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HrrsfelöerTageblatt

Hersfelöer Kreisblatt 1^^»

Amtlicher Mnzeiger für den Kreis Hersfelö ! S»nk-v»ch»r»«'f'"^,",I»,mA,"«MA I

Nr. 296

Freitag, Den 18. Dezember 1931

8L Jahrgang

Erste Maßnahmen zur Preissenkung

Preirkommissar Goerdeler hat Fortschritte erzielt, oder auch erhebliche Schwierigkeiten zu überwinden

Ergebnis der Woche

Wo ist der Stern des Friedens?

Kr. Kr. Wir stehen im Advent. In uns klingen schon die Weihnachtslieder. Leise nur, leise, so in der Ferne. Der Lärm des Tages ist um uns und läßt die sanften Töne nicht aus unserem Herzen emporkommen. Der Lärm des Tages ist zu stark. Zu unerbittlich sind die Worte, die täglich an unser Ohr schlagen, Worte der Not, Worte des Elends, Worte des Hasses, Worte der Herrschsucht, Worte der Gewalt. All das erschlägt, um mit Nietzsche zu sprechen, die zärtlichen Gedanken der Weihnachtszeit. Uns Deutschen wurde für den inneren Kampf ein Burgfriede angesagt Aber draußen kennt man die deutsche Weihnachtsstimmung nicht. Draußen tobt der Streit um Deutschlands Existenz, und im Innern lassen die Not und das Elend keinen Burgfrieden für die Seelen auftommen. Manch einer sieht empor, fragend, ob das große leuchtende Auge Gottes diesen Jammer sei­ner Erde, diese Not seiner Kinder, die er auf ihr nach seinem Ebenbilde geschaffen hat, ob sein gütiges Auge diese Qual erfassen kann? Ob sein allumfassendes Herz nicht einen Strahl seiner unendlichen Allwissenheit zu uns sende, ein Erkennen über uns ausgieße, um endlich ein Ende zu machen. Es scheint, daß der Allvater noch manchen Weg der Drangsal und Mühsal uns vorbereitet hat, den wir gehen müssen, ehe die Klänge einer Himmelsstimme vom Frie­den der Menschen auf Erden, die guten Willens sind, wieder heller und klarer durch Unser Leben rauschen, wie einst . . . wie einst!

gen Deutschland zu reden? Es ist so trostlos, immer wie­der den öffentlich vorgetragenen Lügen entgegenzutreten. Leider haben solche Lugen keine kurzen Beine. Es dauert bis sie aus den Köpfen verhetzter Menschen und Volker entschwinden können.

vorgetragenen Lügen entgegenzutreten. Lugen keine kurzen Beine. Es dauert

Wenn Hindenburg nach Amerika reiste!

Wir sind angesichts der Propaganda gegen uns nicht ge­wöhnt, viel Liebenswürdigkeiten von anderer Seite zu er­fahren. Um so tiefer hat uns das Wort in der amerikani­schen Kammer berührt, mit dem ein Abgeordneter an die amerikanische Regierung die Forderung stellte, auch den deut­schen Reichspräsidenten zu einem Besuch einzuladen, nachdem Laval, der Franzose, worden seien. Sich« tativen A

, und Grandi, der Italiener, empfangen ..... sicher kennt ein großer Teil der repräsen- merikaner Deutschland und die Deutschen. Sie wissen, was wir leisten, geleistet haben und leisten werden. Im Kongreß wurde gerade die amerikanische Regierungs- politik mit unserer Leistungskraft und Leistungsfreudigkeit begründet. Ohne diese wäre auch jede Wirtschaftspolitik der anderen zur Unfruchbarkeit verurteilt. Wenn aber unser greises Staatsoberhaupt von Hindenburg unter den Amerikanern erschiene, so würde ihnen in dessen Persönlich­keit doch all das leibhaftig vor Augen erscheinen, was Deutschlands Tugenden sind: Entschlossenheit, Mut in allen Gefahren, zäher Wille, Bewußtsein für Verantwortung des einzelnen für sein eigenes Volk und für die Menschheit, An- stand und Ehrlichkeit. Das sind die Eigenschaften des Deut­schen, auf die sich das Vertrauen stützen muß. Was wir in dieser harten Notzeit auf uns nehmen, bei Si deres Volk würde solche Last tragen.

London antwortet Baris

Englands Kote in der Tributfrage.

Paris, 18. Dezember.

Der englische Botschafter in Paris, Lord Tyrrell, über- reichte dem französischen Außenminister die englische Ant- roorfnote auf die französische Denkschrift bezüglich der Frage der deutschen Tribuizahlungen, die den interessierten Regie­rungen am 4. Dezember zugestellt worden war.

