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Hersfel-erTageblatt

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Amtlicher Mzeiger für -en Kreis Hersfelö

Nr. 305 (Erstes Mit) Donnerstag, den 31. Dezember 1931 81. Jahrgang

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1.00 Rttchs-Mark. druck und Verlag von Lvö Sons« Vuchöruckerel in ^eteftto, MtglleS ö« Vdj

Keine guten Aussichten

Frankreichs These scheint sich durchzusetzen Die Tribntkonserenz wird voraussichtlich keine EndiSsung bringen

Die Wirtschaft des Jahres 1931

Die wirtschaftliche Entwicklung des Jahres 1931 stellt eine besonders deutliche Illustration der altbekannten Tat- X sache dar, daß es in erster Linie die politischen Hemmun- ^ ^ un? Störungen sind, die die deutsche Wirtschaft und die "^Weltwirtschaft nicht zur Ruhe kommen lassen. Während der drei ersten Monate des Jahres 1931 waren auf den­jenigen Märkten, die am ehesten den Wiederanstieg der Konjunktur widerspiegeln, Anzeichen für einen Umschwung in solchem Maße vorhanden, daß sich das Konjunkturinstitut Anfang April sogar schon zu der Prophezeiung einer Be­endigung der Krise verstieg. In der Tat konnte man ins­besondere aus dem Stillstand des Preissturzes der Rohstoffe und aus anderen ähnlichen Er'Meinungen schließen, daß der Tiefstand erreicht und teilnX sogar überwunden war Aber bereits im April trat inföltze^ der Spannung in den deutsch-französischen Beziehungen, die durch das Projekt der deutsch-österreichischen Zollunion hervorge­rufen war, eine allgemeine Vertrauenskrise ein, die sich noch verschärfte, als bald darauf die Oesterreichische Ereditanstalt in Schwierigkeiten geriet. Die ungünstige Auswirkung die­ser Ereignisse wurde noch durch deutsche innerpolitische Schwierigkeiten verstärkt.

Die ständige Verschlechterung der Geschäfts­lage führte zu immer größeren Ausfällen an Steuereinnah­men, und gleichzeitig stiegen im Zusammenhang mit der zunehmenden Erwerbslosenziffer die Unterstützungs- und Wohlfahrtsausgaben der öffentlichen Kassen. Hieraus muß­ten sich ständig wachsende Fehlbeträge im öffentlichen Haus­halt ergeben. Der Wiederherstellung des Gleichgewichtes dienten die in der Notverordnung vorn 6. Juni 1931 vorge­sehenen Gehaltskürzungen, die Krisensteuer und die Einfüh­rung neuer Verbrauchssteuern. Die leise Belebung, die den ersten

hatte erkennen lassen, wich erneuter tiefer Depression. Auch den ausländischen Gläubigern ward der Ernst der deutschen Lage immer klarer, und so war es kein Wunder, daß das Ausland in immer höherem Maße die kurzfristigen Kredite abrief, die es der deutschen Wirtschaft gegeben hatte. Die in der zweiten Maihälfte einsetzenden Geldabzüge des Auslandes wuchsen im Juli lawinenartig an, so daß die Reichsbank von Tag zu Tag größere Gold- und Devisen­verluste erlitt, die sich selbst nach einer für die Wirtschaft verhängnisvollen Diskonterhöhung der Reichsbank fortsetz- ten. Nicht einmal der von dem amerikanischen Präsidenten proklamierte einjährige Zahlungsaufschub für die deutschen Tribute und die Alliiertenschulden vermochte, die Kata­strophe zu verhindern, die am 13. Juli mit der Schließung der Danatbank eintrat. Als im Verlauf dieses kritischen Tages die Abhebungen auch bei anderen Banken einen be­drohlichen Umfang annahmen, wurden durch Notverord­nungen Bankfeiertage mit einem Teilmoratorium für Wech­sel und Schecks erklärt und die Banken geschlossen. Erst allmählich gelang es, eine gewisse Ordnung in dieses, in erster Linie durch politische Machinationen herbeigeführte Chaos hineinzubringen. Aber die Hereinbringung neuer Kre­dite für Deutschland erwies sich doch als unmöglich, und nicht einmal die Belastung der noch nicht abgerufenen Kredite konnte sichergestellt werden.

