Mit Artillerie und Gasbombe«
gegen Banditen.
Houston (Texas), 7. Januar. Harry Poung, ein 25jäh- riger Farmer, und dessen Bruder Jennings, die sich vor zwei Tagen in ihrem Hause In Springfield mit einem Maschinengewehr gegen die Polizei verteidigten, die beide wegen eines gemeinsam begangenen Mordes verhaften wollte, und dabei sechs Polizisten töteten, haben nunmehr hier durch Selbstmord geendet. Nach unermüdlicher Verfolgung von Missouri bis Texas umzingelten neun Polizisten das Haus, in das die Brüder geflohen waren, und forderten sie zur Uebergabe auf. Die Eingeschlossenen antworteten mit Schüssen, worauf die Polizei das Feuer erwiderte. Als die Polizisten näher herangingen, um Gasbomben in das Haus zu werfen, stellten die Verbrecher das Feuer ein und einer von ihnen rief: „Kommt und holt uns!" Die Polizei fand in dem Hause Jennings mit zwei Kopfschüssen tot auf Dem Boden, während Harry Poung auf dem Wege zum Krankenhause seinen schweren Wunden erlag.
Die Auffindung der beiden Mörder war durch einen Tischler ermöglicht worden, der sie in der Nacht beherbergt hatte und nach einer in der Zeitung veröffentlichten Photographie wiedererkannte. Die Polizei hatte zwei Tage lang in der Stadt Huston nach den Verbrechern gesucht.
Der eingangs erwähnte Kampf in Springfield gehört zu den blutigsten in der Geschichte der amerikanischen Polizei. Doung hatte sich in seinem Hause verbarrikadiert und dann aus feinem Maschinengewehr das Feuer gegen die Polizei eröffnet. Der Kamps dauerte bis in den Abend hinein, wo noch eine Batterie Feldartillerie eintraf, um das Haus zu beschießen. Erst bei Anbruch der Nacht konnte die Polizei in das Haus eindringen, fand aber das Nest leer, denn die beiden Verbrecher waren inzwischen geflohen. Nun hat sie ihr Schicksal in Houston ereilt.
Allerlei Neuigkeiten
Lehrling sucht wegen 20 Mark den Tod. Der 17jährige Fleischerlehrling Paul Torgau hatte seine Kleider am Ufer des Templiner Sees zurückgelassen mit einem Zettel, auf dem stand: „Sachen abzugeben bei Torgau, Neukölln, War- thestraße 45". Die polizeilichen Nachforschungen ergaben, daß Torgau, der bei einem Fleischermeister in die Lehre ging, für diesen Neujahrsbestellungen ausführen mußte, wobei er 20 Mark verlor. Er wußte nicht, wie er das Geld ersetzen sollte und hat vermutlich in seiner Bedrängnis Selbstmord begangen. Seine Leiche konnte jedoch noch nicht gefunden werden.
Selbstgesiellung der Herner Bankräuber. Der vor einigen Tagen in der Commerz- und Privatbank in Herne (Wests.) verübte Bankraub konnte nunmehr aufgeklärt werden. Von den drei Tätern stellten sich zwei selbst der Polizei; der dritte konnte in seiner Wohnung verhaftet werden. Es handelt sich um drei 18—19 Jahre alte Burschen, die das geraubte Geld — etwa 177 Mark — in Hamburg durchgebracht haben.
Ein holländisches Riesenflugboot. Wie die Blätter be- terdam augenblicklich mit der Ausarbeitung der Pläne für den Bau eines Flugbootes beschäftigt, das zweimal so groß werden soll wie das deutsche Flugboot „Do X". Das neue Flugboot soll mit zehn Motoren von je 1000 PS. ausgerüstet werden, die zusammen drei Schrauben treiben sollen. Die Geschwindigkeit soll auf 210 Kilometer in der Stunde gebracht werden. Das Ladevermögen soll 42 Tonnen be
1
tragen bei einem Totalgewicht von 100 000 Kilogramm. Wegen der enormen Ausmaße soll das Flugboot auf einer Schiffswerft gebaut werden. Das Flugboot soll besonders für Ueberseeflüge, so für Flüge nach Indien, verwandt werden.
