Hersfel-erTageblatt
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Hersfelder Kreisblatt
Amtlicher /lnzeiger für den kreis Hersfelö
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Nr. 301
(erstes Statt)
Donnerstag, den 24. Dezember 1931
81. Jahrgang
Fortschritte der Preissenkung
Bereinbarungen der PreirKommiisarr mit dem Bäcker- und Fleilchergewerbe — Serbintgung der Paket- und Fernsprechverkehrs
Der Preisabbau
Einigung über Senkung der Broipreiles
Beim Reichskommissar für die Preisüberwachung haben Verhandlungen mit der „Germania", dem Zentralverband Deutscher Bäckerinnungen über die Frage der Brotpreisgestaltung stattgefunden. Es wurde eine Einigung über die Brotpreissenkung u. a. auf folgender Grundlage erzielt:
Die Bäckerspanne (Unterschied zwischen Mehlpreis und Brotpreis) wird einheitlich für das ganze Reich um 10 v. H. gesenkt. Für die Bäckerspanne wird allgemein ein Höchstsatz von 14 Pf. je Kilogramm Brot festgesetzt. Orte mit einer unter diesem Höchstsatz liegenden Bäckerspanne müssen die niedrigere Spanne beibehalten. Falls infolge besonders gelagerter Verhältnisse eine Ueberschreilung des Spann- Höchstsatzes sich als notwendig bzw. gerechtfertigt erweisen sollte, bedarf es des Nachweises dieser Notwendigkeit und der Genehmigung des Preiskommissars.
Für Berlin wird sich z. B. der Preis für das Bäckerbrot von 50 Pf. auf 45 Pf. ermäßigen.
Auch mit den Drotfabrikanten hat der Preiskommissar verhandelt. Ueber diese Besprechungen verlautet, daß die Brotfabrikanten bisher nur eine Ermäßigung ihrer je Kilobrot 19,5 pf. betragenden Spanne auf 18 Pf. zugestanden haben.
Eine weitere Senkung der Bruttospanne stellten die Fabriken in Aussicht, wenn eine gewisse Lockerung des Nachtbackverbotes und Aufhebung des Ausfahrverbotes vor 7 Uhr erreicht werden sollte.
idung über
Der Reichskommissar wird vor einer Entscheidung üb„ das Nachtbackverbot sich mit dem „Germania-Verband" ins benehmen setzen. Er wird sich fe'-n-'^ßnit der Frage be- PisHen, ob und in welcher Weise bnriyträfen« und Großhandelsspanne gesenkt und befestigt werden kann.
hoooer-Moratorium ratifiziert
Washington, 24. Dezember.
Der Senat hat das Hoover-Moratorium mit 69 gegen Stimmen ratifiziert. Die vom Repräsentantenhaus beschlossene Zusatzerklärung, die sich gegen künftige Revision ooer Annullierung der Kriegsschulden wendet, wurde vom Senat ohne jede Erörterung gebilligt. Die Moratoriumsvorlage hat damit Gesetzeskraft erhallen.
Im Verlauf der Sitzung wurde ein Ergänzungsantrag, in dem die Revision des Versailler Vertrages als Vorbedingung des Schuldenfeierjahres gefordert wurde, vom Senat abgelehnt.
Gegen das Versailler Diktat
Die Annahme des Moratoriums durch den Senat er= folgte nach elfstündiger Debatte. Fast alle progressistischen Lenatoren stimmten dagegen, und sie waren fast die einzigen, die vor mehr oder weniger leeren Bänken die angegebene Zeit hindurch sprachen. Ihre Angriffe richteten sich nicht gegen Deutschland oder gegen die dem Moratorium zugrundeliegende seinerzeitige Abwehr einer deutschen Finanzkatastrophe, sondern gegen Frankreich, das unverdient von dem Moratorium profitiere, und gegen Hoover, der verfassungswidrig über die Finanzen der Union im Interesse des Auslandes verfüge, sich aber geweigert habe, die gleiche Hilfe den bedrängten eigenen Landsleuten durch Einberufung einer außerordentlichen Session des Kongresses zu verschaffen. Sie beantragten daher verschiedene Zusätze, die jedoch alle abgelehnt wurden.
