Allerlei Neuigkeiten
Selbstmord einer Schülerin. In Berlin-Wilmersdorf verübte die 14jährige Schülerin Lieselotte B. in der elterlichen Wohnung aus gekränktem Ehrgefühl Selbstmord durch Vergiftung mit Gas. Ihre Mutter hatte ein Schreiben der Schule, die ihre Tochter besuchte, erhalten, wonach die Leistungen des Mädchens unbefriedigend waren. Die Mutter stellte deshalb ihre Tochter zur Rede, und diese Vorwürfe nahm sich das Mädchen so zu Herzen- daß sie Hand an sich legte.
Bergrutsch am Hohenstein. Oberhalb des Ortes Brun- kensen (Hannover) hat sich am Abhang des sogenannten „Kiekedal" ein großer Bergrutsch ereignet. Der Kiekedal wird gekrönt vom Hohenstein, einem weithin sichtbaren Felsen, der seit Jahren unter Naturschutz steht. Infolge der starken Regengüsse der letzten Zeit sind in einer Länge von etwa 400 Metern große Bodenmassen in Bewegung geraten und zu Tal gegangen; der gesamte Waldbestand ist vernichtet. Ein großer Teil des Weges am Fuß des Abhanges ist verschüttet.
Beim Einholen der Fahne tödlich abgestürzt. In Oppeln starb der Obergefreite Wilhelm Stock vom Reichswehrbataillon Oppeln, der schwerverletzt ins Krankenhaus eingeliefert worden war. Stock wollte die anläßlich der Reichsgründungsfeier aufgezogene Reichsfahne einholen. Dabei stürzte er aus einer Höhe von etwa 20 Metern ab und erlitt einen Wirbelsäulenbruch.
Der Aschwerdener Raubmörder gefaßt. Die Wesermünder Mordkommission hat als Mörder des Hofbesitzers Tieling in Afchwerd.ni den 18 Jahre alten Knecht Sokoll, der bei einem Hofbesitzer im benachbarten Bruch in Stellung war, ermittelt und festgenommen. Der Mörder ist geständig.
Selbstmord nach Unterschlagung. Bei der Wismarer Geschäftsstelle der sozialdemokratischen Tageszeitung „Das Freie Wort" wurden umfangreiche Unterschlagungen aufgedeckt. Der Geschäftsführer, Robrahn-Wismar, war seit Mittwoch aus Wismar spurlos verschwunden. Wie die Ermittlungen ergeben haben, fehlt ein größerer Betrag, dessen Höhe sich auf rund 6000 Mark belauft. Robrahn hat die bei der Geschäftsstelle eingegangenen Jnseratengelder unterschlagen. Er hat inzwischen durch Erschießen Selbstmord verübt. In Berlin-Siemensstadt wurden Hut und Mantel des Robrahn sowie ein an seinen Bruder gerichteter Abschiedsbrief gefunden.
Weitere Todesopfer des Eisenbahunglücks. Das schwere Eisenbahnunglück von St. Just hat ein weiteres Todesopfer gefordert. Eine bisher noch nicht erkannte Frau ist ihren Verletzungen erlegen, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben. Der Zustand der übrigen Verwundeten ist zum Teil noch äußerst ernst.
®tti Schiffer in der Kabine erstickt. Drei Schiffer eines französischen Schleppers, der auf der Saone bei Rambaud vor Anker lag, wurden von ihren an Bord zurückkehrenden Kameraden in ihrer Kabine tot aufgefunden; sie sind durch ausströmende Kohlengase erstickt.
Schweres Anwetter in Norwegen. In West- und Mit- telnorwegen tobte ein schweres Unwetter, das große Verheerungen anrichtete und auch Menschenleben forderte. In der Nähe von Voß an der Beraen-Babn rik ein (f.rhmtkh kamen dabei ums Leben. Ein 73jähriger Greis wurde so schwer verletzt, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. Im Gebiet des Dovre-Gebirges und im Gulbrans- Tal hat das Unwetter ebenfalls viele Häuser zerstört. Es ist jedoch nicht bekanntgeworden, daß hier Menschenleben zu beklagen find.
Schwere Grubenexplosion in Virginia. Bei einer Explosion in den Anthrazit-Gruben der Pulaski-Gesellschaft in Parrott (Virginia) kamen 6 Bergleute ums Leben.
20 000 Indianer in Neumexiko eingeschneit. Blättermeldungen aus New Park zufolge sind 20 000 im westlichen Teil von Neumexiko lebende Indianer durch schwere Schneestürme von jedem Verkehr mit der Außenwelt abgeschnitten. Sechs Heeresbombenflugzeuge haben 20 Dörfer durch Ab- wurf von Lebensmittelpaketen im Gesamtgewicht von ungefähr fünf Tonnen versorgt. Die Flugzeuge sind noch damit beschäftigt, abgelegene Jndianergemeinden aufzusuchen.
