Maske gegen Maske / Roman von rmann HiLgenKoeK
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17 Fortsetzung
,-OY, er war sehr freundlich, eS tat ihm leid, daß er nicht ,mein Giovanni' sei. Er lud mich sogar zu einer Flasche Wein ein. UebrigenS ein großes Tier. Ein Konsul und so, Traer hieß er. Ich war zuerst wie vor den Kopf geschlagen. . . nicht Giovanni? . . . Und diese Stimme? . . . nicht Giovanni? . . . Und diese Augen? . . . Und diese Bewegungen? Aber als wir dann ins Gespräch kamen, merkte ich denn doch, es war nicht mein Giovanni. Dieser Konsul war weich und gutmütig, in seinen Ansichten ein Philantrop und in seinen Gebräuchen ein Philister. Er schien über alles einen guten Tropfen zu stellen, und lange unterhielt er sich mit mir über die Kunst, ein gutes Chateaubriand zu bereiten. Er sprach von Weibern mit dem behäbigen Lachen der Satten, ♦ und er zeigte mir nach der dritten Flasche eine Reihe erotischer Bilder, die seinen äußersten Beifall hatten. Nein, das war Giovann zieht! So hätte Giovanni nie werden können I Giovanni war ein Mann der Tat! Der Kon-
Verdächtiges fand ich auf diesem Informationsbesuch nicht. Aber dort stand ein riesiger rrassenschrank tm Arbeitszimmer. Nach dem ging meine Sehnsucht, dessen Inhalt reizte mich. Wenn irgendwo Spuren zu finden waren, gewiß im Bauch dieses dickpanzerigen Herrn.
Der Einbruch stand jetzt fest bet mir. Er mußte unternommen werden trotz des großen Risikos. Schutz bei der Polizei zu diesem Unternehmen konnte ich nicht finden. Es lag gegen den Konsul nichts Verdächtiges vor, das meinen Eingriff nur tm entferntesten hätte rechtfertigen können. Darum . . . wurde ich erwischt. . . ging es mir
„Aber warum wollte « etgentlich JA- Ulegetochter umbringen?" warf der Steuermann ein.
„Dafür sind zwei Grstnde vorhanden, von denen ich nicht sagen kann, welch«» wohl der ausschlaggebende ge- wefen ist.
um
Tat
Der Konsul voflfüyrte fehle Berbrechen nicht lediglich. Vermögen auf Vermttzei um der Tat willen. Er
reit zu häufen. Er beging bis
mordete des .Vorbei wegen
ful war ein satter Genießer mit den Philisters.
Schließlich brach er ziemlich betrunken angenehm geschwätzig auf, ich stützte ihn,
Allüren eines
und schon un- bis er schwer
fällig und protzig in seinem Auto verschwand. . . Was hätte aus Giovanni werden können, wenn er am Leben geblieben?"
Soweit das Gespräch der beiden Artisten.
Ich weiß nicht, irgend etwas ging mir aus dieser Unterhaltung den ganzen Abend nach. Waren es die rührenden Schlußworte des einen der beiden Artisten für seinen Freund Giovanni: ... „er war mein Freund!" oder war eS ein gewisser detektivischer Instinkt, der mir immer wieder diese Unterredung zwischen meine Gedanken schob. Ich weiß es nicht. Weiß nur das eine, daß ich mich am Abend mit meiner Zigarre in das Dunkel meines Arbeitszimmers setzte und diesem Gespräch Punkt für Punkt nachging.
Ich dachte:. . . wenn der Konsul wirklich dieser Giovanni gewesen wäre?! Wie beträgt sich ein Mensch, der
nicht wiedererkannt werden will, wenn fühlt?!
Er verschwindet schleunigst, um aus des Beobachters zu kommen!
Zweifelsohne, so würden die meisten
er sich erkannt
dem Blickkreis
- "ber die meisten
Menschen yan-
b auch Dummköpfe!
an den Kragen!
Aber der Verdacht gegen den Konsul war schon zur fixen Idee bet mir geworden. Ich konnte ihn nicht mehr bekämpfen. Er war stärker als ich. Er zwan^ mich zum Handeln. Ich mußte dem Herrn mit dem dicken Bauch im Zimmer des Konsuls betkommen. Die Tat stand vor der Tür und ich mußte ihr folgen.
So wurde ich zum Einbrecher.
