Einzelbild herunterladen
 
  

Tagung der Böllerbundsrates

Die Polen machen Schwierigkeiten.

Genf, 26. Januar.

Die 66. Tagung des Völkerbundsrates begann mit einer nichtöffentlichen Sitzung, an die sich unmittelbar darauf die erste öffentliche Sitzung anschloh. Den Vorsitz der Tagung führt Frankreich. Die französische Regierung hat den Se­nator Paul-Boncour mit ihrer Vertretung beauftragt.

In der nichtöffentlichten Sitzung wurden u. a. die Dis­positionen für die Abwicklung des Verhandlungsprogramms besprochen. Der Vertreter Chinas setzte sich, wie verlautet, entschieden dafür ein, daß der chinesisch-japanische Konflikt als einer der wichtigsten Punkte vom Rate sofort in der öffentlichen Sitzung behandelt werde, und demgemäß wurde beschlossen. Ferner hat, wie weiter verlautet, der polnische Vertreter in dieser nichtöffentlichen Sitzung Einwendungen gegen die zur Verhandlung stehende Beschwerde des deut­schen Abgeordneten im Sejm Grabe gegen die Handhabung der polnischen Agrarreform gemacht und gefordert, daß die Angelegenheit bis zur Maitagung verschoben würde. Es wurde keine Entscheidung getroffen, sondern dem Berichter­statter anheimgestellt, sich mit den interessierten Ratsmit­gliedern über die Behandlung des Falles noch zu besprechen.

In der öffentlichen Sitzung gab zunächst der Vertreter Großbritanniens, Lord Robert Cecil, der Hoffnung Aus­druck, daß Briands Gesundheitszustand sich bald wieder bessern werde, und er an den Arbeiten des Rates bald wie­der teilnehmen könne. Briand ist ja auch nach seinem Rück­tritt vom französischen Ministerrat als ständiger Delegier­ter Frankreichs beim Völkerbund bestätigt worden. Die Mitglieder des Rates schlössen sich einmütig den Wünschen des englischen Delegierten an. Die Vertreter Japans und Chinas hoben insbesondere die Bemühungen Briands im mandschurischen Konflikt rühmend hervor.

Ein Bericht, der sich mit der Behandlung der Zivilluft­fahrt auf der Abrüstungskonferenz beschäftigt, wurde ange­nommen. Der Bericht geht auf einen Antrag der deutschen Regierung zurück, die verlangt hat, daß die Zivilluftfahrt aus der Abrüstungskonvention herausgelassen und in einer be­sonderen Konvention geregelt wird. Der Völkerbundsrat hat zur Kenntnis genommen, daß das Völkerbundsfekretariat Dokumente über die Verhältnisse der Zivilluftfahrt in den einzelnen Ländern für die Abrüstungskonferenz vorbereitet hat. Der Völkerbundsrat erklärte sich damit einverstanden, daß die von der letzten Völkerbundsversammlung eingesetzte Kommission für die Angleichung des Völkerbundspakkes an den Kellogg-Pakt während der Abrüstungskonferenz Zusam­mentritt.

Schließlich ist noch zu erwähnen, daß der Rat nach Schluß der öffentlichen Sitzung in einer geheimen Bespre­chung sich mit dem Rücktrittsgesuch Sir Eric Drummonds beschäftigte.

Beschwerde der deutschen Minderheit in Polen

In der Beschwerde der deutschen Minderheit in Polen die von dem deutschen Abgeordneten im polnischen Sejm, Graebe, unterzeichnet ist und die auf Antrag der deutschen Regierung jetzt im Völkerbundsrat zur Verhandlung ge­langen wird, werden folgende drei Punkte geltend gemacht:

1. Die einseitige Durchführung der polnischen Landwirt- schaftsreform gegen den deutschen Grundbesitz in Polen; 2. der Anspruch der vMMen ReAiMng aus das Vorkaufs­recht bei sämtlichen Ueberelgnungen von deutschem Grund­besitz; 3. die grundsätzliche Verweigerung der Auflassung deutschen Grundbesitzes durch die polnischen Behörden.

Eine Saar-Abordnung unter Führung des Kommerzien- rates Röchling ist in Genf eingetroffen, um mit den Mit- gliedern des Völkerbundsrates über die auf der gegenwär­tigen Tagung zu treffende Ernennung des Präsidenten und des Justizmitgliedes der Saarregierung zu verhandeln. Es wird erwartet, daß zum Präsidenten der Saar­regierung ein Engländer ernannt wird.

Nun zum vierten Male:

Mandschurei-Konflikt vor dem Völkerbundsrat.

Genf. Der Völkerbundsrat befaßte sich am Montag nach­mittag zum vierten Male feit September mit dem chinesisch­japanischen Konflikt. China wurde durch seinen Botschafter in Washington, Den, und Japan durch den Gesandten in Brüssel, Sato, vertreten. Die Vereiniaten Staaten betei­ligten sich ebenso wie auf der Pariser Tagung nicht an den Verhandlungen.

