hersfelöer Tageblatt
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Hersfelöer Kreisblatt
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Nr. 13 (Giftes BM)
Sonnabend, den 16. Januar 1932
52. Aahraang
StimmungSumschwung in Amerika?
Während Paris der Lausanner Konferenz immer noch Schwierigkeiten bereitet und London Kompromitzvorschläge macht, bahnt sich
Zum 18. Januar
Von Konteradmiral a. D. Brüninghaus.
In der Thronrede zur Eröffnung des Norddeutschen Bundes, der als bedeutsamste Etappe auf dem Wege zur Reichsgründung am 1. Juli 1867 gegründet wurde, finden sich die Worte: „Einst mächtig, groß und geehrt, weil einig und von starken Händen geführt, sank das Deutsche Reich nicht ohne Mitschuld von Haupt und Gliedern, in Zerrissenheit und Ohnmacht." Diese Worte hätten auch geprägt werden können, als wir im November 1918 das jammervolle Ende eines heldenhaften Ringens erleben mußten. Wenn heute, nach einem politischen und seelischen Zusammenbruch, wie ihn die Welt nie zuvor sah, das Reich noch hält, wenn es die Irrungen und Wirrungen der nachrevolutionären Zeit überdauert hat, so ist dies der eindruckvollste Beweis dafür, wie stark innerlich das in Blut und Eisen geschmiedete Deutschland noch ist, wie genial und dauerhaft die Staatskunst eines Bismarck die Widerstreitenden Gewalten und Meinungen in unserem Vaterlande zusammenzuführen verstanden hat. Wer die Geschichte der Reichsgründung kennt, weiß, unter welch' unsäglichen Schwierigkeiten sie schließlich zustande gekommen ist. Heute steht das Werk unserer Väter noch, aber gewaltig wird an seinem Bestand gerüttelt, nicht nur von außen, sondern auch nach (wie es scheint) unausrottbarer deutscher Sitte, von innen.
Bismarck selbst wußte, als er die erste Verfassung des Deutschen Reiches schuf, mit welchen Mangeln sie behaftet war. Sie entsprach oder, besser gesagt, konnte nicht entfernt den hochgehenden Erwartungen entsprechen, die die stärksten Verfechter des Reichsgedankens auf das gemeinsame Erleb- nis euM ue.wWnenen Krieges gegen den Erbfeind gefetzt hatten. Und welchen Aufschwung hat unser Land doch unter dieser viel angefeindeten Verfassung bis zum Ausbruch des Weltkrieges genommen! Ob die nahezu treibhausartige Entwicklung, besonders auf industriellem Gebiet, unserem Volke nur zum Segen gereicht hat, mag bezweifelt werden. Fraglos hat der rapide Empor stieg zu Wohlstand, ja Reichtum mit dazu beigetragen, die der deutschen Wesensart eigentlich fremde Hinneigung zu einem übersättigten Materialismus mehr zu züchten, als es gut war. Wer aber, wie es nach dem Umsturz oft geschah und auch heute noch geschieht, an dem alten Deutschland nur herumnörgelt und kein gutes Haar an ihm läßt, der hat keinen Hauch jener erhabenen Größe verspürt, die mit der Reichseinheit auf ewige Zeiten verbunden ist, schon um deswillen, weil in ihr das jahrhundertlange Sehnen der Besten unseres Volkes verwirklicht wurde. Töricht der, der da glaubt, die ungeheuren Umwälzungen politischer, wirtschaftlicher und sozialer Natur, die der Weltkrieg mit seinen Folgeerscheinungen gebracht hat, mit einer Handbewegung beiseite sieben zu können, ein Phantast der, der da glaubt, den Zeiger der Weltuhr auf die Zeit von vor dem 4. August 1914 zurückstellen zu können. Ein Schädling an seinem Lande und kümmerlicher Deutscher aber auch der, der kein Verständnis für die ungeheuren Leistungen aufbringen kann, die das Reich vier Jahre lang gegen eine Welt von Feinden aufzuweisen hatte, keine Bewunderung für jenen heroischen Abwehrkampf, der dem Feinde das Betreten deutschen Bodens erst nach dem sogenannten Waffenstillstand erlaubte. Der mit Unrecht so viel geschmähte Militarismus war in Wirklichkeit über vierzig Jahre der st