Für Hindenburgs Wiederwahl
Uufruf bayerischer Persilichkeilen.
Berlin. Der Oberbürgermeister der Reichshauptstadt, Dr. S a h m, ist seit mehreren Tagen um die Bildung eines überparteilichen Ausschusses führender Persönlichkeiten aus allen Kreisen des deutschen Volkes bemüht, der die Wiederwahl des gegenwärtigen Reichspräsidenten von Hindenburg in du Wege leiten soll. Es ist dabei an Männer und Frauen gedacht, die in maßgebender Stellung mit großen Beoölke- rungsschichten in enger Fühlung stehen.
Der „Hindenburg-Ausfchuh^ wird schon Anfang nächster IT che mit einem Aufruf an die Oeffentlichkeit treten.
Auch in München hat sich ein größerer Kreis überparteilicher Persönlichkeiten aus verschiedenen Ständen und Gegenden Bayerns zusammengetan, um die Wiederwahl des Reichspräsidenten von Hindenburg zu ermöglichen. Dieser Kreis hat einen Aufruf erlassen, in bem es heißt: Der außenpolitische Erfolg der kommenden entscheidungsreichen, internationalen Verhandlungen ist mitbedingt durch die Geschlossenheit, mit der das deutsche Volk hinter seinen Unterhändlern steht. Auf den Einsatz des gewaltigen Ansehens, das der Name Hindenburg im In- und Auslande genießt, dürfen wir nicht verzichten. Kein zweiter Deutscher besitzt in ähnlichem Maße das überparteiliche Vertrauen des deutschen Volkes, kein Zweiter verkörpert so vollkommen für die Welt den Glauben an Deutschland.
Dir sollten deshalb dem Schicksal für jede Stunde danken, die der Generalfeldmarschall sein hohes Amt noch weiterhin ausübt. Sein Ausscheiden würde schwere Parteikämpfe hera»st«schwören. deren Ausgang unge- ®l& tst
Das bayerische Volk bat 1926 die Wahl des Feldmarschalls entscheidend beeinflußt. Wir halten uns daher befugt, den ersten Schritt zu tun. Wir rufen auf zur Wahl des Mannes, der wie kein Zweiter, Deutschland verkörpert! Wir wollen den Herrn Reichspräsidenten bitten, sich zur Wahl erneut zur Verfügung zu stellen. Unser Ruf ergeht an alle, ohne Unterschied des Alters, des Standes, des Geschlechts, des Bekenntnisses und der Partei.
Der Aufruf ist von einer Reihe hervorragender Vertreter der bayerischen kulturellen und kommunalen Oeffentlichkeit untezeichnet, so von Graf v. Bothmer, Präsident des Reichsfinanzhofes Dr. Dorn, Minister a. D. Dr. Fehr (Wei- henstephan), Fürst Fugger-Gloet, General a. D. Freiherr von Gebsattel (Dambeva), Präsident der Akademie der Wissenschaften Dr. K. Gowel, Schriftsteller Dr. Max Halbe, Oberbürgermeister Dr. Scharnagl, Forstrat Dr. Escherich- psen, Oberst a. D. von Geister u. a. m.
lAnm. d. Red.): Aus den Unterschristen des Aufrufs ergibt sich, daß es sich um eine von nicht parteimäßig angestellten Persönlichkeiten eingeleitete Aktion handelt. Bemerkenswert ist, daß sich unter den Unterzeichnern auch Persönlichkeiten befinden, die zur heutigen Reichsregierung in Opposition stehen. Neben der christlichen Arbeiterschaft haben Kreise von Industrie. Handel und Handwerk, Spitzen der Landwirtschaft, der Künstlerschaft, der Presse und des Schrifttums, der Geistlichkeit und der Wissenschaft, Justiz- und Kom- munalwirtschast sowie namhafter Organisationen und Verbände ihre klangvollsten Namen gegeben.
Die Regierungskrise in Österreichs t^WÄ^^
ihm ihr Vertrauen aussprachen, und dem L a n d b u n d, der sich seine Entscheidung vorbehalten haben soll.
Von großdeutscher Seite wird parteiamtlich mitgeteilt, daß Bundeskanzler Buresch dem Vorstand des Nationalen Wirtschaftsblocks offiziell den Rücktritt des Kabinetts mit- teilte. Der Bundeskanzler erklärte, daß nach seiner Ansicht die allgemeine Situation einen
Wechsel im Außenministerium erfordert. Als designierter Bundeskanzler richtete er zugleich an den Nationalen Wirtschaftsblock das eindringliche Ersuchen, in die neue Regierung einzutreten. Der Klubvorstand erklärte hierauf, daß er nicht in.der Lage sei, dieser Einladung zu folgen, da keine Gewähr dafür gegeben sei, daß ber bisherige außenpolitische Kurs auch weiterhin eingehalten werde. In parlamentarischen Kreisen spricht man von der Möglichkeit einer Minderheitenregierung Christlich- Soziale-Landbund.
