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Maske h.gen M )ke / «oma« von Hermann Hilgen-orft

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15. Fortsetzung.

Ich traf sie erst nach 24 Stunden. Da war eS fast schon zu spät.

„Fräulein Traer, kennen Sie diesen Menschen?"

Ich wies Fräulein Traer auf die Momentphotographien.

Fräulein Traer schrie nicht auf, wie das eine «nih’r Dame vielleicht getan hätte, sie sagte nur einst) + fassen Sie diesen Manschen sofort verhaften

„Also er ist es?"

„Er ist es . . . verhaften Sie ihn .

Ich warf einen Blick aus die Uhr.

„Leider zu spät, Fräulein Traer!"

„Wieso?"

„Weil sein Schiff, die „Jmperta" 9 Uhr. >2 ä r?n den Hafen verlassen hat. Jetzt haben wir 10 Uhr 3c M-n "

„Keine Möglichkeit?"

„Einen Haftbefehl erhalte ich nicht mehr . . "

„Es muß einen Weg geben . .."

„Ich werde ein Motorboot nehmen und die „Jmperta" zu erreichen versuchen. Wenn er an Land geht, lasse ich ihn verhaften."

„Ich werde mitfahren. . "

„Um Gottes willen . . . eine Dame... der Mann kann möglicherweise noch gefährlich werden. . ."

„Ich weiß mit einem Revolver umzugehen Mein Ge­päck ist fertig. Kommen Sie. . ."

Ich muß sagen, die junge Dame imponierte mir ge­waltig. Alles an ihr atmete Kraft und Energie. Ich war überzeugt, daß sie mir keine Unannehmlichkeiten bereiten würde.

Wir eilten zum Hafen.

Bevor wir das passende Motorboot gefunden hatten, verging wieder kostbare Zeit. Ich wurde nervös. Aber sie . . . in ihrem Gesicht zuckte keine Muskel Nur in ihren Augen war ein seltsam harter Glanz. Ein Wille kam aus diesen Augen, der jeden Widerstand zu brechen schien.

Endlich hatten wir das schnellste Motorboot des Hafens bestiegen. Des Bootsmannes sehnige Fäuste umklammerten die Speichen. Wir schössen mit unheimlicher Geschwindig­keit auf das Meer hinaus.

„Glauben Sie noch, daß ich mich für eine Verfolgung nicht eignet fragte mich die junge Dame, als wir in der Ferne die „Jmperta" auftauchen sahen. Der pfeifende Wind, der eben hinter der Mole hervorkam, riß meine Worte fort, ich drückte ihr ergeben oie Hand.

Wir haben die „Jmperta" noch erwischt und zwei be­queme Kabinen nebeneinander erhalten. Nummer 12 und 13. Hoffentlich ist die 13 kein schlechtes Vorzeichen.

Ich selbst wollte Kabine Nummer 13 beziehen, aber Fräulein Traer litt es nicht. „Ich liebe die Zahl 13. Geben Sie mir die Kabine", war ihre Erwideruna aus meinen Einwand. Ich glaube weniger, daß sie die Zahl 13 liebt, als daß sie eine eigenartige Sympathie für alles hat, was irgendwie nach Gefahr oder Abenteuer schmeckt. Dabei ist sie gar nicht sensationslüstern.

Wir kamen an Deck, während alle an der Tafel saßen. So hat keiner bemerkt, daß wir auf etwas ungewöhnliche Weise das Schiff betraten. Auch der Maler Axel Svendrup war bei der Tafel, als wir ankamen. Das erfuhr ich gleich durch Billi. Fräulein Traer und ich haben den Plan ge­schmiedet, Axel Svendrup nicht zu beunruhigen und so vielleicht zu einer erneuten Flucht zu veranlassen. Es wäre nach meiner Meinung ein großer Fehler gewesen, wenn er Fräulein Traer erkannt hätte und ahnte, daß wir ihm auf den Fersen sind. Ich habe keinen Haftbefehl gegen ihn und kann erst im nächsten Hafen etwas unternehmen. Der Kapitän würde ihn vielleicht in Gewahrsam nehmen. Aber die Schiffsgewahrsame sind meistenteils so, daß ein gewandter Kerl allzulekcht entwischen kann.