Der Vorsitzende des Rates, P a u l - B o n c o u r, gab zunächst einen kurzen Ueberblick über die bisherige Tätigkeit des Völkerbundsrates in der mandschurischen Frage. Der Vertreter Chinas, Pen, führte lebhafte Klage über das völ­lige Versagen des Rates in feinen Bestrebungen, den chine­sisch-japanischen Konflikt beizulegen. Japan habe das feier­liche Versprechen, seine Truppen so bald als möglich zurück- zuziehen, gebrochen. Der Vertreter Chinas warf Japan Gewaltpolitik vor, die sich zum Ziele die Annektion der Mandschurei gesetzt habe. China müsse jetzt freimütig erklä­ren, daß die Notwendigkeit immer gebotener erscheine, all« Mittel und Rechte zu erschöpfen und unter Umständen andere Artikel des Paktes anzurufen, um dem Konflikt ein Ende zu machen.

Der Vertreter Japans schlug in längeren Ausführungen vor, das Ergebnis der Untersuchung der vom Rat eingesetz­ten Untersuchungskommission abzuwarten. Der japanische Delegierte bestritt die Japan untergeschobenen Eroberungs- absichlen im Fernen Osten. Er schloß mit der Versicherung, daß es Japan nr darum zu tun sei, seine Rechte in der Mandschurei sicher,, stellen. Der Vorsitzende bezeichnete die letzten Ereignisse in Schanghai als äußerst ernst und richtete an den japanischen und chinesischen Vertreter den Appell, sich sofort mit ihren Regierungen in Verbindung zu setzen.

Der Völkerbundsrat wird in einer späteren Sitzung mit der Erörterung der mandschurischen Frage fortfahren.

Papst und spanische Kirchenpolitik

Rom. Papst Pius XI. krachte in einer Ansprache wieder seinen tiefen Schmerz über die Lage der katholischen Kirci>e in Rußland, Mexiko und Spanien zum Ausdruck. Die Auf­lösung des Jesuitenordens und die Konfiszierung seiner Gü­ter in Spanien sei ein trauriges Ereignis. Der Papst hob die Verdienste der Gesellschaft Jesu in Spanien hervor und bezeichnete ihre jpamschen Mitglieder als Märtyrer für den Papst und den Erlöser.

Aus der Heimat.

Lustsahrtlehrgang in herrseld.

Das Interesse der Jugend für die Luftfahrt ist durch die Entwicklung dieses neuesten Zweiges der Technik in den letzten Jahren stark gewachsen/ Dieser Tatsache ist erhöhte Aufmerksamkeit zu schenken, um die Jugend zu ernsthafter Beschäftigung und zu einem vertieften Verständnis für diese Dinge zu führen. Ins­besondere wird den gewerblichen Berufs- und Fachschulen auf dem Gebiete der Jugendpflege damit eine neue Aufgabe zugewiesen.

Bei der ständig wachsenden Bedeutung der Handels­luftfahrt in wirtschastlicherHinstcht und bei Berücksichtigung der geographischen Lage Deutschlands, die uns eine besondere Stellung in dem gesamten Luftverkehr der Zukunft zumeist, ist anzustreben, daß die Jugend Kenntnis vom Wesen und von der Bedeutung der Luftfahrt erhält, daß sie ferner die Grundlagen und Bedingungen für die Durchführung der Luftfahrt verstehen lernt und daß sie endlich, soweit dies möglich ist, durch praktische Versuche im Modellbau eher im Gleitflug eine eigen: Anschauung vom Luftfahrzeug und der Wirkungsweise feine: einzelnen Teile sich erarbeitet.

Nachdem bisher mehr als 130 Berufsschulen unter Mitarbeit des Deutschen Luftfahrtverbandes der Luftfahrt dienende Einrichtungen geschaffen haben, hat jetzt auch Hersfeld einen Luftfahrtlehrgang, der es der interessierten Jugend ermöglichen wird, durch wissenschaftliche Fort­bildung und praktische Betätigung im Kleinflugzeug­modellbau sowie durch körperliche Ertüchtigung sich dem Fortschritt der Technik anzupassen und den Luftfahrtge­danken zu pflegen.

