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hersfelöerTageblatt

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Hersfelder Kreisblatt

Amtlicher /lnZeiger für den Kreis Hersfelö

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Nr. 286 Montag, 7. den Dezember 1931

81. Jahrgang

Hitler an Sie Großmächte

Anerkennung der privaten Auslandsschulden gegen die politischen Tributforderungen

Regierung veröffentlicht morgen die neue Notverordnung?

Berlin. Das Reichskabinett fuhr am Sonntag in feinen Beratungen über die neue Notverordnung fort, die heute mittag beendet werden sollen. Daraufhin wird der Reichs­kanzler vom Reichspräsidenten zum Vortrag empfangen werden, wofür bis zur Stunde noch kein Termin anberaumt worden ist. Es bleibt dabei, daß die Notverordnung nach der Unterzeichnung am Dienstag oder Mittwoch ver­öffentlicht werden wird.

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Wie wir hören, wird der Reichskanzler nach Fertig- ftellung der Notverordnung dem 3n- und Auslande Aufklä­rung über feste Arbeiten und Absichten geben.

Stuttgarts neuer Gemeinderat

Die bisherigen Wahltendenzen erneut bestätigt.

Stuttgart. Bei der am Sonntag statt gefundenen Ge­meinde 'atswahl wurden von 266 749 Wahlberechtigten 209 048 Stimmen (bei der Reichstagswahl am 14. September 1930 bei 261 497 Wahlberechtigten 212 752 Stimmen) abge-. geben. Die Wahlbeteiligung betrug rund 78,4 Prozent.

Es entfielen auf die Kommunistische Opposition 4037 Stimmen (Reichstagswahl 1930 0), 0 Sitze; Christlich-sozia­ler Volksdienst 9075 (11 332), 1 Sitz; Sozialdemokraten 46 810 (55 602), 7 Sitze; Zentrum 18186 (19 074), 3 Sitze; Deutschnationale 19 525 (18 006), 3 Sitze; Einheitsliste (De­mokraten, Deutsche Volkspartei, Nationale Volksgemein­schaft) 23 104 (49 998), 3 Sitze; Nationalsozialisten 44 599 (21 360), 7 Sitze; Kommunisten 37 803 (36 119), 6 Sitze.

Das charakteristische Merkmal der Gemeinderatswahl stt.öas gfnf^taenen-bei naUo^astuchallschchLN Stimmen, die sich seit der letzten Reichstagswahl mehr als verdoppelten, während Demokraten, Deutsche Volkspartei, Volksrechtpartei und Nationale Volksgemeinschaft um mehr als die Hälfte zu­sammengeschmolzen sind. Die Sozialdemokratie hat sich als die stärkste Partei behauptet, aber ihre Stimmen sind um nahezu 9000 zurückgegangen. Die Kommunisten konnten ein­schließlich der Kommunistischen Opposition ihre Stimmenzahl um 5700 erhöhen.

Weckruf zur Verantwortung

Dr. Groener über Pflichten des Staatsbürgers.

Berlin. Reichsinnenminister Dr. Groener sprach im Rundfunk über dieVeranwortung des Staatsbürgers". Der Minister gab der Hoffnung Ausdruck, daß die nicht zu lösende Schicksalsverbundenhett aller deutschen Volksgenossen den Staatsbürgern immer mehr zum Bewußtsein kommen möge. Groener gab daraufhin einen Ueberblick über die Entwick­lung des Staatsbürgerbegriffs von den siebziger Jahren bis zur Gegenwart und kennzeichnete das jetzige Staatsbürger­tum als ein Verbands- und Parteibürgertum. Der heutige Staatsbürger empfinde die Pflichten gegenüber der Allge­meinheit nicht mehr mit der Klarheit der früheren Zeit. Es sei falsch, in der durch die Reichsverfassung gewährleisteten Ausübung der Macht des Volksganzen eine Zersplitterung des Volkswillens zu sehen. Im Gegenteil: es solle die Kon­zentration des Volkswillens im Sinne einer Führeraus­wahl angestrebt werden. Jeder einzelne Staatsbürger trage aber die Verantwortung dafür, daß der Volkswille nicht in Bahnen gelenkt werde, die statt zur Zusammenfas­sung, zur Zersplitterung und Auflösung der Volkskräfte führten. Die Verantwortlichkeit der Regierung müsse alle Volksgenossen umfassen. Jeder einzelne müsse sich der Ver­antwortung dem Staat gegenüber bewußt sein. Die durch die heutigen Zeitverhältnisse bedingten Störungen im nor­malen Ablauf der wechselseitigen Beziehungen des Bürgers zum Staat zu beseitigen, sei die wichtigste Aufgabe für eine gesunde Entwicklung des Volksganzen. Das könne durch

