Entweder - oder!
keynes über den Tribukwahnfinn.
Hamburg, 10. Januar.
Im Ueberseeklub sprach der bekannte englische Volkswirtschaftler John M. Keynes über die Wirtschaftsaussichten für 1932. Er führte dabei u. a. aus: Die Abkehr Großbritanniens vom Goldstandard habe Segen für die ganze Welt gebracht.
Im Laufe des Jahres 1932 würden wahrscheinlich noch weitere Währungen dem Vorgehen der Sterlinggruppe folgen, insbesondere Deutschland und andere mitteleuropäische Länder, sowie Südafrika und vielleicht auch Holland. Von Englands Standpunkt aus sei diese Aussicht nicht zu begrüßen; aber für Deutschland scheine sie eine Notwendigkeit.
Die Frage der Reparationen und der Kriegsschulden sei jetzt fast nicht mehr eine Frage praktischer Finanzpolitik. Es gebe schon nur noch die Wahl zwischen einer endgültigen Lösung durch einen großen Versöhnungspakt oder durch allgemeine Zahlungseinstellung in einer Atmosphäre allgemeiner Feindschaft.
Kein verantwortlicher Mann in England wünsche heute noch eine Fortsetzung von Reparations- und Kriegsschuldenzahlungen in irgendeiner Form. Ganz England trete uneingeschränkt für völlige Aufhebung ein. Man habe erkannt, daß das System dieser Zahlungen ein unheilvoller Irrtum gewesen sei. Da aber England nicht der einzige Partner sei, biete solche Stimmung natürlich noch keine Lösung.
Deutschland möge versuchen, sich der weiteren Ungewißheit für wenige Monate gewachsen zu zeigen. Wahrscheinlich werde Deutschlands Ausdauer uno Beharrlichkeit es dann in die Lage versetzen, den Lohn eines Abkommens zu ernten, dessen Bedingungen man noch vor einem Jahre mit Triumph begrüßt haben würde.
vesterreich stellt Stillhallezahlungen ein Neuregelung des Stillhalteabkommens.
Men, 10. Januar.
Wie verlautet, hat die Oefterreichifche Nationalbank die Privatbanken mit Ausnahme der Eredttanltalt, die wegen der Staatshaftung und wegen besonderer Avmachungen mit den Gläubigern eine Sonderstellung einnlmmt, davon verständigt, daß sie ab 10. Januar kaum in der Lage sein werde, die für die Stillhaltezahlungen der österreichischen Privatbanken notwendigen Devisen zur Verfügung zu stellen.
Eine neue Konferenz der privaten Auslandsgläubiger wird unter Beteiligung des holländischen Beraters der Oesterreichischen Nationalbank, Professor Bruins, einberufen werden, um das Stillhalteabkommen neu zu regeln. Dieses Abkommen, das Ende August 1931 zustande kam, sieht vor, daß die Rembours-Kredite in sieben Vierteljahrsraten zu 15 v. H., die letzte Rate zu 10 v. H., die eigentlichen Bar- kredite in vier gleichen Vierteljahrsraten zurückzuzahlen wären. Zur Zeit des Abschlusses des Abkommens betrug die Gesamtverschuldung an das Ausland, die unter das Abkommen fiel, rund 30 Millionen Dollar.
Schwere EingeborenentSmvle
Paris, 10. Januar.
Haous «Eeimö MibM
der unter den dortigen Stammen große Erregung ausgelost halte, sind etwa 600 abessinische Krieger in das Gebiet der französischen Kolonie von Dschibuti eingedrungen und haben einen der dort lebenden Stämme angegriffen und 134 seiner Mitglieder getötet. Eine Abteilung berittener Truppen hat die Angreifer zurückgeschlagen, die dabei 60 Tote und zahlreiche Verwundete zu verzeichnen hatten.
Java« wehrt sich gegen die Anwendung des Neun-Mächle-Vertrages.
Tokio, 10. Januar.
wie verlautet, dürfte Japan eine Aenderung des Neun- Mächte-Verkrages fordern, sobald eine Konferenz einbe- rufen werden sollte, um die Frage einer Anwendung des Neun-Mächle-Vertrages auf den Mandschurei-Konflikt zu prüfen. Die amerikanische Note wegen der Mandschurei ist im Außenministerium und in der Presse sehr kühl ausgenommen worden.
Man erklärt, die Note halte mit ihrer Berufung auf den Kellogg-Pakt an der Fiktion der politischen und administrativen Einheit Chinas unter Einschluß der Mandschurei fest. Diese Einheit habe tatsächlich seit Tschangtsolin nie mehr existiert, da die Mandschurei immer nur nominell der Nankingregierung unterstand.
