3m Kampf um die Weltmärkte
Wir müssen uns darauf einstellen, daß wir arm geworden sind. Ein Millionenheer unserer Volksgenossen muß untätig die Hände in den Schoß legen, ist aus dem Produktionsprozeß ausgeschaltet, weil es an Käufern für seiner Hände Arbeit fehlt. Die Wirtschaft schrumpft zusammen. Der alles belebende Strom der Arbeit versiegt. Ein Bild aus Deutschlands Welthäfen Hamburg und Bremen, den Pforten des Reiches, zeigt: Stillgelegte Schiffe, ruhende Kräne und Elevatoren, leere Lagerhäuser, arbeitslose Seeleute und Hafenarbeiter: Krisenzeichen von zwingender Eindringlichkeit. Handel und Verkehr werden immer geringer. Wachsende Zollmauern und die Krise der englischen Valuta bedrohen unsere Ausfuhr, unsere geringe Kaufkraft engt die Einfuhr immer mehr ein.
Export und Import sind aufs innigst« miteinander verknüpft. Das eine gibt es nicht ohne das andere. Können wir nicht in ausreichender Menge das Ergebnis unserer Arbeit an fremde Länder verkaufen, dann können wir auch nicht von ihnen beziehen. Umgekehrt gilt das gleiche: Das Ausland kauft nur von uns, wenn auch wir Abnehmer für seine Waren bleiben. Dies Gesetz gilt für alle handeltreibenden Länder gleichermaßen. Deutschlands Handelsbilanz ist in den letzten beiden Jahren aktiv gewesen, d. h. ein Vergleich zwischen der Aus- und Einfuhrberechnung ergibt einen beträchtlichen Verdienst zugunsten der deutschen Wirtschaft. Im Reich mehren sich nun angesichts unserer wachsenden Not die Stimmen derer, die einer weiteren stärkeren Drosselung der Wareneinfuhr aus dem Ausland das Wort reden. Es wird darauf hingewiesen, daß wir im Jahre 1930 z. B. allein für 425 Millionen Mark Südfrüchte, Obst und Gemüse eingeführt hätten, eine Summe, die für die deutsche Volkswirtschaft unwiederbringlich verloren sei.
Wäre dem so, dann müßte eine solche Ausgabe als unsinniger Luxus bezeichnet und angesichts der großen Not unserer Landwirtschaft aufs allerschärfste verurteilt werden. Ein Blick in die Außenhandelsstatistik zeigt uns aber, daß die europäischen Länder, die an der Frucht- und Gemüseeinfuhr nach Deutschland hauptsächlich interessiert sind, für drei Milliarden Mark deutsche Erzeugnisse gekauft haben, während wir von dort nur für rund 2 Milliarden bezogen. Hiervon entfallen auf die Einfuhr von Südfrüchten, Obst und Gemüse nur zirka 400 Millionen, eine Summe, die am Gesamtwert der deutschen Einfuhr gemessen, kaum entscheidende Bedeutung hat. Diesem statistischen Einfuhrwert von 425 Millionen Mark müssen im übrigen die Einnahmen gegenübergestellt werden, die der deutschen Wirtschaft aus Zöllen, Abgaben, Schiffs- und Eisenbahnfrachten und Handelsgewinn zufließen. Sie betragen rund 450 Millionen Mark. Der Gewinn der deutschen Wirtschaft an der Einfuhr ist um rund 25 Millionen größer als die Summe, die ins Ausland abgeführt wird. Außerdem ist zu beachten, daß 300.006 Menschen durch diesen Import beschäftigt und bezahlt werden.
Diese Zahlen zeigen uns eindringlich, daß wir die Frage: „Weitere Einfuhrbeschränkung oder nicht?" nur vom Standpunkt der gesamten deutschen Volkswirtschaft aus betrachten dürfen. Es gilt in unserer Notlage einmal, die heimische landwirtschaftliche Produktion zu sichern und zu stützen, zum anderen aber auch alles zu vermeiden, was 'bie Arbeitslosigkeit im Reich vergrößern und die Wirt- ..„fchMchchruuipfuiig bMchunigeu muß.. In -em,MMen Kampf der Wirtschaft um die Weltmärkte schlägt jede ein- " seitige Handelspolitik zum Nachteil aus. Die Forderung des Tages lautet: geregelte Beziehungen auf dem Weltmarkt wiederherzustellen und alles zu vermeiden, was zu einer weiteren Erschwerung des Handelsverkehrs führen kann.
Stillegung der Jriedrich-Alfred-tzütte.
