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Nr. 294

hersfel-er Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö

Mittwoch, den 16. Dezember 1931

81. Jahrgang

Weltkrise nicht mehr aufzuhalten?

Deutschlands Ausfuhrüberschuh sinkt schnell - Zn der ganzen Welt häufen sich die Schwierigkeiten

Reparationsgrohkampf

Wir befinden uns zurzeit in einem Großkampf interna­tionaler Verhandlungen. Alle drehen sich mehr oder weni­ger direkt um die Reparationsfrage. Man verhandelt in Basel und in Berlin, diskutiert in London und Washington, intrigiert in Paris und ist im Grunde in der ganzen Welt besorgt darüber, was da werden soll. Mitte der ver­gangenen Woche hatte zweifellos in all diesen Verhandlun­gen Paris die Führung. Der französische Propaganda- apparat, der nicht nur die französische sondern auch einen Teil der ausländischen Presse dirigiert und kontrolliert, in Verbindung mit der diplomatischen Aktivität Frankreichs in der ganzen Welt, hatten es tatsächlich erreicht, daß man im Ausland die Lage in Deutschland fast ausschließlich durch die französische Brille sah. Und Frankreich hatte ein sehr starkes politisches Interesse daran, in der Welt glauben zu machen, Deutschlands Krisenlage und Zahlungsunfähigkeit seien zum großen Teil künstlich gestellt in der Absicht, sich von den Tributen zu befreien.

Solche Manöver mögen bei den Politikern schließlich verfangen aber auch da wird man je länger, je mehr mißtrauisch bei französischen Behauptungen und Bewei­sen, einer wirklich sachverständigen Prüfung halten sie nicht stand. Das hat sich soeben in Basel erneut bewiesen, wo man jetzt den Punkt erreicht hat, um sich zu entscheiden, ob man propagandistische oder politische Arbeit leisten will Gewiß verhandelt man dort zunächst über die Frage, ob, wann, in welcher Form Deutschland zahlen soll; im Grunde aber steht doch die Ueberlegung zur Besprechung, welche Rückwirkungen weitere deutsche Reparationszahlungen auf den bereits durch sie völlig zerütteten Welt- und Kapital­markt haben müssen. Vor fünf Jahren brauchte man sich in 3$o '--in- ^noftonwnen zu machen, obwohl auch damals schon überlegende Wirtschaft­ler und Finanzleute ernsthaft warnten, diese Politik der gewaltsamen Verschiebung der wirtschaftlichen und finanziel­len Gleichgewichtslage fortzusetzen. Aber damals wollte man ja nicht hören; man glaubte, die deutsche Milch­kuh ohne Unterlaß und ohne Rücksicht auf ihre Lebens­und Leistungsfähigkeit weitermelken zu können.

Der Erfolg ist bekannt. Fast allgemein ist jetzt die Er­kenntnis; nurün Frankreich hält man an dem Machtstand­punkt fest. In Washington hat man in diesen Tagen leidenschaftlicher Kongreßverhandlungen Frankreichs Po­litik entlarvt. Die Erbitterung gegen den welschen Uebermut ist allgemein und macht sich in einer Einstellung Luft die zwar auch Deutschland nicht zum Vorteil gereicht, die aber ihre letzte Ursache in der Forderung hat, Amerika sollte gegenüber Frankreichs Schulden keinerlei Nachsicht üben. Deshalb die überraschende Mehrheit gegen eine Rati- fizierung des Hoover-Moratoriums im amerikanischen Kon­greß. Wenn es auch nach den letzten Nachrichten so aus- sieht, als ob es der Washingtoner Regierung schließlich doch noch gelingen wird, die Ratifizierung durchzusetzen, so bleibt doch die eine Tatsache bestehen, daß Frankreichs Verhalten in der Reparationsfrage in ganz Amerika Empörung aus­gelöst hat. Ein solcher Vertrauensverlust Frankreichs in den Vereinigten Staaten wird sich nicht sofort auswirken; bei dem Einfluß aber, den Amerika heute noch in allen Fragen der internationalen Politik und der internationalen Wirt­schaftsgestaltung besitzt, wird Frankreich nicht ungestraft den Zorn Amerikas auf sich gezogen haben. Es ist ein bei- spielsloser Vorgang, daß dem amerikanischen Präsidenten von der Parlamentstribüne herab der Vorwurf gemacht wird,immer nur dem französischen statt dem deutschen Standpunkt Rechnung getragen" und seine Einladung nur an den französischen Ministerpräsidenten, nicht aber an den deutschen Reichspräsidenten von Hindenburg gerichtet zu haben.

