Einzelbild herunterladen
 

Tribntftrelchnng - beste Lösung

Eine Klarstellung Laykons.

London, 22. Januar.

Der englische BJZ.-Sachverständige und Verfasser des Baseler Berichts, Sir Walter Layton, erklärt in einem offe­nen Brief an dieDaily Mail", seine jüngste Rede werde mißdeutet, wenn sie dahin ausgelegl werde, er sei gegen eine Streichung der Reparationen. Layton stellt fest, er sei mit allen anderen Delegierten des Baseler Sachverständi- gen-Komitees der Auffassung, daß die endgültige Festsetzung der deutschen Verbindlichkeiten zum baldmöglichsten Zeit­punkt für die Weltwirtschaftserholung dringend notwendig sei. Er habe in seiner Rede zum Ausdruck bringen wollen und auch zum Ausdruck gebracht, daß es im Interesse aller Beteiligten einschließlich Englands besser wäre, wenn diese politischen Schulden überhaupt gestrichen würden. Die Er­fahrung habe gezeigt, daß ihre Zahlung eine verhängnis­volle Wirkung habe.

Layton erklärt, daß die Reparationsleistungen in erster Linie die schlechte Verteilung der Weltgoldbestände hervor­gerufen haben, ferner den Fall der Weltmarktpreise, der die Ursache der Weltwirtschaftsdepression sei, und die Erhö­hung der Zollmauern und anderer Hindernisse, die den in­ternationalen Handel hemmen. Deutschland werde, da es für die Zahlung von Reparationen keine Anleihe mehr er­halten werde, künftighin Reparationsleistungen in Gold oder Waren vornehmen müssen, und da auch Gold in Deutschland sehr knapp sei, werde es, um seine Exportüber­schüsse zu erhöhen, der schärfste Konkurrent der englischen Industrie auf allen Weltmärkten werden. Layton stellt noch einmal die Forderung:

1. Es sei besser, daß die Kriegsschulden vollständig ge- strichen würden. 2. Es sei wesentlich, daß eine Endlösung sobald wie möglich zustande komme, denn ein Wiederauf­bau könne nicht einsetzen, solange diese Zahlungsverpflich­tungen die Welt bedrohen. 3. Wenn, um den Abschluß eines allgemeinen Abkommens unter den Rationen zu sichern, ge- wisse Zahlungen von Deutschland auch weiterhin geleistet werden müssen, so sollen diese so niedrig gehalten werden, daß sie in keiner Weise die internationale Zahlungsbilanz oder den normalen Welthandel schädigen.

Die Tributtaft der Reichsbahn Die Wirtschaft gegen jede Kompromißlösung.

Düsseldorf, 22. Januar.

Maßgebende rheinisch-westfälische Wirtschaftskörperschaf- ten haben unter Führung des Langnamvereins an den Reichskanzler und den Reichsverkehrsminister eine Eingabe gerichtet, die sich gegen die Andeutungen wendet, die der Baseler Sonderausschuß über eine etwaige Fortdauer der Reparationsbelastung der Reichsbahn gemacht hat. In der Eingabe heißt es u. a.:

Die Wirtschaft in allen ihren Teilen hat durch erhöhte Frachtsätze die der Reichsbahn auferlegte Tributsteuer auf­bringen müssen. Es ist also völlig verfehlt, aus den Be­triebsergebnissen vergangener Jahre irgendwelche Schlüsse auf die spätere Entwicklung des Reichsbahnunternehmens ziehen zu wollen. Im Baseler Bericht wird die Tatsache neu siegen, weil die Reichsbahn gerade unter dem Zwang der Tribute die Tarifschraube am stärksten anziehen mußte.

3m übrigen zeigen die Belriebsergebnisse der beteilig­ten Bahnen für 1930, daß die Tarife der deutschen Reichs­bahn um mehr als 10 Prozent höher waren als die franzö­sischen und tschechoslowakischen, um mehr als 45 Prozent höher als die belgischen und sogar um mehr als 100 Prozent höher als die polnischen. Eine Anpassung der Reichsbahn- tarife an den heutigen allgemeinen Preisstand, die im Inter­esse der deutschen Gejenckwirtschaft unerläßlich ist, wird ohne weiteres die Betriebszahlen erheblich ändern. Auch für die Tribullasten der Reichsbahn darf in den Reparationsver- Handlungen keine Kompromißlösung zugelassen werden, wenn nicht die vor allem notwendige Wiedergesundung der deutschen Wirtschaft überhaupt in Frage gestellt werden soll.

