Neugestaltung der Zinken
Die wesentlichen Bestimmungen der Vereinbarungen.
Die von den Spitzenverbänden der Kreditinstitute angenommenen Zinsvereinbarungen bestehen aus einem Man- telvertraa sowie aus je einem Abkommen über Habenzinsen und Sollzinsen. Bei den Sollzinsen soll die Berechnung entweder in Gestalt eines Nettozinssatzes, bei dessen Festsetzung von dem gewonnenen Durchschnitt der Zinssätze für hereingenommene Gelder auszugehen ist, oder nach Sollzinsen plus Kreditprovision erfolgen. Im letzteren Fall gilt als Richtlinie, daß sich der Zinssatz im allgemeinen an den Reichsbankdiskont anzulehnen hat. Die Normalsätze für den obenerwähnten Nettozinssatz bezw. Sollzins werden von den regionalen Kreditausschüssen festgesetzt. Die Kreditpro- vision ist in banküblicher Weise zu berechnen.
Die Regelung der Habenzinsen erfolgt in der Weise, daß von dem zentralen Kreditausschuß ein Rormalzinssatz festgesetzt wird, der mit entsprechenden Zuschlägen für alle Konditionen Geltung hat; normale Spareinlagen sind jedoch höchstens zu dem Rormalzinssatz zu verzinsen. Kreditgenossenschaften, Privakbankfirmen sowie kleine und mittlere Banken dürfen nach Maßgabe besonderer von dem zentra- len Kreditausschuß aufzuskellenden Grundsätze die Höchstzinssätze für hereingenommene Gelder ganz oder teilweise bis um höchstens ^ Prozent überschreiten, ehrenamtlich geleitete Kreditgenossenschaften mit der gleichen Maßgabe bis zu % Prozent.
In dem Mantelvertrag wird bestimmt, daß Kreditinstitute aller Art verpflichtet sind, bei der Hereinnahme von Reichsmarkgeldern aus dem In- und Auslande bestimmte Höchstzinssätze nicht zu überschreiten.
Die beiden Zinsabkommen laufen bis zum 31. März d. Is., der Mantelvertrag bis zum 30. September d. Is; sie verlängern sich automatisch um drei (sechs) Monate, falls nicht eine Kündigung mit einer Frist von einem (drei) Monaten erfolgt. Die Vereinbarungen find vom Tage nach der Veröffentlichung im Deutschen Reichsanzeiger und Preuhi schen Staatsanzeiger an wirksam.
Sechs Kommunikte« erschossen
Die russisch-rumänischen Verhandlungen gestört?
Bukarest, 12. Januar
Beim Versuch, heimlich den zugefrorenen Dnjestr in Richtung Rußland zu überschreiten, wurden in der Rächt sechs unbekannte Männer von der rumänischen Grenzwache erschossen. Das rumänische Innenministerium, das bereits ein mysteriöses Protesitelegramm erhalten hat, teilt dazu mit, daß die Erschossenen bekannte Kommunisten und Schmuggler gewesen feien.
Dieser aufsehenerregende Zwischenfall an der russischrumänischen Grenze dürfte im Hinblick auf die Paktverhandlungen in Riga von großer Bedeutung sein, da die Einzelheiten über die Erschießung sehr widersprechend lauten. Man nimmt an, daß das Parlament sich mit dem Vorfall beschäftigen wird.
Englands 3«dienseldrug
Strenge Maßnahmen gegen den zivilen Ungehorsam.
Bombay, 12. Januar.
Ein Erlaß der Obersten Behörde der Präsidentschaft Bombay verbietet für die Dauer von zwei Monaten in der Stadt Bombay Umzüge, Versammlungen und jede andere Bekundung des zivilen Ungehorsams. Auch Frau Gandhi ist nunmehr verhaftet worden.
Rajendra Prasad, der am 5. Januar nach seiner Wahl zum Präsidenten des Nationalkongresses verhaftet worden war, ist zu einem halben Jahr schweren Kerkers verurteilt worden.
Sapan weicht aus
Die Antwort an Amerika.