Zusammenstoß zwischen Autobus und Eisenbahn. Nach Meldungen aus Batavia stieß bei der Ortschaft Grogel auf Java bei einem unbewachten Eisenbahnübergang ein Autobus mit einem Zuge zusammen. Sieben Insassen des Autobusses, darunter der Wagenlenker, wurden auf der Stelle getötet. Zwölf weitere Personen erlitten schwere Verletzungen.
Der „geistige" Kampf
Der „Kanonenschlag" vor dem Hörsaal.
halle. Die Vorlesung des im Zusammenhang mit dem Universitätskonflikt in letzter Zeit vielgenannten Professors der Theologie, Dehn, wurde gestern abend dadurch gestört, daß ein Student auf dem Korridor vor -der Hörsaal einen sogenannten „Kanonenschlag" zur Explosion brächte. Der Täter flüchtete, wurde aber von dem Pedell fe st genommen.
Schlagwetterkatastrophe
Madrid. In einem Schacht bei M o r e d a in der Pro» vinz Oviedo ereignete sich gestern eine Schlagwetterkala- strophe. Drei Bergleute wurden getötet und mehrere verletzt. darunter sechs schwer.
Meiler Proreb
Gefängnisanträge der Staatsanwaltschaft.
In der Dienstag-Sitzung des Tuberkulose-Prozesses beantragte Oberstaatsanwalt Dr. Lienau nach Schluß der Plaidoyers auf Grund des § 222, Abs. 2, des Strafgesetzbuches (fahrlässige Tötung) gegen Professor Deycke und Obermedizinalrat Dr. Altskaedt eine Gefängnisstrafe von drei Jahren »gegen Professor Dr. Klotz ein Jahr Gefängnis und Freisprechung der Schwester Anna Schütze.
In der Verhandlung sprach zunächst Staatsanwalt Freiherr von Beust gegen die Krankenschwester Anna Schütze. Er wies darauf hin, daß dem aufmerksamen Zuhörer schon in den gestrigen Ausführungen des Staatsanwalts klargeworden sei,daß die Stellung der Staatsanwaltschaft gegen diese Angeklagte eine andere sei. Die Würfel seien im Plädoyer des Oberstaatsanwalts gegen Professor Deycke gefallen. Seit 17 Jahren sei die Schwester im Laboratorium tätig gewesen. Ihre Vorgesetzten hätten ihr das beste Zeugnis ausgestellt. Der Staatsanwalt gab eine eingehende Schilderung der Arbeit der Schwester im Laboratorium, und fuhr dann fort:
Die Staalsanwallschafl nimmt als Ursache des Unglücks eine Verwechselung an und als Zeitpunkt dafür den Monat November 1929. Es ist wahrscheinlich, daß irgend jemandem ein Versehen passiert ist, wem» das kann man nicht sagen.
Es kann sowohl der Schwester Ann^L^^rt sein als auch TrMast^en^n^ichender M vaß das Verhalten der Schwester Anna Schütze-die Ursache des Lübecker Unglücks gewesen sei. Ein Verschulden läßt sich somit nicht nachweisen, und demgemäß wird der Oberstaatsanwalt seine Anträge stellen.
Oberstaatsanwalt Dr. Lienau plädierte dann gegen Professor Klotz. Er wies darauf hin, daß ihm nach seiner Dienstanweisung die Fürsorge über sämtliche Kinder im Kinderhospital oblag. Ueber die auffällige Häufung der Ein- lieferungen im Jahre 1929 hätte der Angeklagte Klotz
stutzig werden müssen. Dr. Lienau wies ferner darauf hin, daß Professor Klotz von den Eltern der Gedanke nahegelegt wurde, die Erkrankungen könnten auf die Fütterung zu- rückzuführen sein, daß weiter Frau Dr. Küsel in seiner Anwesenheit gesagt habe, „schon wieder ein Calmette-Kind". Am 17. April 1929 hätten Professor Klotz Zweifel an der Unschädlichkeit der BCG kommen müssen. Trotz aller Bedenken, die ihm auftauchen mußten, habe er aber noch vier Tage Urlaub genommen. Der Oberstaatsanwalt sagte, er verstehe ein solches Verhalten nicht. Am 23. April habe Dr. Wiener Professor Klotz von der Sektion des Kindes Neuner unterrichtet und am 25. April von der Sektion des Kindes Raimer. Wenn alle Grundlagen für Fahrlässigkeit vom 17. April an schon gegeben waren, so falle Professor Klotz die Schuld an einem Todesfall und an der Erkrankung von 12 Kindern zu. Sollte das Gericht aber glauben, daß diese Fahrlässigkeit erst am 23. April eingetreten sei, so falle ihm immerhin die Schuld an der Erkrankung mehrerer Kinder zu. Es liege also ein fahrlässiges Unglück bezw. fahrlässige Körperverletzung vor.
