die japanische Regierung. Wenn der Völkerbund jetzt nicht eingreife, so werde sich die poli­tische Lage in Ostasien so verschlechtern, daß es keine Mög­lichkeit mehr gebe, den Konflikt zum Stillstand zu bringen. China sei gezwungen, jetzt energisch gegen Japan vorzu- gehen, falls es vom Völkerbund den Schutz, auf den es ein Recht habe nicht erhalte.

Generalstreik in Schanghai

Die chinesische Handelskammer hat infolge des Konflik­tes mit Japan zu einem allgemeinen Generatstrerr aufge­

fordert. Die Parole ist befolgt worden, sämtliche chinesischen Banken haben ihre Schalter geschlossen, der gesamte Ge­schäftsverkehr ist eingestellt.

Japan droht mit Beschietzung

In offiziellen Kreisen wird erklärt, daß Japan sich vielleicht gezwungen sehen könnte, starke militärische Kräfte nach Schanghai zu entsenden und im äußersten Fall sogar die Stadt zu bombardieren. Ein weiteres Geschwader von neun Kriegsschiffen ist als Verstärkung nach Schanghai ab­gegangen.

Englisch-amerikanische Warnung

Die britische Regierung hat in Tokio mitgeteilt, sie hoffe, daß Japan in Schanghai keine Maßnahmen in der internationalen Niederlasfung ohne vorherige Befragung der anderen beteiligten Mächte ergreifen werde. Die amerika­nische Regierung wurde von diesem englischen Schritt unter­richtet und zugleich aufgefordert, sich diesem Vorgehen an- zuschließen, was mittlerweile geschehen ist.

Washington auss Sicherste erregt

Die Stimmung im amerikanischen Kongreß ist nach den letzten blutigen Zusammenstößen in Schanghai äußerst erregt. Es wird darauf hingewiesen, daß das Vorgehen der Japaner die letzte Hoffnung auf einen Erfolg in Genf zu­nichte mache. Einflußreiche Persönlichkeiten des Kongresses erklärten, daß Stimsons Außenpolitik durch die Schwäche der amerikanischen Flotte lahmgelegt sei.

In diesem Zusammenhang hat bereits eine Kampagne für die Erhöhung des Flottenbauprogramms eingesetzt. Der Vorsitzende des Marineausschusies Britten (Illinois) er­klärte, das arme pazifistische China stelle ein trauriges Bei­spiel dafür dar, was einer Regierung passieren könne, die

Die vier amerikanischen Zerstörer in Manila haben Be­fehl erhalten, sofort nach Schanghai in See zu gehen. Die Weisung ist veranlaßt worden durch das Ersuchen des Be­fehlshabers der amerikanischen Flußwachtschiffe auf dem Vangtse. Die Zerstörer können im Notfall Schanghai in 35 Stunden erreichen. Konteradmiral Taylor in Manila hat strengvertrauliche Instruktionen erhalten, die ihm sein Ver­halten unter gewissen Umständen vorschreiben.

Heute Waffenstillstand in Schanghai

Washington. Wie der amerikanische Generalkonsul in Schanghai dem Staatsdepartement mitteilt, wird der japa­nisch-chinesische Waffenstillstand erst heute (Sonnabend) mit­tag (Greenwicher Zeit) in Wirkung treten.

*

Vorstellungen bei der japanischen Regierung.

Washington. Die britische und die amerikanische Regie­rung haben Japan mitgeteilt, sie hofften, Japan werde innerhalb der internationalen Konzessionszone in Schanghai keinerlei Maßnahmen ergreifen. Staatssekretär Stim- s o n teilte nun mit, daß auch den Regierungen von Frank­reich und Italien inoffiziell ein gleiches Vorgehen vorgsschla- gen worden sei.

Moskau Japan-Spannung wächst

Gegenstand des Streites Ostchinabahn.

Tokio. Die Spannung in den Beziehungen zwischen Japan und Sowjetrußland hat infolge der Weigerung der russischen Behörden, die Benutzung der Ostchinabahn für ja­panische Truppensendungen nach Charbin zu gestatten, eine wesentliche Verschärfung gefunden.

Aus Charbin wird gemeldet, daß sich 3000 russische Bahnangestellte bewaffnet und dem chinesischen Oberbefehls­haber Waffen geliefert hätten. Der Oberbefehlshaber hat sich für eine Entsendung sowjetrussischer Truppen nach der Mand­schurei bei den russischen Eisenbahnbehörden eingesetzt.

Aus T s ch a n g t s ch u n wird gemeldet, daß die Japa­ner beschlossen haben, die Leitung der südlichen Verlängerung der ostchinesischm Bahn zu übernehmen und den Verkehr auf dieser Bahn zu r' m Die sowjetrussischen und die chinesischen Angestellten y Bahn weigern sich unter diesen Umständen, ihren Die: " versehen.