ä r k st e Hü- ter des europäischen Friedens und der wirksamste Schutz der deutschen Wirtschaft und des deutschen Arbeiters gewesen. Unsere Feinde wußten schon, was sie taten, als sie uns in dem unseligen Friedensdiklat von Versailles, das die Welt nicht zur Ruhe kommen läßt, die allgemeine Wehrpflicht nahmen, und damit die stärkste Möglichkeit, die Jugend, auf der die Zukunft eines Landes beruht, zur Disziplin, Selbstbeherrschung und Treue zum Staat zu erziehen. Der große Realpolitiker Bismarck sah voraus, ebenso wie der Feldmarschall Moltke, daß eines Tages das Reich seinen Bestand zu verteidigen haben würde, wußte, daß bei einem bewaffneten Zusammenprall nationaler Gegensätzlichkeiten ohne den Rückhalt einer im Bewußtsein des ganzen Volkes verankerten starken Wehrmacht unser Land aufs höchste gefährdet war. Der Haß unserer Feinde, vor- nehmlich Frankreichs, hat, verbunden mit politischer Kurzsichtigkeit und Mangel an staatsmännischer Weisheit, versucht, das im Herzen Europas gelegene Deutsche Reich zu dauernder Ohnmacht und Hörigkeit zu verdammen. Vergleicht man den Friedensschluß von 1866 und den Frankfurter Frieden von 1871 mit dem Haß- und Rachegesang von Versailles, so kommt einem erst zum Bewußtsein, welch armselige Stümper die sogenannten „Vier Großen" in Versailles 1919 verglichen mit dem Schöpfer des Deutschen Reiches gewesen sind. Heute beginnt es in nahezu allen Ländern, selbst in einigen, allerdings einflußlosen Kreisen Frankreichs zu dämmern, daß der auf der bewußten Lüge von der Allemschuld Deutschland am Kriege aufgebaute sogenannte Friede in Wirklichkeit ganz Europa in einen chaotischen Zustand zu versetzen droht, heute wissen alle einsichtigen, nicht durch Haß und Rachsucht verblendeten Staatsmänner, daß der Untergang der Besiegten, auf längere Sicht gesehen, auch den Tod der Sieger nach sich ziehen wird.
Die Geschichte der Reichsgründung und die ihr folgende Entwicklung Deutschlands zeigen, was zielbewußter Wille
in Washington in der Kriegsschuldensrage offenbar ein Frontwechsel an
und nationales Bewußtsein vermögen, zeigen vor allem, was unser Volk, wenn es einig ist und richtig geführt wird, leisten kann. Aus dem Chaos des Zusammenbruchs blieb uns das Reich; dieses Erbe unserer Väter zu erhalten, es aufs neue zu erwerben, um es zu besitzen, ist unsere und der kommenden Generationen Aufgabe. Unser Volk kann, wie schon so oft in seiner über tausendjährigen Geschichte, aus den Niederungen politischer Ohnmacht und drohenden Verfalls wieder emporsteigen zu den Höhenwegen staatlicher Machtfülle und wirtschaftlicher Blüte, wenn es über allen Hader der Parteien hinaus in nationaler Geschlossenheit die in ihm vorhandenen gewaltigen Kräfte zu einheitlichem Tun zusammenrafft.
Stahlhelm für Hindenburg
Berlin, 16. Januar.
„Der Stahlhelm", das Organ des Bundes der Frontsoldaten schreibt zu der Volkswahl Hindenburgs: „Selbstverständliche Voraussetzung wäre nach unserer Ansicht, außer der Zustimmung des Generalfeldmarschalls, die Ausschaltung jeglicher Parteipolitik gleichgültig welcher Richtung, und die Durchführung des Wahlaktes in einer Form, die der menschlichen und historischen Würde Hindenburgs entspricht. Dazu wäre nötig:
1. Die sehr rasche Vornahme der Wahl, der ja keinerlei Agitation voranzugehen braucht.
2. Die Zurückstellung jeder anderen Kandidatur, so daß der Charakter der üblichen Dahlkämpfe vermieden wird und die Volksabstimmung den Stempel einer Kürung erhält.
Ob eine Schilderhebung des Generalfeldmarschalls praktisch möglich ist, und wie sie im einzelnen dürchzufuhren
„wäre, darüber ist im Augenblick Schweigen vejsir als Redest “ Es ist in der letzten Zeit mehr zerredet worden, als dem deutschen Volke dienlich ist.
