Kritische Lage in Schanghai
Schanghai, 28. Januar.
Nach einer sowjekamtlichen Meldung aus Schanghai hat der Stadtrat das japanische Ultimatum auf Auflösung der japanfeindlichen Organisationen abgelehnt. Daraufhin hat der japanische Ministerrat den Beschluß gefaßt, „die entschiedensten Maßnahmen" gegen die Stadt zu ergreifen.
Die chinesischen Streitkräfte in Schanghai sind durch die in den letzten Tagen erfolgten Truppenzusammenziehungen auf rund 17 000 Mann gebracht worden. Die Funkstation von Chengju allein wird von 7000 Mann bewacht. Die übrigen Truppen sind zwischen der Festung Wangpo und dem chinesischen Stadtteil aufgestellt. Die japanischen Streitkräfte sind auf 4000 Mann angewachsen und an den wichtigsten strategischen Punkten des Hafengebietes' aufgestellt. Die Lage ist nach wie vor äußerst gespannt.
Von japanischer Seite verlautet, daß die Japaner lediglich eine friedliche Blockade des chinesischen Hafenverkehrs durchführen wollen. Die ausländischen Schiffe sollen jedoch ungehindert Durchfahrt erhalten, um internationale Verwicklungen zu vermeiden.
BerhiMmlse in Charbin noch unklar
Die Lage in Charbin ist noch nicht geklärt. Wie verlautet, soll es zwischen den chinesischen Eisenbahnschutztruppen und der Vorhut der Armee Sisja zu Zusammenstößen gekommen sein. Die Truppen Sisjas seien bei der Besetzung der Chinesenstadt von chinesischen Truppen beschossen worden. wobei sie angeblich 50 bis 60 Tote hatten. Die Sisja- Truppen haben in Charbin die meisten staatlichen Gebäude besetzt.
Keine arbeitsfähige Regierung
Die verschiedenen Versuche zur Umbildung der Nan- kinger Regierung haben bisher nur zu einer äußerst unübersichtlichen Lage geführt. Der gestern zum Außenminister ernannte General Tschenmingschu lehnt jetzt die Uebernahme dieses Portefeuilles ab. Er hat den stellvertretenden Außenminister zur Führung der Geschäfte aufgefordert.
Nach einer russischen Meldung aus Mukden wurde zwischen dem japanischen Oberkommando und General Ma vereinbart, daß die Armee Mas den Schutz der Stadt Tsitsikar übernimmt. In Tsitsikar sind weitere Truppen Mas eingetroffen.
AMond in San Salvador unterteilt
. Januar.
Nach einer Meldung aus San Salvador hat die Militär- junka den kommunistischen Aufstand unterdrückt. Die Regie- rungstruppen haben alle Dörfer und Städte nach einem furchtbaren Blutbad unter den Aufständischen wiedererobert. 19 Kommunisten, die man in Kasernen aufspürte, wurden hingerichlet.
Wie Reuter aus San Salvador meldet, hat die Regierung ein Angebot des britischen Geschäftsträgers, Marine- füsiliere zum Schutze der englischen Gesandtschaft und der englischen Interessen landen zu lassen, mit Dank abgelehnt. Das Angebot ist infolgedessen zurückgezogen worden.
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Die Lage in Spanien
Schwere Ausschreitungen in der Provinz Valencia.
Madrid, 28. Januar.
Der Generalstreik flaut immer mehr ab. In Sevilla, Almeria, Alicante, Alcoy und in mehreren kleineren Städten dauern Teilstreiks noch an. Zu neuen kommunistischen Umtrieben ist es dagegen in der Nacht in dem Dorfe Solana in der Provinz Valencia gekommen, wo die verhetzte Be- völkerung das Pfarrhaus belagerte und den Ortspfarrer bei feinem Erscheinen durch Schüsse schwer verletzte. Außerdem wurde dort das Rathaus gestürmt und die Sowjet- flagge gehißt; auch wurden die Gleise einer Nebenbahn zerstört.
Starke Abteilungen der Zivilgarde, die von Valencia herbeigerufen wurden, stellten die Ordnung wieder her. Auch in Dörfern der Provinz Saragossa, wo die Kommunisten die Herrschaft an sich gerissen hatten, konnten Polizei und Militär die Ordnung wiederherstellen. In Padul bei Granada wurden zwei Ärbeiter durch einen Polizeiposten erschossen.
