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Die englische Gesängnirrenolte I

Das Darkmoor-Gefängnis von Militär umzingelt.

London, 27. Januar.

Eine Jnfanterieabteilung von 200 Mann wurde von Plymouth nach Dartmoor gebracht, wo sie sofort das Ge­fängnis umzingelte. Die Zufahrtstraßen zum Gefängnis sowie sämtliche in der Nähe liegende Straßen wurden ver­barrikadiert. Die Soldaten befinden sich in voller feldmarsch- mäßiger Ausrüstung mit Stahlhelmen, Maschinengewehren und großen Munitionsvorräten. Der Eingang zum Ge­fängnis wurde mit zwei schweren Maschinengewehren beseht. Sämtliche Fahrzeuge, die die Straßen passieren, werden kon­trolliert. Die Lage im Gefängnis ist ruhig.

Die Entsendung der Truppen erfolgte in der Befürch­tung. daß von außerhalb ein Angriff auf das Gefängnis gemacht werden könnte. Eine große Anzahl früherer Sträf­linge wurde nämlich in der Umgebung von Dartmoor beob­achtet; ferner wurden Kraftwagen festgestellt, die mit größ­ter Geschwindigkeit auf den umliegenden Straßen vorüber- fuhren und Lichtsignale nach dem Gefängnis Hinübergaben.

Die Untersuchungen haben ergeben, daß eine Massen- befreiung der Sträflinge erfolgen sollte. Hunderte von ver­dächtigen Kraftwagen, in denen zum Teil Zivilkleider lagen, wurden in der Umgegend des Gefängnisses gesehen. Auch die Waffen, die in oen Zellen gefunden wurden, lassen auf eine Hilfe von außen schließen. Die Meutere soll auf revo­lutionäre Propaganda zurückzuführen sein.

Allerlei Neuigkeiten

Das Grab in der Karsten-Grube. Auf der Karsten-Zen- trum-Grube, in der die Rettungsmannschaft fast drei Wo­chen lang mit dem Gestein kämpfte, sind die Rettungsarbel- ten nunmehr eingestellt. Später wird man die Unglücks­strecke zumauern und an dem großen Grab, hinter dem die Bergknappen Erber, Mar und Ksiensik liegen, einen Kranz und eine Gedenktafel anbringen, wenn es der Druck des Gesteins zuläßt.

Ein Gutshof niedergebrannk. Der in der Nähe von Ortelbur bei Meppen gelegene Gutshof Terberg wurde in der vergangenen Nacht vollkommen eingeäschert. Das In­ventar und die Ernte wurden vollständig vernichtet. 50 stück Hornvieh, 5 Pferde, 25 Schweine und etwa 80 Hüh­ner sind verbrannt. Die Brandursache ist noch nicht geklärt, jedoch deuten gewisse Anzeichen auf Brandstiftung.

Blutige Eifersuchtstragödie. Bei Soest ereignete sich eine blutige Eifersuchtstragödie. Auf dem Heimwege von einer Festlichkeit streckte der Gärtner Sodenkamp seinen Freund Rickert und ein Fräulein Wiesenthal durch zwei Re­volverschüsse zu Boden. Sodenkamv richtete dann die Waffe gegen sich selbst und schoß sich in die Schläfe. Der Täter ist einige Stunden später seinen Verletzungen erlegen. Der schwerverletzte Rickert und Fräulein Wiesenthal wurden ins Krankenhaus geschafft.

Geheimbrennerei in ei«er Mühle ausgehoben. Durch überraschendes Eingreifen von Zoll- und Polizeibeamten wurde in einer im Wildbachtal bei Traben-Trarbach gele­genen Mühle eine Geheimbrennerei aufgedeckt, die mit den modernsten Geräten ausgestattet war. Drei Schwarzbrenner wurden festgenommen.

Schüler als Autodiebe. Der Kriminalpolizei Frankfurt a. M. jIlj£_ji£luna£n-JlX£i-£riiül£r-4äker^-^ Festzünehmen, die eingestanden haben, seit Wochen Autodieb­stähle begangen zu haben. Sie unternahmen mit den ge­stohlenen Wagen Schwarzfahrten und ließen sie dann in Irgendeiner abgelegenen Gasse stehen. Bei dem einen Schüler wurden eine Selbstladepistole mit Munition, fünf Autoschlüssel und ein Sperrhaken gefunden.