Ein Antrag wollte in die vom Repräsentantenhaus und
vom Ausschuß hinzugefügte Verwahrung gegen eine Festlegung auf Verminderung oder Streichung der alliierten Schulden eine Erklärung gegen weitere Moratorien einfü- gen, ein anderer Antrag wollte das Moratorium erst in Kraft treten lassen, wenn die Alliierten Deutschland die Mandats- rolonien zurückgegeben hätten, ein weiterer Antrag verlangte die Abrüstung Europas und einer ein gleiches Moratorium für die notleidenden amerikanischen Farmer, denen eine Zwangsversteigerung ihrer mit Vundesgeld beliehenen Farmen drohe. Schließlich beantragte Senator Shipstead die Einfügung einer Erklärung, daß Amerika die Behauptung des Versailler Vertrages über Deutschlands Alleiaschuld feierlichst als falsch verwerfe.
Auch dieser Antrag mußt« abgelehnt werden, ohne daß diese Abstimmung eine sachliche Stellungnahme des Senats bedeutet; denn jede Aenderung des Textes hätte zur Folge gehabt, daß die Vorlage an das Unterhaus hätte zurückgehen müssen, und weitere kostbare Zeit wäre mit der Debatte hierüber verloren worden. Zudem waren die Senatoren von den langen Ausschuß- und Plenarsitzungen erschöpft und wollten zum Weihnachtsfest nach Hause reifen.
U S A. und Salvador
Washington, 24. Dezember.
Die Regierung der Vereinigten Staaten hat General Martinez in El Salvador verständigt, daß sie gemäß dem im Jahre 1923 zwischen den fünf Mittelamerikanischen Republiken abgeschlossenen Vertrag ihn nicht als den Chef der neuen Regierung von Salvador anerkennen könn«, weil
M a r t i n e z in
ins
Billigere Fleilchpreile
Der Reichskommissar für Preisüberwachung hat die Verhandlungen mit dem Deutschen Fleischer-Verband über die Preisbildung im Fleischergewerbe nunmehr zu Ende
geführt.
Der Deutsche einen Mitgliedern
Fleischer-Verband hat sich bereit erklärt, die Einhaltung bestimmter Brutto-preis- chlen. Diese Brutto-Preisspannen stellen
pannen zu empfehlen. Diese Brutto-Preisspannen stellen ren Unterschied dar zwischen dem Einkaufspreis für das ge- chlachtete Tier einerseits und dem durchschnittlichen Verkaufspreis für ein Pfund andererseits. Mit Rücksicht auf die allgemeine Tendenz zur Preissenkung sind in den Verhandlungen mit dem Reichskommissar die Verdienstspannen auf eine reduzierte Höhe festgesetzt worden, und zwar sollen
sie befragen:
bei Schweinefleisch 15 Rpf.
bei Rindfleisch 20 Rpf.
bei Salb- und Hammelfleisch 25 Rpf. je Pfund.
Oertlich niedrigere Brutto-Verdienstspannen für das Pfund Fleisch dürfen nicht erhöht werden.
Was die Festsetzung der Spannen in der angegebenen Höhe beispielsweise für Berlin bedeutet, wird daran erkennbar, daß der Spannendurchschnitt der vergangenen 12 Monate betragen hat:
bei bei bei bei
Schweinefleisch Rindfleisch Kalbfleisch Hammelfleisch je Pfund.
16,5 Rpf.
24,0 Rpf.
29,0 Rpf.
28,4 Rpf.
Andere vom Reichskommissar befragte Städte verschiedener Größe und Landesteile haben sich zu den vorgeschlagenen Spannen zustimmend geäußert. Die Erhöhung der Umsatzsteuer wird bei dieser Regelung zu Lasten des Gewerbes genommen.
Der Reichskommissar hat sich angesichts dieser Verständigung bereit erklärt, zur Zeit von einer amtlichen Festsetzung der Preisspannen abzusehen. Die dem Reichskommissar zustehenden gesetzlichen Befugnisse, deren Geltung- machung er sich je nach Entwicklung der Lage vorbehält, werden durch diese Empfehlung nicht berührt.