Es verlautet, daß die britisch« Antwortnote die Gründe für das britische Ersuchen um Prioritätfürdie pri­vaten Schulden darlegt, die sogenannten kurzfristigen Kredite. Es wird ferner darauf hingewiesen, daß über die in der französischen Mitteilung aufgeworfenen Punkte keine endgültige Erklärung abgegeben werden kann, bevor der Baseler Poung-Ausschuß seinen Bericht über Deutschlands Zahlungsfähigkeit fertiggestellt hat.

Angeblich sind zwischen den interessierten Regierungen Vorbesprechungen über Zeit und Ort des Zusammentritts der geplanten Reparationskonferenz im Gange. Es ist un- wahrscheinlich, daß die Wahl auf London oder Paris fallen

wird.

Die Stikhalteserhandlutzgen

Ein amerikanischer Vorschlag angenommen.

Berlin, 18. Dezember.

oft, kein an

Die Berliner Beratungen zwischen den deutschen ausländischen Vertretern im Stillhalleausschuh scheinen zu einem ersten Verhandlungsergebnis geführt zu haben.

und

Der Egoist.

Verschlossen ist uns noch, was jene Männer, die in Basei zusammengekommen sind, um über Deutschlands Armut, seine endgültige Armut ihr Urteil abzugeben, beschlossen haben. Als ob noch jemand daran zweifelte, daß die gan- iSSSjüu Bestimmungen, die feil 1919 dem deulscyen

i

Keine Schuldenherabsetzung

Washington, 18. Dezember.

lungspflichten auferlegten, schon längst als die wahren brechen an allen Völkern sich erwiesen haben. Und doch wagt noch keiner, klar und mannesmutig auszusprechen, daß Deutschland nicht mehr zahlen kann, ja daß, wenn es selbst zahlen könnte und wollte, es nicht mehr zahlen dürfte, sollte die allgemeine Weltnot ein Ende finden. Wer noch von Deutschland Geld verlangt, das es nicht mehr zahlen kann, handelt aus egoistischen Gründen. Als dieser Egmst wurde Frankreich erkannt. Da helfen nun alle Schönheits- mittelchen nichts mehr. Da mögen auch unsere Franzosen­freunde noch so barmen, daß man das edle Frankreich so rückhaltslos als einen üblen Egoisten bezeichnet, es hilft nichts mehr, der Grund des Jammers ist erkannt. Nicht, weil es Geld verlangt, sondern weil es Geld verlangt von jemand, der nicht zahlen kann, weil es Geld verlangt, das ihm nicht mehr zukommt weil es Geld verlangt, obwohl es im Golde erstickt, weil es Geld verlangt, obwohl dies Verlangen die ganze Welt ins Elend treibt das stempelt Frankreich zum Egoisten. Und weil es die unmögliche und unselige Forderung aufrechterhält ohne Recht, ohne Bil­ligkeit, ohne Sinn, nur um damit politische Forderungen durchzudrücken, deshalb erscheint es allmählich auch als übler Egoist, von dem sich der Menschenfreund abwendet. Es sucht mit allerlei Propagandamitteln, uns im Ausland als Verschwender hinzustellen. Auch das verfängt nicht mehr.

1 : HO!

abend das Hoooer-Morakorium angenommen.

Nach Annahme des Moratoriums stimmte der Ausschuß des Repräsentantenhauses folgender Entschließung zu:

Es läuft der Politik des Kongresses zuwider, irgend­welche Schuldenverpflichtungen auswärtiger Länder an die Vereinigten Staaten irgendwie zu streichen oder herabzu- fetzen. 3n dieser Entschließung darf nichts als Anzeichen einer gegenteiligen Politik gedeutet oder als Ausdruck dafür aufgefatzt werden, daß man zu irgendeiner Zeit einen Wechsel in diese Politik in wohlwollende Erwägung ziehen würde.

Ein von amerikanischer Seite ausgehender Vorschlag ist in Form eines vorläufigen Entwurfs in getrennten Sitzun­gen der deutschen und ausländischen Delegierten am Don­nerstag beraten worden in der Absicht, das Ergebnis in einer Vollsitzung des StillhalteauLschusses warzuleaen. Wie

; Entwurf N^TMMung einer Trust-

gesellschaft für die nichtkommerziellen Kredite (im wesent­lichen also Kassenkredite) vor.