Dr.med. . euer
Roman von Marlise Sonneborn
Copyright by Martin Feuditwanger, Halle (Saale)
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„Man muß auch der Phantasie ihr Recht gönnen", fuhr Elisabeth fort, als ob sie seine Gedanken erriete.
«Nur der Phantasie?"
.Ist nicht schließlich jedes Gefühl Phantasie? Wir träumen uns eine Vollendung und erleben eine Enttäuschung."
Degeener staqd auf und trat neben seine Frau.
»Wie wundervoll die Farben heute sind! Gemalt würde man sie nicht glauben."
«Willst du sagen, daß die Wirklichkeit zuweilen sogar die Phantasie übertrifft?"
.Ungefähr."
Die junge Frau schwieg. Sie blickte zum anderen Ufer des Sees hinüber.
.Drüben liegt das Sanatorium", sagte der Mann, ihrem Blick folgend.
„Ja!" erwiderte die Frau.
Es klang gepreßt.
.Sehnst du dich auch heute hinüber? Den einzigen Nachmittag der Woche, an dem ich dich für mich fordere?"
.Ich weiß nicht..."
.Du liebst deinen Beruf, wie eine andere Frau ihr Kind."
.Meinst du?"
.Hast du Neigung zu einer Fahrt auf dem See?"
Elisabeths Augen leuchteten auf.
.Ja!" sagte sie voll Inbrunst.
Degeener besaß ein leichtes Motorboot, das groß genug war, eine elegante, wenn auch wenig geräumige Kajüte zu umschließen. Elisabeth stieg heute nicht hinab. Sie blieb am Bug und ließ ihre Augen trinken. Die Sonne
Ultimatum des Breistommilsars an säumige Gewerbetreibende.
Berlin, 28. Januar.
Der Reichskommissar für Preisüberwachung hat an l^ne Beauftragten in den Ländern sowie an die Bürgermeister und Gemeindevorstände ein Rundschreiben gerichtet, in dem er u. a. auf verschiedene Mißstände hinweist. So wurde z. B. seine Anordnung über Preisschilder und -Verzeichnisse noch nicht genügend angewandt, vor allem vom ^riseurgewerbe. Er fordert die maßgebenden Stellen auf, den betreffenden Gewerbetreibenden eine Frist von 24 Stunden zu stellen und, wenn dann nicht Abhilfe geschaffen worden sei, an ihn, den Preiskommissar, zu berichten.
Ferner bestände noch Unsicherheit bezüglich der Bezahlung von kleinen Mengen. Es sei durchaus unzulässig, auf 5 oder 10 Pfennig nach oben abzurunden. Bruch, teile von Pfennigen dürften nur auf einen Pfennig er- höhk werden.
Für die Untermietsverhältnisse sei er an sich nicht zustän- oig. Er bitte aber besonders in den Universitätsstädten die Magistrate, sich mit den Universitätsbehörden in Verbindung 3^ setzen, damit auf die Mietspreise ein Druck ausgeübt
Aus westlichen Gegenden lägen Beschwerden darüber vor, daß an Lohntagen und am nächsten Tage die preise unzulässig erhöht würden. Der Preiskommissar fordert deshalb die zuständigen Stellen auf, eventuell mit Geschäfts- schließung vorzugehen.
Stellungnahme -er Caftwirtsverbünde
Im Zusammenhang mit den Verhandlungen um die Bierpreissenkung haben jetzt die Gastwirtsverbände an den Reichskommissar für Preisüberwachung, Oberbürgermeister Dr. Goerdeler, ein Schreiben gesandt. Darin erklären die beiden Organisationen, daß sie nach nochmaliger stundenlanger Beratung nicht in der Lage seien, zur Sen- kung der Ausschankpreise Vorschläge zu machen, die technisch durchführbar seien und vom Gewerbe getragen werden könn-
Das Gastwirtsgewerbe erkenne die Notwendigkeit einer für den Verbraucher fühlbaren und den Konsum belebenden Preissenkung durchaus an, sei aber der Auffassung, daß hierzu die Senkung des Brauereipreises um nur 2 RM für das Hektoliter, besonders unter Berücksichtigung der Erhö- Hung der Umsatzsteuer von 0,85 auf 2 Prozent nicht aus- reiche Das Gewerbe habe von sich aus den lebhaften Wunsch, einen fühlbaren Abbau des Ausfchankpreifes vor- zunehmen, dies fei aber nach allgemeiner, auch von der Reichsreglerung anerkannter Auffassung nur durch eine gleichzeitige Senkung der überspannten Biersteuer möglich.