Sühne für das Moskauer Eisenbahnunglück. Der Oberste Gerichtshof der Sowjetunion hat in dem Prozeß wegen des Zugzusammenstoßes auf der Station Kossino bei Moskau,

bei dem 68 Menschen ums Leben kamen, das Urteil ge­sprochen. Der Lokomotivführer und der Stationsvorsteher von Kossino erhielten Freiheitsstrafen in Höhe von je zehn Jahren. Fünf weitere Angeklagte wurden zu 1% bis drei Jahren Gefängnis verurteilt.

Gasolintank explodiert. In der Nähe von Nanking er­eignete sich eine Explosion eines Gasolintanks mit 15 000 Litern Inhalt. Etwa 30 Personen wurden dabei getötet und verwundet. Es wird angenommen, daß es sich um einen kommunistischen Anschlag handelt.

13 Personen mit Rattengift vergiftet. In Fresno im Staate Kalifornien haben 13 Mexikaner, ohne es zu wissen, Kuchen gegessen, die Rattengift enthielten. Vier Kinder ind daraufhin an Thalliumvergiftung gestorben. Man be- ürchtet, daß auch die erkrankten neun Erwachsenen nicht mit dem Leben davonkommen werden.

11 Todesopfer eines Bergwerk p»

London, 27. Januar. Bei einer Explosion in einem Schacht des Llwynypia-Bergwerks im Rhondda-Tal (Wales) fanden 10 Bergleute den Tod. Der Walliser Tenor John Evans, der sich an den Rettungsarbeiten freiwillig beteiligte, erlitt eine Gasvergiftung, an deren Folgen er verstarb.

Britisches Unterseeboot verloren?

London. Wie die Admiralität mitteilt, ist man ohne Nachricht von dem Unterseeboot M II, das gestern vormittag um 10.30 Uhr vor Portland unter tauchte. Mehrere Zer­störer und Unterseeboote befinden sich auf der Suche nach ihm.

Zwei Todesopfer einer Bluttat

Wanne-Eickel. Als sich Dienstag früh die Putzfrau des Alten Amtsgebäudes, Frau Appelmann, nach der gegen­überliegenden Sparkasse begab, bemerkte sie hinter einem Baume ihren früheren Untermieter, den Invaliden Z i - lonka. Als sie sah, wie er in die Tasche faßte, und fürchtete, daß er eine Waffe ziehen wollte, lief sie zurück und meldete den Vorgang auf der Polizeiwache. Gerade als der Wacht­habende herausgehen wollte, krachten mehrere Schüsse, die die beiden ahnungslosen Putzfrauen Keßler und Müller nie­derstreckten. Frau Keßler starb im Krankenhaus, während Frau Müller am Oberschenkel verletzt wurde. Zilonka hatt« die Flucht ergriffen; später fand man ihn, von eigener Hand erschossen, auf einem Friedhof.

Zilonka hatte schon einmal Frau Appelmann durch Messerstiche schwer verletzt. Zweifellos haben die Schüsse ihr gegolten.

Aus dem Gerichtssaal

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Dr. Goebbels wegen Zeugnisverweigerung verurteilt.

3m Berliner Helldorff-Prozeß beantragte Staatsanwalt- schaftsrat Dr. Slenig, den Zeugen Dr. Goebbels zur Zah- lung der durch seine Zeugnisverweigerung am Sonnabend verursachten Kosten sowie zu einer Ordnungsstrafe von 800 Reichsmark zu verurteilen.

Der Staatsanwalt führte zur Begründung seines An­trages an, daß Dr. Goebbels feine Zeugnisverweigerung nicht auf Artikel 38 der Reichsverfassung gegründet und niM erlliixi^lMüu^2ia|$-^.^4»~^Hn-^t?i»6ieta^ ihm in Ausübung seines Abgeordnetenberufes anvertraut worden seien. Auch hätte sich Dr. Goebbels nicht auf Pa­ragraph 55 der Strafprozeßordnung berufen, der eine Aus­sageverweigerung zuläßt, sobald eine Beantwortung der Frage die Gefahr einer strafrechtlichen Verfolgung nach sich ziehen würde. Der Zeuge habe die Begründung seiner Ver­weigerung in eine überaus schroffe und verletzende Form gekleidet.

Dr. Goebbels wurde weaen Verweigerung keiner Aus­

sage zu einer Ordnungsstrafe von 500 Mark und zur Prä­gung der entstandenen Kosten verurteilt. In der Begrün­dung wurde ausgeführt, daß die Aussageverweigerung ohne Gründe erfolgt sei und daher der Zeuge gemäß der Straf­prozeßordnung in Strafe hätte genommen werden müssen.