Nur wenige Wochen ngch der notbürftigen Ueberwin­dung der deutschen Kreditkrise entstand auchinEngland ein Unruheherd weltwirtschaftlicher Art. Die deutschen Vor­gänge wiederholten sich, wenn auch in verkleinertem Maß­stab, in England, auf das gleichfalls der Ansturm der aus­ländischen Gläubiger in einem Maße einsetzte, daß sich die Bank von England am 20. September zu dem folgenschwe­ren Schritt, die Golddeckung aufzuheben, ent­schließen mußte. Auf dem gesamten europäischen Kontinent wirkten sich diese Störungen in der verhängnisvollsten Weise aus, und die meisten europäischen Staaten mußten zu einer, für die Weltwirtschaft überaus schädlichen Zwangsbewirt­schaftung der Devisen übergehen. Heute, bei Abschluß des Jahres 1931, erscheint die Tributfrage, die nach den verschiedenen internationalen Sachverständigengutachten ausschlaggebende Bedeutung für die Weltwirtschaftskrise / besitzt, hoffnungslos verfahren, und kaum jemals sind die Aussichten für die weitere wirtschaftliche Entwicklung der Welt und Deutschlands im besonderen so wenig günstig gewesen, wie eben jetzt.

Für den ungeheuren Tiefstand, auf welchem sich die wirt­schaftliche Entwicklung während des Jahres 1931 bewegte, bieten die erschütternden Verhältnisse auf dem Arbeits- markt, auf dem die fünfte Million Erwerbsloser er­reicht wurde, einen besonders deutlichen Beweis. Dement­sprechend haben sich die Erzeugungsziffern sämtlicher deut­schen Produktionszweige während des Jahres 1931 ununter­brochen vermindert. Der heutige Umfang der Erzeugung entspricht etwa dem Stande in den Jahren 1922 bis 1924 Der Rückgang ist vorwiegend bestimmt durch das Absinken in den Prodüktionsgüterindustrien, vor allem im Bergbau und in der Großeisenindustrie. Auch in der Baustoffindu­strie ist ein erneutes starkes Absinken festzustellen. Der Tief­st d der wirtschaftlichen Entwicklung erklärt sich zum er- X.üfjen Teil daraus, daß die Auftriebstendenzen, welche üe Wirtschaft in jedem Jahre normalerweise vom Bau- Mrkt her erhält, fast vollständig fortfielen. Mit Recht

weisen die Jahresberichte der großen wirtschaftlichen Ver­bände, insbesondere der der Industrie- und Handelskam­mer in Berlin, darauf hin, daß außer den bereits erwähn­ten außenpolitischen Faktoren auch unsere fehlerhafte Wirt­schaftspolitik die gegenwärtige Katastrophe herbeige­führt hat. Die starke staatliche Fesselung und Bevormun­dung der Wirtschaft hat zu einer verhängnisvollen Erstar­rung unserer Produktionskosten geführt, und das ganze Be­streben der Reichsregierung geht bekanntlich dahin, diese schädliche Erstarrung der Selbstkosten aufzülockern. Der wahrhaft tragische Widerspruch, in dem sich die Regierung bei diesen an sich durchaus billigenswerten Bestrebungen be­findet, liegt darin, daß sie mit staatlichen Zwangsmaßnah­men arbeitet und die Auflockerung, die nur aus dem freien Spiele der natürlichen Wirtschaftskräfte geboren werden kann, durch Diktate und Zwangseingriffe zu erreichen sucht

Freilich kein deutsches Wirtschaftssystem allein wird uns helfen können,solange nicht der Wahnsinn der Tribute aufhört untr bie Grundlagen des wirtschaftlichen Weltverkehrs, wie er vor dem Kriege bestand, wiederherge- stellt werden. Aber eine solch>^friedliche Entwicklung ist undenkbar, solange Frankreich meiühsmit dem Säbel raffelt und auf seinem Aoung-Plan besteht. XX

Der Reichstag im neuen IM

Der Reichstag wird nach den bisherigen Dispositionen im neuen Jahr erstmals am 23. Februar zusammentreten Eine frühere Einberufung ist nach wie vor unwahrschein­lich. Der Aeltestenrat tritt zwar am 11. oder 12. Januar nochmals zusammen, um zu den bis dahin zu erwartenden neuen Anträgen auf vorzeitige Reichstagseinberufung Stel­lung zu nehmen. Einige Paketen, namentlich auch die So- zialoemokraten, hatten in der letzten Aeltestenratssitzung 7^pp SN^ZNlsr^^ f^n Hrhaiht««rt titF V-13 ^ÄMUAr nAV'fißt* '*1'1 am um zunächst einmal die weitere Emwieriunff mrd den Ver­lauf der Preissenkungsaktion abzuwarten. Wie berichtet wird, sieht die sozialdemokxatische Reichstagsfraktion vor­läufig keinen Anlaß, ihre bisherige Stellungnahme zur Frage der Reichstagseinberufung zu ändern. Sie wird da­her schon im Hiirbkkck auf die schwierigen außenpolitischen Verhandlungen, die die Regierung in den kommenden Wo­chen voll in Anspruch nehmen, auch diesmal eine vorzeitige Einberufung des Reichstages ablehnen.