Infolge der katastrophalen Wirtschaftslage und Auftrags- inangels hat sich die Leitung der Friedrich-Alfred-Hütte in Rheinhausen (Friedr. Kruvv A.-G.) veranlaßt gefühlt, das Werk am 16. Januar zu schließen und die gesamte Arbeiterschaft, 4250 Mann, zu entlassen. Unser Bild zeigt: Blick vom Hochofen 1 nach Hochofen 2 zwischen Rohgasleitung und Winderhitzer hindurch.
Das amerikanische Repräsentantenhaus nahm das schon in der vorigen Woche vom Senat gebilligte Gesetz über die 2-Milliarden-Dollar-Anleihe zum Wiederaufbau der Wirtschaft an.
Aus der Heimat.
Hersfeld. (Wie wird das Wetter?) Während sich in Südosteuropa ein kräftiges Hochdruckgebiet befindet, das seinen Einfluß auch bis in unser Gebiet erstreckte und zu Aufheiterung führte, dauert die Wirbeltätigkeit auf dem Ozean weiter an. Dadurch werden noch immer sehr feuchte und warme Lustmassen auf den Kontinent geführt, die noch kein beständiges Wetter aufkommen lassen. Die Witterung bleibt daher im allgemeinen noch mild, stellenweise neblig und die Niederschlagstätigkeit nur gering. Nachts kann es zu leichtem Frost kommen. — Vorhersage bis Dienstag Abend: Bei westlichen Winden Fortdauer der nicht ganz beständigen und milden Witterung.
Hersfeld. (Aufdem Main durchs sonnige F r a n k e n l a n dj. In der von der staatlichen Kreisjugendpflege veranstalteten Vortragsreihe wird morgen Dienstag Abend (f. Inserat) in der Aula des Gymnasiums Rektor Zinnall an Hand von über 100 Lichtbildern nach eigenen Aufnahmen über eine Faltbootfahrt durchs Frankenland berichten. „Ich will zur schönen Sommerzeit ins Land der Franken fahren". Victor v. Scheffel hat wohl gewußt, warum er gerade diese Gaue unseres schönen Vaterlandes im Wanderlieds verherrlichte. Jenes leuchtende Land mit seinen sonnigen Rebenhügeln, seinen Kirchen und Kapellen, seinen altertümlichen Städtchen, malerischen Wein„nestern" und verträumten Burgen werden die Lichtbilder zeigen. — Der Chor der Nordschule wird den Vortrag mit Liedern umrahmen.
Hersfeld. Vermißt wird seit dem 15. 1. früh Straßenmeister Wilhelm Dietrich aus Burghau n, 48 Jahre alt, 1.68 m groß, schlank, doppelte Oberlippe, gestutzter Schnurbart, Glatze, bekleidet mit Knickerbocker blauem doppelreihigem Rock, blauer Sportmütze (Schiffermütze), führt Fahrrad ohne Gepäck mit sich. Er wurde zuletzt g sehen am 15. 1. 14 Uhr infHilperhausen'(Kreis Hersseld). Es wird um Benachrichtigung im Falle des Antr^ffens an Landjägerei- posten Burghaun (Fernspr. Amt Hünfeld 148) erbeten. Dietrich ist schonend anzuhalten und in Schutzhaft zu nehmen, da er vermutlich infolge mehrerer Kopfverletzungen, die^äußerlich^geheiltlsind.^geistesgkstört ist.
Kassel. In der Hohentorstraße wurde in der Wohnung seiner Großmutter ein 22jähriger Arbeiter in der Küche leblos aufgefunden. Er hatte aus Verzweiflung über seine bevorstehende Entlassung aus dem Arbeitsverhältnis den Gashahn aufgedreht. Die schnell erschienene Sanitätshauptwache sah ihre sofortigen Wiederbelebungsversuche mit dem Sauerstoffapparat zwar von Erfolg gekrönt, doch mußte der Lebensmüde dann auf Anordnung eines Arztes in das Landeskranlenhaus eingeliefert werden.
Melsungen. Mehrere Schlosserlehrlinge, die sich in ihrer Arbeitsstätte in Kassel falsche Zehnpfennigstücke in die aufgestellten Automaten zu werfen, wurden in Meljungen in einer Gastwirtschaft auf frischer Tat gefaßt und festgenommen.
Fritzlar. Dem hiesigen Pfarrer Schäffer wurden nachts 14 Hühner gestohlen. Einsam und^verlassen fand man lediglich den Hahn, einen Zettel am Halse tragend mit der Aufschrift: „1 Jcchr zurück", auf der anderen Seite stand: „Bist du Gottes Diener — brauchst du keine Hühner". Einer Lehrerswitre stahl man alle Krautköpfe bis aus einen, an dem geschrieben stand: „Wer auf Gott vertraut — braucht kein Sauerkraut".