Der Stahlhelm wird sich in seinen Entschließungen auch künftig leiten lassen von dem Bestreben, der historischen Würde des großen Soldaten Hindenburg gerecht zu werden, und von seinem Hochziel: dem Wohle der Ration!"
NSDAP. behält sich Stellungnahme vor
Wie die Pressestelle der Reichsleitung der NSDAP. mitteilt, sind Meldungen, daß in den Verhandlungen um die parlamentarische Verlängerung der Amtszeit des Reichspräsidenten seitens der nationalsozialistischen Parteiführung über die Kandidatenfrage für die verfassungsmäßige Volksmahl verhandelt oder auch nur gesprochen worden sei, völlig unzutreffend. In den Verhandlungen habe nur die „Liqui- dierung der verfehlten Brüning-Aktion" in einer für die Interessen des deutschen Volkes erträglichen und angemessenen Weise zur Debatte gestanden. Darüber hinaus habe die NSDAP. zur Volkswahl selbst in den Verhandlungen keinerlei Stellung genommen und sich ihre Entschlüsse vorbehalten.
Keine neue Aussprache Hitler—Brüning
Von zuständiger Stelle wird die Meldung, daß der Führer der Nationalsozialistischen Partei, Adolf Hitler, in der Frage der Präsidentenwahl einen neuen Besuch beim Reichskanzler abstatten werde, als unzutreffend bezeichnet.
Der Reparationsullsinn
Reichsverband der Industrie fordert Tributstreichung.
Berlin, 16. Januar.
Das Präsidium des Reichsverbandes der Deutschen Industrie beschäftigte sich unter dem Vorsitz des Herrn Dr. Krupp von Bohlen und Hallbach mit der neuesten Entwicklung der Reparationsfrage. Der Reichsverband der Deutschen Industrie gab dabei der Auffassung Ausdruck, daß Deutschlands Lage die Fortsetzung politischer Zahlungen unmöglich macht, und daß jeder Versuch, das System solcher politischen Zahlungen aufrechtzuerhalten, nicht nur für Deutschland sondern für die ganze Welt zum Unheil führen müsse. Die Entwicklung des letzten Jahres bat den Politikern und Wirtschaftlern der ganzen Welt die Augen darüber geöffnet, daß die endgültige Beendigung der Reparationen nicht nur wegen der schweren Krise in Deutschland selbst sondern auch aus weltwirtschaftlichen Gründen eine zwingende Notwendigkeit darstellt, Für die Weltwirtschaft ist ein freier Warenaustausch eine unerläßliche Voraussetzung. Dieser freie Warenaustausch wird aber durch die Reparationen verhindert, weil durch sie das Schuldnerland zu einer Exportsteigerung gezwungen wird, gegen die sich die empfangenden Länder mit allen denkbaren Mitteln zur Wehr setzen.
Solange das Mißverhältnis zwischen dem Exporkzwang einerseits und der mangelnden Aufnahmewilligkeit der Empfangsländer andererseits andauert, ist eine wiederge- sundung der Weltwirtschaft nicht herbeizuführen. Sie ist auf keinem anderen Wege zu erreichen als eben durch die endgültige Beseitigung der Reparationen als des entscheidenden Störungsfaklors.
Der Vorsitzende der Ersten Unterkommission des deutsch- stanzösischey WfftschaftskSMit^S, S«r Dx. ton Simson,
berichtete über die deutsch-französischen Verhandlungen, die in den letzten Wochen einen verhältnismäßig befriedigenden Verlauf genommen hätten, wenn nicht in den letzten lägen durch Maßnahmen der französischen Regierung g e w ' Störungen in die Erscheinung getreten wären.
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Das Präsidium wählte an Stelle des in den Senat übergetretenen Abg. Frowein Geheimen Kommerzienrat Dr. Dr. Carl Bosch-Heidelberg zum stellvertretenden Vorsitzenden.
Kabinettssltzang über Lausanne
Berlin, 16. Januar.
Das Reichskabinett beschäftigte sich mit der bevorstehenden Abrüstungskonferenz in Genf. Botschafter Radolny erstattete einen ausführlichen Bericht über den Stand der Borarbeiten, dem eine eingehende Aussprache folgte.
Für europäischen Wirtschastskrieben
Die Reichsregierung zum Bericht der Wirkschaftssach- verständigen.
Genf. 16. Januar.