Dagegen werden auch die nächsten Wochen wieder mit Ausschußarbeiten im Reichstag ausgefüllt sein. Am 12 Januar tritt der Strafrechtsausschuß des Reichstages zu einer mehrwöchigen Tagung zusammen, um endlich das große Werk der Strafrechtsreform zum Abschluß zu brin­gen. Da durch die Wiederbeteiligung der Deutschnationa- len an den Ausschußarbeiten des Reichstags die Schwierig­keiten beseitigt sind, die im Strafrechtsausschuß durch, die besonderen Mehrheitsverhältnisse entstanden waren, dürfte nunmehr einer reibungslosen Beendigung der Ausschußbe­ratungen nichts mehr im Wege stehen. Auch der Haus- Haltsausschuß, der Volkswirtschaftliche Ausschuß, der Woh­nungsausschuß und andere Reichstagsausschüsse haben für die nächsten Wochen neue Tagungen anberaumt.

Die im Februar beginnende Plenartagung des Reichs­tags wird sich diesmal nicht auf wenige Tage beschränken oder mindestens in den folgenden Wochen und Monaten ihre Fortsetzung finden. Der Beratungsstoff für die Früh jahrstagung des Reichstages ist außerordentlich umfangreich. Nach einer politischen Aussprache, die die Reichstagsbera­tungen voraussichtlich einleiten wird, stehen zahlreiche grö­ßere Gesetzgebungswerke zur Beratung.

Bevorstehende Bierpreislenlung

Im Rahmen der Preissenkungsvorschriften der letzten Notverordnung sollte auch der Bierpreis ab 1. Januar ge­senkt werden. Zu diesem Zweck sind Verhandlungen mit den beteiligten Verbänden ausgenommen worden.. Da es aus technischen Gründen nicht möglich ist, die Verhandlungen bis zum 1. Januar zu Ende zu führen, ist die Frist der Senkung des Bierpreises über den 1. Januar hinaus ver­längert worden. Die Verhandlungen werden voraussichtlich bald nach Neujahr zum Abschluß kommen.

Es ist bestimmt mit einer Senkung der Biervreise zu rechnen, die sich auch im Ausschank auswirken soll.

Wegen Hochverrats verhaftet

Gleiwitz, 31. Dezember.

Die Polizeipressestelle Gleiwitz teilt mit:In den letz­ten Tagen wurden in Beuchen, Rokittnitz und Hindenburg zwölf Personen wegen dringenden Verdachts hochverräteri­scher Bestrebungen von der Polizei festgenommen. Die vor­angegangenen Durchsuchungen haben eine Menge Material zutage gefördert, aus dem klar heroorgeht, daß sämtliche Personen dem verbotenen Rot-Frontkämpfer-Bund ange­hörten und sich für ihn betätigten. Aus den beschlagnahmten Schriftstücken ist auch ersichtlich, daß eine genaue Gliederung des verbotenen Rot-Frontkämpser-Bundes für Oberschlesien bestanden fyt , ..,.

Die Reichspost senkt

aber erst Mitte Januar.

Berlin, 31. Dezember.

Der Berwaltungsrat der Deutschen Reichspost beschloß, eine Reihe wichtiger Postgebühren Herabzusehen, und zwar werden gesenkt:

Die Gebühren für 5 e r n b r i e f e bis zu 20 Gramm von 15 auf 12 Rpf., für Fernbriefe von 20 bis 250 Gramm von 30 auf 25 Rpf., die Gebühren für Briefe über 250 ^amm bleiben unverändert. Die Aernpostkarte kostet künftig statt 8 nur 6 Rpf., die Postkarte mit Antwort statt 16 nur 12 Rpf.