Es soll ein sogen. Trustfonds geschaffen werden, aus welchem für diese Kredite Sprozenkige Roten ausgegeben

werden sollen, für deren Mobilisierung die einzelnen Gläu- j bigerländer aufzukommen hätten. Auf diesem Wege denkt , man etwa 1,3 Milliarden Kastenkredite festhalten zu können, durch lOprojentige Raten abzudecken wären.

die

War es nicht ein

französiscker Minister, der Finanzmini- nner Londoner Rücksprache das bedenk-

ster, der gelegentlich seiner Londoner

liehe Wort fallen ließ: es bedeute Krieg, wenn die Tribute fallen würden? Muß sich hier der Menschenfreund nicht mit Grausen wenden? Wer so denkt, kann die Abrüstung nicht wollen, wie sie von allen Regierungen betrieben wird Stark ist das englische Volk für diese Abrüstung interessiert, für diese erste Möglichkeit, Kriege zu vermeiden. England hat seine Flottenübermacht und somit den Waffenschutz sei­ner Insel verloren. Die Luftflotte Frankreichs hat die sei- nige weit überflügelt. Kriegerisch ist England reine Insel mehr. Angesichts des ungeheuren Waffenbesitzes Frankreichs hat England heute genau das gleiche Interesse an der Ab­rüstung wie das entwaffnete Deutschland. Wirtschaftlich heißt heute der Bankerott Deutschlands auch Bankerott Eng­lands. Kriegerisch hat England mit Deutschland die gleiche Schicksalsgemeinschaft. Wenn in England ein Bittgottes-

Deutschlands Schuldenlasten

Basel, 18. Dezember.

Eine Vollsitzung des Beratenden Sonderausschusses nahm gestern abend die Berichte der Unterausschüsse ent» gegen.

Der Bericht des Statistischen Unterausschusses kommt zu der mit allem Vorbehalt gemachten Feststellung, daß die Ver- zinsungs- und Tilgungslast der ausländischen lang- und kurz­fristigen Anlagen in Deutschland bei dem gegenwärtigen Zinssätze von 1600 bis 1850 Millionen Mark für 1932 zu beziffern sei. Die deutschen Guthaben im Auslande, ohne das sogenannte Fluchtkapital, werden mit 8,4 Milliarden an­gegeben. Nach Erwähnung der großen Anstrengungen die Deutschland insbesondere in der jüngsten Zeit macht, um den Haushalt ins Glerchgewicht zu bringen, werden die zur Til­gung der schwebenden Schuld geplanten Maßnahmen als be. sonders schwere Belastung in der jetzigen Krisenzeit aner- kannt, gleichzeitig aber auch betont, daß es wichtig sei, den­jenigen Teil der schwebenden Schuld jetzt abzutragen, der aus Fehlbeträgen früherer Haushalte entstanden fei.

Heute dürfte voraussichtlich der Bericht des Reichsbahn- untemusschuffes behandelt werden.

Sindenborgs Brief an Sonnn

Der Wortlaut des Appells.

Berlin, 18. Dezember

Amtlich wird mitgeteilt: Der in der Mittwochsitzung

des Amerikanischen Kongresses durch Sti son verlesene Brief des Reichspräsidenten ten Hoooer vom 20. Juni d. J. hatte im deutschen Urtext folgenden Wortlaut:

Staatssekretär Stim-

an den Präsiden

heißt heute der Bankerott Deutschlands auch Bankerott Eng­lands. Kriegerisch hat England mit Deutschland die gleiche Schicksalsgemeinschaft. Wenn in England ein Bittgottes­dienst für die Abrüstung abgehalten wurde, dem auch der Ministerpräsident ein sozialistischer beiwohnte, dann beweist das, wie tief das Volk die Gefahr der Rüstungs- ungleichheit erkennt. Mit Recht wies der deutsche Reichs- chrminister auf die lächerlichen Märchen hin, die Frank­reich über Deutschlands heimliche Rüstungen verbreitet, um die Abrüstung seiner ungeheuren Militärmacht zu hintertrei­ben. Eine Million schwerbewaffneter Männer steht um Deutschlands Grenzen, hinter ihnen in Reserve 10 Millionen. Die Völker um Deutschland bilden ihre Jugend, teilweise obligatorisch, schon im Waffendienst aus. Um Deutschlands Grenzen lagern die modernsten Befestigungen nicht, um das wehrlose Deutschland zu schützen, sondern als ihm feindliche Macht. Und Deutschland? Kaum eine wirkliche Festung! Keine Luftwaffe! Keine schweren Geschütze! Hunderttausend Mann, die niemals auch nur daran denken können, erfolgreich das deutsche Volk, sein Hab und Gut zu verteidigen. Wer wagt da noch, von einem angriffslusti».

wei

Europas Wirtschaftsvereinheitlichung

Staatsverträge und privaftndu si riefte Vereinbarungen?

Berlin, 18. Dezember.