Die Gründung des Vereins und des schon längere Zeit vorbereiteten Lustfahrtlehrgangs, zu der auch Ver­treter des Magistrats, der Handwerkskammer, des Jnnungsausschusses und der Kreisjugendpflege geladen waren, fand Montag, den 25. Januar in den Räumen der Städt. Berufsschulen statt. Der Verein ist dem Deutschen Luftfahrtverband e. V. anaeschlossen. Die Kosten des Lehrgangs werden von den Jugendlichen durch Mitgliedsbciträge g tragen. Nach den Richtlinien des Ministers für Handel und Gewerbe sowie des Ministers der Wissenschaft, Kunst und Volksbildung wurde dieser Lehrgang der hiesigen Stadt. Gewerbl. Berufsschule, wo geeignete Lehrkräfte, Schul- und Lehr- säle zur Verfügung stehen, angegliedert. Den Vorsitz und die Leitung des Unterrichts übernahm Berufsschul- direktor Christiansen.

Der Lehrgang umfaßt 2 Halbjahre mit je 3 theoretischen und 3 praktischen Abendstunden pro Woche. Im theoretischen Teil wird eine Einführung in die Luftfahrt unter besonderer Behandlung der Gebiete: Aerodynamik, Flugzeugbau, Flugmeteorologie Karten- und Jnstrumentenkunde, Motorenkunde, Luftverkehr und Luftrecht gegeben. Im praktischen Teil erfolgt Unter- welsung im F l ugur odei.ld au Am^au. von Flugzeugteilen.

Für den Lehrgang wurden 30 Teilnehmer zuge­lassen. während sich etwa vier mal so viel gemeldet hatten. Ausgewählt wurden: Arbeitslose Jugendliche, gewerbliche Berufsschüler und Schüler des Gymnasiums. Bei dieser Zusammensetzung ist zu erwarten, daß unter den Teilnehmern ein befruchtender Austausch geistigen Wissens und handwerklichen Könnens statlfindet, der zur Ertüchtigung des einzelnen dienen nnd den Kursus reiz­voll und nützlich gestalten wird.

" Gewerbeoberleh'.er F Depenbrock.

* Zinsen für Bsitragsrückftände in der Ju- val den Versicherung Nach § 3 Abschnitt 2 Kapitel IV des Fünften Teiles der vierten Verordnung des Reichspräsidenten zur Sicherung von Wirtschaft und Finanzen und zum Schutze des inneren Friedens vom 8 Dezember 1931 Reichsgesetzbl. I S 699 können die Träger der Invaliden-, der Angestellten- und der knappschaftlichen Versicherung sur Beitragsrückstände Zinsen erheben. Die Höhe dieses Zinssatzes ist auf Grund des § 3 Satz 2 a. a. O. ant 2 vom Hundert über den jeweiligen Reichsbanldiskont festgesetzt.

Hersfeld. (Wie wird das Wetter?) Das zentraleuropäische Hochdruckgebiet hat sich jetzt weiter nach Westen verlagert und einen sehr krsätigen Kern über Irland entwickelt. Während in unserem Gebiet die Berge alle heileres Wetter haben, herrscht in den Niederungen vielfach Nebel bezw. Hochnebel. Da aber später mehr polar maritime Luftmassen auf den Kontinent vorstoßen werden, wird die Hochnebeldecke voraussichtlich aufreißen, doch kommt es auch dann vielfach zu höherer Bewölkung, auch in den Gebirgen. Vorhersage bis Mittwoch Abend: Fortdauer der Hoch­druckwetterlage mit leichten nächtlichen Frösten.

Frankfurt a. M. Sonntag abend kurz nach 20 Uhr brach in den Wirtschaftsgebäuden des Landwirts Friedrich Engel am Marktplatz im Stadtteil Unterliederbach ein Brand aus, der in wenigen Minuten auch auf die Ge­höfte des Landwirts Adam Reccius und des Kaufmanns Pfleger Übergriff. Die Höfe bilden ein einziges Flammenmeer, zu deren Bekämpfung außer den Orts- feuerwehren die Höchster Berufsfeuerwehr und ein Lösch- zug der Frankfurter Feuerwehr anwesend sind. Bis zunr späten Abend war die Gewalt des Flammenmeeres, daS riesige Funkengarben über den Stadtteil schickt, noch nicht gebrochen. Die Sachschäden sind bereits jetzt sehr erheblich. ,.

Knilkhagen. In der Mittelmühle un hiesigen Orte stiegen während der Nacht Einbrecher in die Wurstkammer ein und entwendeten das gesamte Schlachtewerk eines vier Zentner schweren Schweines. Der Sohn des Hauses war munter geworden und gab aus die fliehenden Diebe einen Schuß ab, der aber fehl

ging. Ein Polizeihund verfolgte die Spur der Täter bis zur Landstraße HolzhausenWilhelmshausen, von wo die Diebe mit einem Auto weitergefahren sein müssen. Jedoch mußten sie auf der Flucht einen Sack mit Speck zurücklassen.