Man behauptet, nicht nur in Paris sondern noch mehr in Basel in den Kreisen internationaler Sachverständiger hätten diese Washingtoner Kongreßvorgänge stärksten Ein- druck gemacht. Dieser Eindruck war um so nachhaltiger, nach­dem durch die Darlegungen Brünings und Dr. Dietrichs über Deutschlands Finanzgebarung und die neuen Belastungen des deutschen Volkes die französischen Zahlenangaben einfach über den Haufen geworfen wurden. Auch Groeners Aus­lassungen über Deutschlands Sicherheitsbedürfnis und über die haltlosen Behauptungen von dem militärischen Wert deutscher Wehrverbände haben ihren Eindruck auf die inter- nationale Welt nicht verfehlt. Die Ueberzeugung wächst, daß Frankreich durch die llebersteigerung seiner propagandlsti- schen Behauptungen gegen Deutschland das Gegenteil erzie­len wird, da man mehr und mehr die Zusammenhänge der französischen Politik mit der Weltwirtschaftskrise begreift. Es ist nicht ganz gleichgültig, wenn jetzt auch die englische Presse (Observer",Daily Telegraph",Sunday Times") übereinstimmend erklärt,daß nur eine allgemeine Streichung der Kriegsschulden und Reparationen endgültig dia Nationen aus dem verhängnisvollen Sumpf befreien und das Weltwirtschaftsleben auf eine gesunde Grundlage stellen wird." Dabei unterstreicht der Observer" besonders, daß jedem Versuch, wieder nur eint r übergehende Rege­lung zu schaffen, unnachgiebige Widerstand entgegengesetzt werden würde.

Wie sich die Dinge langsam gegen Frankreich zu ver­schieben beginnen, geht weiter aus der Absicht der amerika­nischen Regierung hervor, eine internationale Konferenz ein» zuberufen, die für die Kriegsschulden eine neue Re­gelung suchen soll, und zwar auf der Grundlage der Zahlungsfähigkeit der Schuldnerländer. Bekannt­lich hatte im amerikanischen Kongreß eine'größere Minder­heit sich gegen jegliche Streichung der Kriegsschulden und auch gegen einen Zahlungsaufschub, wie er im Hoover-Mo- ratorium vorgesehen ist, ausgesprochen Offenbar sucht man jetzt nach einem Kompromiß; die Schuldenregelung nach der Leistungsfähigkeit des Schuldners hat eine so ausgesprochene Spitze gegen die französische Anmaßung, daß man versteht, wenn man in französischen Regierungskrisen die Stimmung in Amerika mit ernster Besorgnis beobachtet. Man beeil! sich deshalb in Paris zu erklären, daß zwischen England, den Alliierten und Deutschland bereits Befragungen über die be­vorstehende Reparationskonferenz stattgefunden hätten. Diese soll nach einer französischen Quelle am 7. oder 15. Januar, nach einer anderen erst Ausgang Januar oder gar erst Anfang Februar stattfinden.

Es kommt noch hinzu, daß Frankreichs überragende Gold­machtstellung langsam ihren politischen Wert verliert, nach­dem sich als Folge der wankenden Währungen der natürliche Handelsausgleich mehr und mehr zum Schaden Frank­reichs verschieben muß. Schon für die ersten zehn Monate des laufenden Jahres weist der französische Außenhandel eine Unterbilanz von mehr als 10,5 Milliarden Francs auf; unter den veränderten Währunasoerhältnisfen Europas wird sich dieses Mißverhältnis zwischen französischer Ein- und Ausfuhr noch steigern. Der Zeitpunkt ist also nicht mehr I fern, wo Frankreich von seinen Goldvorräten zum Ausgleich seiner Außenhandelsbilanz wird abgeben müssen. Frank­reich hat somit ein starkes Interesse daran, daß die Frage einer Schulden- und Reparationsneuregelung eine Entwick- Ar ÄtÄSr*** - ^ä:^^

Die Baseler Berhandlungen

Bafel, 16. Dezember.