Bier wird billiger, aber ...
nicht in dem ursprünglichen Ausmaß.
Berlin. Die Verhandlungen mit dem Brauereigewerbe haben zu einer Senkung der gebundenen Bierpreise um zwei Mark je Hektoliter Vollbier ab 1. Februar 1931 geführt. Die volle Senkung des biersteuerfreien Teiles des Erzeugerteiles um zehn Prozent laut Notverordnung ist damit nicht WWa*^........“ zu erwarten sei.
Eine etwaige Herabsetzung der Biersleuer wird nicht nur dem Verbraucher vollauf zugute kommen, sondern auch der biersteuerfreie Teil des Brauereipreifes wird dann um volle zehn Prozent gesenkt werden.
Die Maßnahmen des Reichskommissars für Preisüberwachung betreffs der freien Bierpreifs und der Bruttover- diensispanne der Schankwirte werden durch diese Regelung nicht berührt.
Premierminister MacDonald will sich in der zweiten Konferenzwoche nach Genf zur Teilnahme an den Abrü- Itungsoerhandlungen begeben.
Der finnische Reichstag nahm in zweiter Lesung die Regierungsvorlage über das Alkoholgesetz, das die Prohibition aufhebt, mit geringfügigen Aenderungen an.
neigte sich schon. Langgezogene Wolken von schimmernder Farbe durchschnitten das schimmernde Blau des Himmels, das nach dem Horizont zu von olivfarbigen und grünlichen Färbungen, ja, sogar von lila Streifen unterbrochen wurde. Und das Wasser — im getreuen Echo — zitterte in all diesen Tönen nach.
Tief hingegeben an alle diese Schönheit, empfand Elisabeth mehr als daß sie es in Worten dachte: Vielleicht ist keine Liebe süßer als die, die von vornherein bestimmt ist, zu entsagen. Wunschlosigkeit heiligt. Und sie glaubte ehrlich, wunschlos zu sein.
* * *
Ein schwerer Fall war eingeliefert worden und Doktor Degeener hatte alle Hände voll zu tun.
Ein fünfjähriges Kind aus allerärmsten Verhältniffen, mit schwerer Darmtuberkulose. Der Eiter schwärte aus offenen, klaffenden Wunden des Leibes. Das elende Würmchen, geistig zurück, unschön, ohne irgendwelche Vorzüge des Leibes oder der Seele, nahm ihre ganze Kraft in Anspruch.
.Wir wollen es Hindurchreiten", hatte van Delden gesagt. .Es muß ein Triumph unserer Methode werden. Und keinen Händen sicherer als den Ihren weiß ich es an- zuvertrauen."
Doktor Elisabeth Degeener hatte selber die photogra- phischen Aufnahmen geleitet, verband eigenhändig die klaffenden, übelriechenden Wunden, leitete die Bäder, überwachte bis ins geringfügigste Diät und Stoffwechsel, nahm auch den kleinsten Eingriff selbst vor. Die ersten Nächte schlief sie wieder einmal im Sanatorium, um jederzeit zur Hand zu sein, wenn etwas Unvorhergesehenes geschehen sollte.
Zuweilen stand sie auf und ging an das Bettchen des Kindes, aufschreckend aus tiefem Traum.
Dies Kind aus diesem Zustande einer auch nur bedingten Gesundung entgegenzuführen — sie wußte es nur zu gut! — wäre ein wahrer Sieg der Wissenschaft über den schleichenden Menschheitstyrannen Tuberkulose gewesen.
Der Kanzler beim Reichspräsidenten
Berlin, 28. Januar.
Der Reichspräsident empfing den Reichskanzler Dr. Brü- ning zum Vortrag über die schwebenden außenpolitischen Fragen. Gegenstand des Bortrages dürften die Tribut- und die Abrüstungsfrage gewesen sein.
Von unterrichteter Seite wird erklärt, daß Gerüchte über Rücktrittsabsichten des Kanzlers nicht den Tatsachen entsprechen.
Auch Reichsminister Dr. G r o e n e r erschien am Mittwoch beim Reichspräsidenten zum Vortrag.
