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Fast 6 Millionen Arbeitslose

Berlin. 22. Januar.

Am 15. Januar 1932 waren bei den Arbeitsämtern rund 5 966 000 Arbeitslose gemeldet. Die Zunahme seit dem Jah­resende belief sich auf annähernd 300 000. Seit dem Tiefst- stand des vergangenen Sommers ist die Arbeitslosenzahl um rund 2 012 000 gestiegen. Gegenüber dem letzten Stich­tage hak die Zahl der Arbeitslosen in den Saisonautzenbe- rufen um 4,4 v. H., in den übrigen Berufsgruppen um 5,9 vom Hundert zugenommen.

In der Arbeitslosenversicherung stieg die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger um rund 136 000 auf rund 1 778 000 (35,9 v. H. der unterstützten Arbeitslosen), in der Krisenfürsorge um rund 41000 auf rund 1547 000 (31,3 vom Hundert). Die Zahl der Wohlfahrtserwerbslosen er­höhte sich bis Mitte Januar um rund 63 000 auf rund 1 629 000 (32,8 v. H.).

Reue Unruhen in Spanien

Madrid, 22. Januar.

Zwischen Manresa und Berga in der Provinz Barce­lona sind Unruhen ausgebrochen. Die Regierung hat ein starkes Gensdarmerieaufgebol aus Saragossa an den Schau­platz der Tumulte entsandt. Außerdem haben zwei Jäger­bataillone, eine Eskadron Kavallerie und Artillerielruppen Marschbefehl nach Manresa erhalten.

Der Innenminister machte folgende Mitteilungen: Zwi- chen Manresa und Berga ist ein revolutionärer General- treik ausgebrochen. Die Aufrührer haben eine Eisenbahn- inie beseht und sich der Telephonleitungen, einschließlicb »er Telephonzentrale in Navascues sowie eines Pulver- und Dynamitlagers bemächtigt. Der Ministerpräsident glaubt, daß die Urheber der Bewegung unter den Anarchisten zu suchen sind.

Der mißglückte Putsch in Spanien

Vertrauenskundgebung für die republikanische Regierung.

Madrid, 22. Januar.

Die spanische Kammer hat der Regierung für ihr ener­gisches Einschreiten gegen die Bedrohung des republikanischen Regimes mit 285 gegen 4 Stimmen das Vertrauen ausge­sprochen.

Ministerpräsident A z a n a halte vorher ausgeführt, daß die Bewegung in der Provinz Barcelona ausgesprochen re­volutionären Charakter habe und alles für eine allgemeine Erhebung in ganz Spanien für kommenden Montag vorbe­reitet gewesen sei. Die Regierung kenne das Komplott in seiner ganzen Ausdehnung. Die Direktiven kämen aus dem Auslande. Die Summen, die nach Spanien flössen, um die Unruhe zu schären, seien bekannt, ebenso die Empfänger.

Der neueste Bankskandal

Die Evangelische Zentralbank schließt die Schalter.

Berlin, 22. Januar.

Die Evangelische Zentralbank e. G. m. b. H. in Berlin hat ihre Zahlungen eingestellt und mitgeteilt, daß sie ihre Schalter bis auf weiteres geschlossen halte. Es wird ein

Im Verfahren der Berliner Staatsanwaltschaft ge­gen den Geschäftsführer der Evangelischen Zentralbank, G. m. b. H., Paul Runck und dessen Bruder Adolf Runck hat der Vernehmungsrichter auf Antrag der Staatsanwalt­schaft gegen die Brüder Runck Haftbefehl erlassen. Die Brüder Runck stehen in dem dringenden Verdacht, sich an­läßlich der Beschaffung des Achtmillionen-Kredits des ge­meinschaftlichen Betruges schuldig gemacht zu haben. Der Geschäftsführer Paul Runck ist weiterhin dringend verdach- tig, sich der Depotunterschlagung, Adolf Runck der Beihilfe dazu schuldig gemacht zu haben.

Riesige Devisenschiebungen

Berlin, 22. Januar. Ein Fall von Devisenschiebungen, in dem es sich um Millionenobjekke handelt, ist jetzt von Be- amken der Zollfahndungsstelle aufgedeckt worden. Der Ban­kier Dr. Gulherz, der Vertreter des Bankhauses Singer und Friedländer, das seinen Stammsitz in London hat, ist ver­haftet worden. Es ist damit zu rechnen, daß im Laufe der nächsten Tage weitere Verhaftungen von Bankiers und Pri­vatpersonen erfolgen werden.

Tiroler Seimwehr gegen Regierung

Wien, 21. Januar.

