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Die Einsturzkatastrophe in der Vatikanbibliothet

Die eingestürzte Decke der Sala Sinistra in der Vatikanischen Bibliothek, deren 1 „

schwere Massen noch zwei weitere Decken durchschlugen. IS000 Bücher und Hand- • wurde ihr aufgebürdet ! Vielleicht eine noch schwerere, als sie

schristen wurden mit in die Tiefe gerissen und zum Teil vollkommen vernichtet. ■ - - ' ™ ■ -- •---■< -- -. . -- - - -. 1

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Versuch zu wagen. Schritt die Treppe hinab und klopfte energisch, mit einem Mut, der eine starke Anleihe an ihre Tat­kraft machte, an die erste Türe links neben dem Hausportal. In diesem Raum pflegte Referendar Harro Brockmann zu .arbei­tend Sein Schreibtisch, seine Aktenschränke standen hier. In diesem weiten, hellen Raume mit dem Ausblick auf die breite Alleenstraße hatte vor Jahren der fleißige Jüngling in stau­nenswerter Eile seine Promotion vorbereitet. Seine Disser­tation hier geschrieben, eine Abhandlung über das Thema: Darf der,Mord' als Erlösung von unheilbaren körperlichen Qua­len bestraft werden? Die Treffsicherheit der Schlüsse, die Logik der Darstellung, die ganze Wärme der Sprache in dieser Ar­beit war von Begeisterung dikt'ert. Und das Werk hatte ,ein­geschlagen'. Die ungelöste Frage dieser hohen Verantwortlich­keit war hier aktuell geworden und entließ den leidenden Men­schen seiner Demutsstellung weit unter dem Tier, dem man in seiner Todesnot den Gnadenstoß geben darf. Dieses beschei­dene Büchlein, das die barmherzigste Menschlichkeit in juristi­scher Beleuchtung zu schützen versprach, lag in vieltausend

Exemplaren unter jedem medi­zinischen Material deutscher Ärzte und Gerichtspersonen. Wie der tap­fere Bekenner aberzynisch behaup­tete: „wie die Märchenprinzessin im hundertjährigen Schlummer".

Immerhin, der Name Harro Brockmann war kein gänzlich un­bekannter, und auch persönlich ge­währleistete die strebsame, ernste Art des jungen Mannes ihm den frühen und ehrenvollen Aufstieg.

Bis sich vor wenigen Monaten die unheilvolle Wandlung im We­sen des Referendars vollzog. Als der Vater aus schwerer Krankheit dem Leben neu geschenkt, demReiz der ihn pflegenden Krankenschwe­ster verfallen war, seit sich der alte Mann in schier kindlichem Be­harren einig darüber war, daß die anmutige Frauengestalt das Glück seines Lebens in sich schloß, war mit Harro Brockmann die Wen­dung zum Abstieg vor sich ge­gangen. Als gar der Vater ihm eröffnete, daß er seine Pflegerin zu heiraten gedächte, schien der

letzte gute Geist den jungen Mann verlassen zu haben. „Du machst dich ja lächerlich, Vater. Und mich mit l" höhnte er verächtlich.

„Bei wem? Bei Menschen, die mich nichts angehend

„Bei allen. Auch bei solchen, die dich etwas angehen! Auch bei mir!"

„Harro", hatte der alte Herr bittend zu erwägen versucht; „wenn Schwester Gisela von mir geht, sterbe ich".

„So schnell stirbt man nicht. Das hast du jetzt gesehen. Die Ärzte hatten dich ausgegeben, heute bist du, Gott sei Dank, fast genesen."

„Ich bin genesen, weil Schwester Gisela bei mir war."

„Die Madonna mit dem Heiligenschein! Das Bild der Gna­den! Die Rechenkünstlerin! Du wärest bestimmt auch ohne diese Tugendboldin genesen!"

„Wenn du mich morden willst, mußt du sie schmähen!" hatte der alte Herr in wahnsinniger Aufregung geschrien. Der Sohn hatte darauf mit mokantem Lächeln das Zimmer verlassen. An der Türe sich noch einmal gewendet und gesagt: „Du bist großjährig, Vater. Tue, was du nicht lassen kannst, ich tue des­gleichen !"

Seit diesem Tage war aus dem liebenswürdigen Sohne der mißachtende Feind seines Glückes geworden. Aus dem streb­samen Arbeiter der leichtsinnige Nachtbummler, der pflicht­vergessene Arbeiter.

Frau Gisela seufzte schwer: sie sollte die Schuld an dieser unheilvollen Wandlung auf sich nehmen? Welch eine Verant­wortung legte das Schicksal da auf ihre Schultern, konnten sie

dieser Last gewachsen sein? Die eine warf sie ab, die andere

bisher zu tragen hatte. Anwillkürlich fiel ihr eine Stelle aus Webers Dreizehnlinden ein, die ihr so wohl getan, bie sie stets so gern als auf sich persönlich geschrieben, empfunden:

Wird dem Menschen zugewogen

Glück und Leid mit gleicher Waage,

Schulden mir gerechte Götter

Sonnenschein und gute Tage.

Sonnenschein und gute Tage! Gab es das in einem Men­schenleben? Nicht nur als flüchtiges Stundenglück, sondern aneinandergereiht in Perlenfolge kettengleich? Frau Giselas Leben war so wenig danach angetan gewesen, optimistisch zu empfinden. Und heute, an ihrem Hochzeitstage, sollten ihr die Zweifel schlimmer kommen als je zuvor.

Aus einem drückenden Pflichtbewußtsein heraus beschloß sie, zu handeln.

Ihr Herz pochte schreckvoll. Aber sie klopfte energisch, um Einlaß heischend.

Keine Antwort.

Ahnte der Sohn des Hauses, wer der Besucher sei? Ging seine Abneigung so weit, daß er eine Dame, gleichviel, wer sie ihm im Moment war, vor der Türe stehen ließ? (Fortsetzung folgt)

Schließung der Preußischen Hochschule für Leibesübungen in Berlin Auf Grund der Preußischen Sparvecordnung wird die Hochschule mit Ablauf des Semester» 1031—1932 geschlossen werden. sPhotothets

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