Nein, wir haben abgemacht, ihm da? Gefühl seiner Sicherheit zu lassen. Fräulein Traer will nicht an der gemeinschaftlichen Tafel speisen und sich meist in der Kajüte aufhalten. Hier nimmt sie auch die Mahlzeiten ein. Mich selbst kennt er ja nicht, ich werde mich an seine F'rsen heften. . . entgehen kann er mir nicht.

Es geschehen hier seltsaine Diebstähle an Bord, Dieb- stähle, die so ungewöhnlich sind, daß sie nur von einem ganz ungewöhnlich intelligenten Dieb begangen werden können. Es ist nicht der geringste Zweifel vorhanden, daß der Maler der Dieb ist. Na, mein Bürschchen, wir werden dich schon kriegen.

Ich habe ihn ständig unter den Augen. Ich spiele nach wie vor den fast stets angeheiterten Major der indischen Armee und ich bin überzeugt; er hat nicht den geringsten Verdacht auf mich. Wenn er wüßte, wie scharf ich ihn über meine Whisky-Soda^läser hinweg beobachte. Es ist keine Frage, daß er allein die Diebstäble ausgeführt hat, die stch von Tag zu Tag mehren. Die Leute werden ihre Sachen wiederbekommen; an dem Tag, da er an Land geht, ist verloren . . .

Heute war ein Großkampftag seiner Hoheit, des Mör- ders. . . unter anderem hat er die Fürstin von Alvens- land unter der Maske des Kapitäns beraubt, aber viel besser war noch das Stückchen, daS er einem auserlesenen Publikum in der Bar vorspielte. Die Frechheit dieses Svendrup ist verblüffend.

Aber der Schlaue erreichte seinen Zweck. ES war un­möglich, ihn zu verhaften, denn selbst der Schiffsdetektiv Aoung schien ja jetzt belastet. Ich muß sagen, ich be­wundere die Geschicklichkeit Svendrup». Wahrhaftig! Ein Teufelskerl!. ..

„Fräulein Traer, darf ich wohl eine Tasse Kaffee bei Ihnen trinken. . ." fragte ich schließlich ganz offi­ziell und wies auf das Kaffeegeschirr, das noch aus dem Tisch stand.

„Aber selbstverständlich... Der Steward soll noch ein Gedeck bringen . .." sie trat an die Tür und klingelte.

Diesen Augenblick benutzte ich, um ein kleines Pulver- chen in ihren Kaffee zu schütten.

Der Steward brächte ein zweites Gedeck, und sie schenkte mir lächelnd den Kaffee ein.

Es sah entzückend aus, wie in dem seidenen Pyjama alle ihre Bewegungen graziös und elastisch wirkten! Wirt­lich, sie war eine fetten schöne Erscheinung.

Hoffentlich schmeckt er Ihnen. . ." sagte sie dann, „er ist nicht me^: ganz warm. .. wollen Sie einen Kognak?"

,,© danke, nicht am frühen Morgen, bet Ihnen darf ich ja einmal pausieren in der etwa» anstrengenden Maske des trinkfrohen Major» O'lonnor» . . >

Wir lächelten beide, und sie bracht« ihre Tasse an den Mund.

I Bald aber stieß sie einen Schrei aus und griff in die Luft. Sie gurgelte unter furchtbaren Krämpfen, die ihren Leib zu zerreißen schiene».

„Er hat mich vergiften lassen... ich. . . bin . . . verloren!"

Ich trug sie aus da» Bett und setzte die Klingel in Bewegung. Ich läutete Sturm. . .

Ein Steward erschien.

„Um Gotteswtllen. . . schaffen Sie Dr. Jeffers . Fräulein Traer ist vergiftet... sie stirbt mir unter den Händen. .."

Der Steward sah mich mit entsetztem Gesicht an.

„Dr. Jeffers ... Dr. Jeffer» . .. liegt selbst . . .

Bein gebrochen."

„Mensch, eine Hilfe, ehe e» zu spät ist. . . irgend- eine Hilfe . .. Seyen Sie nicht, sie stirbt . . ."

Ein furchtbare» Stöhnen kam aus dem Munde der Kranken.

„Wen nur, toen?"

„Vielleicht ist unter den Passagieren ein Arzt. . . nur schnell . . . schnell . .. fragen Sie im Salon herum . .. oder fragen Sie Ihre Kollegen . .."