Katastrophe auf der Insel Bali? Wie aus Batavia gemeldet wird, sind sämtliche Verbindungen mit den Inseln Bali und Lombok, die in den letzten Tagen durch schwere Wirbelstürme und Hochwasser heimgesucht wurden, unterbrochen. Man befürchtet eine Naturkatastrophe, besonders da auch die Seekabel von Banjoewangi nach Singapur und Port Darwin zerstört sind.
Am heutigen Donnerstag wird der Kreuzer „Köln" Wilhelmshaven verlassen, um etwa drei Wochen in See zu gehen und zwar in die Biskaya. Dort wird der Kreuzer „Köln", der bis zur Indienststellung des Artillerieschulschiffes „Bremse" zu Schulzwecken gebraucht wird, artilleristische Erprobungen vornehmen.
Lübecker Prozeß
Urteilsverkündung noch vor Ende Januar?
Im Calmette-Prozeß wurden am Mittwoch zunächst mehrere Zeugen, darunter der Leichendiener, vernommen Ferner äußerte sich Professor Kleinschmidt zu den Tuber- kulinproben bei den verschiedenen Kindern. Er erklärte, daß man nicht in der Lage sei zu unterscheiden, ob eine virulente oder «virulente Infektion für die Tuberkulin- reaktion verantwortlich sei.
Der Calmette-Prozeß, der bereits über zwölf Wochen andauert, dürfte, wenn keine unvorhergesehenen Zwischen- fälle eintreten, Ende Januar zu Ende gehen Am 15. Januar sollen die Plädoyers beginnen Die Urteilsverkündung dürfte in den letzten Tagen des Januar erfolgen.
Turnen und Sport
Das milde Wetter in den west- und mitteldeutschen Gebirgen hält weiter an, hingegen hat es auf dem Kamm des Riesengebirges Neuschnee gegeben, auch sind dort die Temperaturen wieder etwas gefallen. Die Schneeverhältnisse werden als gut, stellenweise auch als sehr gut bezeichnet. Aehnlich sind die Verhältnisse in den höheren Lagen des Glotzer Berglandes. Im Schwarzwald herrscht bis zu 1300 Meter Höhe Tauwetter! Die Schneedecke ist dort infolgedessen natürlich zurückgegangen. Besseres Wetter wird wieder aus der Schweiz gemeldet, wo Wärmegrade überhaupt nicht mehr registriert wurden.
Die deutschen Eishockeyspieler werden nun doch noch die Reise nach Amerika antreten. Die beschlossene Absage hat in Amerika wie eine Bombe gewirkt und die Amerikaner haben sich auf Drängen der verschiedenen einheimischen Vereine, mit denen bereits Spielabschlüsse getätigt waren, entschlossen, die gesamten Kosten für die Expedition zu tragen.
Hilde Holovski-Wien gewann die Kunstlaufmeisterschaft von Oesterreich gegen die viermalige Meisterin Fritzi Bürger, die bumit seit 1928 erstmalig ihres Titels verlustig ging. Die englische Damenmeisterschaft holte sich die jugendliche Megan Taylor, die erst 11jährige Tochter des auch in Deutschland bekannten Berufsläufers, vor der gleichaltrigen Cecilia Colledge und der ebenfalls noch schulpflichtigen Ivan Dix.