Die nunmehr vom Völkerbundssekretariat veröffentlichte Stellungnahme der deutschen Regierung zu dem am 29. August 1931 erstatteten Bericht des Unterausschusses der wirtschaftlichen Sachverständigen der europäischen Studienkommission hat folgenden Wortlaut:
Die deutsche Regierung hält den Grundgedanken des Berichts des Unterausschusses der wirtschaftlichen Sachverständigen der Europäischen 6tubipH»^r>ntm>(fmn »om 29. August 1931 iur zutreffend, wonach das Endziel einer^MM^.
-"schöstlichen, europäischen Zusammenarbeit die Bildung eines einheitlichen europäischen Marktes sein sollte. Dieses Ziel kann nicht mit einem Schlage erreicht werden, sondern es sind, wie der Bericht ausführt, schrittweise Vereinbarungen notwendig, die keine Spitze gegen außereuropäische Staaten haben dürfen und zu denen der Beitritt jedem Staate offenstehen muß. Richtig ist auch, daß die Zerstückelung Europas zu einer großen Zahl wirtschaftlicher Einheiten und die Vielheit der Zolltarife zur Vermehrung der wirtschaftlichen Schwierigkeiten beigetragen haben, und daß die Erschwerung des Warenumlaufs mit ihren ungünstigen Rückwirkungen auf die Kapitalbewegung das wirtschaftliche Gleichgewicht in bedenklicher Weise gestört hat.
Die deutsche Regierung glaubt jedoch, darauf Hinweisen zu müssen, daß in den wenigen Monaten seit der Abfassung des Berichts verschiedene europäische Staaten autonome Maßnahmen auf dem Gebiete der Zölle und Einfuhrkontin. gentierung oder auf dem Wege der Devisengesehgebung durchgeführt haben, die eine systematische Behinderung des Warenaustausches darstellen und das strikte Gegenteil dessen sind, was der Bericht empfiehlt, wenn er als Ziel europäischer Zusammenarbeit die Bildung eines einheitlichen europäischen Marktes bezeichnet.
(Anmerkung: Seit Mitte 1931 haben 23 Staaten auf dem Gebiet der Devisenbewirtschaftung, 7 Staaten auf dem der Einfuhrkontingentierung Maßnahmen getroffen. 5 Staaten haben Einfuhrverbote erlassen, 18 Staaten haben wichtige Zollerhöhungen vorgenommen. Eine Anzahl weiterer Staaten plant gleiche oder ähnliche Hemmnisse der Einfuhr.)
Wird diese Entwicklung nicht aufgehalten, so werden weiter die bestehenden Spannungen verstärkt, nach dem Kriege mühsam wiederangeknüpfte Handelsbeziehungen zer. rissen und die Grundlagen des Vertrauens zerstört, auf denen allein die wirtschaftliche Zusammenarbeit Europas aufgebaut werden kann.
Die deutsche Regierung wünscht lebhaft, daß trotz aller bestehenden Schwierigkeiten der Versuch gemacht wird, Vereinbarungen über eine europäische wirtschaftliche Solidarität - zu treffen, und zwar in engstem Zusammenhänge mit der Regelung der schwebenden internationalen finanziellen Fragen, die bei der heutigen Lage der Dinge nicht mehr von den wirtschaftlichen Fragen zu trennen sind. Die besonders schwierige Lage Deutschlands macht es hierbei dringend erforderlich, schleunigst zu handeln, wie der Baseler Bericht der Finanzsachverständigen vom 18. August 1931, die auf Empfehlung der Londoner Konferenz 1931 zusammengetreten sind, bereits betont hat.
Briand verläßt Paris?
Paris, 16. Januar.
Die Agentur Havas glaubt zu wissen, daß Briand wahrscheinlich heute Paris verlassen und sich auf seinen Landsitz Cocherel zurückziehen wird.
Telegrammwechsel Brüning — Briand
Berlin, 16. Januar.
Reichskanzler Dr. Brüning hat Briand zu seinem Ausscheiden aus dem Außenministerium ein Telegramm gesandt, in der er der Zusammnarbeit während des letzten Jahres gedacht« und die besten Wünsche für die vollkommene Wiederherstellung der Arbeitskraft Briands übermittelte.
Briand erwiderte die Wünsche des Reichskanzlers in einem ftMchltch sehaltWW. MMMKlsgramm. j