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Kriegsminister Maginot t

Der französische Kriegsminister Waginot ist in der Nacht zum Donnerstag gestorben. Die Aerzte hielten seine Krankheit (Typhus) nicht für gefähr­lich. Noch der letzte ärztliche Befund vom Abend vor feinem Tode kündigte eine leichte Besserung des Allgemeinbefindens an. In Frankreich hat der unerwartete Tod des eigentlichen Vorkämpfers und Haupkverfechters der französischen Sicherheitsthese z. T. geradezu Bestürzung ausgelöst.

Maginot wurde am 17. Februar 1877 zu Paris ge­boren; er ist nicht Anwalt gewesen wie alle anderen Mi­nister, sondern hat als Regierungsreferendar in Algerien sich die Sporen verdient. 1910 wurde er ins Provinzial- parlament von Bar-le-duc gewählt, war 1912-13 Sekretär in der Kammer, 1913 Unterstaatssekretär im Kabinett Dou- mergue, 1917 Unterstaatssekretär für Kolonien im Kabinett Ribot, nach dem Kriege verband ihn seine politische Lauf­bahn mit dem Namen Millerand. Er gehörte den Kabinet­ten Leygues. Briand, Poincare, Tardieu, Laval als Kriegs­minister an. Bei Kriegsausbruch trat Maginot als einfacher Infanterist in die Armee ein und nahm an den Kämpfen um Berdun teil, wo er, inzwischen zum Sergeanten beför­dert, im November 1914 am Bein verletzt wurde, so daß er hinkte. Nach Kriegsende übernahm er 1920 erstmalig unter der Führung Millerands das Pensionsministerium und wurde zwei Jahre später unter Poincars mit dem Kriegsministerium betraut, das er mit Ausnahme der Re- gierungszeit des Kartells nicht mehr aus der Hand gab Politisch verkörperte Maginot das militarist'.iche Frankreich mit seinem ganzen Chauvinismus und seinen Hegemoniebe-

Maginot

strebungen. Er war es auch, der Poincare, mit dem ihn eine enge Freundschaft verband, zur Ruhrbesetzung getrieben hat und der immer wieder darauf drängte, Deutschland durch militärische Demonstrationen einzuschüchtern. Maginot trug nicht nur die Verantwortung für die verschiedenen militä­rischen Maßnahmen während des Ruhrkrieges, er war auch verantwortlich für die Vollstreckung des Todesurteils an Schlageter und vielen anderen. Auch für die Separatisten­politik war Maginot der ausschlaggebende Faktor. Parla­mentarisch gehörte er zu der demokratisch-sozialen Gruppe, die unter der Führung des Kolonialministers Paul Reynaud steht, und der außer dem Präsidenten des Heeresausschusses der Kammer, F a b r y, der französische Botschafter in Ber­lin, Francois - P o n c e t, und der blinde Abgeordnete S c a p i n i angehören.

Maginot war ein unerbittlicher Gegner Deutschlands wie sein Freund Poincare, die Seele des Widerstandes gegen Gleichberechtigung Deutschlands auf dem Gebiete der- stungen. Aus dieser Feindschaft gegen Deutfchland hat Maginot nie ein Hehl gemacht. Mit seinem Tode ist aber die Front der französischen Deutschenhasser keineswegs nie­dergebrochen. Tardieu. Marin, paul-Boncour und fast die gesamte Generalität werden nicht nachlassen, an der Auf­rechterhaltung der militärischen Vormachtstellung und der französischen Sicherheitsthese zu arbeiten.

Es ist bekannt, daß Maginot große Volkstümlichkeit be­saß. Um seine Person haben sich daher mancherlei Legen­den gebildet. Auf ihn wandte man das Wortspiel an, dem ein kleiner Leutnant unter dem zweiten Kaiserreich zum Opfer fiel. In dessen Akten stand der Vermerk:boit un peu" (trinkt ein wenig), anstatt,boite un peu" (hinkt ein wenig); dieses fehlendee" war schuld daran, daß der Leutnant nicht befördert wurde. Bei Maginot traf nicht nur dasboit", sondern auch dasboite' zu. Man sagt, daß Maginot in besonders aufgeregten politischen Augen­blicken seinen Stock beiseite legte und auf die Kammer­tribüne marschierte, als ob ihm nichts passiert wäre. Als ihm der Arzt erklärte, er habe Typhus, fragte er:Wo­her habe ich den?" Der Arzt:Sie haben Wasser ge­trunken!" Maginot, entrüstet:Nie!"

Kleiner S

elt-Spiegel

Lloyd George ist von seiner Reise nach Ceylon wieder nach England zurückgekehrt.