Obendrein sei die Verdrängung Tschanghsueliangs und seiner Organe aus der Mandschurei ursprünglich von Japan nicht beabsichtigt gewesen. -^,
Überfall auf japanische Truppen
Tokio, 11. Januar.
Ein japanisches Kavallerieregiement erlitt bei einem Zusammenstoß mit einer starken Abteilung Banditen, deren Zahl auf ungefähr 5000 geschätzt wird, westlich von Tschint- schau schwere Verluste. Ein Oberst, vier Offiziere, 15 Mann wurden getötet, 20 verwundet. Japanische Verstärkungen wurden eiligst entsandt. , ,
Die Politik der NSDAP.
Eine Rede Hitlers.
Lemgo, 10. Januar.
In einer Versammlung der NSDAP. betonte Adolf Hitler, die Nationalsozialisten führten den Kampf nicht nur um einen momentanen Wahlerfolg, sondern es ginge um eine wirkliche Entsct>eidung.
Es sei ein Trugschluß, wenn man glaube, daß man mit wirtschaftlichem Denken die Voraussetzungen unserer Not beseitigen könne. Es handele sich darum, daß die Interessen der Nation vertreten werden. Auf die Frage der Reichspräsidentenwahl ging Hitler nicht ein.
Die Neubildung des französischen Kabinetts.
Nach einer Havasmeldung aus P a r i s hat sich T a r - üieu bereit erklärt, außer dem Landwirtschaftsministerium auch noch das Kriegsministerium zu übernehmen, während L a v a l auch als Außenminister fungieren würde. Für das Innenministerium stehen in Aussicht die Senatoren Barthou unb Peyronnet und Unterstaatssskretär Cathala.
Sieben Verschüttete gerettet
Beuchen. Die Rettungsarbeiten auf der Karsten- Zentrums-Grube haben den Erfolg gehabt, daß von den durch einen Gebirgsschlag verschütteten 14 Bergleuten nach sechs Tagen sieben Leute lebend geborgen worden sind. Die Geretteten sind verhältnismäßig wohlauf, wenn auch zum Teil recht schwach. Nur zwei von ihnen sind äußerlich verletzt.
Das Schicksal der übrigen Verschütteten ist noch ungewiß, doch ist mit dem Tode der meisten zu rechnen. Die Bergungsarbeiten, die äußerst schwierig sind, gehen mit aller Kraft weiter.
Erweiterter Preirausreichnungsrwang
Die neue Verordnung des Preiskommissars.
Berlin, 10. Januar.
Der Reichskommissar für die Preisüberwachung hat die neue Verordnung über den Preisauszeichnungszwang er- lassen. In Zukunft unterliegen auch sämtliche Mühlener- zeugnisse, Hulsenfrüchte, Zucker, Kartoffeln, Salzheringe, sämtliche Speisefette, Käse, Kakao, Bohnenkaffee, Ersatzkaffees, Obst und Gemüse dem Preisauszeichnungszwang.
Die Preisauszeichnung hat in der Form zu erfolgen, daß alle Waren, die sichtbar ausgestellt sind, mit dem Preis für die übliche Verkaufseinheit und einer Qualitätsbezeichnung versehen sein müssen. Für die nicht sichtbar ausgestellten Waren muß in deutlich erkennbarer Form ein Preisverzeichnis ausgehängt werden.
Der Verband der Wäschereibetriebe hat sich bereit erklärt, für Groß Berlin die Preise um durchschnittlich 1 0 bis 20 Prozent zu senken und die ihm angeschlossenen Betriebe im Reich aufzufordern, eine ähnliche Senkung, mindestens aber von 10 Prozent durchzuführen. Auch mit den chemischen Waschanstalten sind Vereinbarungen über Preissenkungen erfolgt.
Kleiner Welt-Spiegel
Der Vollzugsausschuß der Gewerkschaftsinternationale trat in Genf zur Prüfung der Lage zusammen, die durch die letzte Stellungnahme der Vertreter der kohleerzeugenden Länder entstanden ist.
Durch Beschluß des Dünaburger Bezirksgerichts ist der Verband der Polen in Lettland, der wegen gesetzwidriger Tätigkeit unter Anklage gestellt war, endgültig aufgelöst worden.
In dem früheren Lustschloß des Zaren, Peterhof, ist ein Erholungsheim für Gelehrte eröffnet worden.