Der Oberstaatsanwalt fuhr dann fort: Nun kommt für mich die Straffrage. Für die Strafbemessung kommt der § 222 des Strafgesetzbuches in Betracht; sie hält sich im Rahmen von einem Tag bis zu fünf Jahren Gefängnis.
Wir müssen daran denken, daß 77 Kinder der Rasen deckt, daß viele Kinder lange Zeit krank gewesen sind, daß viele Eltern schwere Sorgen gehabt haben und daß wir heule noch nicht wissen, ob nicht sämtliche Kinder dauernden Schaden davontragen.
Wir dürfen auch den großen materiellen Schaden nicht vergessen, der dem Staat erwachsen ist, und daß Dr. Altstaedt außerordentlich fahrlässig gehandelt hat. Aber, und das ist gerade das, was die Entscheidung überaus schwer macht, auf der Anklagebank sitzen Männer, die ihre ganze Liebe dem Beruf gewidmet haben, die mit ganzer Liebe der Gesundheit und dem Wohl der Menschheit dienten. Professor Deycke ist ein Mann von hoher ethischer Lebensauffassung, dem Kant das andere Ich geworden ist, und der nach den Worten handelte: Ich habe nicht glücklich zu sein, sondern meine Pflicht zu tun. Wir sehen ferner, daß Dr. Altstaedt von dem Gedanken sich leiten ließ, die Lübecker Kinder von dieser furchtbaren Krankheit zu retten, nachdem er.vorher seine Gattin durch Tuberkulose verloren hatte Professor Klotz ist ein anerkannter Kinderarzt. Aber wir haben dem Gesetz zu folgen, dem wir alle unterliegen. Ueber die Hälfte des vorgesehenen Strafmaßes muß ich bei Professor Deycke und Altstaedt hinausgehen. Bei Professor Klotz können wir die Sache milder ansehen. Der Oberstaatsanwalt stellte dann die Strafanträge.
Die Verhandlung wurde hierauf auf Donnerstag vertagt.
Volkswirtschaft
Devisenkurse. Dollar 4,209 (Geld), 4,217 (Brief), engl. Psuod 14,46 14,50, holl. Gulden 169,53 169,87, Belga (Belgien) 58,64 58,76, ital. Lira 20,98 21,02, dän. Krone 79,72 79,88, norm. Krone 78,67 78,83, franz. Franken 16,56 16/30, tfmech. Krone 12,465 12,485, schweiz. Franken 82,12 82,28, span. Peseta 35,66 35,74, schwed. Krone 81,02 81,18, österr. Schilling 49,95 50,05.
Berliner Produktenbörse.
An der Berliner Produktenbörse oom Dienstag trat wieder WWMW^^W^e^srmnMngenü Das Angebot an promptem Brotgetreide war sehr gering.
Kotierungen vom 19. Januar 1932:
Weizen, mark.
2^i—229
Ackerbohnen
14,00—16,00
Roggen, mark.
197—199
Wicken
16,00—19,00
Braugerste
160—170
Erdnußkuchen
12,30
Futtergerste
155—160
Erdnußkuchenmehl
12,20
Hafer, mark.
136—144
Rapskuchen
—
Weizenmehl
27,50—31,25
Leinkuchen
11,90 12,00
Roggenmehl
27,00—29,25
Trockenschnitzel
6,50—6,60
Weizenkleie
9,60—10,00
Sojabohnenschrot
Uoggenkl. (r. Bln.
9,60—10,00
ab Hamburg
10,60—10,80
Oeffentlicher Dank.