Aber es ging mir wie so manchem Einbrecher. Ich wurde von dem Konsul mitten in der Arbeit überrascht. Als ich in seine Augen blickte, wußte ich, eS ging um mein Leben, wenn er nur ahnte, daß ich kein Einbrecher, sondern ein Detektiv sei.
Ich glaube, ich spielte meine Rolle gut, so gut, daß er beschloß, aus diesem Einbrecher einen Mörder zu machen, den Mörder seiner Pflegetochter.
Ich sollte ihm die Tat abnehmen, die wohl wie ein böser Traum durch seine Nächte gehen mochte. Er hatte kein Herz, gewiß nicht, aber vor dieser Tat schreckte er doch zurück.
Er wollte mich zwingen, daS Mädchen zu töten. Er stellte mich mitten in der Nacht hinein in ihr Zimmer, um den Mord auszuführen, nachdem er mir ein Dolchmesser in die Hand gedrückt hatte. Und gehorchte ich nicht, so stand er als Henker hinter meinem Rücken mit seinem tödlichen Luftrevolver. Bereit, die Justiz an mir selbst zu vollziehen.
Fräulein Traer, die erwacht war, brächte ihre eigene Waffe gegen mich in Anschlag. . , gegen mich, den Einbrecher, für den sie mich hielt. So stand ich zwischen zwei Revolvern, aber ich zögerte, ich konnte nicht zum Mörder werden, sondern wandte mich gegen den Konsul, der hinter mir in der Tür stand.
Da fiel ein Schuß und noch einer
Ich aber war unverletzt!
er wurde ein verbrecherischer Schauspieler des Schauspiel? wegen. Er spielte mit Leben, Menschen und Berbrechen nur aus Lust am Spiel, cm» Freude an dem Rausch des Siege?
sttun stand ihm feine Pflegetochter im Wege. Ein Mann wie der Konsul konnte keinen Feind dulden. Wer nicht für ihn war, war gegen ihn. waren, löschte er aus, wie eine Schiefertafel.
Und so zog er mit der eisernen eigen war, den Schlußstrich und Lösung: Tod.
r Stopf wird anders kombinier!
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Nein, da r^uß man einen anderen Weg gehen. Man - anderen überzeugen, daß man nicht der Gesuchte andere muß nicht mehr nachdenken, grübeln, spintisieren ... war er es? War er es nicht? . . Er muß wissen: Er ist eS nicht! Du hast dich geirrt! Das erreicht man nicht durch Flucht! Ein kluger Mann würde also den andern Mann davon zu überzeugen versuchen, daß man nicht im entferntesten mit dem Vermuteten identisch ist.
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Und so tat jener Mann. Er machte alles anders, wie jemand der sich erkannt fühlt. Er lud den Artisten an seinen Tisch zur genauen Prüfung und . . . überzeugte ihn, daß er nicht Giovanni sei. lieberzeugte den anderen mit gespielten Charaktereigenschaften, die jener nie bei dem echten Giovanni bemerkt hatte. Der Artist hatte eine Verwandlung des Aeußeren erwartet, aber nicht diese Verwandlung des Innern, der Seele und des Charakters Es gab keinen besseren Weg, den Artisten zu debütieren.
Und dann, ich hatte einiges von diesem Konsul Traer in der Stadt gehört. Er galt als geschäftstüchtige kalter und kluger Spekulant, der ein äußerst zurückgezogenes «eben führte. Er war als Einsiedler bekannt. Er empfing weder Besuch noch gab er Feste oder Gesellschaften. Er hatte Tagpersonal und duldete nachts keinen Menschen unter seinem Dache. ES war schwerer, an ihn heran, u- kommen, als an einen Minister. Man hielt ihn aus jeden Fall für einen Sonderling, den das Leben hart nnd bitter gemacht hatte.
Alles in allem war er gerade das Gegenteil von dem, was jener Artist von ihm behauptete. Der Konsul ^aLrtein Änlicher Genießer. Warum aber hatte er dem Artisten gegenüber diese Maske aufgesetzt!? Warum? u,i «H^™ diesem Warum kam ich nicht vorüber. Hier blieb mein Geist stehen und forschte und suchte. Auf dieses Warum legte sich Baustein auf Baustein. Und am Morgen ^ntte ich ein phantastisches Gebäude aufgebaut, das mir selbst so extrem und unmöglich erschien, daß ich lächeln 1"«^- Banta^ einer Nacht nannte ich es beim Morgen- kasfee. Ich gedachte, es mit einem Kognak fortzuspülen.