Der verstorbene General Pau, Präsident des französischen Roten Kreuzes, ist mit militärischen Ehren im Pariser Jnvaliden- dom beigesetzt worden. Zahlreiche Mitglieder der Regierung und hohe militärische und politische Würdenträger nahmen an der Feier­lichkeit teil.

Der Pariser Mitarbeiter derTribuna" erfährt aus Kreisen der französischen Finanzwelt, daß Frankreich der Tschechoslowakei eine Anleihe von 500 Millionen Fanten gewähren werde. Zur Zeit werde wegen dieser Anleihe in Paris verhandelt.

Der rumänische Iustizminister Hamangiu ist infolge einer Herzlähmung plötzlich gestorben.

Aus der Heimat.

Aus dem Gerichtssaal.

Ein Rohheitdelikt sondergleichen. Die Arbeiter N. und B. hatten mit dem Friseur G. zur Zeit des Lullus- festes gekneipt und hatten ihn dann in seine Wohnung nach der Knottengasse gebracht. Dort mußte ein Streit entstanden sein, denn der Arbeiter B. hatte von dem G. einen Schlag aufs Auge bekommen, worauf N. und B. die Wohnung verließen. Sie stellten sich auf die Geisbrücke und warteten auf G. Etwa nach einer Viertelstunde kam dieser und ging auf die beiden zu. Ohne Weiteres faßten die beiden den G. und warfen ihn über das Geländer in die Geis, und liefen davon. Glücklicherweise hatten Leute diesen Vorfall beobachtet gingen hinzu und holten den G aus der Geis heraus, Dieser war bewußtlos, denn er hatte einen gehörigen Schädelbruch davongetragen. Er mußte ins Kranken­haus geschafft werden und verblieb dort 11 Wochen. In der heutigen Verhandlung bestritten die Angeklagten daß sie den G. in die Geis geworfen hätten, dieser sei vielmehr von allein hineingesallen Glücklicherweise hatten aber die Zeugen den Vorfall einwandfrei beo­bachtet. Ihr Leugnen half nich s, sondern im Gegen­teil, der Amtsanwalt beantragte wegen ihres Benehmens eine Gefängnisstrafe von je 6 Monaten. Das Ge­richt war etwas milder und diktierte ihnen eine Ge- fängnisstrase'von 3 Monaten zu.

Ein Jmpfgegner war von der hiesigen Polizei auf- gefordert, den' Nachweis über die Impfung seiner Tochter beizubringen. Diese Aufforderung hatte er fruchtlos verstreichen lassen. Er erhielt deshalb von der Polizeibehörde einen Strafbefehl von 10 Mk. Er machte alle möglichen Einwendungen; das Gericht ließ es aber im Urteil bei der Strafe.

Noch ein Lullusfest-Nachspiel. Ein junger stellen­loser Kaufmann aus B. hatte ein Verhältnis mit der ledigen H. von hier. Beide mußten einen Streit gehabt hoben, denn sie waren sich uneinig geworden. Auf einmal holte der angebliche Bräutigam einen Revolver mit Munition auS der Tasche. Die ledige H. vermutete anscheinend nichts Gutes und lief zur Polizei, die dann dem Liebhaber den Revolver abnahm. Heute hatte er sich wegen Vergehens gegen das Gesetz betr. Waffen und Munition zu verantworten. Gleichzeitig war auch eine Ehefrau aus B. mit angeklagt, weil sie diese Waffe dem Kaufmann überlassen hatte. Beide erhielten eine Geldstrafe von 30 bezw. 10 Mark.

8 stakt 6 Pfennige. Vom 15. Januar beträgt die Ge­bühr für Fernpostkarten 6 Pfennige. Bis neue Karten zu 6 Pfennigen hergestellt sind, verkauft die Post vom 15. an die bisherigen Karten mit dem 8-Pfennig-Stempel zu 6 Pfennig. Wer seinen Vorrat von Karten zu 8 Pfennig bis zum 14. nicht ausbrauchen kann, erhält vor den^ 15. Januar auf Wunsch für jede unverdorbene Karte Wert- nur noch verdorbene Karten gegen Wertzeichen im Be­trage von 6 Pfennig und gegen Zahlung einer Gebühr von 1 Pfg. für das Stück umgetauscht.

Rechnungshof empfiehlt Branntweinpreissenkung. Der jetzt dem Reichstag zugegangene Bericht des Rechnungs­hofes über die Prüfung der Bilanz der Spiritusmonopol­verwaltung für das Geschäftsjahr 1929/30 kommt zu dem Ergebnis, daß infolge des sehr erheblichen Absatzrückgan­ges die hohen Branntweinbestände der Reichsmonopolver­waltung auch in diesem Jahre nicht annähernd auf das noch ertragbare Maß herabgesetzt werden, wodurch auch der Schmuggel und die Schwarzbrennerei eingedämmt werden könnten. Der auffallende Absatzrückgang könne nicht allein durch die ungünstige wirtschaftliche Lage und die Mäßig- keitsbewegung erklärt werden, sondern zweifellos hätten auch die hohen Preise dazu beigetragen, die Wettbewerbs­fähigkeit des deutschen Trinkbranntweins mit den billigen ausländischen Südweinen zu schwächen.