In Paris hat der Oberste Rat für die nationale Verteidigung unter dem Vorsitz des Präsidenten der Republik, Doumer, eine Sitzung abgehalten, in der die Instruktionen für die französische Delegation zur Genfer Abrüstungskonferenz festgesetzt wurden.
Mussolini empfing den Apostolischen Nuntius Borgongini Duca, der ihm den vom Papst verliehenen Orden vom Goldenen Sporn überreichte.
Die französische Regierung hat dem ägyptischen Premierminister Sidky Pascha das Großkreuz der Ehrenlegion verliehen.
Die Regierung von Uruguay hat das Parlament um Zustimmung zur vorläufigen Einstellung des Außenschuldendienstes ersucht.
Der Bankenunterausschuß des amerikanischen Reprasentan- der in der Jahresbotschaft des Präsidenten Hoover angekündigten großen Finanzierungsgefellschast vorsieht, deren Kapital zwei Milliarden Dollar betragen soll. '
Der japanische Kaiser hat den Rücktritt des Kabinetts nicht angenommen. Das Kabinett bleibt also weiter im Amt.
Aus der Heimat.
Hersfeld. (Wie wird das Wetter?) Das Luftdruckfallgebiet des bei Irland liegenden neuen Wirbels hat in der Nacht zum Sonntag schon Westdeutschland erreicht und wird auch unserem Gebiet wieder Verschlechterung der Witterung bringen. Es kann auch erwartet werden, daß damit erneut wieder eine unbeständige Westwindwetterlage eingeleitet wird, ohne daß jedoch anhaltend regnerische Witterung eintreten dürfte. Die Temperaturen werden bei auffrischenden südlichen bis westlichen Winden für die Jahresz it zu hoch liegen. — Vorhersage bis Dienstag Abend: Fortdauer der ziemlich milden und im ganzen unbeständigen Witterung mit wiederholten Nieder- schlägen, aber auch zeitweiliger Aufheiterung.
Kassel. In einem Friseurgeschäft ließ sich eine Verkäuferin Dauerwellen legen, als plötzlich der Haar- wickelapparat Feuer fing. Im Nu standen die Haare des jungen Mädchens in Flammen. Es lief in seiner Angst, um Hilfe schreiend, auf die Straße und versuchte, das Feuer mit den Händen zu löjchen. Schutzpolizei und Sanitäter leisteten Hilfe und brachten die Schwerverletzte ins Krankenhaus. Das Haar ist vollständig verbrannt, außerdem hat das Mädchen entstellende Brandwunden im Gesicht und an den Händen davon- getragen. Die Verletzungen sind so schwer, daß ernste Lebensgefahr besteht.
Dermbach (Rhön). Eine blutige Auseinandersetzung gab es bei einer Feierlichkeit in dcr Spinnstube. Im Verlause eines Streites brächte ein Arbeiter dem 27= jährigen Otto Hermann mehrere Messerstiche in den Unterleib bei. Hermann mußte ins Krankenhaus eingeliefert werden.
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es gehört das zur Hygiene wie das Putzen Deiner Zähne!
Bischofsheim (Rhön). In der Koppeschen Mühle zwischen Hausen und Nüdlingen brach frühmorgens Feuer aus, das mit rasender Schnelligkeit um sich griff. Obwohl Hilfe bald zur Stelle war, konnte nicht viel
gerettet werden. Die Mühle ist vollständig ausgebrannt. Das Wohnhaus ist derart zerstört, daß es nicht mehr bewohnbar ist. Von der Scheune stehen nur noch die Grundmauern. Der Sachschaden ist ganz beträchtlich. Ueber die Ursache des Feuers konnte Bestimmtes noch nicht ermittelt werden.
Fritzlar. Freitag abend ereignete sich • bei einer Nachtübung der hiesigen reitenden Batterie ein bedaurr- licher Unglücksfall der den Tod des Oberkanoniers Schwertgen zur Folge hatte. Eine vier Mann starke Patrouille unter Führung eines Leutnants hatte die Aufgabe, die Eder zu durchqueren. Dabei stolperte anscheinend das Pferd des Oberkanoniers Schwertgen über einen Stein und geriet in eine Untiefe. Reiter und Pferd trieben in der durch das Hochwasser stark angeschwollenen Eder ab. Den Oberkanonier haben anscheinend kurz vor Erreichung des jenseitigen Ufers die Kräfte verlassen, denn plötzlich verschwand er in den Fluten. Die Leiche konnte noch nicht geborgen werden. Das Pferd erreichte das rettende Ufer.