Stärkung der Verantwortlichkeit aller politischen Führer und durch Verbundenheit der Reigerung mit dem Volk, erreicht werden. Das Verantwortungsbewußtsein der Re­gierung gebe ihr die Kraft, auf ihrem Posten zu bleiben. Sie werde die Flinte nicht ins Korn werfen, vielmehr bis zum letzten ausharren und alle Kraft aufbieten, um das deutsche Volk aus dem Engpaß herauszuführen. Die verantwortliche Regierung könne aber nicht durchgreifend helfen, wenn ihr nicht die Unterstützung der deutschen Staatsbürger zuteil werde. Der Minister kündigte an, daß dieser Tage neue Notverordnungen erscheinen werden. Groener führte am Schluß seine Rede die Persönlichkeit des Reichspräsidenten von Hindenburg und des Reichskanzlers Dr. Brüning an, um zu zeigen, welches hohe Verantwortungsbewußtsein diese beiden Führer des deutschen Volkes haben. Der Minister warnte vor Verrohung der politischen Sitten und appellierte an die Vaterlandsliebe aller Deutschen, den sittlichen Wert des Staatsbürgers zu erhalten.

Vernehmungen wegen des Boxheimer Dokuments.

Darmstadt. Reichsgerichtsrat Zöller hat am Freitag und Samstag wegen der Abfassung des Boxheimer Dokumentes Dr. Pest und die übrigen Beschuldigten vernommen. Ueber die Vernehmung wird strengstes SMschwoigen bewahrt.

Hitlers politisches Programm

Die nationallozialWche Autzenpolitil

London, 6. Dezember.

Die gesamte Londoner Presse mit Ausnahme des sozia­listischenDaily Herold" bringt in großer Aufmachung eine Unterredung Hitlers mit Vertretern der englischen und amerikanischen Presse, die er im Hotel Kaiserhof in Berlin empfing. DerTimes"-Bericht nimmt eine volle enggedruckte Spalte ein.

Hitler beschäftigte sich zunächst mit dem Hessendokument und erklärte, sein Wille sei in der Partei allein maßgebend. Er denke nicht daran, in letzter Minute die Grundsätze der Legalität über Bord zu werfen, an denen er seit jeher fest­gehalten habe. Dies sei auch gar nicht nötig. Es unterliege keinem Zweifel, daß die Partei bald zur Macht kommen werde, vielleicht schon in diesem oder im nächsten Monat, vielleicht auch erst in fünf oder zehn Monaten.

Hitler sprach sich dann über die kommunistische Gefahr in Deutschland aus, die zum Teil das Hessen-Dokument er­kläre. Die meisten Menschen hätten noch nicht die geringste Vorstellung von der Ungeheuerlichkeit der kommunistischen Gefahr und den Kampforganisationen der Kommunisten, die alles hinwegfegen und damit neue Tatsachen schaffen woll­ten. Er könne daher nicht einzelnen Mitgliedern seiner Par­tei verbieten, über die kommunistische Gefahr nachzudenken; aber es sei eine Unverschämtheit, die Gedanken in Form eines Dokumentes niederzulegen.

Hitler erklärte die Verbitterung und die Kampfent­schlossenheit seiner Anhänger mit dem fortgesetzten Klein­krieg der Kommunisten, durch den die Nationalsozialisten in diesem Jahre 5000 Verwundete und viele Tote verloren hätten. Die Entscheidungsschlacht gegen den Bolschewismus werde in Deutschland ausgefochten werden. Die Mattormt- sozialisten fühlten, daß es ihre Aufgabe sei, diesen Kampf für die ganze Welt zu gewinnen, und sie würden ihn gewinnen.

Hierauf ging Hitler auf die Frage der Kriegsschulden und Tribute ein. Deutschland, so erklärte er, könne nicht die politischen und wirtschaftlichen Schulden zahlen, ohne seine Ausfuhr in einem Umfange auszudehnen, den man als Wahnwitz bezeichnen und der die Weltwirtschaftslage wieder zum Chaos bringen müsse.