Kleiner Welt-Spiegel
Am 28. Januar kann Dr. Schöße! auf eine fünfjährige Amtszeit als Reichspostminister zurückblicken.
Der Staatssekretär im Reichspostministerium Dr.-Ing. e. h. Karl Sautter vollendet am 29. Januar sein 60. Lebensjahr.
Die Arbeitgeber im nordfranzösischen Bergbau haben den bestehenden Lohntarif gekündigt und eine 10prozentige Lohnherabsetzung angekündigt. Diese soll in zwei Etappen durchgeführt werden.
Die Genier Handelsbank, die 40 Niederlassungen besitzt, hat ihre Schalter geschlossen. Es verlautet, daß das Kapital von 40 Millionen Franken verloren ist. Die Bank verfügt über Einlagen in Höhe von 100 Millionen Franken.
Der Solicitor General Sir Thomas Jnskip ist zum Attorney General als Nachfolger von William Jowitt ernannt worden. Sir Boyd Merriman wird Solicitor General.
Anläßlich des Jahrestages der Eroberung der Oase Kufra hat der Gouverneur von Tripolitanien, Marschall Badoglio, einen Tagesbefehl erlassen, in dein er u. a. feststellt, daß der Aufstand in der Kyrenaika vollständig niedergeworfen sei.
Aus der Heimat.
Hersfeld. (Erw erbslosenwanderung zur Stellerskuppe). Gestern stand auf unserer Wanderfahrt der Frühling neben dem Winter. Der Frühling lachte uns in hellem Sonnenschein entgegen und wir antworteten mit fröhlichen Liedern. Der Winter saß auf den Bäumen der Stellerskuppe in weißem Blütenschmuck des Rauhreifs, und wir freuten uns, daß wir gerade da oben uns eine gute warme Tasse Kaffee bereiten konnten, denn das tat nach dem Marsch recht gut. Besonders interessant war ein Vortrag von cand. hist. Wagner über Ausgrabungen, den er uns an einem alten Hünengrab an der langen Heide hielt, wo vor einigen Jahren Grabungen stattgefunden haben. Ein Gang durch das Hersselder Heimatmuseum soll die Ausführungen in den Zuhörern noch veranschaulichen. Ja, einige wollen später unter Leitung des Vortragenden sogar selbst solche Ausgrabungen durchführen. So ging die Zeit schnell hin. Auf dem Rückmarsch waren wir alle überrascht, als Pfarrer Freudenstein mit dem Lolls- ruf schon das erste Licht von Hersfeld begrüßte.
Hersfeld. (W i e w i r d das Wetter?) Die Herrschaft des europäischen Hochdruckgebietes hält noch weiter an. Damit dauert der herrschende Witterungscharakter fort. Größtenteils herrscht heiteres Wetter, jedoch kann es zu Nrbelbildung in klaren Nachten und auch zur Ausbildung einer tiefen Wolkendecke kommen. Mit Riedelschlägen ist nicht zu rechnen. — Vorhersage bis Freitag Abend: Vereinzelt Nebelbildung, vielfach aufheiternd, nachts Frost, schwache wechselnde Winde.
Hersfeld. (Landestheater des Bühnen- v o l k s b u n d e s). Die Landestheater des Bühnen- volksbundes haben in dieser Spielzeit Stücke großen Formats auf dem Programm: Hauptmann von Köpe- nick, Jedermann, Faust I. Aber daneben ist auch ein gutes Unterhaltungsstück, das ohne zuviel gedankliches Schwergewicht Entspannung und Heiterkeit bietet, berechtigt und notwendig. Natürlich das Stück muß sauber und ansprechend sein. Und diese Eigenschaften hat bei allem Witz und geschickter Szenensührung das Lustspiel „Roxy, der Fratz», das die Landestheater am 29. Januar 1932 im Bolenderschen Saale geben. Daß das Stück schauspielerisch gut besetzt und szenisch hübjch gemacht ist, versteht sich bei den Landestheatern des Bühnenvolksbundes von selbst.