DrMEiiMi Beseelter

Roman von Marlise Sonneborn

Copyright by Martin Feuditwanger, Halle (Saale)

[25

Die ist übergeschnappt", stellte Knacke fest, als man jetzt weiterging.

So eine richtige Moderne", fügte die Gattin breit hinzu.

Doktor Degeener ist eine sehr tüchtige Aerztin und die rechte Hand des Chefarztes", sagte Ley ernst und zu- rechtweisend.

Na, Alander liest das anders", knurrte Knacke. Ley schwieg.

Die Schwiegereltern Alanders über Doktor Elisabeth Degeener aufklären zu wollen, dürfte vergebliche Liebes­mühe sein. Aber sein Herz pochte unruhig. Sie ist die herrlichste Frau, die ich je gesehen habe, dachte er, und ant­wortete zerstreut auf die Knackesche Wißbegier.

Onkel van Delden", schmeichelte Gisela,aber an dem Gartenfest darf ich teilnehmen?"

-Natürlich, Gisela! Der Nachmittag gehört euch Kin­dern."

Nein, Onkel Hannes, du weißt ganz genau, daß ich das so nicht meine. Ich will ich möchte", verbesserte sie sich,auch abends dabei sein."

-Aber Gisela! Mit zwölf Jahren."

Und du schenkst mir ein wundervolles Kleid dazu: weißliche Spitzen, nur ein paar Träger aus glitzernden Steinen über der Schulter, und ein Jäckchen aus leuchtend­rotem Atlas. Onkel Hannes, das wird mir stehen! Ich werde schön sein wie Mignon."

Und eitel wie Eva!"

Warum auch nicht? Ich kenne jemand, der sagt mir

Kabinettsfttzung über Agrarfragen

Osthilfe und Beschaffung von Düngemitteln.

Berlin, 22. Januar.

Das Reichskabinett hielt eine Sitzung ab, in der zunächst Fragen der Osthilfe, und zwar im besonderen das Problem der Aufbringung der erhöhten Mittel für die Umschuldung, er­örtert wurden.

Reichsminister Schlange-Schöningen legte besonderen Wert darauf, daß eine sowohl für die Gläubiger wie für die Schuldner befriedigende schnelle Lösung gefunden wird. Die Beratungen werden fortgesetzt werden. Die Frage der Sicherung der Beschaffung von Düngemitteln ist noch nicht zur Erörterung gekommen, da die Beratung des Umschul- dungsproblems die ganze Zeit der heutigen Kabinettssitzun­gen in Anspruch genommen hat.

Berlöngerung des Stillhalteabkommens

Vor Abschluß der Berliner Verhandlungen.

Berlin, 22. Januar.

Wie verlautet, ist es sehr wahrscheinlich, daß die Ber­liner Verhandlungen mit den Vertretern der ausländischen Stillhaltegläubiger am Ende der Woche zum Abschluß kom­men. An dem Text des zweiten Stillhaltevertrages, der » ein neues einjähriges Provisorium vorsehen dürfte, wird zurzeit noch gearbeitet.

Man hat sich in der besonders schwierigen Frage der Zinssätze auf eine Klausel geeinigt, in der den Gläubigern die Erhebung vernünftiger Zinsen empfohlen wird. Auch bezüglich der besonders von amerikanischer Seite erhobenen Sicherheitsforderungen ist eine-Einigung erzielt worden, die sich auf der mittleren Linie zwischen den ausländischen und deutschen Wünschen hält.

Schwedens Vroteft gegen Znschlagsröüe

Stockholm, 21. Januar.

Der schwedische Gesandte in Berlin hat bei der Reichs- regierung Verhandlungen über die neuen Zuschlagszölle für Länder mit entwerteter Währung eingeleitet.

Seinen Instruktionen gemäß hatte er hervorgehoben, daß diese Zuschläge nach Auffassung der schwedischen Regie­rung die Bestimmungen des geltenden Handelsvertrages verletzen, durch die Schweden ein Recht auf bedingungs­lose Meistbegünstigung gewährleistet werde.