Aber es blieb l Und auch nach Tagen kam ich zu keinem anderen Bild. 8
, Schasst ich beschloß ich, dem .Konsul einmal einen nächtlichen Besuch abzustatten. Natürlich uneingeladen und unter der Maske eines Verbrechers.
Es war ein gefährliches Spiel! Aber gerade die Toll- hett meiner Idee reizte mich. Es war die Gefahr, die wie Sekt in meinem Blute prickelte. War irgend etwas Wahres an meinen (Komplikationen) Kombinationen, so mußte ich « l ,»^^§ wenn noch so schwache Spuren im Hause des Konsuls finden.
Am nächsten Tage sah ich das Haus des Konsuls Traer als Schornsteinfeger durch die Kamine Heftern. ।
Und die gegen ihn Kreidezahl an einer
Konsequenz, die ihm setzte dahinter die
Ein Mann, wie der Konsul, konnte keine andere Vöfirm finden.
Und nun war noch ein Wetter Punkt da
Ich erwähnte wiederholt, daß Fräulein Traer die Pflegetochter des Konsuls war. Er war in seiner Jugend aus seinen Wanderfahrten eine Ehe mit einer Witwe Anderson eingegangen, die diese Tochter hatte. Traer hat offenbar diese Frau geliebt, soviel bei seinem ausgesprochenen auf Gewalttätigkeit gestellten Charakter von einem weichen Gefühl die Rede sein kann. Nach ihrem frühen Tode hatte er sich des Kindes dauernd angenommen, hat es erziehen lassen und später adoptiert. Viefleicht bewog ihn zu seinem Hüteramt die Erinnerung an die Ver. storbene — vielleicht auch daS Wissen um eine große Erb- schaff, die dem Mädchen von überseeischen Verwandten nach seiner Großjährigkeit zufallen mußte.
Fräulein Traer besaß also ein eigenes Vermögen von zirka einer Million DollarS, einer Summe, die der Konlul geerbt hätte, wenn sie vor ihm starb. Diese Summe mußte ihn reizen, da Geld der Dämon seines Lebens ist Und auch
so mußte er den Tod seiner Pflegetochter herbttqeielmt haben, wenn er auch selbst — trotz seiner sonstigen ($e. wissenlosigkeit — nicht den Mut
Tat an bringen konnte.
Doch zurück zu jener Nacht:
zu einer unmittelbaren
Konsuls und entkam in in der Citn iefma^V^S
Ich floh aus dem Hause des einen S lupfwinkel, den ich mir
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aber^^^-^le eryovcmr Waffe, die ntctjt gegefr-tmui, fonbern gegen sie gerichtet war. Da schoß sie blindlings
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den Revolver ab. Zu gleicher Zeit aber Kachte der Schuß i ^"" der Tur her, der Fräulein Traer an der Stirn ver-
Ü£!ie hätte ich meine Handlung motivieren sol'en?
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Eines war mir lange Zeit ein Rätsel. Wer hatte ! ^^^ aufzuhellen, konnte ich mir
den Schuß an der Tür abgegeben? . Spielte n”cb eine ÄW das Genick brechen Ich hätte de
dritte Person in dem Drama mit? ’ ” I Ä*tÄ^ der Wärter tw« Voninia
»Wamrm eine dritte Person?" fragte nun der Kapi- denke hinter der Tür stand der Konsul . . . wer hatte anders schießen sollen?"