Hersfeld. (Aerztliche Mission in A e g y p t e n). Ein seltener Genuß bot sich den zahlreichen Besuchern des Vortrags, den am Dienstag abend Frl. Dr. med. Herzsrld, die Schwester des Herrn Ober- studiendilektors Dr. Herzfeld, in der Aula des Gymnasiums hielt. Die als Vortragende in ihren Kreisen bekannte Missionsärztin schilderte zunächst in äußerst interessantem, fesselndem Vortrage an Hand prächtiger, z. T. farbiger Lichtbilder Land und Leute des Gebiets ihrer Tätigkeit: der Nilgegend um Assuan. Meisterhaft verstand sie es, den Hörern in ergreifender Schilderung das grenzenlose, glauben verursachte leibliche und seelische Elend, besonders auch das der Kinder, auszumalen. Wieviel Menschenliebe, Selbstlosigkeit und welcher Opferwille gehören dazu, jenen im dunkelsten Aberglauben armen Kranken in der Sonnenglut des Saharagebietes (50° C!), in der trostlosen Oede der Wüste ärztliche Hilse zu bringen! Welche Mühe verursacht bei dem Mangel an Brennmaterial allein schon das Filtrieren und besonders das Abkochen des Nilwaffers auf Petroleumkochern! — Rührend, wie die Missionsärztin trotz ihrer mühevollen aufreibenden ärztlichen Tätigkeit immer noch Zeit findet, aus edlem, fraulichem Empfinden heraus auch die seelische Not jener Armen, besonders der Frauen, zu lindern getreu der Weisung dessen, der gesagt hat: „Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken!»
Gsisa. Hier wurde ein Zigeuner, der aus dem Gerichtsgefängnis flüchtete, auf der Flucht von dem Justizwachtmeister des Gerichts erschossen. Der herbeieilende Arzt konnte nur den Tod des Flüchtlings feststellen. Der Zigeuner war wegen Diebstahl dem Gerichtsgesängnis eingeliefert worden. Auf seiner Flucht war er bereits bis in die Nähe des Geismühle gelangt, und da er hier auf Anruf des Wachtmeisters nicht stehen blieb, von diesem erschossen worden.
Liffeld. Zu einer Katastropse wäre es bald bei einem Bahnübergang in der Nähe von Liffeld gekommen. Ein Omnibus mit 20 Arbeitern war von dem Bahnwärter nicht bemerkt worden und fuhr in die langsam ‘ niedergehende Schranke des Bahnübergangs. Das Auto ! stand quer auf den Schienen und die verbogenen Schranken stemmten die Türen des Wagens zu, als . eine aus Liffeld kommende Lokomotive nahte. Zum großen Glück onnte sie jedoch durch Notsignal zum | Halten gebracht werden, sodaß die Insassen des Autos mit der auSgestandenen Angst davonkamen.
Nordhausen. In der Nacht zum Mittwoch ereignete sich auf der Staatsstraße Nordhausen-Kaffel zwischen Eilender und Pustleben ein schweres Verkehrsunglück. I Ein Personenwagen des Nordhäuser Arbeitsamts fuhr
mit großer Heftigkeit gegen einen Leipziger Lastzug. Von den bethen Insassen des Personenautos wurde der stellvertretende Direktor des Arbeitsamts in Nordhausen, Stadtverordnetenvorsteher Hohberg so heftig gegen die Wagenwand geschleudert, daß er einen komplizierten Schädelbruch erlitt. Sein Zustand ist äußerst ernst. Der Chauffeur wurde leichter verletzt. Das Unglück scheint durch den Lastwagenzug hervorgerufen worden zu sein, der sehr schlecht beleuchtet gewesen sein soll.
Steuer und Recht.
Steuerkalender für Monat Februar 1933.
1. Letzter Tag für Einreichung der Veränderungen im Bestände der Gesellschafter und Geschäftsführer einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung an das Amtsgericht.
5. Lohnabzug für die Zeit vom 16. bis 31. Januar 1932, falls im Ueberweisungsverfahren die bis 15. Januar 1932 einbehaltenen Bezüge RM. 200 nicht überstiegen haben, für die Zeit vom 1. bis 31. Januar 1932, nebst Ledigensteuer und Krisensteuer, soweit sie im Steuerabzugsverfahren einzubehalten sind.
7. Einreichung der Aufstellung über die getätigten Devisengeschäfte im Dezember für alle Unternehmen, die generell die Erlaubnis zum Devisenerwerb haben.