Die Nationalsozialisten würden die privatschulden an­erkennen, aber sie weigerten sich ganz energisch, sich politi­schen Erpressungen zu unterwerfen. Alles hänge davon ab, ob die Welt Frankreich erlauben werde, auf der Prio­rität der politischen Forderungen zu bestehen. Es handele sich hierbei nicht darum, ob man wolle, sondern darum, ob man könne. Wenn die Welt von Deutschland die Fortsetzung der Zahlungen für die politischen Erpressungen Frankreichs in der Form von Tributen fordere, so müsse sie sich darauf gefaßt machen, einen vollständigen Zusammenbruch Deutsch­lands zu erleben. Die Tribute seien Wahnsinn. Die Welt werde um der politischen Forderungen Frankreichs willen zu Grunde gerichtet. Die Welt müsse entscheiden, ob Frank­reich mit seinem großen Heer und seiner militärischen Wacht weiterhin der politische Steuereintreiber Europas bleiben solle, oder ob sie Frieden und Wohlfahrt haben wolle. Mit einer einzigen Ausnahme seien die freundschaftlichen Be­ziehungen zwischen Deutschland und seinen früheren Fein­den wiederhergestellt, aber Einigungsversuche müßten von Frankreich kommen und seien so lange unmöglich, solange Frankreich die 65 Millionen Deutsche noch als eine zweit­klassige Nation betrachte.

Hitler wies dann auf die großherzige Behandlung hin, die Frankreich 1871 durch Deutschland zuteil geworden sei, wo Deutschland den Wiederaufstieg Frankreichs ermöglicht habe. Die kommende Abrüstungskonferenz werde der Be­weis für den gesunden Menschenverstand der ganzen Welt I sein. Wenn man erlaubte, daß Frankreich seine Rüstungen auf der bisherigen Höhe behielte, die gänzlich unnötig für seine Sicherheit seien, dann würde dies bedeuten, daß die ganze Welt tatsächlich die Fortsetzung der französischen Vor­machtstellung wünsche.

Hitler wies dann darauf hin, daß seine Partei eine neue Generation darstelle. Sie fei nicht verantwortlich für den Friedensvertrag von Versailles, und sie würde auch keine Verträge anerkennen, die Deutschland nicht erfüllen könne.

Auf verschiedene Fragen äußerte sich Hitler dann über die Wirtschaftspolitik. Er stellte dabei folgende Forderungen auf: 1. Rücksichtslose Herabsetzung des großen Verwaltungs- apparates in Deutschland; 2. rücksichtslose Drosselung der Einfuhr und 3. Beseitigung aller politischen Verpflichtungen. Hitler schloß mit dem Satz:Deutschland ist nicht Karthago, und Frankreich ist nicht Rom!"

Ein Rolenberg-Interview

Wie Adolf Hitler in Berlin, empfing der Abgeordnete Rosenberg, der Hauptschriftleiter desVölkischen Be­obachter", in London mehrere Vertreter Londoner Zeitun­gen. Dem Vertreter derMorningpost" sagte er, die Na­tionalsozialisten würden mit dem Völkerbund so lange zu­sammenarbeiten, als er bereit sei, seine eigenen Grundsätze in die Tat umzusetzen. Dabei würden sie besonders auf den Artikel 8 des Völkerbundsstatuts Hinweisen, der die Gleichberechtigung der Nationen vorsehe, die man Deutsch­land seit dem Kriege abgesprochen habe.

Wenn Frankreich Mindestforderungen für seine Sicher- he,t verlange, so taten dies auch die Nationalsozialisten für Deutschland. Sie könnten nicht anerkennen, daß Frankreich eine dauernde Vorherrschaft in Europa ausübe. Es sei Zelt, daß Deutschland auf seinen Rechten bestehe. Eine andere Frage, die reif zur Erörterung sei, sei die polnische.

Dem Vertreter derDaily Mail" gegenüber betonte Rosenberg daß Deutschland ehrlich seine wirtschaftlichen Schulden bezahlen wolle. Die Nationalsozialisten müßten aber gleichzeitig erklären, daß ein politisches und wirtschaft- llches Unglück nicht vermieden werden könne, wenn nicht alle Reparationen gestrichen würden. England werde bald her- aussinden, daß die deutsche Forderung nach einer vollstän- digen Abschaffung aller Reparationen auch im engli chen Interesse liege. Eine neue Friedenskonferenz werde bald kommen. Die Welt könne die Krise nicht uberwinden, solange Deutschland gezwungen werde, Dinge zu tun, die unmöglich seien.