Hersfeld. Infolge der Regenfälle tu den letzten Tagen sind Fulda und Haüne über die Ufer getreten.

Hersfeld. (Der Weltkrieg, wie er wirklich war.) In den Lichtspielen finden heute nachmittag 4 Uhr und abends 8V2 Uhr zwei Sondsr-Vorführungen mit dem einzigen aus amtlichen Material aufgebauten Kriegsfilm statt, der in Bildern zu uns spricht, welche zum größten Teil während der Ereignisse selbst entstanden sind. In sachlicher Darstellung erblicken wir das wahre Gesicht des Krieges, Munitionsfabriken, Transporizüge, Schlachtkreuzer, Riesengeschütze, Unterseebote, Granat- einschläge. So hat dieses imposante Werk, dieser ge- wattigste aller Kriegsfilme durch seine Lebenswahrheit einen dreifachen Wert, er ist den Gefallenen ein Ehren­mal, den Kriegsteilnehmern eine Erinnerung und der Heimat eine ernste Mahnung. Der Besuch der Vorführung ist überaus lohnend. Die Jugend hat nachmittags Zutritt.

Hersfeld. In U n t e r w e i s e n b 0 r n verstarb im Alter von 84 Jahren Gutsbesitzer Ad 0 l f Rein­hard. Mit ihm ist eine weit über die Grenzen des Kr ises Hersfeld bekannte Persönlichkeit dahingegangen, die lange Jahre im öffentlichen Leben des Kreises ge­standen und ihm in zahlreichen Ehrenämtern wertvolle Dienste geleistet hat. Reinhard war von 1886-1919 ununterbrochen Mitglied des Kreistages und gehörte von 18911912 dem KreisauSschuß an, von 19101918 war er Kreisdelegierter. Außerdem war der Verstorbene jahrelang in staatlichen und Kreis-Kommissionen tätig und längere Zeit Mitglied der Landwirtschaftkammer.

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Hersfeld. (W i e w i r d d a s W e t t e r?) Die Witterung Deutschlands wird immer noch durch einen über Skandinavien liegenden Tiefdruckwirbel beherrscht. Da derselbe seine stärkste Entwicklung von Mittwoch auf Donnerstag erreicht hatte, hat auch bei uns nach Verstärkung der Niederschlagstäligkeit und der Windge­schwindigkeit bereits wieder eine leichte Beruhigung Platz gegriffen. Durch das Vordringen kälterer Luft­waffen von der Rückseite des Wirbels her hat sich wieder mehr wechselnde Bewölkung mit Schauertätigkeit eingestellt, doch ist nicht anzunehmen, daß bei uns rasch zunehmende Abkühlung einsetzt, da sich über England- Frankreich immer wieder neue Störungen entwickeln, die vorerst noch keine Zufuhr polar-maritimer Luftmassen auf kürzestem Wege zu uns gestatten. Vorhersage bis Samstag und Sonntag Abend: Trotz vorüber­gehend sich einstellender Aufheiterungen im Ganzen noch Fortdauer unbeständiger und verhältnismäßig milder Westwindwitterung mit Neigung zu Niederschlägen.

Kassel. Einen schweren Verlust erlitt der Inhaber einer zwischen dem Bettenhäuser- und dem Söhre- Bahnhof gelegenen Gartenlaube, die durch Funkenflug infolge des Sturmes bis aus den Grund niederbrannte. Leider fielen dem Feuer zwei am Tage vorher gekaufte Läuferschweine und ein settes, über zwei Zentner wiegendes Mastschwein, das den Weg in den Wurstkessel antreten sollte, sowie eine Anzahl von Kaninchen und Hühner zum Opfer. Die Feuerwache Mauerstraße konnte leider nichts rett n, sondern mußte sich auf eine ^ständige Aufräumungsarbeit beschränken.

Obersuhl. Die Ruinen der Molubdän-Werke als Lager der Diebesbande. Der Polizei gelang es jetzt, das Lager der Eisenbahndiebesbande in den unterirdischen Gängen der stillgelegten Molubdän-Werke zu entdecken. Die Diebeswaren lagen in Kisten aufgestapelt sorgfältig verpackt. Das gesamte Lager machte den Eindruck, als sei es auch von verschiedenen als längerer Aufenthalts­raum benutzt worden. An den Wänden waren Blut­spuren von Federn zu sehen, woraus hervorgeht, daß die Diebe die den Landwirten entwendeten Gänse und Hühner hier schlachteten und bratfertig machten. Da die weiteren Verhandlungen immer größere Kreise ziehen, kann man hoffen, daß alle im letzten Jahre in hiesiger Gegend verübten Ueberfälle und Diebstähle restlos aufgeklärt werden.