Tokio, 12. Januar
Die japanische Antwortnote auf die amerikanische Note hat in ihren Hauptzügen folgenden Inhalt: Die militärischen Maßnahmen im Gebiet von Tschintschau haben kein anderes Ziel, als die irregulären chinesischen Truppen und die Banditen zu vertreiben. Dies geschieht in Uebereinstimmung mit dem Beschluß des Völkerbundsrates vom 10. Dezember. Japan als Unterzeichnerstaat des Neunmächte-Abkommens hat nicht die Absicht, Chinas Unabhängigkeit oder die Politik der offenen Tür in der Mandschurei zu verletzen. Japan wünscht, daß der mandschurische Streitfall beigelegt wird, und wird dabei folgende zwei Gesichtspunkte beachten:
1. keinerlei Maßnahmen, die dem kelloggpakt zuwiderlaufen, werden ergriffen werden;
2. Japan beabsichtigt, keinerlei neues Abkommen oder neuen Vertrag mit China in der mandschurischen Frage ab- zuschließen. Japan wünscht jedoch eine Einstellung der planmäßigen japanfeindlichen Bewegung in China und die Anerkennung der zwischen Lhina und Japan bestehenden Verträge.
Kleiner Welt-Spiegel
In Paris ist im Alter von 83 Jahren Senator Delahaye gestorben, der als einer der reaktionärsten Senatoren bekannt war.
Der bekannte Wiener Schauspieler und Theaterdirektor Joseph Jarno ist nach kurzer schwerer Erkrankung an Grippe im 66. Lebensjahr verstorben. Jarno war mit der Wiener Schauspie» lein Hansi Niese verheiratet.
Eine vorläufige Berechnung d^s Volkszählungsergebnisses für Polen soll eine Gesamteinwohnerzahl von 34 Millionen erbracht haben.
Nach längerer Krankheit ist in Prag der Obmann des tschechischen Sokoi. Rechtsanwalt Dr. Joseph Scheuner, im 71. Lebensjahr gestorben. Nach dem Umsturz wurde er in die Ratio- nalregieruna gewählt. Er übernahm die Oberleitung der im Ent- ' flehen begriffenen tschechischen Armee. Ende Dezember 1918 wurde er Generalinspektor der Armee.
Unter den vom südslawischen König ernannten Senatoren befindet sich auch der ehemalige deutsche Abgeordnete und jetzige Sekretär der deutschen Völkerbundsliga in Südslawien, Dr. Georg Grassl.
Aus der Heimat.
* Die D Züge werden automatisch geheizt. Die seit einigen Jahren von der Deutschen Reichsbahn an- gestellten Versuche mit der automatischen Heizung der T-ZugwagSn haben so gute Erfolge gehabt, daß nunmehr mit der Einführung der automatischen Heizung allgemein begonnen worden ist. Das Wesen der automatischen Heizung liegt darin, daß Ueberheizungsn und das Auskühlen von Wagen künftig unmöglich werden. Die J Temperatur in den Wagen bleibt stets gleich und angenehm. Noch im Laufe des Winters sollen sämtliche D-Zugwagen mit der neuen Einrichtung versehen werden, durch die Winterreifen bestimmt angenehmer und die berühmten Ba^n-Erkältungskrankheiten infolge überheizter oder untertemperierter Abtteile vermindert werden. Im Laufe eines weiteren Jahres hofft man, auch die Personenzugwagen mit der neuen Einrichtung ausstatten zu können.
* Lohnsteuerbelege für das Kalenderjahr 1931. Wie im Vorjahr sind auf Grund d r Verordnung des Reichsministers der Finanzen vom 9. 12. 1931 auch für das Kalenderjahr 1931 die Belege über den Steuerabzug vom Arbeitslohn an das Finanzamt einzusenden. Sie sind vornehmlich notwendig für Kirchen- und Bürgersteuer-Zwecke. Die Vordrucke, soweit erforderlich, sind beim Finanzamt anzufordern. Die Einsendung hat bis 15. Februar 1932 zu geschehen. Außer beim Finanzamt können die näheren Bestimmungen bei den Bürgermeistern eingesehen werden.
Hersfeld. (Wie wird das Wetter?) Der starke irländische Tiesdruckwirbel hat einen Ausläufer entwickelt, der weit südlich bis nach Spanien hineinreicht. An seiner Vorderseite kommt es zu Niederschlägen, die noch nicht abgeschlossen sind. Da der Luftdruck im Nordwesten ansteigt, ist späterhin bei nach Ost drehenden Winden mit einer vorübergehenden Beruhigung des Wetters zu rechnen. — Vorhersage bis Mittwoch Abend: Fortdauer des milden und unbeständigen Wetters.
Kassel. Die Verhandlungen der Bäcker-Zwangs- innung für den Stadt- und Landkreis Kassel mit den Kasseler Mühlen haben zu dem Ergebnis geführt, daß die Mehlpreise von den Mühlen so herabgesetzt worden sind, daß eine sofortige Ermäßigung des Brotpreises von 73 auf 70 Pfennige für das Vierpfund-Brot möglich geworden ist. Die Erwerbslosen und Wohlfahrtsempfänger erhalten gegen Vorzeigung des üblichen Bezugsscheines das Brot zu 67 Pfennig.