China appelliert an Genf

Der Vertreter Chinas im Völkerbundsrat, Botschafter Dr. Hen, hat durch den Generalsekretär des Völkerbundes Sir Eric Drummond beim Präsidenten des Völkerbundsrats den Antrag gestellt, daß der Völkerbundsrat sich sofort auf Grund des Artikels 15 mit dem chinesisch-japanischen Kon­flikt befassen soll. Zur Begründung des Antrages wird vom Botschafter Pen erklärt. daß das bisherige Verfahren des Völkerbundsrats auf Grund des Artikels H zu keinem Erfolg geführt habe.

Im Völkerbundskreisen hat die Nachricht einen außer­ordentlich starken Eindruck gemacht. Für den Völkerbunds­rat ist jetzt eine völlig neue und verschärfte Situation ein- getreten. Eine neue Belastungsprobe für den Völkerbund, dem es bisher nicht gelungen ist, den chinesisck-mvamicken

ist damit entstanden. Wie verlautet ^" ichon seit einiger Zeit Instruktionen der Nankingregierung, bei einer etwaigen Verschärfung der Lage den Artikel 15 anzurufen. Er hat sich erst in der vergangenen Nacht entschlossen, von dieser Vollmacht Ge- ma^en. Damit entschwindet für den Völkerbunds- Hoffnung, die Behandlung des chinesisch-japanischen im ^.ufe dieser Woche mit einer Präsiden- hellen Erklärung vorläufig wieder zu vertagen. Man hält

^h/ ^a^rs^einticf), daß die Verhandlungen des ^.?^erbundsrats auf Grund des Artikels 15 sich bis in die !. )ste Woche und über den Beginn der Abrüstungskonferenz hinausziehen werden.

(Segen die Zulassung des chinesischen Antrages hat Japan bereitsBedenken geäußert".

Gegen weitere Verschärfung des Asien-Konflikts.

Genf. Der Völkerbundsrat erwägt Maßnahmen, mit denen er in den chinesisch-japanischen Konflikt einzugreifen gedenkt. Bei der Haltung, die die Vereinigten Staaten von Nordamerika insbesondere in der letzten Zeit gegenüber dem Vorgehen der Japaner eingenommen haben, glaubt man in Völkerbundskreisen zu der Annahme berechtigt zu sein, daß Amerika die Bemühungen des Rates aktiv unterstützen werde. Der Rat wird, statt, wie ursprünglich festgesetzt, seine Tagung am Freitag zu beschließen, Sitzungen in Per­manenz abhalten.

In der Freitag-Sitzung wandte sich bei Behandlung des chinesisch-japanischen Konflikts der Generalsekretär des Völ­kerbunds gegen die chinesische Auffassung, daß das bisher von China zur Beweisführung vorgelegte Material genüge unb i erklärte, daß die beiden Parteien verpflichtet seien, eine ein- [ gehende neue Darstellung einzureichen. Die Untersuchung | müsse sich insbesondere auch auf die jüngsten Vorgänge in i| Schanghai erstrecken. Der Generalsekretär behielt sich vor, in »er nächsten «ÄWMss hierM-etNMhmve-Wvrfchtä^ unterbreiten.

Zum Schluß bat der Vorsitzende, Paul-Boncour, die Vertreter der beiden Parteien, ihre Regierungen telegraphisch zu ersuchen, in dieser außerordentlich gespannten Situation, eine weitere Verschärfung des Konflikts zu vermeiden. Der Vertreter Japans erklärte sich hierzu bereit, bemerkte jedoch, er fürchte, daß dieses neue Verfahren nicht dazu beitragen werde, den Konflikt schnell und beledigend zu lösen.

Völkerbund und Danzig-Hafen.

Der Völkerbund erhob in der Frage des Aufenthaltes polnischer Kriegsschiffe im Danziger Hafen das Haager Gut­achten zu seinem Beschluß. Es wird festgestellt, daß Polen durch die Verträge keinerlei besondere Rechte erhalten hat.

Zur Frage der Regelung des Verhältnisses des Hafens von Danzig zum Hafen Gdingen wurde vom Rat beschlossen, die Angelegenheit dem juristischen Komitee zu überweisen. Der Präsident der Freien Stadt Danzig stimmte diesem Be-

So sieht es wieder in Schanghai aus.

Ein starkes japanisches Truppenaufgebot ist unter dem Schutz von Panzerwagen und 20 Flotteneinheiten in die Stadt Schapei an der internationalen Konzession von Schanghai eingedrungen. Unser Bild zeigt: Straßenbar- rikaden in Schanghai aus der Zeit des chinesischen Bürger- krieges.

Einigung in weiter Ferne Zusammenkunft MacDonaldLaval zwecklos.

London, 30. Januar

In derTimes" wird erklärt, daß leider keine Aussicht mehr auf eine sofortige besondere Zusammenkunft zwischen dem britischen und dem französischen Premierminister zur Erörterung der Reparationsfrage zu bestehen scheine. Die Meinungsverschiedenheiten, die sich bei den vorbereitenden diplomatischen Besprechungen gezeigt hätten, seien so groß, daß man es nicht für wahrscheinlich gehalten habe, eine Zu­sammenkunft der Regierungschefs werde zr einer Verein­barung führen.