Nach den Erhebungen des Instituts für Konjunkturforschung wendete die deutsche Wirtschaft in den fünf Jahren 1924 bis 1928 für den Ausbau der Anlagen über den Ersatz der Abnutzung hinaus und für die Vermehrung der Lagerbestände insgesamt 39,3 Milliarden RM. auf. Davon entfielen rund zwei Drittel (26,8 Milliarden) auf die Anlaaeinveltitionen. ein Drittel (12.5 Milliar-
den) auf die Lagerzudahme. Vom Gesamtbetrag (Anlagen und Vorratsinvestitivnen) kamen
9 Milliarden
5,7
5,4
5,1
4,3
2,7
2,6
2,2
1,3
= 23 % = 14,4% = 13,8% = 13 % = 11 % = 6,9% = 6,6% = 5,6% = 3,3%
au am
au au
die Industrie,
die öffentl. Verwaltungs-Wirtsch., die Wohnungswirtschaft,
den Einzelhandel,
auf das Verkehrswesen,
auf Elektr.-, Gas- u. Wasserversorgung, auf die Landwirtschaft, auf den Großhandel, auf das Handwerk.
Die errechnete Sachanlage in Höhe von 39,3 Milliarden wurde zu einem erheblichen Teile durch Hereinnahme ausländischen Kapitals (13,6 Milliarden RM.) finanziert. Rechnet man vom Auslandskapital 2,3 Milliarden auf Erhöhung der Goldbestände der deutschen Notenbanken ab, so ergibt sich ein Net- tozuwachs an Sachgütern, d. h. ein Zuwachs, dem keine Auslandsverschuldung gegenübersteht, in Höhe von 28 Milliarden Reichsmark.
Devisenkurse. Dollar 4,209 (Geld) 4,217 (Brief), engl. Pfund 14,12 14,16, holl. Gulden 169,13 169,47, Belga (Belgien) 58,54 58,66, ital. Lira 21,33 21,37, dän. Krone 78,12 78,28, norw. Krone 77,17 77,33, franz. Franken 16,52 16,56, tschech. Krone 12,47 12,49, schweiz. Franken 82,12 82,28, span. Peseta 35,66 35,74, schwed. Krone 80,02 80,18, österr. Schilling. 49,95 50,05.
Berliner Produktenbörse.
An der Berliner Produktenbörse kam am Mittwoch wieder erstmalig größeres Angebot in Weizen auf den Markt. Es konnte jedoch nur ein kleiner Teil des Angebots Aufnahme finden, da die Mühlen große Zurückhaltung zeigten. Die Preise lagen um etwa 1—2 Mark unter der Vortagsnotiz. Für Roggen war die Stimmung stetiger. Das unverändert kleine Angebot wurde zu teilweise höheren Preisen glatt ausgenommen. Für Weizen ergaben sich am Markt der Zeitgeschäfte Preisrückgänge von 2—3 Mark, während Roggen wenig verändert war. Für Weizenmehl war die Stimmung ruhig, für Roggen etwas freundlicher.
Notierungen vom 6. Januar 1922:
Hafer stetig.
Weizen, märk. Roggen, märk. Braugerste Futtergerste Hafer, märk. Weizenmehl Roggenmehl Weizenkleie Roggenkl. fr. Bln.
14,00—16,00 16,00—19,00 12,20 11,90
12,20—12,40 6,40—6,50
10,70
am Jahres-
221—223 187—189 153—165 148—152 134—142
27,00—31,00 26,00—28,00 8,75—9,00 9,00—9,50
Die landwirtschaftlichen
Ackerbohnen
Wicken
Erdnußkuchen Erdnußkuchenmehl Rapskuchen Leinkuchen Trockenschnitzel Sojabohnenschrot ab Hamburg
Genossenschaften ।
beginn. Nach einer Statistik des Reichsverbandes der deutschen landwirtschaftlichen Genossenschaften — Raiffeisen — ist die Gesamtzahl der Genossenfchaften im Berichtsjahr von 40 798 auf 40 622 zurückgegangen. Nachdem die Jahre 1928 mit 301 und 1929 mit 449 effektiven Neugründungen den Gesamtbestand des deutschen landwirtschaftlichen Genossenschaftswesens vermehrt hatten, war im Vorjahr ein Rückgang um 47 Genossenschaften eingetreten, der sich im Jahre 1931 mit 176 Genossenschaften weiter fortgesetzt hat. In diesem Rückgang macht sich einmal das Fortschreiten der Rationalisierungsmaßnahmen im genossenschaftlichen Unterbau geltend, zeigt sich gleichzeitig aber auch die Auswirkung der allgemeinen Wirtschaftskrise und der Krise der Landwirtschaft im besonderen. Hat sich doch namentlich in den letzten Monaten die Gründungstätigkeit immer stärker verlangsamt, während die Zahl der Auflösungen stetig gewachsen ist. Der Gesamtrückgang wäre sicherlich noch we-
durchweg ihre Bestandsziffern wie in den Vorjahren weiter zu steigern imstande waren. Die schon im Vorjahre festgestellte Tendenz, daß der Schwerpunkt der genossenschaftlichen Neugründungen sich zu den Spezialabsatzgenossen- schaften verschoben hat, hat sich also auch in 1931 erhalten.