In einer Sitzung des Führerrats der Tiroler Heim­wehr in Wien wurde eine Entschließung gefaßt, die dem österreichischen Bundespräsidenten und dem Bundeskanzler zur Kenntnis gebracht werden soll. In dieser Entschließung wird zunächst darauf verwiesen, daß die Bundesfübrunq der österreichischen Heimwehr dem Bundeskanzler ein brief­liches Ultimatum mit einer Reihe wirtschaftlicher Forde­rungen llbersandt, und somit den Beweis erbracht habe, daß sie ein aufbauender, und nicht zerstörender Faktor im Staate sei. Zur gegenwärtigen Regierung könne die Tiroler Heimwehr kein Vertrauen haben. Die Tiroler Heimwehr verlange eine parteipolitisch unabhängige Regierung, die von dem Willen beseelt sei, das öffentliche Leben von aller Korruption zu reinigen, und das Ansehen des Staates je­dermann gegenüber wiederherzustellen.

Kleiner Welt-Spiegel

Dänemark hat ein allgemeines Verbot für ausländische Mu­siker erlassen. Ab 1. Februar werden ausländische Musiker in Dänemark keine Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis mehr erhalten, weil 25 v H. der dänischen Musiker arbeitslos sind.

Die auf den Färöern abgehaltenen Wahlen zum Largthing haben den Sieg für die Dänemark treue Sambands-Partei und eine Niederlage für die Los-von-Dänemark-Partei gebracht.

Der polnische Sejm hat mit großer Mehrheit den von den Oppositionsgruppen gegen die Regierung eingevrachten Mißtrau­ensantrag abgelehnt.

Im finnischen Reichstag begannen die Verhandlungen über das neue Alkoholgesetz. Die Anhänger des Alkoholverbotes ver­langen strengere Maßnahmen, während von der Gegenseite ange­führt wird, daß noch immer zu viele Beschränkungen vorgesehen seien.

Aus der Heimat.

Hersfeld (Aus dem Gerichts saal). Als erste Angeklagte erschien eine Schneidermeisterin von Hersseld, die angeklagt war, Nähkurse ohne polizeiliche Genehmigung abgehalten zu haben. Sie hatte eine Strafverfügung von 25 RM. erhalten; diese Strafe war ihr mit Rücksicht auf die jetzige wirtschaftliche Lage im Schneiderhandwerk zu hoch. Sie gab den Tatbestand zu und bat um eine mildere Strafe. Der miterschienene Obermeister der Schneiderinnung befürwortete auch noch den Antrag der Angeklagten. Das Gericht ermäßigte die Strafe auf 5 M. — Wieder stand ein An­geklagter vor Gericht, der einen Gegenstand (Zieh­harmonika) unter Eigentumsvorbehalt gekauft hatte. Nachdem er einen Teil des Kaufgeldes bezahlt hatte, verkaufte er die Harmonika weiter und schickte den bar erhaltenen Kaufpreis an die Firma. Da nun sein Käufer arbeitslos wurde und er das gleiche Schicksal hatte, so zahlte er nicht mehr. Alle Mahnungen waren erfolglos und infolgedessen hatte die verkaufende Firma Strafantrag wegen Unterschlagung gestellt.^ Wegen dieser Unterschlagung erhielt der Angeklagte eine Geld­strafe von 20 M. — In der dritten Sache, die wegen eines Uhrendiebstahls anstand, war der Angeklagte nicht erschienen. Es mußte infolgedessen Bertragung der Sache erfolgen.

Hersfeld. (Wie wird das Wetter?) Das Hochdruckgebiet, das zur Zeit unsere Witterung beherrscht, hat sich noch unverändert gehalten. In seinem Bereich ist es vielerorts zu Nebel- bezw. Hschnebelbildung ge­kommen, und in ganz Deutschland herrschen Fröste. Eine Umgestaltung der Wetterlage ist noch nicht abzu- sehen. — Vorhersage bis Samstag und Sonntag Abend: Anhalten des vielfach nebligen Hochdruckwetters mit Frost.

Homberg (Bez Kassel). Nachdem erst vor drei Tagen ein Schadenfeuer im Kreisort Lenderscheid größeren Schaden angerichtet hatte, entstand jetzt in der neben der letzten Brandstätte liegenden^ Scheune des Landwirts Kurz ebenfalls ein Brand. Scheune und Slallung brannten nieder. Auch die Erntevorräte sind vernichtet. Ueber die Entstehungsursache ^des Schaden­feuers ist noch nichts bekannt.

Kassel. Das Schwurgericht soll in diesem Jahr zum ersten Male in der zweiten Februarwoche zusammen­treten. Zum Vorsitzenden dieser Periode ist Landge­richtsdirektor Keiser bestellt morden. Es wird mit einer längeren Dauer gerechnet, denn es werden eine ganze Reihe von schweren Fällen zur Aburteilung gebracht werden, so u. o. das Waldecker Sprengstoffattentat und der Oberzwehrener Raubmord.