10. Börsenumsatzsteuer für Januar 1932.
10. Umsatzsteuervorauszahlungen und Umsatzsteuervoranmeldungen f. Monatszahler (Schonfrist 17. Februar).
10. Anmeldung der Beträge eingegangener Exportvaluten durch Exporteure an die Reichsbankstellen.
10. Bürgersteuer.
15. EinkommensteuervorauszahlungenderLandwirte, soweit nicht durch Einführung der landwirtschaftlichen Einheitsteuer die Zahlung abgegolten ist, dazu Zuschlag zur Einkommensteuer für Einkommen über RM. 8 000 für Landwirte und Ledigensteuer für Landwirte.
15. Vierteljahresrate auf die Vermögensteuer.
15. VorauszahlungaufdieAufbringungsumlage193I.
15. Einsendung der Lohnsteuerbescheinigungen und -überweisungsblälter an die Finanzämter.
15. Staatliche Grundvermögensteuer für Monatszahler (nebst staatlichen Zuschlag) und Vierteljahreszahler, Hauszinssteuer, Gemeindezuschläge zur Grundvermögensteuer.
15. Gewerbeertragsteuer für das Vierteljahr, Ge- werbekapitalsteuer für das Vierteljahr.
15.—29. Frist zur Abgabe der Einkommensteuer-, Körperschaftssteuer-und Umsatzsteuererklärungen für 1931.
17. Letzter Tag für die Umsatzsteuervoranmeldung und -Vorauszahlung für Monatszahler.
20. Lohnabzug für die Zeit vom 1. bis 15. Februar 1932 für das Markenverfahren für das Ueberweisungsverfahren nur, falls die vom 1. bis 15 Februar 1932 einbehaltenen Lohnbeträge RM. 200 übersteigert. Dazu Ledigensteuer und Krisensteuer, soweit sie im Steuerabzugsverfahren einbehalten werden.
Exportvaluten durch Exporteure an die örtlich zuständige Reichsbankanstalt.
24. Bürgersteuer für Lohnsteuerpflichtige bei wöchentlicher Entlohnung nach der Steuerkarte.
29. Letzter Tag für Abgabe der Einkommensteuer-, Körperschaftssteuer- und Umsatzsteuererklärungen fürl931.
29. Anmeldung der Beträge der eingegangenen Exportvaluten durch Exporteure an die örtlich zuständige Reichsbankanstalt.
Aus dem Gerichts faul
Lübecker Prozeß
Plädoyer für Professor Deycke.
Im Tuberkulose-Prozeß hielt am Mittwoch Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Ih d e sein Plädoyer für Prof. Dr. Deycke. Dr. Jhde erklärte, Prof. Deycke sei bei der Einführung des Calmetteverfahrens fest überzeugt gewesen, daß BCG unschädlich und in seinen Eigenschaften erbbeständig fixiert sei. Er hielt die Lehre von virus fix als wissenschaftlich fundiert. Diese Anschauungen seien damals nicht nur der Standpunkt Calmettes, sondern auch der gesamten Wissenschaft gewesen. Zwar mache Prof. Deycke es sich zum Vorwurf, damals nicht die Forschungen Petroffs berücksichtigt zu haben. Allerdings habe die deutsche Wissenschaft Zweifel an der wissen- schaftlichey Bedeutung Petroffs gehegt, eine Möglichkeit einer Beruneinigung der BCG.-Kultur im Laboratorium wurde von Dr. Jhde verneint.
In scharfer Form wandte er sich dann gegen Rechksan- walt Dr. Frey, der den Verdacht ausgesprochen habe, Dr. Deycke habe absichtlich humane Bazillen dem BLG. beige- mengt. Das sei eine Handlungsweise, die eines deutschen Anwalts unwürdig sei. Line absichtliche Beimengung wäre ja Massenmord aus reiner Mordlust gewesen.
Zur Frage einer Verwechslung stellte der Verteidiger fest, daß mährend der ganzen Fütterungsperiode nicht einen Augenblick lang ein humaner Bazillenstamm in demselben Brutschrank gestanden habe, in dem die BCG.-Kulturen aufbewahrt wurden. Eine Verwechslung müsse also als ausgeschlossen gelten.
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Auf zu
KAISER'S KAFFEE-GESCHÄFT °°