Während der Zeugenvernehmung ereignete sich ein Zwi- schenfall, der eine Unterbrechung der Verhandlung notwendig macht«. Der Angeklagte Schulz brach plötzlich auf seiner Bank zusammen und fiel in Ohnmacht. Man schaffte ihn in das Krankenzimmer, wohin sofort ein Arzt aus dem Untersuchungsgefängnis bestellt wurde. Die Weiterberatung wurde auf Donnerstag vertagt.

Liibeüer Prozeß

Plädoyers der Verteidigung.

Die Dienstagsitzung des Lübecker Tuberkulose-Prozesses fand wieder vor einem außerordentlich großen Zuhörerkreis statt. Im Mittelpunkt der Verhandluna stand das Plädoyer des Rechtsanwalts Dr. Hoffmann, der oen Angeklagten Me­dizinalrat Dr. Altstaedt verteidigt. Der Verteidiger zitierte eine ganze Reihe von Zeitschriften, die ihm nach dem Plä­doyer des Staatsanwalts von Beust aus der Bevölkerung, vom Aerzte-Verein Lübeck, aus Hamburg usw. zugegangen seien und in denen gegen den Vorwurf des Staatsanwalts. Dr. Altstaedt sei ein hundertprozentiger Theoretiker, und ihn hätten ehrgeizige Motive geleitet, Stellung genommen wird Dr. Altstaedt wird darin ourchweg als erfahrener Arzt und als ein Mensch geschildert, dem man keine persönlichen Gründe zuschieben könne und der sicherlich das Beste ge­wollt habe. Der Verteidiger ging dann ausführlich auf die Verhandlungen ein, die sich vor der Einführung des Calmette-Verfahrens in Lübeck, in Deutschland und außer halb Deutschlands mit diesem Verfahren beschäftigten.

Turnen und Sport

Der Herrenreiter-Champion Dr. Liebrecht ist aus dem Herren­reiter-Verband ausgeschieden, da gegen ihn schwere Anschuldigun­gen erhoben wurden, die er nicht widerlegen konnte. Dr. Liebrecht hat, wie bekannt wird, den Trainer von Herder gegen Zahlung von 20 000 Mark verpflichtet, ihm zur Erringung des Champion­titelsbehilflich" zu sein. Als Liebrecht Meister geworden war, weigerte er sich, die Summe zu zahlen, wodurch die Affäre ans Tageslicht kam.

Einen nicht alltäglichen Verlauf nahm anläßlich des Fran­zofenstarts in Leipzig der Schwergewichtskampf zwischen Polter und dem Franzosen Germain. Polier hatte seinen Gegner zu Boden geschlagen und wurde zum Sieger ausgerusen, obwohl Ger­main bei 9 wieder aus den Beinen war. Das Treffen wurde noch einmal ausgetragen Diesmal ging Germain in der 2. Runde zu Boden und stand nicht mehr auf. Von den 5 Kämpfen gewannen die Franzosen nur den im Leichtgewicht durch Lavassiere.

Die Komödie Carnera Bouquillon nahm in Paris vor über 15 000 Zuschauern ein schnelles Ende. Der Ringrichter sah sich gezwungen, denKampf" schon in der 2. Runde wegen zu starker Ueberlegenheit des Italieners abzubrechen. Griselle kam in der 4. Runde gegen van Vliet durch Abbruch ebenfalls zu einem (techn.) k. o.-Sieg. Gardebois fertigte den Italiener Baggiani in der 7. Runde durch Niederschlag ab.

Die ping-Pong-Weltmeislerschaften begannen in Prag mit den voraufgehenden Länderkämpfen um den Swaything-Eup, um den sich zehn Nationen bewerben. Deutschland wurde im ersten Spiel von Oesterreich mit 5 :3 geschlagen, war aber dann gegen Frank­reich mit 5 : 0 (und gegen Jugoslawien 5 : 1) erfolgreich. Der Ver- teidiger Ungarn siegte über Jugoslawien und Litauen jedesmal mit

Schneeskurm in Lake Placid! Der Tauwetterperiode im olym­pischen Wintersportquartier Lake Placid ist am Montagabend ein Schneesturm gefolgt, der alle in letzter Zeit aufgetauchen Beden­ken wegen der Abhaltung der Winterspiele erfreulicherweise zer­streut hat. In wenigen Stunden schon lagen auch auf der Bobbahn! 10 bis 20 Zentimeter besten Neufthnees. Da auch das Thermometer gefallen ist, es zeigte in der Nacht 3 Grad Kälte, ist mit dem Anhalten der günstigen Witterung zu rechnen.

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