Bei den Paketen werden in Zukunft vom Absender lediglich die Beförderungsgebühren, und nur im Falle ^Zustellung vom Empfänger die Zustellgebühr von 15 Rpf. für jedes Paket erhoben. Die Beförderungsgebüh­ren betragen künftig bis zu fünf Kilogramm in der ersten Zone 30 Rpf., in der zweiten Zone 40 Rpf. und in der dritten bis fünften Zone 60 Rpf. Ueber fünf Kilogramm bis zehn Kilogramm werden die Gebühren in der ersten Zone für jedes Kilogramm mit 5 Rpf., in der zweiten mit 10, in der dritten mit 20, in der vierten mit 30 und in der fünften Zone mit 40 Rpf. gestaffelt. Bei Paketen über zehn. Kilogramm beträgt diese Staffelung in der ersten Zone 10 Rpf., in der zweiten 15, in der dritten 20, in der vierten 25, und in der fünften Zone 30 Rpf. Außerdem wird der Freimachungszwang für Pakete aufgehoben.

Eine schematische Verteilung der zur Verfügung stehen­den 125 Millionen RM. auf alle Post- und Fernmelde'gebüh- ren verbot sich, weil dann bei allen Tarifpositionen nur eine Sanz geringfügige und praktisch unwirksame Senkung hätte

^oyea Ler^costeu im j e c n m e i o t tv ep n ge­statten eine den Erwartungen der Öffentlichkeit entspre­chende Gebührensenkung nicht.

Der Verwaltungsrat hat sich deHalb entschlossen, die Senkung auf besonders wichtige Postgebühren zu beschränken. Die Senkungen werden mit der größten Beschleunigung durchgeführt, jedoch erfordert die Herstellung neuer Post­wertzeichen zu sechs und zwölf Rpf. und die technische Durch­führung der neuen Regelung des Paketverkehrs einen gewis­sen Zeitraum, so daß die neuen Gebühren voraussichtlich wohl erst Mitte Januar in Kraft treten werden. Die entsprechen­den Vorbereitungsmaßnahmen sind vom Reichspostministe- rium bereits in Angriff genommen worden.

Preisüberwachung durch Landesbehörden

Berlin. Der Reichskommiffar für Preisüberwachung hat für diejenigen Gegenstände und Leistungen zur Befriedi­gung des täglichen Bedarfs, deren Preisgestaltung zentral kaum beeinflußt werden kann, die ihm zustehenden Befugnisse auf die obersten Landesbehörden übertragen. Die Uebertra- gung erfolgt einstweilen nur für alle landwirtschaftlichen Er­zeugnisse, die im kleinen Marktverkehr feilgehalten werden, wie Kartoffeln, Gemüse, Obst, Eier; ausgenommen Milch, Butter und Schmalz; Geflügel aller Art; Fisch mit Ausnahme der Seefische; Leistungen des Sattler- und Tischlerhandwerks; alle Markenartikel, soweit die Reichsregierung ihr« Befug­nisse aus der Notverordnung den obersten Landesbehörden übertragen hat oder übertragen wird.

Die Befugnisse über die Schließung von Betrieben und Geschäftsräumen hat sich der Reichskommissar auch für diese Waren selbst vorbehalten.

Preisschutz für Schokolade aufgehoben

Berlin. Bei den Verhandlungen Dr. Goerdelers mit dem Verband deutscher Schokoladenfabrikanien über eine Preisenkung wurde am Mittwoch erklärt, daß die Schokola­denindustrie keine Preissenkung durchführen kann, da bereits im Frühjahr eine Verbilligung erfolgt sei.

Mit diesem Entschluß fällt ab 1. Januar 1932 der Preis­schuh für die Markenartikel in der Schokoladenbranche fort. Die Preisbindung hört auf und Industrie wie Handel treten für diese Waren in freien Wettbewerb. Die Preisentwicklung wird vom Reichskommiffar beobachtet werden.

Kammerwahlen im April?

Paris. Man erwartet, daß der erste Wahlgang der Kammerneuwahlen auf den 17. April und der zweite Wahl­gang auf den 22. April festgesetzt wird.

20 Opfer der Ostsee?

Reval. Ueber das Schicksal des estnrschen Dampfers ßiro", der am 11. Dezember von Hull mit Kohlen auslief und seitdem vermißt wird, hegt man erste Befürchtungen. Man nimmt an, daß der Dampfer, auf dem sich außer der 17köpfigen Mannschaft drei Passagiere befanden, während eines heftigen Sturmes in der Ostsee untergegangen ist.