^berr recht und doch haben mich lange Zweifel gequält, ob nicht doch eine andere Lösung möglich sei. Denn der Konsul war mit einem Lufttevolver bewaffnet gewesen, demselben Luftrevolver, den er hier oben im Kartenzimmer gegen uns in Anwendung brächte. Ein Luftrevolver lost keine Detonation aus. Ein kurzes j^^rfes Pfeifen . . . das ist alles! Hier aber waren laut und deutlich zwei Schüsse gefallen! Doch die Lösung i
Sr ^"^» v ^g auf der Hand, und es ging mir hier, wie es einem immer mit den allzu leichten Sni96^ ‘ man .^det sie am schwersten. Der c V ein< ^‘^ '^affe bei sich. Und diese Waffe war so klug und vorausschauend gewählt, daß ich nur j M^^ a^*^ bte. fdjarfe, geistige Konzentration dieses 1 1 her«^ ^11 aufregendsten Augenblicken bewun- :
°ern muß. Es war meine eigene Waffe, die er mir ab- i ' U?"NEn hatte, als er mich beim Einbruch ertappte ho sei^ kalkuliert Wurde ich nicht zum Mörder, 1 ■ ^e er mi$ dazu ... Er schoß seine Pfleae- meiner Waffe nieder und lenkte alle Spuren
®arum Ijatfe er sich also nicht seines LuftrevolverS
bedient und so war ich zuerst fest hbe^ j
müke?^ ^ Person in dieser Nacht mitgehandelt haben
mirf?^^01™6^ Stösse fallen waren, zog der Konsul ?! A am Halse aus der Tür, und ich Narr glaubte später Kft e^ ^"te gewesen. Hinter mir ver-'
er die Tür zum Schauplatz all dies Geschehens und ließ mir Zeit zur Flucht. -seicyeyens
. Gs ist kein Zweifel, daß der Konsul seine Pflegetoch- in« tot hielt. Irgendein unbestimmtes Grauen mag ihn davon abgehalten haben, sich darüber genau zu vÄ geivissern. Ihm selbst mag der Boden unter benennen langst zu heiß geworden sein, und zumal jetzt nach den Bortouimnifsen dieser Nacht mag er alles Interesse daran gehabt haben, ebenfalls für tot zu gelten.
So bereitete er im Keller eine herrliche Szene vor, die seinen eigenen Tod darstellen sollte. *
so Äa SM* la der Bericht aus der Zeitung bekannt, so daß ich ihn übergehe..."
zu sein und an seiner Tochter einen Mordversuch'bwina n zu habew Außerdem hatte ich noch eine Kassette bei mir unh Te th t^KUl S i^er Nacht in die Hand gedrückt und die ich in der Wirrnis des Geschehens mitaeickck-r-n hatte Diese Kassette belastete mich schwer, denn je ^ voller echter Tausendmarkscheine. n nr
Alle? in allem eine verflucht peinliche Situation!
Später erst entdeckte ich, daß die Tauseudmarksch-ine ein wunderbar belastendes Material gegen den Konsul L. Wesen waren. Die Nummern dieser Scheine waren auf «"" r-ollgeilicDer. «berrUfte »ermerlt. benn “, *;“„ B-uk-L^n"" 8Wi Mtlw9f"™ «MtelKbr»« feine
Der Konsul hatte mir diese Kassette freiwillig einae- handigt, ,a geradezu als Belohnung für den versuchten Ein. bruch aufgedrängt, denn wäre ich als Einbrecher entlarvt !n^"' so hätte mich die Polizei auch sofort mit dem Bankeinbruch in Verbindung gebracht.
mnri ^I cst? ^ Einbruch erlebte ich etwas Uner. besuch von Fräulein Traer. Querst * 1 ®a~bie Spur schon bis zu mir gefolgt? Aber nein, Fräulein ^aer kam als Klientin. Sie verlangte Ä?VL^ Detektiv zu sprechen.
Lichts konnte mir erwünschter fein, als den offttiellen , Auftrag ^ur Verfolgung dieser ganz mysteriösen Ang/legeu- i deit 5» erhalten. Ich sprach zu Fräulein nichts von meinem eigenen Erleben in ener Nacht. Ich ließ sie bis heute in d-m Glauben, daß der Mann mit !dem^ Messer sL ein Komplize ihres Vaters gewesen sei.
. Fräulein .iraer hatte der Polizei nichts non ben Kämpfen, die sie mit dem Konsul gehabt hatte mitaeteikt. L/°"ntees nicht über sich gewinnen, die verbrecherische Maske jenes Mannes, der ihr Pflegevater war in lütten Darum ließ sie die Polizei in bem Ä^ ^bem An m/ch wandte sie sich um Schutz und Hilfe,
«in« / " !?^ ^ und war überzeugt, daß er seinen Ä\S£ e "!^ aufgeben würde. Ich stellte ihr klar "Or. daß nur einer von den beiden die Sonne suhlen und die Luft der Erde atmen könne: Entweder sie oder er.
(Schluß folgt.)