Eine vernünftige dänische Stimme

Der Direktor der Danish Dairles, Richardt, der die Ausfuhrverteilung der dänischen Butter beaufsichtigt, er­klärt zu den deutschen Zollmaßnahmen inBerlinske Ti- dendes Mittagsausgabe", es brauche durchaus nicht so schlimm zu werden, wie man glaube. Es wäre gar nicht zu verwundern, wenn Dänemark über diese deutschen Maß­nahmen leichter hinwegkomme, als man gewöhnlich damit rechne. Es sei z. B. gar nicht sicher, daß die Butternotierung jetzt oder später von diesen Maßnahmen beeinflußt werde. Erstens könne niemand sagen, daß die ganze dänische Ein­fuhr nach Deutschland zusammenbreche^ Wenn dies der Zoll

em? en letzten Ta­gen große Mengen Butter nach Deutschland gegangen, aber doch nicht mehr, als in kurzer Zeit zu verbrauchen sei. Außerdem werde ständig ein Teil Butter dorthin versandt werden.

3m übrigen wird im Außenministerium über die Lage verhandelt. Wie es heißt, sollen Währungsmaßnahmen ge­troffen werden, die die Einfuhr aus Deutschland um 50 v. h. gegen 1931 vermindern sollen. Amtlich verlautet allerdings hierüber noch nichts.

Deutsch-belgisches Kohlenabkommen

Berlin. Die deutsche und die belgische Delegation für die Verhandlungen über ein neues Abkommen in der Koh- lenfrage haben sich über die Grundlagen eines neuen Ab­kommens geeinigt. Der Wortlaut des Abkommens wird in einigen Tagen bekanntgegeben werden.

jeden Tag immer und immer wieder, daß ich so schön bin wie Schneewittchen."

Doktor van Delden fuhr auf.

So? Also den nenne mir bloß! Mit dem möchte ich einmal ein paar Worte reden. Einem Kinde solchen Unsinn in den Kopf zu setzen!"

Rate doch! Du könntest es eigentlich wissen!" Ley? Den hätte ich für verständiger gehalten!" Ley? O nein! Der nicht!"

Alander?"

Gisela lachte aus vollem Halse ein fröhliches Kinder­lachen.

Der? Der sieht mich gar nicht an."

Sehr vernünftig! Doch nicht die törichte Schwester Suleika?"

Nein!" Gisela schüttelte ihre schönen, dunklen Locken. Es ist ein Herr."

Hier im Sanatorium?"

Ja! Hier! Hier in deinem Wohnzimmer!"

Ich? Ich aber doch nicht?" fragte van Delden schuld­bewußt. Wenn seine Augen etwa verrieten...?

Nein! Du nicht! Du auch nicht! Ich will ihn dir weisen. Der da!"

Doktor van Delden lachte.

Der Spiegel ist ein arger Schmeichler!"

Meinst du? Aber neulich sagtest du: der Spiegel ist unbestechlich!"

Schelm du! Aber solch eitles Gänschen kommt natür­lich nicht länger aufs Fest als die anderen Kinder auch." Onkel!?"

In drei bis vier Jahren frühestens."

In drei bis vier Jahren?" wiederholte Gisela mit einem bedeutsamen Ton in der Stimme.

Doktor van Delden fühlte sich erbleichen.

Hatte sein Liebling Tovesahnungen?

Ich will mir's überlegen, Gisela; will es mit Mama Elisabeth besprechen."

Mit Doktor Degeener? Ich habe Doktor Degeener gar nicht mehr so lieb wie sonst."

Preußischer Landtag

Berlin, 21. Januar.

Im Preußischen Landtag fand am Donnerstag zunächst eine Aussprache über den sozialdemokratischen Antrag statt, der sich gegen Verzettelung von öffentlichen Mitteln durch den Reichsausschuß für Bienenzucht wendet. Das Staats- Ministerium wird ersucht, seinen Einfluß im Reichsausschuss dahin geltend zu machen, daß Verluste öffentlicher Mittel soweit wie irgend möglich vermieden werden, die Absatzför- derstellen in von der Imkerei getragene genossenschaftliche Einrichtungen umgewandelt werden, und die damit über­flüssig gewordene um nur unnötig zu Lasten der Bienenzucht große Kosten '^reitende Geschäftsstelle des Reichsausschusses aufgehoben wird.

Nach lang.r Debatte wird in der Abstimmung der erste Teil des Antrages, wonach Verluste an öffentlichen Mitteln soweit wie irgendmöglich vermieden werden sollen, ange­nommen, während die übrigen Forderungen des Antrages der Ablehnung verfallen.

Das Haus beschäftigt sich dann mit einem Antrag des Verfassungsausschusses, der das Staatsministerium ersucht, anzuordnen, daß die öffentlichen Gebäude in Preußen am Volkstrauertag, den die Staatsregierung bestimmt, halbmast flaggen.