BklmutmihilUg. BekMlltMlllhuilg
Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen zu Hersfeld am Freitag, den 8. Januar 1932, nachmittags 3 Uhr, in der Wirtschaft „zur Lullus- quelle"
i Glasfchrank
1 fahrrad (Adler)
i Sofa, i Lisch
2 Lodenmäntel
1
Badeeinrichtung,
be-
Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen zu Hersfeld in der Gastwirtschaft zur „Lu l lus q u e l l e" am 8. Januar 1932, um 15 Uhr folgende Gegenstände:
mehrere Nähmaschinen
3 Radioapparate
2 Regulators
2 Geldschränte
2 Schreibtische
Storni. Sbersörsterei Hersseld-West
verkauft am Montag, den 18. b. MtS. von vorm. 972 Uhr ab im Gasthaus „Zur Lullusquelle"
Buchen- und Eichen-Gcheite und Knüppel nach Bedarf aus den Förstereien: Mönches, Distr. 2. 8, 10; Fürst. Hersfeld, Distr. 24, 46, 49; Fürst. Gittersdorf, Distr. 80, 81; Fürst. Heenes, Distr. 113; Fürst. Untergeis, Distr. 125, Fürst. Tann, Distr. 155 Im Termin kann bezahlt werden.
■
■
Spezialgeschäft für
* Schirme Stöcke Pfeifen
■ ■
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i
stehend aus Badewanne und kups. Badeofen Gasberdtisch
Lsullpreckersdinamisch)
2
Schweine
3 Campen
1 Schreibtisch
1 Standuhr
3 Büffets
i Radioapparat m Lautsprecher
2 Registrierkassen
i Sofa mit 2 Sessel
2 große Spiegel
1 Spiegelschranh
1 runder Lisch
30 m Messet
36,80 m Betthattun
18,90 m Linon
1 Huto (4/20 Fiat) öffentlich meistbietend gegen gleich Barzahlung versteigert werden.
Hersfeld, den 7. Jan. 1932.
Becker,
Ober-Gerichtsvollzieher.
1 Gewehrschrant einige Jagdgewehre
2 Ehaiselongue
1 Dh. Pinsel
2 Fast trockene Farbe
1 Auspufftopf
1 Blechwalze
1 Sofa 1 Dertitow
öffentl. meistbiet. gegen Barzahlung versteigert werden. Hersfeld, den 7. Jan. 1932.
Soßdorf,
Gerichtsvollzieher k. A.
Kontroll' und Tultlungs- bücher über
Schornstein-ReiniM- sind wieder vorrätig ß. Funks Buchbruckerel.
SttM-eiter Kassel.
Freitag, 8. Jan. College Crompton.
Sonnabend, 9. Jan.Carmen.
Sonntag, 10. Jan. Die Fledermaus.
Montag, 11. Jan. Lohengrin
Dienstag, 12. Jan. Clavigo
Mittwoch, 13. Jan. Die Walküre.
Donnerstag, 14. Jan. Zum goldenen Anker.
Freitag, 15. Jan. Mona Lisa.
Sonnabend, 16. Jan. Die Fledermaus.
Sonntag, 17. Januar. Alt Heidelberg.
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