Die Vertreter der Reichsbahn und des Reichsverkehrs­ministeriums Übergaben dem Ausschuß der BJZ. einen Bericht über den gesamten Haushalt der Reichsbahn, aus dem hervorgeht, wie sich ihre Lage infolge der Wirtschafts­krise und durch die Tributoerpflichtungen ständig verschlech­tert hat und welche einschneidenden Ersparnismaßnahmen ergriffen wurden, um den weitgehenden Verpflichtungen nachzukommen. Um die einzelnen Angaben noch näher zu prüfen und damit die Möglichkeit zu untersuchen, ob die Reichsbahn weiter die ungeschützten Jahreszahlungen tra­gen kann, was deutscherseits strikt verneint wurde, ist ein besonderer Unterausschuß eingesetzt worden.

Einem weiteren Unterausschuß unter Vorsitz des Hol­länders Colijn wurde die Aufgabe überwiefen, Die Einzel­heiten der deutschen Haushaltsgebarung, namentlich auch, was die nächstjährigen Voranschläge betrifft, zu überprüfen.

Der statistische Unterausschuß, der die deutsche Netto- verschuldung festzustellen hat, schließt seine Beratungen be­reits ab. Sämtliche Vertreter, auch die französischen, haben sich von der Unmöglichkeit überzeugen müssen, die deutschen Vermögen im Auslande und das deutsche Fluchtkapital ge­nau festzustellen. Außerdem wurde selbst von französischer Seite zugegeben, daß die Zinsenetngänge hieraus ziemlich unbedeutend sind.

Der Aoungplauift erledigt

Zu den Verhandlungen meldet dieTimes", es werde immer klarer, daß Deutschland seine Schulden und zwar nicht nur die Trioute nur in Waren bezahlen könne, daß aber die Zollschranken einer Weigerung der anderen Mächte, ( Waren anzunehmen, gleichkämen. Bei Vargeldzahlungen ergebe sich sofort die Schwierigkeit des Transfers. Es gebe keine Anzeichen, die auf eine Aenderung der französischen Haltung schließen ließen, wie lange auch immer die gegen­wärtigen Schwierigkeiten Deutschlands dauern würden, die Wiederaufnahme der bedingten Jahreszahlungen gemäß Poungplan fei mehr als zwäfelhaft.

Schuldenzahlung nicht geleistet Frankreich und England warten ab.

Am Dienstag ist die halbjahrszahluna in Höhe von einer halben Milliarde Francs auf Grund des Kriegsschul- denabkommens mit Amerika fällig. Die französische Regie­rung hat diese Zahlung nicht geleistet, da die amerikanische Regierung den Schuldnerländern milgeteilt Hak, daß sie an der Aussetzung der Schuldenrückzahlung in Erwartung der baldigen Annahme des Hoover-Planes durch den amerikani­schen Kongreß keine Kritik üben werde.

Wie von zuständiger Londoner Seite verlautet, hat es die englische Regierung nicht für nötig befuuben, sich wegen der Aussetzung der Kriegsschuldenrückzahlung an Amerika mit der Washingtoner Regierung in Verbindung zu setzen. Man rechnet in London damit, daß der amerikanische Kon­greß den Hoover-Plan im Laufe der nächsten Woche anneh­men werde.

Drakonische Sparmaßnahmen

Neue preußische Notverordnung angekündigt.

Berlin, 16. Dezember.

Wie der Socialdemokratische Pressedienst meldet, hat sich die preußische Staatsregierung in der Nacht zum Dienstag bis 4 Uhr morgens mit Sparmaßnahmen befaßt, die frühe­stens in der nächsten Woche auf dem Wege der Notverord­nung verwirklicht werden sollen. Die Beratungen des Kabi­netts über den Inhalt der Verordnung find abgeschlossen. Die Ausarbeitung der einzelnen Maßnahmen wurde den Ressorts übertragen.

Die neue preußische Notverordnung

sieht vor allem entsprechend der letzten Notverordnung der Reichsregierung eine Kürzung der Gehälter usw. vor. Außerdem sind zahlreiche Maßnahmen zur Herabsetzung der Verwaltungsausgaben in Aussicht genommen. Unter anderem werden 40 Oberförster abgebaut.

Geschlossen werden sämtliche Staalstheater bis auf das Opernhaus und das Schauspielhaus in Berlin, sämtliche Pä­dagogischen Akademien bis auf sechs. Außerdem werden 30 bis 40 kleine Amtsgerichte zusammengelegt.

