Weil er die Wahrheit sagte
wurde ein Straßburger Pfarrer gemaßregelt.
Slrahburg (Elsaß), 2. Januar.
Die Direktion der Elsah-lothringischen Kirche hat den Pastor Stricker für zwei Monate ohne Gehaltsentziehung von der Ausübung feines Amtes suspendiert.
Die Maßregelung erfolgte, weil Pastor Stricker in einer politischen Zeitschrift wahrheitsgemäß festgestellt hatte, Sie « nertünbere nie moralitoe Wlnng m Europa unb sei bie Urfad)« ber Helf«. bie befonbers In Beut|d>lanb herrsche. _____________
WechselimReichrbahn-Berwaltangsrat
Berlin, 1. Januar.
Don Seiten des Reichsverkehrsministers wird mitge- teilt, daß von den aus dem Verwaltungsrat der Reichsbahn ausscheidenden Oberpräsidenlen a. D. von Vatocki, Staatssekretär a. D. Bergmann, Präsident Grund, Seidel, von Miller und Siemens, Staatssekretär Bergmann ak Vertreter der Vorzugsaktien wiedergewM wurde, ernannt wurden von Siemens und Batockr. An Stelle ve übrigen ausscheidenden Herren traten Direktor Schulze uns Staatssekretär z. D. Gutbrod.
Eine Stelle ist vorläufig noch offengeblieben. Man nimmt an, daß diese für einen Beamtenvertreter in Aussicht genommen ist.
Hindenburg an die Wehrmacht
Berlin, 1. Januar.
Reichspräsident von hindenburg hat wie alljährlich zum Jahreswechsel einen Erlaß an die Wehrmo^)t gerichtet, t”em er l)m unb Stelle frine besten Wünsche entbietet. Treu der beschworenen Verfassung, gehorsam deu gesetz- mäßigen Gewalten, unbeirrt vom Kampf ber Parteien werde die Reichswehr auch im neuen Jahr den alten Jde alen deutschen Soldalentums dienen.
Kundgebung des KMiiuIerbundes
Der Vorstand des Deutschen Reichskriegerbundes „Kyff- Häuser" hat eine Neujahrskundgebung erlassen, innres heißt: Der Versailler Vertrag hat im,zwölften Jahre seines Bestehens alle Länder und Kulturvölker M ^ne unabsehbare Katastrophe hineingefuhrt. Deutschland, durch den ungerechten Machtspruch zerstückelt, in seinen Kräften gehemmt und geknebelt und durch die Note der anderen Lander ganz auf sich selbst angewiesen, macht die äußersten Anstrengungen, das Unheil des restlosen Zusammenbruches zu bannen. Unerträgliche Lasten mußten iedem.einzelnen auf- gebürdet werden, um noch einmal zu versuchen, Volk Vaterland und Reich zu retten. Das Jahr 1932 wird das ent- scheidungsvollste und vielleicht schwerste aller Notjahre des deutschen Volkes sein. , ,
Wenn die Opfer, die wir brachten, und dw noch gebracht werden müssen, um das Todeskreuz von Deutschland zu neh- ~ umsonst sein sollen, dann muh das deutsche Volk in alten k neu Gliedern Teilen uudALLichten untrennbar ____ ____ 5trtegetöOT*X -«u-r- Hebt und Land die starken . ^rgger old)en Geistes sind, auf/ mit allen Kräften in Gesinnung zu wirken.
Das deutsche Volk ba^e nicht mutlos werden und d^ ^fmntg-t)ersteren! Der Deutsche Reichskriegerbimd ^\\- Häuser", der im vergangenes Jahre feine Kräfte millionenfach gegen die Lüge der K-^^^schuld und den Betrug der Abrüstung eingesetzt hat, w^ß ;n hew kommenden Notjahr alle so vereinten Kräfte auc>^ ^^^^ für den Kampf gegen die Seelennot des deustche^ 23olfes. Unkultur und Gottentfremdung haben nie Ra'^ ,m deutschen Volke gehabt; sie sind aber in dieser Z^ unserer schwersten seelischen Belastung ein Verbre^ff. Wir kämpfen für das Deutschtum und für die Eh.^ der Nation; wir kämpfen gegen die Lüge von VexigUes'und gegen den Bolschewismus. Wir kämp-
MMit Gott für Volk und Reich!