Die Ausschüsse der deutsch-französischen Wirtschaftsunter- tommiffion erstatteten gestern in der Vollversammlung Be­richt über das Ergebnis ihrer Arbeiten. Danach sind sich die Parteien darüber einig, daß man nach Ueberwindung der gegenwärtigen Schwierigkeiten Schritt für Schritt auf dem Wege zur Vereinheitlichung des europäischen Wirtschaftsge­bietes vorankommen müsse. Hierzu besonders geeignet er­scheine ein weiterer Ausbau der privaten industriellen Ver­einbarungen und ein Abschluß bilateraler Staatsverträge.

Zusammenkünfte von verschiedenen Wirtfcbaftsverlre- tern wurden für die kommenden Wochen verabredet, die wie man annimmt, alsbald zum Abschluß deutsch-französischer Wirtschaftsvereinbarungen, denen auch die Industrien an- derer Staaten beitreten können, führen dürften.

Nach dem Ergebnis dieser ersten Zusammenkunft glaubt man, darauf rechnen zu können, daß die bestehenden wirt- schaf. chen Schwierigkeiten der beiden Länder am besten durch eine ständige Fühlungnahme innerhalb der deutsch- französischen Wirtschaftskommission und die Anbahnung von Einzelverhandlungen der verschiedenen Wirt­schaftszweige im Interesse der beiden Nationen ausgeräumt werden können.

Herr Präsident!

Die Not des deutschen Volkes, die auf das höchste gestiegen ist, zwingt mich, mit diesem außerordentlichen Schritte, mich an Sie zu wenden. Nachdem das deutsche Volk unendlich schwere Jahre durch­lebt hat, deren Höhepunkt der letzte Winter gewesen ist, und eine erhoffte Belebung der Wirtschaft in diesem Frühjahr nicht einge­troffen ist, habe ich auf Grund der mir durch die Reichsverfassung verliehenen außerordentlichen Vollmachten Maßnahmen getroffen, um die Durchführung der notwendigen Staatsaufgaben und die Aufrechterhaltung der Lebensmöglichkeiten der arbeitslosen Be­völkerung sicherzustellen. Diese Maßnahmen schneiden tief in alle wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse ein und verlangen von allen Teilen der Bevölkerung schwerste Opfer.

Die Möglichkeiten, ohne Entlastung von außen durch innere Maßnahmen die Lage zu verbessern, sind erschöpft. Die Wirtschafts­krise, unter der die ganze Welt leidet, trifft da» deutsche Volk, das durch die Folgen des Kriege» seiner Reserven beraubt ist, besonder» hart. Die ganze wett hat, wie die Entwicklung der letzten Tage zeigt, nicht das Zutrauen, daß die deutsche Wirtschaft unter den gegenwärtig bestehenden Lasten zu arbeiten in der Lage ist.

Große Kredite, die uns das Ausland gegeben hatte, sind zu- in den letzten Tagen hat die Reichs- i» und Devisenreserven an das Ausland

rückgezogen worden. Noch dank ein Drittel ihrer Golo . ,

abgeben müssen Eine weitere schwere Einschränkung unseres Wirt­schaftslebens und eine Vermehrung der bereits jetzt mehr als ein Drittel der Industriearbeiterschaft betragenden Arbeitslosen muß unabwendbar die Folge dieser Vorgänge sein.

können, Arbeitswille und Disziplin des deutschen Volkes recht­fertigen das Vertrauen in die Jnnehaltung der großen Anleihen. Deutschland bedarf aber zur Aufrechterhaltung seines Lebensmutes und des Zutrauens der Welt in feine Leistungsfähigkeit dringend einer Entlastung. Diese Entlastung muß sofort einsetzen, wenn nicht schweres Unheil über uns und andere hereinbrechen soll. Es muß dem deutschen Volke die Möglichkeit erhalten werden, unter er- träglichen Lebensbedingungen zu arbeiten.

n Volke die Möglichkeit erhalten werden, unter er-

Die erforderliche Entlastung würde allen Ländern in ihren materiellen und moralischen Rückwirkungen auf die allgemeine Krise zugute kommen. Sie würde die Lage der anderen Länder ver­bessern und die Gefährdung Deutschlands durch innere und äußere Spannungen, hervorgerufen durch Not und Hoffnungslosigkeit, wesentlich herabmindern.

Sie. Herr Präsident, als der Vertreter des großen amerikani­schen Volkes, haben die Möglichkeit, für das deutsche Volk und für die Welt die Schritte zu tun, durch die eine sofortige Aenderung der gefahrdrohenden Lage herbeigeführt werden kann.

gez. von Hindenburg, Reichspräsident."