Eschwege. In Holthausen bei Herne wurde in den Kassenraum einer Zeche ein Raubüberfall verübt. Zwei maskirte Banditen, darunter ein von Eschwege stammender 31jähriger Arbeiter, erbeuteten 1200 Mark. Auf der Flucht stieß der Eschweger mit einem Kriminalbeamten zusammen. Während der Eschweger den Beamten mit vorgestreckter Pistole in Schach zu halten versuchte, kam ein anderer Beamter hinzu und streckte ihn nieder. Der Räuber sank ins Herz getroffen tot zusammen. _ Die Beute wurde bei ihm vorgefunden.
Frankfurt a. M. Einen schweren Verlust erlitt eine Dame in einem hiesigen besseren Hotel dadurch, daß ihr Pelzmantel und ein Koffer mit wertvollem Inhalt aus ihrem Zimmer während ihrer Abwesentheit gestohlen wurde. Der Wert der gestohlenen Sachen beträgt 2000 Mark. Als Täterin kommt eine Frau in Frage, die zu gleicher Zeit in dem Hotel gewohnt hat und plötzlich abgereist ist. Es ist nicht ausgeschlossen, daß es sich hierbei um einen Mann handelt, der in Frauenkleidern geht.
Lixfeld (Kr. Biedenkopf). In einem Steinbruch in der Nähe der Gemeinde ereignete sich eine folgenschwere Explosion. Zwei Arbeiter aus Hirzenhain und Lixfeld waren damit beschäftigt, eine Kiste Sprengstoff nach der Grube zu bringen Der Arbeiter Rehm aus Hirzenhain stürzte am Rande der Grube, die Kiste schlug auf einen Baumstumpf und explodierte. Nehm erlitt so schwere Verletzungen, daß er sofort starb. Der Begleiter kam, da er durch einige Bäume geschützt war, mit leichteren Verletzungen davon, doch mußte auch er dem Krankenhause eingeliefert werden. Der Tode hinterläßt Frau und Kind.
Einbeck. Bei dem Schuhmacher Kues in Wellersen brach ein Brand aus, der Wohnung und Stallungen vollständig einäscherte. Der Eigentümer ist in den Flammen umgekommen.
Goslar. Auf den Unterharzer Berg- und Hüttenwerken in O k e r wurde die Schwefelgasleitung mit einem Durchmesser von 60 Zentimeter, in einer Länge von 75 Meter über der Staatsstraße Oker-Bad Harzburg von einer W i n d- boe zerstört. Schwere Gitter und Eisenträger wurden verbogen und an den Licht- und Starkstromleitungen des Werkes erheblicher Schaden angerichtet, so daß eine Reihe Betriebsstationen für mehrere Stunden außer Betrieb gesetzt werden mußten. Flüssiges Schwefelgas ergoß sich auf die Straße, so daß der Verkehr umgeleitet werden mußte. Die Wiederherstellungsarbeiten werden noch einige Zeit beanspruchen.
Dessau. Das Große Schöffengericht verurteilt« einen Landwirt aus D r o s a, der auf der Hühnerjagd einen Passanten erschossen hatte, zu fünf Monaten Gefängnis. Der verhängnisvolle Schuß löste sich aus der Doppelflinte des Landwirts, als er, das Gewehr im Arm, in der Schützenkette über das Feld ging.
Hier beginnt am 25. Januar die Tributkonferenz.
Unser Bild zeigt Hotel du Chateau in Lausanne-Ouchy, wo am 25. Januar die für Deutschland und die Welt hochbedeutsame Tributkonferenz beginnt.
Menschenschmuggel in Amerika.
Die amerikanischen Behörden stehen dem organisierten Menschenschmuggel anscheinend machtlos gegenüber. Nach einer kürzlich veröffentlichten Verordnung des amerikanischen Arbeitsamtes wanderten in der Zeit von 1911 bis 1920 5 735 800 Menschen nach den Vereinigten Staaten ein. Der Jahresdurchschnitt betrug also 573 000 Menschen. Von 1921 bis Dezember 1927 kamen auf gesetzlichem Wege insgesamt 3 227 894 Fremde ins Land. Die Zahl der Menschen aber, die während dieser sieben Jahre auf ungesetzlichem Wege eingeschmuggelt wurden, kann nur schätzungsweise angegeben werden. Sie beträgt etwa eine Million, im Jahres durchschnitt also rund 160 000. In den letzten vier Jahren verminderte sich die Zahl der eingeschmuggelien Menschen; sie betrug aber immer noch fast eine halbe Million. Diese lebende Schmuggelware wird auf -die sonderlichste Art nach den Vereinigten Staaten hinübergeschmuggelt; dabei spielen Flugzeuge und Särge eine gewichtige Rolle.