Der Vormarsch der Japaner
Vollständige Okkupation der Mandschurei?
Peking. 2. Januar.
34 Züge mit japanischen Truppen sind aus Mukden in Richtung Kupangtse abgegangen, während fünf Zuge mit chinesischen Truppen Tschintschau verlassen Haoen. Man rechnet damit, daß die Japaner d i e g r o ß e C h i n e - sische Mauer besetzen werden, um die Rückkehr der Chinesen nach der Mandschurei zu verhindern.
Die Chinesen leisten Widerstand
Peking. General TsäM Ming Schu dementiert formell, daß die chinesischen Truppen sich ohne Widerstand aus der Mandschurei zürückziehen würden. Die Zentralregierung habe im Gegenteil Marschall TschanghsueUang W* den vordringenden Japanern energischen Widerstand en.g
genzusetzen.
Die japanische Vorhut soll schon den Taling-Fluß erreicht haben und sich in unmittelbarer Nähe von Tschintschau befinden.
Jtalienseindltche Verschwörung in USA?
Mißglückter Anschlag auf einen Konsul.
Cleveland, 2. Januar.
Die Polizei entdeckte eine Höllenmaschine in einem dem itMienilcken Konsul, G r a f G r a n d e n i g o, aus New York gesandten Paket. Die Maschine wurde in der Umgebung der Stadt zur Explosion gebracht. Es scheint, daß man einer n m f a n a r e i ch e n V e r s ch w ö r u n g gegen die italienischen Konsularbehörden in den Vereinigten Staaten auf die Spur gekommen ist.
Was erwarten die Parteien ?
Im Rahmen einer Umfrage äußern sich die Führer der Reichstagsfraktionen über die Erwartungen, die sie an das kommende Jahr knüpfen.
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Standpunktes ankommen werde
Führer der Deutschen Volkspartei, DiNgeldey, betont, baf/Ä^
nur herbeiführen lassen werde wenn sich die> deutsche qierunq auch auf die breite Front der ^°^'°^ stäken könne Es müsse deshalb schon sehr bald ale ^vc Ängfür eine «folgr* Aub-np-Mik m« Um6it»n :S der Reichsregierung erfolgen.
Der Fraktionsführer der Deutschnationalen, Dr. vver- fahren, erwartet von einer Machtergreifung ' uns)^-^* / tiven Nati nali ms der Harzburger. Frort^ die .v»S ^f 1tÄ<
hindern können strophe werde.
Der Fraktionsführer der Nationalsozialisten. Dr. Arm. betont, daß er für 1932 den Sieg der deutschen Frechnts- bewegung Adolf Hitlers erwarte.
Der Socialdemokrat Dr. Vreitscheid erklärt, daß man in der Politik nur erwarten solle, was eine gewisse Aussicht auf Realisierung habe, Er könne aber nicht vorar^- sehen, welche Aussichten im gegenwärtigen Deutschland für die Zukunft beständen.
Der Landoolkabgeordnete Dr. Gereke erhofft vom neuen Jahr weitere durchgreifende Schutzmaßnahmen für die Landwirtschaft und eine Milderung der ins Unerträgliche gestiegenen innerpolitischen Spannung.
Dr. Weber (Staatsp.) gibt der Erwartung., Ausdruck,
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6 «nvgülttge Beseitigung Daß Das neue Jahr außenpolitist im Innern die Be- aller Reparationen bringe und * ora{ auf wirtschaftlichem kämpfung der zunehmenden Ir^gr durchgeführt werde, und politischem Gebiet energis ^ht bervor, die erste
Der Wirtschaftsparteiler 1.^ deformen i«> uit Voraussetzung für alle tnn<teut[d)lanb endlich wieder oei der Völker Europas, daß ^r M gehöre.