Bolkspartei weiter in Opposition

Jr. Dingelvey für Mitarbeit der Nationalsozialisten.

Hannover. Der Zentralvorstand der Deutschen Volks- parlei nahm mit 330 gegen 14 Stimmen eine Entschließung an, in der die Ausführungen des Parteiführers über die po­litische Lage und den Kurs der Partei gebilligt werden und ihm volles Vertrauen ausgesprochen wird.

Der Zentralvorstand ist der Auffassung, daß die Rettung Deutschlands aus feiner heutigen, bedrängten Lage nur in d^r Abkehr von der Sozialdemokratie erfolgen könne. Er halte die Bildung einer auf die breiten, nationalen Kräfte des deutschen Volkes gestützten Reichsregierung für dringen­des Erfordernis.

Aus dieser Erkenntnis steht die Deutsche Volkspartei unter Wahrung ihrer Selbständigkeit nach allen Seiten in entschlossener Opposition zur gegenwärtigen Reichsregierung und der Regierung in Preußen.

In einem Antrag wird der Zentralvorstand aufgefor- dert, sich mit allen Kräften für die Priorität der Regelung der privaten Schulden vor den Reparationen einzusetzen. Dabei müsse die bestehende Währung mit aller Entschieden­heit geschützt werden. Schließlich wird auch noch die ener­gische Unterstützung des selbständigen Unternehmertums und des Privateigentums gefordert.

In der Sitzung setzte sich Parteiführer D i n g e l d e y für eine Heranziehung der Nationalsozialisten zur positiven Regierungsarbeit ein, die nach der Reichstagswahl 1930 ver­säumt worden wäre. Die nationale Opposition habe damals einen Fehler begangen, indem sie aus dem Reichstag aus- zog. Die Deutsche Volkspartei gehe ihren eigenen Weg und habe sich in innen- und außenpolitischen Fragen niemals an irgendwelche Interessengruppen gebunden gefühlt. Die neue taktische Front der Partei erfordere eine einheitliche und selbständige Haltung, die aber nicht die Form der Opposition von links und rechts annehmen werde.

Hugenberg gegen Tribute

Berlin. In einer Unterredung, die Dr. hugenberg dem Berliner Vertreter desRests del Earlino" gewährte, betonte hugenberg, alle unparteiischen Beobachter seien sich darin einig, daß Deutschland nach dreizehnjähriger Aus- augung völlig leislungsunfähig sei. Wir schulden dem Aus- ande ungefähr 30 Milliarden in Gold. Deutschland müsse, da es feinen kommerziellen Verpflichtungen nachkommen wolle, weitere Tributzahlungen ablehnen. Aber auch bei einer Befreiung von den Tributen sei das Schuldproblem noch schwer genug. Trotz alledem wollen wir uns über die Rückzahlung dieses Riesenkapitals in einem

anständigen Vergleich

mit unseren Gläubigern einigen. Ueber die Abrüstung sagte Hugenberg, nachdem er Mussolinis Initiative begrüßt hatte:Führt die Abrüstungskonferenz nicht zu einer Wie­derherstellung der Abrüstungsgleichheit, so ergibt sich für Deutschland das Recht, die nötigen Schritte zu ergreifen, um die Gefahren der Rüstungsgleichheit zu beseitigen. Gerade die Nationalisten ersehnen nichts so sehr als den Frieden."

Der Ausstand in Sau Salvador beendet

London, 6. Dezember

Der Aufstand in San Salvador ist beendet. Der bis­herige Vizepräsident Martine; hat an der Svihe eines Mili­tärdirektoriums die provisorische Präsidentschaft übernom­men. Martine; gibt bekannt, daß die Ruhe im gan;en Lande wiederhergestellt sei und das Volk die neue Regierung un­terstütze. Die Schießereien Mischen den Aufständischen und dem regierungstreuen Militär sind nach einem Ultimatum an . die regierungstreue Polizei und die Nationalgarde ein­gestellt worden. Insgesamt sind 50 Todesopfer zu beklagen.

Wie aus fmuanna gemeldet wird, ist der gestürzte Präsident von San Salvador, Araujo, nach Guatemala ge­flohen.