Velmeden (Kr. Witzenhausen) Die große Not unserer Zeit kommt in folgender Begebenheit, die sich dieser Tage in Velmeden zutrug, grell zum Ausdruck. Eine junge Frau sprach bei einem kinderlosen Ehepaar vor unb~bat um eine Tasse Kaffee, die sie auch besam. Sie bot-schließi Jaufe des Gesprächs, das sich entspann, den Leuten ihr 14 Tage altes Kind zum Kauf an, für das sie 500 Mark verlangte.

Worbis. Seit fünf Wochen wurden in der Dampfmolkerei fortgesetzt Diebstähle von Butter, Quark und Käse verübt, ohne daß es bisher gelang, den Täter zu ermitteln. Die Diebstähle wurden immer Sonntag nachts ausgeführt. Bei einer plötzlichen Haussuchung bei einem früher in der Molkerei beschäftigten Händler wurde ein Teil des Diebesgutes beschlagnahmt. Dem Händler gelang es. zu flüchten. Ein Angestellter, der dem Diebe Helfer dienste geleistet hat, wurde festgenommen.

Marburg. Auf der Strecke Brilon-Altenrüthen fuhr Donnerstag morgen 6.20 Uhr ein Personenzug kurz vor der Station Attenrüthen auf Eisenbahnschwellen, die quer über die Schienen gelegt traten. Zum Glück hatte der Zug seine Geschwindigkeit angesichts des nahen Haltepunktes schon erheblich vermindert. Dadurch war es dem Lokomotivführer möglich gewesen, den Zug schnell zum St hen zu bringen Personen wurden nicht verletzt, die Lokomotive beschädigt. Eine Erklärung des Falls war bisher noch nicht möglich Die Kriminal­polizei hat die Untersuchung in die Hand genommen

Frankenha n o. M In einem unbewachten Augenblick geriet der 2V2jährige Junge des Vogel­händlers Gustav Schäfer in die Jauchegrube auf dem Gehöft des Gustav Brill von hier. Trotz sofort aufge- nommener Wiederbelebungsve s che war das Kind be­reits in der Grube erstickt.

Sangershauserr. Am Küchentisch einer Wohnnng in der Hüttenstraße wurde eine Frau plötzlich von einem Geschoß in die linke Schulter getroffen. Der Schuß der durch das Fenster gekommen war, wurde von einem jungen Mann abgegeben, der vom Hose aus nach Sperlingen auf dem Dache schoß.

Nordhausen. Aus einer Wohnung in der Kasseler Straße stahlen Diebe einen Betrag in Höhe von über 3000 Mark. Für die Ermittlung der Täter ist eine hohe Belohnung ausgesetzt worden

^ </ Hier fängt’s an . . .

Bon gestern bis heute

Generaloberst Freiherr von Lyncker f

In Demnitz bei Fürstenwalde an der Spree starb in fast vollendetem 79. Lebensjahre der ehemalige Chef des preußi­schen Militärkabinetts, Generaloberst Moritz Freiherr von Lyncker. Der Verstorbene, der seinen Wohnsitz in Pots­dam hatte, war Vortraaender Generaladiutant des ebemali-

gen Kaisers. Er besaß den Schwarzen Adlerorden und den Orden Pour le mörite. Die Beisetzung findet in Bornstedt am 25. Januar statt.

Strafantrag im Kaphengst-Prozeß.

Im Kaphengst-Prozeß in Altona beantragte der Ober- staatsanwalt gegen Kaphengst eine Gesamtstrafe von vier­einhalb Jahren Zuchthaus unter Anrechnung der Unter­suchungshaft. Kaphengst sei für fünf vollendente und zwei versuchte Attentate verantwortlich.

Entlassungen im Ruhrbergbau.

Die Hoesch-Köln-Neuessen A.-G. für Bergbau und Hüt- tenbetrieb zeigt wegen Absatzmangels Betriebseinschränkun­gen auf der Schachtanlage Kaiserstuhl 2 an. Zur Entlassung kommen 850 Arbeiter. Die Vereinigten Stahlwerke, Gruppe Bochum, zeigen Betriebseinschränkungen auf der Zeche Dan- nenbaum an. Zur Entlassung kommen hier 200 Arbeiter und Angestellte.

Fast 20 v. H. der deutschen Handelsflotte außer Fahrt.