Platz ein geräumt werden m^---- '
Übertragung non Befug* »°- BWomm.n«^ »M
L.SL»^« die obersten Landesbehörden übertragen Die Uebert^ erfolat einstweilen nur für alle wirtschaftlichen E z 9 n SS fc« äs;«« ÄÄTeÄ.w^
fgJÄ °dou ^S uub' Ä % sich b«? Säommifi« auch für biet« Baren selbst °°r-
Au-h-bung einer kammumMIcheu $unttionarfi6ung.
Lm- gebetet« Situng non Funktchuarm °A*-d°ny kommunistischer Organisationen die sich ^ RGO. geplanten Generalstreik der Ruhr-vergaroelrer> m und mit den Vorbereitungen zur Streikrerfmachungoer Zeche Robert Mueser in Werne befaßte, wurde in Bochum Werne ausgehoben. 40 Teilnehmer, Haup sachUch ortssrem Erwerbslose, wurden festgenommen Eine Menge schn^ lichen Materials, zum Teil hochverräterischen Inhalt , beschlagnahmt.
Im' österreichischen Ministerrat wurde auf Antrag des In' nenministers Winkler beschlossen, das Verbot für öffentliche Ver einsversammlunaen und allgemein zugängliche Versammlungen so- X Jr Ef Ä und Wge unter freiem hmm-l 6«
einschließlich 31. Januar 1932 zu verlängern. .
Der Bürgermeister von Stey" hat an den Bundeskanzler und d°n lÄÄ »on ObertfurreU» »«Ä in denen er erklärt, daß die vom ^^ beschneidenden Maßnahmen den vollständigen Bankrott meinde o^W^smrb im Alter von 84 Jahren Sir George Eulas Auster der ein'! hervorragende Rolle im politischen Lebenn Kana- 9 nünjpH hat 1919 war er Vertreter Kanadas auf der Verfall- °‘ fiX" und 1920 F°d--r her tonabiken Megg^.
Hon auf der ersten Völkerbundsversammlung.
Die Große Mauer.
Nach Meldungen aus Peking weichen die chinesischen Truppen den vordringenden Japanern aus und ziehen sich jetzt hinter die Große Mauer zurück. Unser Bild zeigt einen Teil der berühmten chinesischen Mauer.
Dr.med. Elisabeth Degeener
Roman von Marlise Sonneborn
Copyright by Martin Feuditwanger, Halle (Saale)
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„Sie haben Ihre Gönnerin bereits begrüßt?"
„Ich kam vor einer Stunde an. Nein! Noch nicht, Herr Doktor."
Doktor van Delden lachte vergnügt."
„Dann also: Mut in allen Dienstangelegenheiten, wie man bei euch in Deutschland zu sagen pflegt."
Es klopfte leicht, aber vernehmlich an die Tür, die von dem Sprechzimmer aus zu ven Privaträumen des Chefarztes führte. Zugleich wurde die Tür geöffnet, und auf der Stelle stand — in dem weißen Spitzenkleidchen, das ihr Deldens Liebe und sein Schönheitssinn gewährten, mit dem verräterischen Rot ihrer Krankheit auf den zarten Wangen» die kurzen, dunklen Locken aus der alabaster- weißen Stirn gestrichen, mit den großen, heischenden, ausdrucksvollen Augen, die das ganze Gesicht beherrschten — Gisela.
„Onkel Hannes, hast du Zeit? Der neue Assistenzarzt."
„Ich komme sofort! Was übrigens ist denn los, daß du Meldungen machst?"
„Ich sah ihn gerade und dachte..."
„Gehorche, Fräulein, und denke gefälligst nicht!" fuhr van Delden seinen Liebling vielleicht gerade deshalb unwirsch an, weil seine Anmut ihn wieder einmal hinriß.
Gisela lächelte mit vollendetem Liebreiz und überlegener Schelmerei.
Sie war klug genug, um den guten Onkel, wenn nicht zu durchschauen, so doch zu ahnen.
Ihre Blicke hingen unverwandt an dem Patienten, der schon an der Tür stand und nur noch darauf wartete, den letzten Höflichkeitsgruß anzubringen.
„Also geh!, geh!" befahl Doktor van Delden eifersüchtig. „Auf Wiedersehen, Herr Ley!"