Wetzlar. Ein Postkraftwagenführer fand auf der Straße zwischen Blasbach und Hermannstein einen Mann tot auf. Die Untersuchung ergab, daß es sich um den 30jährigen Metzgermeister Stoll aus Wetzlar-Niedergirmes handelte, der mit seinem Motorrad gestürzt war und unmittelbar nach dem Sturz gestorben sein muß. Ob die Straßenverhältnisse oder ein Zusammenstoß mit einem anderen Fahrzeug die Ursache ist, konnte noch nicht festgeftellt werden.

Göttingen. Ein tödlicher Unfall ereignete sich am Sonntag in Alshausen (Kreis Uslar). Dort stieg ein 58jähriger Mann auf einen Tannenbaum, um Tannenzapfen zu pflücken, die er für ein Mittel gegen Rheumatismus verwenden wollte. Beim Besteigen des Baumes rutschte er aus und stürzte ab. Dabei verletzte er sich das Rückrat und wurde in die Göttinger Chirurgische Klinik eingeliefert, wo er verstarb.

Bad Kreuznach. Ein schrecklicher Anblick bot sich einer Frau in Wallhausen, als sie auf einen Schrei ihres Kindes ins Schlafzimmer eilte. Sie bemerkte eine große Ratte, die sich im Gesicht des Kindes fest­gebissen hatte. Ein Techniker, der sich in der Wohnung befand, tötete das Tier.

Japan vor der Besetzung Schanghais?

Die Japaner haben angekündigt, daß sie Teile von Schang­hai, darunter die Chinesenstadt, das Arsenal und die chinesi­schen städtischen Gebäude besetzen werden, wenn China den Boykott nicht abbricht und seine japanfeindlichen Vereini­gungen nicht auflöst. Im Hafen von Schanghai sind elf japanffche Kriegsschiffe mit 1000 Sorten gelandet. Unser Bild zeigt: Blick in die Straßen von Schanghai.

Überall Kommunisten-Unruhen

1000 Todesopfer in San Salvador.

San Salvador. Unbestätigten Privalmeldungen zufolge find bei den kommunistischen Unruhen am Sonnabend im Landesinnern über tausend Menschen getötet worden. Zahl­reiche Bombenanschläge wurden auf öffentliche Gebäude verübt. Infolge der schlechten Verbindungen mit dem Lan­desinnern seien nur wenige Einzelheiten bekannt; die Regie­rung soll jedoch die Situation beherrschen.

Paris. Wie aus Teruöl gemeldet wird, ist dort ein re­volutionärer Streik ausgebrochen. Die Aufständischen haben das Rathaus besetzt, die Archive in Brand gesteckt und den Kommunismus proklamiert. Der Gouverneur hat in Sar- gossa Truppen zur Verständigung angefordert. ^

*

Olmütz. Der kommunistische Abgeordnete I u r a n ver­suchte auf dem Rathausplatz vor einer Versammlung von etwa 150 Arbeitslosen eine Rede zu halten. Als ein Polizist ihn festnehmen wollte, wurde er von der Menge angegriffen. Von der herbeigeeilten Sicherheitswache wurden sieben Mann leicht verletzt und durch Fußtritte mißhandelt. Insgesamt wurden 13 Personen verhaftet. Eine Stunde später versuch­ten die Demonstranten, sich vor dem Gebäude der Bezirks­krankenversicherungsanstalt zusammenzurotten, was jedoch von der Polizei verhindert wurde.

*

Berlin. Zu der Trauerfeier für den in der Laubenkolo­nie erschossenen Kommunisten Kl«m he versuchten an meh­reren Stellen im Norden Berlins Kommunisten Demonstra- öonszüg« zu bilden. Der Polizei gelang es aber, Aufmärsche zu ver eiteln, zum Teil mit Hilfe des Gummiknüppels. Zu Zusammenstößen mit der Polizei kam es nirgends.

Polnisch-russischer Nichtangriffspakt

Warschau. Der polnische Gesandte in Moskau, Patek, und der sowjetrussische Volkskommissar für Auswärtiges, Lit- winoff, parafierten am Montag abend in Moskau den pol- i.isch-russischen Nichtangriffspakt.

Kleiner Welt-Spiegel

Der englische Generalstaatsanwalt Iowitt ist von seinem Posten zurückgetreten. Der Rücktritt wurde bereits feit längerem erwartet, da Iowitt seit den letzten Wahlen nicht mehr Mitglied des Parlaments ist

Der Papst hat von dem Kaiser von Abessinien einen kostbaren Teppich zum Geschenk erhalten, der 12 Quadratmeter mißt. Auf rotem Untergrund sind Löwen dargestellt.

Der bekannte New Parker Bankier Paul Marburg, ein ge­borener Deutscher, ist gestorben.

Einem Bericht aus San Salvador zufolge haben die Regie- rungstruppen den kommunistischen Aufstand mit schweren Ver­lusten für die Aufständischen unterdrückt. Die gefangengenom­menen kommunistischen Führer wurden sofort hingerichtet.