Wolfsanger. Nachts drangen zwei wildernde Hunde in die Hürde eines mit 700 Schafen bei Wolfs­anger weilenden Schäfers. Etwa 30 Schafe entwichen während der ausbrechenden Panik und liefen in ihrer Angst in die hochgehende Fulda. 23 Schafe ertranken, während die übrigen von 1 erbeigeeilten Bewohnern von Wolfsanger gerettet werden konnten. Dem Schäfer ist durch den Vorfall ein beträchtlicher Verlust entstanden,

Gießen. Ein junger Student, der aus Darmstadt stammt und hier seinen Studien obliegt, kletterte un­mittelbar vor der Stadtgrenze an einem Mast der Starkstromleitung der elektrischen Ueberlandankage em- por, offenbar- um durch Berührung der Hochspannung^ leitung Selbstmord zu begehen. Allem Anschein nach hat der junge Mann die Leitung aber nur ganz leicht berührt, oder es ist vorher infolge der feuchten Witterung unmittelbar vor ihm ein Fun.e von der Leitung aus ihn übergesprungen, denn er stürzte mit verhältnismäßig leichten Brandwunden aus beträchtlicher Höhe zur Erde herab, wo er hilfslos liegen blieb. Da der Vorgang aus der Ferne beobachtet worden war, eilten Leute herbei und sorgten für die Utzberführung des anscheinend durch den Sturz noch empfindlich Verletzten in die Chirurgische Universitätsklinik. Ueber die Beweggründe des jungen Mannes ist bis jetzt nichts bekannt.

Frankfurt a. M. Jesefine Rottmann, früher eine der glänzendsten Bühnenerscheinungen Deutschlands, ist in Frankfurt a M. im Alter von 52 Jahren freiwiillig aus dem Leben geschieden. Sie war mit dem Frankfurter Kunsthändler Dr. Läpp verheiratet. Josefine Rottmann war eine Schauspielerin von Format und feierte besonders in der Verkörperung von Grillparzers Frauengestalten große Triumphe. Vor kurzem trat sie noch einmal im Hessischen Landestheater in Darmstadt mit großem Erfolg auf.

Deichbrüche in SchleswigHolstein

Hamburg, 8. Januar. Der IDeffstürm und die dauern­den Niederschläge haben zu lleberschwemmungen in der Eider-Niederung geführt. Beim Orte Nübbel sind die Deiche geborsten; Nübbel ist vom Wasser vollständig eingeschlossen. Die Bergungsarbeiten gestalteten sich besonders schwierig, da die Lichöeitung gestört worden ist. Auch die Trave ist bei Bad Oldesloc. über die Ufer getreten und hat weite küsten- flächen überflutet.

Turnen und Sport

Das Tauwetter hat nicht nur eine Fortsetzung sondern gar eine Verstärkung erfahren, fast alle Wintersportgebiete melden Wärmegrade. Nur noch auf der Zugspitze wurde 1 Grad Kälte gemessen. Ein Umschwung scheint im Riesengebirge einzutreten, mo in Schreiberhau, wo Sonntag die Bobmeisterschaften ausge­tragen werden sollen, mittags ein starkes Fallen des Thermometers eintrat, das von Schneefall begleitet war. Viele der schweizerischen Winterkurorte melden gleichfalls Wärme und Regen.

Die Eishockey-Europameisterschaft wird wahrscheinlich vom 15. bis 22. März in Berlin durchgeführt, da die Präger Kunsteis­bahn zu diesem Zeitpunkt kaum noch in Betrieb genommen wer­den kann, zumal sie sich im Freien befindet.

Unsere Eishockey-Olympiamannschaft, die dank der finanziel­len Unterstützung Amerikas nun doch die Reise nach Lake Placid antreten kann, soll sich aus folgenden Spielern zusammensetzen: (Leinweber (Füssen), Rudi und Gerhard Ball, Iänecke, Römer und Korff (Berliner Schlittschuhclub), Schröttle, Slevoat, Strobl (München). Leinweber wird evtl. durch Lincke-Berlin ersetzt, «edoch ist es sehr fraglich, ob der BSCer Urlaub erhält. Die Ausreise erfolgt am 15. Januar an Bord der Bremen. In USA. gesellt sich zu den deutschen Spielern noch der dort lebende Orbanowskt. Von der Entsendung eines Teilnehmers für die Kunftlaufwett- bewerbe hat man Ab stand genommen. _ ... . .