„Ihr Töchterchen?" fragte Werner wie unter einem Zwang. Nie hatte er Schöneres gesehen als dies liebliche Kind.
„Ich bin Junggeselle! — Scher' dich in drei Teufels Namen, Gisela!"
Ley verneigte sich. Unwillkürlich warf er noch einen freundlich grüßenden und abschiednehmenden Blick auf das Kind. Die Tür schloß sich hinter ihm.
„Wer ist das?" fragte Gisela, näherkommend.
„Was geht es dich an?"
„Er ist sehr schön!"
„Ach! Sieh mal einer an! Findest du? Hast du auch schon Augen für so etwas, kleine Krabbe?"
„Aber Onkel! Du selber hast mich doch gelehrt zu schauen!"
Gisela sagte es in so vollendeter Unschuld, daß Doktor van Delden sich etwas beschämt fühlte.
Wir Alten sind eben zu jeder Harmlosigkeit verdorben. Jugend ist sachlicher!, fuhr es ihm durch den Sinn.
„Du hast ja recht; aber du sollst nicht in mein Sprechzimmer kommen, Gisela, wenn ich Konsultationen erledige."
„Ich wußte es wirklich nicht. Die Sprechstundenzeit ist längst vorüber. — Wer war es denn?"
„Ein neuer Patient!" erwiderte trafen der Arzt.
Gisela lachte laut auf.
„Ach, Onkel Hannes, ich meine doch, wie er heißt?"
„Werner Ley."
„Und das ist gewiß ein reicher und vornehmer Herr."
„Reich? Nein! — Vornehm? Das muß sich erst erweisen."
Doktor van Delden hatte seine Papiere zusammengepackt.
Einträchtig gingen die beiden aus dem Aerztehause heraus, über den Hof, zu dem Empfangszimmer, in dem der neue Assistenzarzt wartete.
„Und wie geh: es Dir, Gisela?"
„Mama Elisabeth sagt, die Temperatur sei normal. Ich — du weißt es ja — fühle mich niemals krank."
„Nun geh!, mein Liebling."
„Ach, laß mich mitgehen. Ich bin so neugierig auf den neuen Arzt."
Doktor van Delden ließ sie gewähren.
Im Empfangszimmer harrte seiner ein Mann, vor besten imposanter Größe van Delden zuerst fast ein bißchen erschrak. Auf dem sehr hohen und starken Körper saß ein nicht unschöner Kopf, die etwas groben Gesichtszüge verrieten Energie und Ausdauer, zwei Eigenschaften, die van Delden schätzt,;, ohne üe allzu häufig zu finden.
„Doktor Alander^ stellte der „Nerts" sich vor, sich leicht und etwas täppisch verneigenl
„Willkommen in den Deldenschen Anstalten!"
Man schüttelte sich die Hände. Gisela knixte graziös vor dom fremden Herrn.
„Sie wissen, daß Sie vor allem zur Unterstützung des leitenden Arztes der Kinderabteilung engagiert sind?", fuhr Doktor van Delden fort, während sich die beiden Herren einander gegenübersetzten, und das kleine Mädchen mit großen, beobachtenden Augen sich an der Lehne des Deldenschen Sitzes leicht räkelte. „Wir sind stark belegt — über hundert Patienten zur Zeit. Der vorige Assistent war körperlich seiner Aufgabe nicht gewachsen: er war kriegsbeschädigt. Ich habe ihn vor der Zeit freigeben müssen. Es ist doppelt schade, denn er war sehr tüchtig. An sich genügen aber zwei Aerzte für die Kinder. Ich wirke selber dort nach Möglichkeit mit. Und Doktor De- geener ist eine ganz außerordentliche Arbeitskraft."
„Ein älterer Herr?" . 1
„Eine jüngere Dame."
Doktor Alander errötete bis unter die Wurzeln seines fast weißblonden Haares.
„Sie schrieben, daß ich unter einem eingearbeiteten Arzt stehen würde. Sie werden mir nicht zumuten, daß ich als Mann einer Dame — einer Frau ..."
lFortsetzUM folgt.)