Die Vertreter des Deutschen Fleischer-Verbandes haben Herrn Reichßkommissar Dr. Goerdeler zugesagt, daß sie den Verbandsmitgliedern empfehlen würden, die gegebenen Richtlinien bei ihrer Preiskalkulation auf das genaueste zu beachten.
Sentung der Postgebühren
Das Reichskabinelt stimmte der Senkung von Postgebühren mit Wirkung vom 1. Januar 1932 zu. Die Senkung soll sich, um bei der Höhe des zur Verfügung stehenden Betrages von 120 Millionen Mark wirksam zu sein, auf zwei wichtige Verkehrszweige, den Paket- und den Fernsprechverkehr, erstrecken.
Bereits am 28. Dezember wird der Arbeitsausschuß bes Reichspostverwaltungsrates und am 29. das Plenum des Verwaltungsrates zusammentreten, um die endgültige Entscheidung zu treffen, insbesondere um die Einzelheiten der Gebührensenkung festzusetzen.
l
er im vorangegangenen Kabinett als Kriegsminister den Umsturz in El Salvador herbeigeführt habe.
Das Baseler Ergebnis
Deutschland kann nicht zahlen!
Schulden und Reparationen müssen schnellstens herabgesetzt werden.
Basel, 24. Dezember.
Der Beratende Sonderausschuß hat seine Beratungen
gestern durch Unterzeichnung eines Berichtes beendet, der den Regierungen und der BJZ. übermittelt werden wird. Iten die Er-
Vier Kapitel und verschiedene Anlagen encha^ gebniss« der Arbeiten der U n t e r a u s s ch ü s s e für die Auslandsverschuldung und die Auslandsguthaben Deutschlands, für den Reichshaushalt und die Reichsbahn.
Der Ausschuß stellt in Kapitel IV in seinen Schlußfolgerungen zunächst einmal fest, daß Deutschland den auf- schiebbaren Teil der Annuitäten nach Ablauf des Hoover- Jahres nicht zu transferieren vermag. Er weist indessen auf die beispiellose Schwere der Krise hin, deren Ausmaß unzweifelhaft die verhältnismäßig kurze Depression übersteigt, die der „Reue Plan" ins Auge faßt.
Die Schrumpfung des Welthandels und das außerordentliche Fallen des Goldpreises haben die tatsächlichen Lasten der deutschen Annuitäten wie a l l e i n G o l d f e st - gesetztenZahlungen um 40 Prozenterhöbt.
Das deutsche p r o b l e m, das in wÄtem Maße die Ursache für die steigende finanzielle Lähmung der Welt ist, erheischt daher ein gemeinsames Handeln, das nur von den Regierungen ausgehen kann. Wenn nichts geschieht, werden die eingetretenen Schwierigkeiten Vorboten weiterer Katastrophen sein. Bei diesem verwickelten Problem müssen von den Regierungen die Tatsachen berücksichtigt werden, die der wirklichen Lage entsprechend nur nach wirtschaftlichen Gesetzen behandelt werden können.
Der einzige Schritt von Dauer, der das Vertrauen wieder herstellen kann, ist die Anpassung aller zwischenstaatlichen Schulden (Reparationen und andere Kriegsschulden) an die gegenwärtig zerrüttete Lage der Welt.
Endlich sind Schritte notwendig, um den energischen Maßnahmen, mit denen die deutsche Regierung die Stabilität ihrer Währung verteidigt, dauernde Wirkung zu sichern.
Der Ausschuß richtet an die Regierungen den Appell, ohne Verzug zu Entscheidungen zu kommen und neue Hoffnung auf eine Besserung der schweren Krise zu erwecken, die gleichermaßen auf allen lastet.
Das erste Kapitel gibt einen
Überblick über die gegenwärtige Lage
Der Bericht hebt die besonder« Empfindlichkeit der deutschen Wirtschaft gegenüber der Kreditkrise hervor. Er weist auf die hohe kurzfristige Verschuldung hin. Die Ausfuhrüberschüsse der letzten Zeit hätten ein gewisses Gegengewicht gegen die jüngsten Kreditabzüge geschaffen. Es erscheine aber zweifelhaft, ob die wirtschaftlichen Bedingungen Ausfuhrüberschüsse in der bisherigen Höhe gestatteten. Jedenfalls seien die Ausfuhrüberschüsse nicht sofort realisierbar, um damit kurzfristige Schulden sofort zu- «•WS...........................................