Fürstenwald bei Kassel. In der hiesigen Gegend war in der letzten Zeit öfters beobachtet worden, daß Wilddiebe mit scheinwerferartigen Blendlaternen das Wild "aus seinen Lagern aufstörte, es dann blendete und in aller Ruhe abschoß. Kürzlich wurde in aller Frühe von sechs Landjägern der Umgebung bei verschiedenen verdächtigen Personen eine Haussuchung abgehalten, die viel belastendes Material zutage förderte. Zwei Arbeiter wurden festgenommen und nach Kassel . ih Urueefuchungützasl gebracht.
Melsungeu. Mit Wirkung vom 1. Januar 1932 hat der Magistrat der Stadt Melsungen die Preise für elektrischen'Strom herabgesetzt, und zwar für Lichtstrom von 45 auf 40 Pfennig, für Hauswirtschastsstiom von 15 auf 10 Pfennig je Kilowattstunde. Der Preis für Kraftstrom ist um 1 Pfennig je Kilowattstunde gesenkt worden.
Fritzlar. Am Sonnabend nachmittag gegen 4 Uhr wurde auf der Fritzlarer Edderbrücke in der Nähe des Brückenhäuschens das achtjährige Mädchen des Beamten K. von einem auswärtigen Personenauto überfahren. Das Kind erlitt eine schwere Oberschenkel- und Beckenverletzung, die den alsbaldigen Tod zur Folge hatte. Nach Aussagen von Augenzengen soll das Mädchen in das vorbeifahrende Auto hineingelaufen sein.
Wasuugen Das fünfjährige Söhnchen des Maurers Robert Zacharias wollte vor einem Mejninger Lastkraftwagen die Straße überqueren. Es lief aber direkt in das Auto hinein, das dem Kinde über die Brust fuhr. Der Junge war sofort tot. Den Kraft- wagenführer trifft keine Schuld.
Die RettMgrarbeiten in Beuchen
Beuthen, 12. Januar. Der Stand der Rettungsarbeiten auf der Karsten-Zentrum-Grube ist unverändert. Es war bisher leider nicht möglich, mit den letzten sieben verschütteten Bergleuten eine Verbindung herzustellen. Alle Hoffnung ist aber noch nicht geschwunden. Der Zustand der sieben lebend geborgenen Bergleute, die in das Knapp- schaflslazarett übergeführt wurden, ist den Umständen nach zufriedenstellend. Eine Lebensgefahr besteht nicht mehr.
Die sieben Bergleute, die in Beuthen wie durch ein Wunder dem Tode entronnen sind, heißen: Slama, Alfred, Rohrleger aus Beuthen, Klukowski, Josef, Hauer aus Königshütte, Marek, Wilhelm, Fördermann aus Beuthen, Ludwig, Emil, Fördermann aus Karf, Nowak V, Paul, Füller aus Beuchen, Starfinfki, Alois, Fördermann aus Miechowitz, Kulpock, Paul, Fördermann aus Miechowitz. Wilhelm Marek trug einen Oberschenkelbruch, Klukowski Fleischwunden davon.
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Man erfährt jetzt Einzelheiten über die furchtbaren 111 Stunden, die diese Bergleute von aller Welt abgeschnitten verbracht haben. Zur Zelt des Unglücks waren sie an verschiedenen Stellen der Strecke beschäftigt. Nach und nach fanden sie sich in einem Hohlraum zusammen, der den meisten Schutz zu bieten schien. Zum Glück war jedoch die Preßluftleitung intakt geblieben, so daß sie wenigstens nicht unter Luftmangel zu leiden hatten. Schlimmer war es mit der Nahrung bestellt. Da sie bis zur Zeit des Unglücks bereits vier Stunden sich unter Tage befanden, hatten sie nur wenig Brot bei sich. Von Anfang an find sie dann mit diesen Resten äußerst sparsam umgegangep. Sehr gelitten haben
ie unter Dem Mangel an Trinkwasser. Sie halfen sich chließlich dadurch, daß sie sich an den Wassertropfen, die ich infolge des Temperaturunterschiedes an der Kaltluft» eitung bildeten, erfrischten. Obwohl sich die Eingeschlossenen der Gefährlichkeit ihrer Lage voll bewußt waren, haben sie bis zum letzten Augenblick darauf gehofft, daß es ihren Kameraden gelingen würde, sie rechtzeitig zu befreien. Einige von den Geretteten haben sich überraschend schnell erholt.
Frohe Kunde aus Beuthen.