60. Geburtstag vtto Brauns
Berlin, 28. Januar.
Der preußische Ministerpräsident Dr. Otto Braun feiert am 28. Januar seinen 60. Geburtstag, den er in Ga- stein verlebt, wo er bekanntlich seit Wochen zur Kur sich aufhält. Er wurde in Königsberg in Ostpreußen geboren und erlernte das Buchdruckerhandwerk. Schon als Lehrling kam er mit der sozialdemokratischen Bewegung in Fühlung und entwickelte sich sehr bald zum sozialdemokratischen Agitator und Redakteur. 1913 wurde er preußischer Landtagsabgeordneter, 1919 Mitglied der Nationalversammlung.
Nach dem Kriege trat Otto Braun, der vor dem Kriege in der ostpreußischen Landarbeiterbewegung eine führende Rolle spielte, als Landwirtschaftsminister in die Regierung der Volksbeauftragten ein. Im März 1920 übernahm er nad) dem Rücktritt des Kabinetts Hirsch das Ministerpräsidium und trat nach den Preußenwahlen 1921 mit seiner Regierung wieder zurück. Aber schon im November 1921 wurde er nach dem Rücktritt Stegerwalds erneut an die Spitze der preußischen Regierung berufen. Dieses Kabineti trat erst nach den Dezemberwahlen von 1924 zurück, doch auch diesmal wurde Otto Braun bereits am 3. März 1925 wieder zum Ministerpräsidenten gewählt, woraufhin er das Kabinett bildete, mit dem er bis auf einige Aenderungen zurzeit noch im Amt ist.
Die letzten Jahre der Preußenpolitik tragen seinen Stempel. Er hat nicht nur durch starke Willenskraft seine Gefolgschaft zu Gesetzen verpflichtet, die ihr unangenehm waren — man denke an die Fürstenabfindung und das Konkordat —, sondern auch die personelle Zusammensetzung des Preußenkabinetts selbst bestimmt. Der Abgang der Minister Dr. Becker und Höpker-Aschoff ist nicht ohne schwere Kämpfe innerhalb der preußischen Regierungsparteien erfolgt.
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Englisches U-Boot mit 55 Mann Bejahung gesunken.
Das englische Unterseeboot „M 2" ist fünf Meilen von Portland entfernt bei Tauchübungen gesunken. An Bord des „M 2" befinden sich 49 Mann und 6 Offiziere. Unser Bild zeigt das englische Unterseeboot „M 2"
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Niemand, der ihr Walten und Wirken beobachtet hätte, wäre imstande gewesen, ihr etwas anderes nachzusagen als ernsteste und sachlichste Pflichterfüllung.
Ünd doch...
Zum ersten Male stand Doktor Elisabeth Degeener ihrer Arbeit mit einer gewissen ablehnenden Kritik gegenüber.
Zum ersten Male war in ihr ein dunkles Fragen: Bin ich nicht zu schade zu dieser Arbeit? Zu diesem Mich-Ver- lieren an einen Versuch, dessen Erfolg mehr als zweifelhaft ist?
Sie lebte ihr Leben nicht mehr mit der Selbstverständlichkeit des Wiffenschaftlers, der sein Menschentum vergräbt unter dem Dienst eines unpersönlichen Zweckes.
Ein volles, eigenes Menschentum — war es nicht bester?
Sie schalt sich nicht um dieser Gedanken willen.
Sie lächelte ein wenig über sich.
Es war nicht ein Lächeln des Spottes, es war ein Lächeln des Glückes.
Daß es das gab...
Daß sie es erleben durfte...
Sinnend ruhte ihr Blick zuweilen auf Gisela, dem glücklichen Kinde, das ihn täglich vielleicht sah. Sie strich ihr über die dunklen, weichen Locken.
Hatte vielleicht auch seine Hand hier einmal geruht?
Sie vermied, Gisela nach ihrem Freund zu fragen, wie sie es vordem in scherzender Zärtlichkeit getan.
Sie fühlte, daß er an sie dachte, wie sie an ihn.
Und sie fühlte, wie eines Tages diese ihre Sehnsüchte sie zueinander reißen würden - hinweg über ... Ach Gott! Wer konnte wissen, über was alles hinweg?
Sie fürchtete sich nicht und wehrte sich nicht.
Sie ließ sich vom Strom der Zeit ihrem Schicksal entgegentreiben.
„Doktor Degeener", sagte van Delden und winkte fit geheimnisvoll beiseite. „Was ist das mit dieser ländlicher Schönheit, die Sie zu mir gewiesen haben?"
(Fortsetzung folgt.)