„Ich will mein Möglichste» tun. .." rief der Sie- ward und rannte davon.

Ich stellte ein Wasserglas, in da» ich ebenfalls von dem Pülverchen tat, neben daS Bett der Kranken. Das Wasser nahm eine leichte, milchige Färbung an.

Es waren nur wenige Minuten vergangen, da stürzte der Kapitän herein. Er war leichenblaß, und ich de- merkte, daß sein Gesicht stark eingefallen war, seit ich ihn zuletzt sah.

„Diese Fahrt ist mein Tod. . ." stöhnte der Kapitän, als er neben mich trat und mit zuckenden Lippen aus die Kranke blickte, die noch immer unter den furcht- barsten Schmerzen zu leiden schien.

„Ihr Schiff ist ein Mörderschiff, Kapitän," sagte ich, „und nicht einmal ein Arzt zur Stelle."

Der Kapitän wischte sich den Schweiß von der Stirn

„Man müßte ihr ein Brechmittel geben", stöhnte er.

„Erst müssen wir einen Arzt haben . . ."

„Der Steward sucht einen..."

Die Tür wurde geöffnet, und der Steward erschien mit einem Herrn.

„Ich bringe einen Arzt, Herrn Dr. Riskamp. . ."

Der große, starkknochige Mann machte eine ein wenig linkische Verbeugung vor mir und wandte sich gleich der Kranken zu. Er war blond und hatte einen leichten Schnurrbartansatz.

Es war der Typus eines schwerfälligen Landarztes

„Sicher ein Passagier der dritten Klasse... ich sah ihn bisher nicht. . ." flüsterte der Kapitän mir zu.

Aber das war ja einerlei, wir wollten hier nur seine Stiinft.

„Vergiftung, Herr Doktor," sagte ich und trat neben die Kranke. Ich zeigte auf das Glas, das neben dem Bett stand. Er hob es hoch und roch daran.

„Gift? ... Es ist geruchlos .'..?"

„Aber ein furchtbares Gift... ich kenne eS. . " K ich und fuhr fort: „Der Tod kann in wenigen

iten eintreten, wenn Sie nicht ein Brechmittel geben."

In diesem Augenblick kam der Steward und brächte ein Brechmittel. Ich tat es in ein zweites Wasserglas.

„Das Brechmittel, Herr Doktor!"

„Ah, das ist gut. . ." sagte er und griff nach dem Glas.

Aber er ergriff nicht daS Glas, das ich ihm soeben hingesetzt hatte, und das sein Brechmittel enthielt, jon- dern er nahm daS erste, in das ich das weiße Pülverchen geschüttet hatte. Es war wahr, beide Gläser waren zum Verwechseln ähnlich. In beiden war die Flüssigkeit leicht milchweiß.

Und trotzdem wußte ich, daß er daS Glas mit dem vermeintlichen Gift bewußt nahm.

Ich wußte es so gewiß, daß ich meinen Revolver hervorholte und ihn an die über das Bett gebeugte Schläfe des Arztes hielt . ..

„Jetzt sind Sie deS versuchten Morde« Überfahrt. Herr Konsul", sagte ich laut und langsam.

Bis hierher gingen die Aufzeichnungen deS Detekttv- Majors. Also, ich war ein Teufelskerl!?

Ich machte mich vor dem Kabinenspiegel schön. Für Die nächsten Stunden mußte ich den Maler Axel Sven- ocup aus meiner Seele streichen und dafür den Major der indischen Armee schieben. Die roten Haare des Majors strahlten ball» wieder in neuer Farbe, nachdem ich das Fläschchen benutzt hatte, mit dem O'lonnor sich selbst seine Haare zu präparieren pflegte. Auch der Schnurr- bart sträubte sich wunderschön martialisch in die Höhe. Nun noch das kleine Ordensband ins Knopfloch und die Haltung stramm und gerade. So, da war er fertig, der Major O'lonnor!

Ich klopfte an die Kabinentür Nr. 13.

„Lome in. .."

„Guten Morgen, Fräulein Traer .. .*

Die Dame, die im Pyjama rauchend vor einem kleinen Tischchen saß und ihren Morgenkaffee trank, richtete die schönen Augen aus mich.

„Ich dachten Sie wären tot, Majot?"