U. B. z.: Die Rettungsmannschaften in der Unglückssohle der Karsten-Zentrum-Grube tragen zu Beginn der Bergungsarbeiten einen Verletzten aus dem Stollen.
Hindendurgs Dank und WüMe
Die Schlesische Bergwerks- und Hütten-A.-G. hat dem Reichspräsidenten telegraphisch über die Rettung von sieben der Verunglückten berichtet. Der Reichspräsident hat hierauf mit folgendem Telegramm geantwortet: Ich habe mit großer Freude aus Ihrem telegraphischen Bericht die Rettung von sieben der auf der Karsten-Zentrum-Grube verschütteten Bergleute vernommen und spreche der tapferen Rettungsmannschaft Dank und Anerkennung für diese Tat aus. Gott gebe, daß es gelinge, auch die übrigen Verunglückten lebend zu bergen, (gez.) von Hindenburg, Reichspräsident.
Das preußische Handelsministerium teilt mit: Hocherfreut durch den glücklichen und überraschenden Erfolg der Rettungsarbeiten auf der Karsten-Zentrum-Grube in Ober- schssien hat der preußische Handelsminister Dr. Schreiber den Berghauptmann in Breslau beauftragt, persönlich im Namen der preußischen Staatsregierung den Geretteten die herzlichsten Glückwünsche auszusprechen und jedem als Beihilfe für die völlige Wiederherstellung der Gesundheit ein Geldgeschenk von 200 Mark zu überbringen. Er hat ferner den Berghauptmann beauftragt, nach Abschluß der Rettungsarbeiten baldmöglichst Vorschläge für eine würdige Auszeichnung der tapferen Rettungsmannschaften zu
Turnen und Sport
Deutscher Eishockeymeister wurde einmal mehr der Berliner Schlittschuh-Club, Der im entscheidenden Spiel auf dem Rießersee den Münchener @8. 4 :1 (3 : 0, 0 :1, 1: 0) schlug, obwohl sich die Süddeutschen durch den Kanadier Craighton verstärkt hatten.
Deutschlands Eishockey-Spieler werden auf den olympischen Winterspielen in Lake Placid nun doch nicht vertreten sein, da Orbanowski, der unsere Mannschaft verstärken sollte, inzwischen Amerikaner geworden ist, und außerdem die deutsche Mannschaft drüben innerhalb zehn Tagen nicht weniger als neunmal spielen sollte. Die Absage soll nunmehr endgültig sein.
Die Besetzung unserer Olympiabobs wurde jetzt endgültig wie folgt geregelt: 1. Zweierbob „Deutschland I" Kilian-Huher; 2. Zweierbob „Deutschland II" Huth-Ludwig; 3. Viererbob „Deutsch- land I" Zahn-Roßner-Mehlhorn: 4. Viererbob „Deutschland II" Grau-Brehme-Hopmann. Die Viererbobmannschaften sollen in USA. durch Deutsche ergänzt werden.
Ein Ski-Dauerlauf im Schwarzwald über 27 ^m. sah 40 Teilnehmer am Start. Sieger wurde Schmidt-Freiburg in ? : 22 :10 vor Ahle-Freiburg und Faller-St. Merzen.
Das Hockey-Länderspiel Deutschland-Oesterreich ist endgültig ins den 10. April d. I. nach Leipzig festgesetzt worden.
Ein tödlicher Boxunfall ereignete sich in Berlin beim Teutonia- Kampfabend. Im Mittelgewichtstreffen schlug Rutkowski (Teu- tonia) Kaul (Post) schwer zu Boden. Kaul fiel dabei mit dem Kopf so unglücklich auf die Bretter, daß er wenige Stunden spater im Krankenhause verstarb.
3m Dortmunder Sechstagerennen war der letzte Stand der Spitze folgender: 1 Goebel-Schön, 2. van Kempen-Pijnenburg, 3. Dülberg-Tietz, 4. Kroll-Maidorn. Rausch-Hürtgen, Charlier» Oeneef und Wambst-Broccardo folgten eine Runde zurück an 5.. 6. und 8. Stelle.
Möller gewann in Paris ein Rennen über 2 mal 30 Km. in glänzender Manier. Den ersten Lauf holte er sich 580 Meter vor ’Benoit, den zweiten 550 Meter vor Sawall. Gesamtergebnis: 1, Möller 2 P.. 2. Sawall und Benoit 5 8-_4. Linart 8 P.
Deutsche Zweier-Bob-Meisterschaften 1932.
Sieger wurde in Schreiberhau „Bob 13" B.S.C.-Berlin mit von Newlinski als Führer und Frick als Bremser. Rekordzeit 1 Minute 25,93 Sekunden. U. B. z. von Newlinski-Frick.