Auf Grund der vom Bezirksausschuß für Winterhilfe herausgegebenen Richtlinien hat in allen Kreisen und Städten des Regierungsbezirks Kassel einelebhafte Sammeltätigkeit eingesetzt, die fast überall von gutem Erfolg begleitet war. Es ist infolgedessen bisher möglich gewesen, die außerordentliche Not, von der weiteste Kreise der Bevölkerung betroffen sind, in erfreulichem Ausmaßezu lindern. Es ist dem Bezirksausschuß für Winterhilfe deshalb ein Bedürfnis, sowohl den Organisationen der freien Wohlfahrtspflege wie den landwirtschaftlichen Vereinen und den amtlichen Stellen, wie Landräten und Bürgermeistern, und den zahlreichen Einzelpersonen, die sich selbstlos zur Verfügung gestellt haben, öffentlich Dank und Anerkennung für ihre erfolgreiche Arbeit auszusprechen. Nicht zuletzt gilt dieser Dank aber den Spendern, die vielfach selbst in bedrückter Lage mustergültig geopfert haben zu Gunsten von Mitmenschen, die von der Not der Zeit noch härter betroffen wurden.
Groß waren die Opfer, größer aber noch ist die Not geworden. Wir müssen uns deshalb noch einmal an dieselben Stellen und an dieselben Spender wenden mit der herzlichen Bitte, bei der bevorstehenden zweiten Sammlung, die im Laufe des Monats Januar durchgeführt werden muß nicht zu erlahmen, sondern mit erneutem Eifer und mit Opferfreudigkeit das begonnene Werk der Liebestätigkeit zu fördern. Weise niemand, der irgendwie dazu in der Lage ist, die Sammler, die nicht für sich, sondern für die bedürftigen Mitmenschen arbeiten, zurück. Gcbe jeder, was er irgendwie entbehren kann, auf dem Lande insbesondere an Hülsenfrüchten, Getreide uud Fleischwaren, um die öffentlichen Speisungen der Bedürftigen in den Städten aufrecht erhalten und auch den bedürftigsten Familien das Notwendigste zuwenden zu können. Das Endergebnis aus den einzelnen Bezirken wird demnächst öffentlich bekanntgegeben werden.
Kassel, den 4. Januar 1932.
Der Bezirksausschuß für Winterhilfe für den Regierungsbezirk Kassel
gez. Dr. Friedensburg. gez. M. K r u m m a ch e r.
An unsere
heute abend 8 Uhr
im „Hotel Stern" stattfindende
©enoraf^orsammfung
erinnern wir unsere Mitglieder ergebenst.
Hersfeld, den 20. Januar 1932.
Der ftufsicMsraf
des (Spar- und ^redifDoroin zu Qorsfeld
e. G. m b. H.
Lorenz Mohr, Vorsitzender
Preisverzeichnisse für Frischfleisch
nach der Vorschrift des Reichskommissars vom 17. 12. 1931
hält vorrätig
ß. Funks Buchdruckerei.
Ischias, Hexenschuß, Gliederreißen, Neuralgie (Nervenschmerzen), Gicht 1
Rheuma,
Arbeitsdücher vorrätig ß. Funks Buchbruckerel.
Gerne teile ich kostenlos ein einfaches Mittel mit, das mir und zahlreichen Patienten in kurzer Zeit half. Ueber 4000 Dankbriefe. (Ich verkaufe nichts)
Krankenschwester Margret Heber, Wiesbaden M 67.
Gegen üblen Mundgeruch sMÄ
dass Ich seit dem Gebrauch Ihrer Zahnpaste „Eblorodont" nicht nur reine, weihe Zähne besitze, sondern auch den bei mir sonst üblichen Mundgeruch verloren habe. Ich werde Ihr Chlorodsnl aufs beste empsehlen." gez. E. E., Mainz. — Man verlange nur die echte Ehloro- dont- Zahnpaste, Tube 64 Ps. und 90 Pf., und weise jeden Ersatz dafür zurück.
Zagdverpuchmg.
Das Jagdrecht an dem ge- meinschaftl. Jagdbezirk der Gemeinde Anterweifenborn soll anderweit verpachtet werden.
Termin Hierzu ist auf
Srtitw, den 5. Jede.
nachmittags 2 Ahr
im Geschäftszimmer des Bürgermeisteramts dahier anbe- raumt worden, wozu Pachtliebhaber sreundl eingeladen werden.
Die Bedingungen werden im Termin bekannt gegeben und liegen 14 Tage zu jedermanns Einsicht bei dem Unterzeichneten offen.
Anterwelsenborn,
den 18. Januar 1932.
Der Iagdvorsteher:
Rüger,
Bürgermeister.
Turnverein W Hersleid
1848 e. V.
Jeden Donnerstag abend 9.15 Uhr nach der Körperschule
Trockenski- Uebungen.
Volle Skiausrüstung ist mitzubringen.
Der Turnrat.
Motor
(alte Zeitungen) hat abzugeben
Her-felder Sngeölntt.
Sämtliche Iriichsllcheil
liefert
►—•< in bester Ausführung ——
Ludwig IMS
Fernsprecher Nr. 608.