,„ .. ich komme aus dem HadeS zurück, denn eS fiel mir ein, daß es unritterlich sei, eine junge Dame allein und schutzlos zurückzulassen!"

„Was den Schutz anbetrifft... ist dies der sicherste..." sie brächte eine kleine Pistole zum Vorschein.

„. . . dieser Schutz hat Sie neulich recht wenig ge­schützt, sagte ich ernst.

,„ .. ich kann nicht zuerst schießen! Bedenken Sie, es ist immer mein Vater, der. . ." ihre Stimme klang gepreßt, sie brach mitten im Satz ab.

^ . . also bin ich doch nötig, denn ein drittes Mal tut er keinen Fehlschuß, davon können Sie übeaeugt fein. Es ist mir überhaupt unbegreiflich, wie diesem Mann ein Fehlschuß möglich war . .

„Nur wenige Zentimeter . . . und es war aus."

„Er schießt Ihnen sonst ein Dollarstück aus den Fingern!"

„3$ bin ihm kein Dollarstück .. .*

„Sie repräsentieren eine Million!"

„Aber für ihn erst mit meinem Tode . . ."

„. . . den wir vermeiden wollen", sagte ich herzlich und drückte ihr die Hand. Alles Gefühl, daS wir ein­ander entgegenbrachten, lag in unseren Blicken. ES war jetzt nicht an der Zeit, von Liebe zu sprechen.

hatten Sie mit ihm zu tun?"

„3a, er sperrte mich in den Weinkeller."

„Mein Gott, warum nur... er hat alles durch- schaut!"

„DaS möchte ich bezweifeln, denn sonst lebte ich wohl nicht mehr."

„3$ muß Ihnen ein Bekenntnis machen," sagte Fräu­lein Traer jetzt.

„Ein Bekenntnis? . . ."

^Ja, ich ließ jenen anderen gegen unsere Abmachung verhaften. . ."

„Svendrup?"

„3a, Sie waren am Abend nicht zurückgekommen. Die ganze Nacht waren Sie verschwunden, und auch der Morgen brächte Sie nicht wieder . . . Als ich Sven­drup auf dem Deck zu Gesicht bekam, dachte ich: ein Feind weniger... Es war eine Dummheit... Er hat sich befreit. Wenigstens geht das Gerücht, der Maler sei entwichen. Bestimmtes konnte ich nicht erfahren. Auch macht mich meine Wunde immer noch unfähig zu größe- ren Akttonen . .

„Teuft! . . . Teufel ... das war eigentlich gegen un­sere Abmachung!"

verzeihen Sie mir", schloß sie und streckte mir frei­mütig die Hand entgegen.

Wir besprachen noch ein paar gleichgültige Dinge, dann beurlaubte ich mich für kurze Zeit.

Ich mußte mir Informationen beschaffen, wie die Dinge auf dem Schiffe standen. In welcher Maske be­liebte ein gewisser Jemand jetzt einherzuwandeln?

Ich erfuhr, daß es Young recht schlecht ging. Er war von den vielen Aufregungen buchstäblich krank geworden. Er ließ den Arzt zu sich bitten. Aber alles stand nun einmal unter einem bösen Omen.

Als Dr. Jeffers, der Schiffsarzt, zu dem erkrankten Detektiv eilen wollte, glitt er aus und brach sich ein Bein. Ein Schiff wie dieses, und dann weder Arzt noch Detekttv — jammerten die Leute. Wir sind verloren...!

Und dann erfuhr ich, daß wir nun doch einen Arzt an Bord hatten. Einen Herrn Dr. Rifkamp . . . Sein wie- vielter Name, seine wievielte Maske mochte das sein?

Ich überlegte alles, ich mußte zu einem raschen Ende gelangen.

Da tauchte ein Plan in mir auf. Der Schiffsarzt krank. . . und jener Mann hat die Maske eines Arztes angenommen . . . Welch glückliches Zusammentreffen!

Ich begab mich in die Kabine von Fräulein Traer zurück. Ich sprach lange und eindringlich zu ihr. Sie erklärte sich bereit, auf meinen Plan einzugehen, wenn er auch ein großes Opfer für sie mit sich brächte. In einer harmlosen Tasse Kaffee ein Brechmittel zu trinken, ist nicht jedermanns Sache. 1

(Fortsetzung folgt.)