Eine Schätzung der deutschen Zahlungsbilanz für das Jahr 1931 zeige den hohen Anteil der von dem.Aus«
suhruberschutz für Zinsen- uns Lttgungsoien-st der Auslandsschulden und der Reparationszahlungen vor dem Hoover-Plan verwendet werden mußte. Deutschland habe eine überlegte Preis - und Lohnsenkungspolitik
folgt, um seine wirtschaftliche Lage gegenüber dem Auslande soweit wie möglich zu schützen.' Preise und Löhne seien durch die letzte Notverordnung weiter gesenkt. Der Produk- tionsindex stehe bei 100 Prozent 1928 im September d. J.
ver
auf 66 Prozent.
Ein Drittel des wirtschaftlichen Lebens Deutschlands habe aufgehört.
Die Arbeitslosigkeit sei weiter gestiegen. Die Lage der Landwirtschaft sei durch diese Entwicklung ebenfalls betroffen. Die Steuerlast sei nach Auffassung des Ausschusses so hoch gestiegen, daß für eine weitere Erhöhung k e i n R a u m mehr sei.
Die Wirtschaftsschrumpfung zeige sich auch in den Einnahmerückgängen der Reichsbahn. Die Reichsbahn sei im Grunde ein gesundes Unternehmen und werde bei Beobachtung kaufmännischer Grundsätze künftig einen Betriebs- Überschuß erarbeiten können, vorausgesetzt, daß Deutschland und die Welt das Gleichgewicht wiedergewonnen haben und normale wirtschaftliche Verhältnisse eintreten.
Die größten Schwierigkeiten bei der Abfassung des Berichtes hat bekanntlich das zweite Kapitel verursacht, das die Umstände und Verhältnisse, die zu der gegenwärtigen
Lage geführt hatten, schildert. Der Rückgang in der Konsumkraft breiter Massen habe eine Verminderung oder sogar ein vollständiges Verschwinden der Rentabilität, schwere Arbeitslosigkeit und einen Niederbruch in den Börsenwerten herbeigeführt. Die Erhöhung der Zollmauern mehre die Schwierigkeiten in den Beziehungen zwischen Gläubiger- und Schuldnerländern. Deutschland hätte einen starken Kapitalbedarf gehabt, um die durch den Krieg, seine Nachwirkungen und die Inflation geschaffenen Lücken auszufüllen.
Insgesamt habe Deutschland von 1924 bis 1929 rund 33 Milliarden Kapital investiert.
Diese Summen stammten zum Teil aus Eigenkapital, zum Teil aus Auslandskapital. Der hohe Anteil des kurzfristigen Auslandskapitals habe Deutschland besonders verwundbar gemacht. Stark gestiegen waren ferner die öffentlichen Schulden, die 1931 insgesamt 24 Milliarden betrugen. Die steigende Ausgabentendenz sei oft revidiert worden, ebenso wie
das System des Finanzausgleiches zwischen Reich, Ländern und Gemeinden, das die Kontrolle über die Ausgaben von der Verantwortung für die Erhebung mindestens eines beträchtlichen Teiles der Einnahmen trenne.
Am Schluss« dieses Kapitels wird eine allgemeine Betrachtung angestellt.
Die starke wirtschaftliche Ausrüstung Deutschlands könne jetzt zwar nicht voll ausgenützt werden, aber wenn man auch den Punkt der wirtschaftlichen Stabilität nicht voraussehen könne, so sei es doch nicht weniger sicher, daß diese Stabilität erst mit Hilfe der im Kapitel IV gemachten Vorschläge erreicht werden könne.
Der gesamte Bericht wurde lichen Vollsitzung — '---'-^—
unterzeichnet.
von
cht würd« gegen 22 Uhr in einer öffent sämtlichen Mitgliedern des Ausschusses