Naumburg. Wegen Fälschung einer öffentlichen Urkunde und Betrugs wurde ein Dachdeckermeister aus Heldrungen zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Er hatte bei der Post fünf Mark eingezahlt unliniert her aus den» Abschnitt die fünf in 580 abgeändert. Dieser Abschnitt wurde dann bem Gerichtsvollzieher vorgelegt, um die Bezahlung einer Schuld glaubhaft zu machen, wegen der zur Versteigerung geschritten werden sollte.
Streikholz (Eichsfeld) In der Frühe des Donners tag brach in dem Anwesen des Schulzen Otto Senge ein Brand aus, der eine Scheune mit großen Strohvorräten und landwirtschaftlichen Maschinen vernichtete. Nachdem nun Freitag mittag die Feuerwehren wieder abgerückt waren und das Feuer oolltommen gelöscht schien, schlugen plötzlich aus der noch unversehrten zweiten großen Scheune gegen 23 Uhr Flammen heraus. Das Feuer griff mit rasender Schnelligkeit um sich und vernichtete neben der Scheune noch sämtliche anderen Wirtschaftsgebäude. Der nunmehr angerichtete Sachschaden ist sehr groß. Außer den Futter- und Ernte- vorräten sind sämtliche landwirtschaftliche Maschinen, Matvre usw. ein Raub der Flammen geworden. An die 130 Hühner, ®äufe, Puter und anderes Geflügel kamen in den Flammen um.
Ä Dieses Jahr kein Katarrh wenn Du ^OMwe^
90 u. 45 Pf nimmst /
Göttingen. Ein junger Mann aus Nörten- Hardenberg halte in angetrunkenem Zustand einen Altersgenossen mißhandelt. Der Angeklagte entschuldigte sich vor dem Göttinger Schöffengericht mit Betrunkenheit. Das Gericht verurteilte ihn zu zwei Wochen Gefängnis, billigte ihm aber Strafaussetzung zu unter der Begingung, daß er für die Dauer eines ganzen Jahres sich abends nach 10 Uhr in keiner Kneipe sehen lassen darf.
Turnen, Sport u. Spiel.
Aus der D. T.
Gauturntag des Oberfulda Werra-Rhön Gaues.
Wie überall in den Verbänden, so standen auch die Beratungen des diesjährigen Gauturntaaes aanz stark unter dem Eindruck der wirtschaftlich n u d se ’ ■ n Not unseres Volkes. Als erfreulich sei festgesteUt, daß neben der großen Zahl der Vereinsvertreter zahlreiche Turner der Tagung als Hörer beiwohnten und die dadurch ihr lebhaftes Interesse an der turnerischen Arbeit des Gaues bekundeten. Nachdem Gauvertreter, Rechnungsrat Fernau Hersfeld den Gauturntag eröffnet hatte, nahm der Vorsitzende der Tgde. Rotenburg, Ober- schullehrer Steiße! Gelegenheit, herzliche Worte der Begrüßung an die Vereinsvertreter zu richten, die den Beratungen des Gauturntages eine feine Einstimmung gaben.
Die alsdann von dem Gauvertreter und den einzelnen Fachwarten gegebenen Berichte ließen trotz Notzeit eine erfreuliche Aufwärtsentwicklung des turnerischen Lebens auf allen Fachgebieten erkennen. Marksteine in der Entwicklung des Vorjahres waren neben zahlreichen großen und kleineren Vereinsveranstaltungen, die in werbender Weise für den turnerschastlichen Gedanken wirkten, das vorjährige Gauturnfest in Bebra, das Jugendtreffen des Gaues anläßlich des Götzwander- tages auf dem Knüll und das Bergturnfest auf der hohen Rhön, die alle im gleichen Sinne werbende Arbeit leisteten.
Wie stark die Not heute auch die einzelne Vereinsarbeit beeinflußt, das bewies die äußerst lebhafte Aussprache, bei der Neufestsetzung der Gausteuern für das Jahr 1932. Entsprechend der allgemein rückläufigen Bewegung bei der gegenwärtigen Preisbildung wurde die Gausteuer von 40 auf 35 gesenkt.
Die stattgefundenen Wahlen ergaben die Wiederwahl der ausscheidenden Mitglieder des Gauvorstandes. Neu gewählt wurde für den ausgeschiedenen 2. Gauvertreter der Vorsitzende des Turn- u. Fechtklub Fulda Lehrer Gutberlett, Fulda. Die Wahl des Gaufechtwartes wurde mit Rücksicht darauf, daß nur 4 Fechtabteilungen im Gau bestehen, vom Gauturntag abgelehnt.