Die anfänglich geplante Herabsetzung der Altersgrenze der Beamten von 65 auf 62 Jahre ist fallen gelassen worden. Auch die gemeldete AufteilungzahlreicherLand- k r e i s e hat das Kabinett nicht beschlossen. Zunächst soll der preußische Innenminister prüfen, welche Kreise ohn« wirt­schaftliche Gefahren aufgelöst und mit anderen Landkreisen verschmolzen werden können. Die Schlachtsteuer hat bis jetzt ebenfalls noch nicht die Zustimmung des Kabinetts gefunden. Vielmehr wurde der Finanzminister beauftragt, darüber zunächst noch bestimmte Erwägungen anzustellen.

Fortschreitende Goldkrise

Außerordentliche Rückwirkungen des^anischen Vorgehens.

Der New Dörfer Korrespondent desDaily Telegraph" meldet, daß das Abgehen Japans vom Goldstandard wegen der Rückwirkung auf die Währungen der übrigen Länder und auf die amerikanische Ausfuhr nach Japan in Amerika starke Beunruhigung hervorgerufen habe.

Der japanische Schritt werde als eine Auflehnung ge­gen die Deflationswirkungen angesehen, die sich aus der Aufrechterhaltung des Goldstandards unter den heutigen Verhältnissen ergeben. Man glaube, daß Kanada das nächste Land sein werde, das den Goldstandard verlassen müsse.

In Südafrika ist die ministeriell« Presse, die letzt­hin die Möglichkeit der südafrikanischen Ausfuhr von Wolle und anderen Rohmaterialien nach Japan stark betonte, ent­täuscht. Der Einfluß der Kreise, die sich für da? Abgehen Südafrikas vom Goldstandard einsetzen, hat zugenommen.

In A u st r a l i e n wird befürchtet, daß die Bedeutung Japans als Käufer von australischer Wolle zurückgehen werde.

Die Baumwollspinner in Bombay sind über die Ent­scheidung Japans erregt und befürchten eine sehr ungün­stige Ruckwirkung auf ihre Industrie. Der Vorsitzende der Spinnervereinigung fordert von der indischen Regierung die sofortig« Erhebung von Anti-Dumpingzöllen.

Setzt Holland an der Reihe?

In diplomatischen Kreisen des Haag rechnet man mit ernsten Rückwirkungen der jetzigen wirtschaftlichen Vor­gänge auf den holländischen Handel, insbesondere in Hol- ländisch-Indien, und glaubt, daß Holland möglicherweise dem Beispiel Japans folgen und den Goldstandard verlassen müsse. Dies werde wieder starke Rückwirkungen auf Süd­afrika haben.

Deutschlands Aassuhr füllt Erheblicher Rückgang im November.

Die Außenhandelsergebnisse für den November 1931 lassen bereits die schwere Beeinträchtigung erkennen, die der internationale Warenaustausch durch währungs- und han­delspolitische Maßnahmen in der letzten Zeit erfahren hat. Der deutsche Ausfuhrüberschuß ist von 383 Millionen RM. im Oktober auf 256 Millionen RM. im November gesunken. Unter Berücksichtigung der Tributsachlieferungen übersteigt der Wert der Ausfuhr den der Einfuhr nur noch um 267 Millionen RM. gegenüber 396 Millionen RM. im Oktober.

Die Ausfuhr ist von 866 Millionen RM. im Oktober auf 738 Millionen RM. im November zurückgegangen. Da­zu kommen noch die Tributsachlieferungen im Werte von 11 Millionen RM. gegenüber 13 Millionen RM. im Vor­monat. Die Einfuhr hat sich wertmäßig mit 482 Millionen Reichmark gegenüber 483 Millionen RM. im Oktober un» gefähr gehalten; mengenmäßig ist sie um 4 o. H. gestiegen, da die Durchschnittswerte erneut zurückgegangen sind.

Von dem Rückgang der Ausfuhr dürfte, entsprechend der Entwicklung in den Vorjahren, rund ein Drittel auf jahres­zeitliche Einflüsse zurückzuführen sein. Zwei Drittel der Ausfuhrabnahme sind zweifellos als die ersten Auswirkun­gen der Absatzerschwerungen anzusehen, die der deutschen Ausfuhr im Wslande Hereitet werden.