Der Antrag geht noch einmal an den Verfassungsaus­schuß zurück. Ebenso wird dem Verfassungsausschuß über- wiesen ein Aenderungsantrag der Volkspartei, wonach, be­stimmt werden soll, daß bis zur gesetzlichen Festlegung eines Volkstrauertages die öffentlichen Gebäude an dem leweils gefeierten Volkstrauertag halbmast zu flaggen haben.

Auf der Tagesordnung steht dann die Beratung der preußischen Notverordnungen, wozu zahl­reiche Anträge vorliegen.

Die zweite Sparverordnung Preußens

Berlin. Der Preußische Staatsrat verhandelte am Donnerstag über die Zweite Preußische Sparverordnung mit den dazu ergangenen Durchführungsbestimmungen. Der Staatsrat beschloß, keine Einwendungen gegen die Sparverordnund zu erheben.

Bei Durchführung der Verordnung solle sorgfältig ge­prüft werden, ob tatsächlich die erwarteten Ersparnisse wirk­sam zur Entlastung des Haushaltes beitragen könnten. Maß­nahmen, die nur eine Verschiebung der öffentlichen Lasten auf die Haushalte der Gemeinden und Gemeindeverbände bedingen, halte der Staatsrat nicht für angängig. Der Staatsrat hofft, gegebenenfalls rechtzeitig Stellung nehmen zu können.

Haftbefehl gegen Chinas Er-Kaiser

Er soll Präsident des mandschurischen Freistaates werden.

Ranking. 21. Januar.

Die chinesische Regierung hat einen Hafbefehl gegen den ehemaligen chinesischen Kaiser Puji wegen verschwörerischer

' . ^e ist auf den »E Japan wieder ausgegriffenen Plan zurück 'ihren. Puji zum Prä­sidenten des neuen mandschurischen -reistaates zu ernennen.

Haftbefehle gegen Tschangtsck uohui und andere chine­sische Führer in der Mandschurei lauten auf Verschwörung zur Wiedereinführung der Monarchie in China. Puji befindet sich zurzeit in Port Arthur unter japanischem Schutz. Der chinesische Haftbefehl wird daher nur als eine politische Geste betrachtet.

20 000 EhlneKn meutern

3n der Mandschurei haben 20 000 Mann chinesischer Truppen, die dem projapanischen General Sunlienching unterstehen, wegen Lebensmillelmangels gemeutert. Sie haben sich den irregulären chinesischen Banden angeschlossen und mit diesen die Städte Tschinschau und Fukien besetzt.

Ei, sieh da! Seit wann denn diese neueste Nachricht?" Seit neulich."

Soso! Gisela ist unartig gewesen!"

Frag' sie doch. Wenn sie nicht lügt, kann sie nicht ja sagen."

Wenn sie nicht lügt? Gisela!"

Eine Heilige ist sie auch nicht."

Aber ein guter und edler Mensch. Ihr dankst du es vielleicht am meisten, daß du noch lebst, dich gekräftigt hast. Wie hat sie dich gepflegt Tag und Nacht. Das darfst du nie vergessen."

Ein wissenschaftliches Experiment", sagte Gisela alt- klug.

Kind! Wer setzt dir so etwas in den Kopf?" Niemand! Ich schau' nur selbst zu."

Gisela saß auf Deldens Schoß. Ihm gegenüber war sie Kind ganz und gar.

Sonst aber...

Ihr Verhältnis zu Ley hatte sie unheimlich gereift An ihm hing sie mit einer Liebe, die nichts Kindliches mehr hatte. Und ihre Eifersucht war jäh erwacht, als sie die Blicke Leys und Elisabeths ineinanderruhen gefühlt

Ich darf also?" fragte sie nach einer Weile sinnenden Schweigens, Doktor van Delden zuckte mit den Achseln. Aber Gisela empfand, daß er geneigt sei, ihr nachzugeben. Sie streichelte flüchtig seinen Kopf und glitt von seinem Knie.

Ich will einmal sehen, ob er wieder da ist.4 Er? - Wer?"

Ley."

Dein neuester Freund?"

Oh, so neu ist die Freundschaft nicht mehr."

Wo soll er denn sein?"

Er promeniert mit Alanders Besuch." Doktor van Delden lächelte.

Auch ein Vergnügen!, dachte er.

* * *

iÄürtfetuiiiü fülou