Erfreulich war der von Gaukassenwart Mohr, Hersfeld gegebene Kassenbericht, der trotz der allgemeinen finanziellen Not der"meisten Vereine ein günstigen Abschluß brächte. Die vom Turnausschuß gegebenen Richtlinien für 1932 fanden die Zustimmung des Gauturntages.
Als wesentlich sei noch erwähnt, daß die von Gauvertreter Fernau gemachten Ausführungen zur Frage einer Kollektivversichelung der über 21 Jahre alten Turner das rege Interesse aller Anwesenden fanden. Die Angelegenheit soll weiter verfolgt werden und dem diesjährigen Kreisturntag entsprechende Vorschläge gemacht werden. Im gleichen Sinne bewegten sich die Aus- führuncren be^l der Versicherung Jugendlicher unter 21 Jahre. Zur Spielbewegung wurde eingehend Stellung genommen, Mängel die sich dabei in der letzten Zeit ergeben haben sollen abgestellt werden. Die Beratungen waren getragen von dem Geist turnerschaftlicher Mitarbeit an dem Wiederaufbau des Vaterlandes.
Wichtigster Sonntagssport
F u h b a l l: Süddeutsche Meisterschaft: Eintracht Frankfurt — Waldhof 3:0; I. F.C. Nürnberg — Spvga. Fürth 1:2; Bayern München — I. F.C. Pforzheim 2:6; Karlsruher F.V. — 1860 München 1:1; V.f.B. Stuttgart — S.V. 04 Rastatt 0:1. — Berliner Verbandsspiele: Minerva gegen Hertha B.S.C. 4:2; Tennis Borussia gegen Adlers- Hofer B.C. (Abt. B) 1:1. — Mitteldeutschland: Ujpest Budapest gegen Dresdener S.C. 2:1; Sportfreunde Leipzig gegen Wacker Leipzig 3:3.
Beim Hallensportfest in Hannover bewies der Schöne- bürger Turner Vent erneut seine große Eignung zum Hallen- laufer, indem er Turnermeister Lammers und Borchmeyer im Sprinterdreikampf überlegen schlug. Zehnkampfmeister Sievert, Hamburg, siegte über 60 Meter offen in 7,1 und 60 Meter Hürden in 8,3 Sek. — Der Berliner Barrva verteidigte auf dem Staffelsee bei Murnau die deutsche Eisschnellaufmeisterschaft mit Erfolg und lief sowohl über 1500 als auch über 10 000 Meter mit 2:33,6 bzw. 18:47,6 Min. neu deutsche Rekorde heraus. — Die Europameisterschaften im Kunstlaufen wurden am Sonnabend in Paris mit dem Paarlaufen beendet. Den Titel holte sich das französische Ehepaar Brunst.
Die Europa-Elskunsklauf-Meisterschaften in Paris hatten nicht allzuviel Publikum gefunden. Der deutsche Meister Maier-La- bergo trat nicht an, weil sein Trainer Niedermayr als Schiedsrichter nicht zugelassen wurde! Bei den Damen wurde Sonja Henie, bei den Herren Karl Schäfer vor Baier-Berlin Europameister.
Deutschland nimmt am Olympischen Eishockeyturnier teil. Ueber die vom Amerikanischen Olympischen Komitee nach der letzten Absage der deutschen Eishockeyspieler mit den deutschen Organisationen erneut aufgenommenen Verhandlungen wegen einer deutschen Beteiligung am Olympischen Eishockeyturnier in Lake Pka- cid wurde in einer Sitzung des Deutschen Olympischen Ausschusses und des Deutschen Eislauf-Verbandes gesprochen und der endgültige Beschluß gefaßt, am Olympischen Eishockeyturnier teilzu- nehmen. .
Aus Lake Placid, wo die Winterolympiade stattfindet, wird Frühlingswetter gemeldet. Das Thermometer ist um nickt weniger als 18 Grad gestiegen, so daß die Bobbahn unbrauchbar geworden ist und sich vorerst keine Trainingsmöglichkeiten ergeben. Die deutschen Bobfahrer befinden sich auf der „Europa" auf der Ueberfahrt.
Ein sensationelles Duell wird für den Marathonlauf der Olympischen Spiele in Los Angeles angekündigt. Nurmi soll hier mit seinem bereits 41jäf)rigen Landsmann Ritola Zusammentreffen, der schon seit Jahrrn in Amerika ansässig ist und sich bereits In guter Form befinden soll.
Der voxabend im Berliner Sportpalast ging vor halbgefülltem Hause vor sich. Der Hauptkampf Gühring-Grizzo wurde in der dritten Runde zugunsten Gührings abgebrochen. Der Kölner Meister Dübbers mußte gegen den Franzosen Jean Boireau ganz aus sich heraurgehen, ehe, dies» in der 7. Runde aufgab.