Nach dem Bericht des Vorsitzenden des Verbandes deut­scher Kapitäne und Schiffsoffiziere, Kapitän Freyer, waren Ende des vergangenen Jahres 8336 Seeleute aller Dienst- grade stellungslos, darunter 219 Kapitäne und 805 Schiffs­offiziere. Von der insgesamt 3,9 Millionen Bruttoregister- tonnen großen deutschen Handelsflotte waren 19,6 v. H. aufgelegt. Die Reedereien haben sich veranlaßt gesehen, weitere Kündigungen an Kapitäne und Offiziere vorsorglich auszusprechen, da voraussichtlich noch mehrere Schiffe auf­gelegt werden müssen.

Sprechverbot für einen nationalsozialistischen Abgeordneten.

Nach einer Mitteilung der nationalsozialistischen Presse­stelle ist dem Landtagsabgeordneten Julius Streicher von der Polizeidirektion Nürnberg eröffnet worden, daß ihm die Regierung von Mittelfranken das Sprechen in öffentlichen Versammlungen bis zum 1. März verboten habe.

Paul-Boncour französischer Delegakionschef.

Das Büro des französischen Ministerpräsidenten teilt mit: Da der Ministerpräsident und Außenminister gegen­wärtig Paris nicht verlassen kann, und da der ständige französische Völkerbundsdelegierte Briand aus Gesundheits­rücksichten verhindert ist, wird Senator Paul-Boncour sich als französischer Vertreter zur Ordentlichen Tagung des Völkerbundsrates, die am 25. Januar beginnt, nach Genf begeben.

Das Rätselraten um die Nachfolge Dawes'.

Im Weißen Hause in Washington wird erklärt, daß der durch den Rücktritt des Generals Dawes frei gewor­dene amerikanische Botschafterposten in London möglicher­weise nicht sofort neu besetzt werden wird. Vielfach wird Sie Vermutung geäußert, daß der jetzige Botschafter in Paris, Walter Edge, nach London gesandt und in Paris durch den bisherigen Botschafter in Rom, Garrett, ersetzt werden wird.

Auflösung der japanischen Kammer.

Die japanische Kammer ist aufgelöst worden. Die Aus­lösung erfolgte, um der Regierungspartei zu ermöglichen, durch Wahlen eine arbeitsfähige Mehrheit zu erlangen Bis­her hatte die Regierungspartei von 466 Sitze 171 und die

20. Februar stattsinden.

Lübecker Prozeß Fortsetzung der Plädoyers.

In der Donnerstag-Sitzung des Tuberkulose-Prozesses nahm Rechtsanwalt Dr. Wittern, der Vertreter einer gro­ßen Anzahl der als Nebenkläger zugelassenen Eltern das Wort. Er erwähnte, daß die als Nebenkläger zugelassenen Eltern das Recht hätten, eventuell eine Buße von den An­geklagten zu fordern. Die Eltern hätten aber nicht die Ab­sicht, eine solche Buße zu beantragen, da inzwischen ein Schiedsvertrag mit dem Lübecker Staat abgeschlossen wor­den sei, nach dem der Staat sich verpflichte, den vollen Scha­den zu ersetzen, und zwar mehr, als was vom Staate nach einer eventuellen Verurteilung der Angeklagten zu erreichen gewesen wäre.

Dr. Wittern erklärte schließlich, daß die Ursächlichkeit der Schuld der Angeklagten Deycke und Altstaedt vorliege. Wäh­rend Dr. Altstaedt noch heute den BEG. als harmlos wie Milch und Zuckerwasser ansehe, sei Prof. Deycke zu der Ansicht gekommen, daß der BCG. wieder virulent werden könne. Dr. Deycke und Dr. Altstaedt hätten sich auf das verlassen, was man allgemein in der Welt sagte, nämlich der BCG. wäre unschädlich. Durch eine geschickte Propa­ganda und große Organisation habe Prof. Calmette die Anwendung seines Mittels in der Welt gefördert, aber sei irgendwo einmal Schädigung durch den BEG. eingetreten, oder im Versuch ein Virulentwerden festgestellt, so habe man im Pasteur-Jnstitut nur die Antwort gehabt: Das ist ein Versuchsfehler! Die Fahrlässigkeit der Angeklagten Prof. Deycke und Dr. Altstaedt bei der Einführung des Ver- fahrens sehe ich, so schloß Dr. Wittern, darin, daß sie ohne ausreichendes Studium des Calmette-Verfahrens und ohne ausreichende Berücksichtigung der gegnerischen Literatur zu dem Glauben an den virus fit bekommen seien

Das neue

im Flughafen

Deutschlands neuestes Flugzeug.

Flugzeug der Dornier-Werke „So. K." wurde „„ ulUtiV^fen Berlin-Tempelhof den Behörden in An- Wesenheit des Reichsoerkehrsminlsters Tremranus oorge- führt. Unser Bild zeigt „Do. K.