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HersfelüerTageblatt

Pnzetgenprelsr die einspaltige Petitzelle 15 Pfennig, die Neklamezelle 50 Pfennig. (Grundschrlst Korpus). Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Preis. Nachlaß gewährt. Zür die Schrlsileitung verant. wörtlich r Kranz Funk in Hersfeld. Kernsprecher Nr.

Hersfelder Kreisblatt

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Amtlicher /inzeiger für den Kreis kersfelö ÄÄVM

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Nr. 276

Mittwoch, den 25. November 1931

81. Jahrgang

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Endlich wirksame Derbilligungsaktion?

Die Reichrregierung vor folgenschweren Entschlüssen - Zmüchst sollen Brot- und Fleischpretse gesenkt werden

Frankreich in Mitteleuropa

Wenn je die Hegemoniebestrebungen Frankreichs deut­lich geworden sind, so in dem Jahrzwölst, das Deutschland nach dem Krieg durchlebte. Während die Zusammenballung größter Wirtschaftsräume vor sich geht, von denen die Sowjetunion, die Vereinigten Staaten von Amerika und das durch die 1932 erfolgende Rückkehr zum Schutz­zoll sich abschließende und stärkende britische Welt­reich die radikalsten Formen darstellen, verharrt Europa in seinem Zustand der Zersplitterung. Frankreich kann seine politische Vormachtstellung nur behaupten, wenn es auch wirtschaftlich der Herr Europas ist. Und so verbietet es das Lebensgesetz der französischen Politik, daß sich Europa zu einem großen Wirtschaftsgebiet vereinigt, es fordert vielmehr geradezu die Atomisierung Europas als ewigen Zustand. Und wenn wie in Osteuropa, gezwungen durch die Lebensnotwendigkeit von Völkern und Räumen, sich Umgestaltungen anbahnen, wird der Zustand deutscher Staats- und Wirtschaftskrise dahin ausgenutzt, die Aus­schaltung Deutschlands aus solchen Prozessen zu vollenden. In klarer Erkenntnis aber, daß die wirtschaftliche Existenz der Zwergstaaten durch diesen Zustand völliger Zersplitte­rung selbst bedroht ist, sucht Frankreich nach neuen Wegen, d-ese Krise zu bannen.

Die obige Kartenskizze veranschaulicht die hier entwickelten Ge­dankengänge und kennzeichnet die Notwendigkeit einer Erschließung des mitteleuropäischen Raums durch eine entsprechende deutsche Außenpolitik. Die Skizze ist der ZeitschriftVolk und Reich" ent­nommen, die sich zum Ziel gesetzt hat, diese Frage systematisch zu verfolgen.

Hatte Frankreich nach dem Bekanntwerden des deut ch- österreichischen Zollunionsplanes die Wiederaufrichtung der Habsburger Monarchie noch mit Eifer betrieben, so treten heute in der Hoffnung, daß Ungarn durch eine Bildung einer demokratischen Regierung in die Linie frankophiler Politik gezogen würde, die Donauföderationspläne wieder in den Vordergrund. Frankreich sucht, zuerst die Agrarlän­der Rumänien, Jugoslawien und Ungarn auf landwirt­schaftlicher Grundlage zu einem einheitlichen Block zufam- menzusckließen. Sodann soll Oesterreich mit der Tschechoslowakei, selbstverständlich unter,tschechischer Führung zu einem Jndustrieblock entwickelt Anerben, der dann mit dem Agrarblock vereinigt werden soll. Hinsicht­lich der zwischenstaatlichen Abmachungen plant man Prä­ferenzzölle im Rahmen der Genfer Abmachungen, wodurch unter allmählicher Angleichung der Zwischenzölle ein Zoll­bündnis entstehen soll. Dieser 60 Millionen Menschen um­fassende Block nach Westen und Osten als Einheit auftretend, kann dann natürlich seine Agrar- und Jndustrieüberschüsse bestmöglich unterbringen. Daß Frankreich gewillt ist, der Durchführung dieses Planes alle verfügbaren politischen und finanziellen Hilfskräfte zu leihen, ist selbstverständlich, wenn man bedenkt, daß Frankreich in der Zeit der Bildung dieses Blocks sein politisches und wirtschaftliches Verhältnis mit Deutschland bereinigt zu haben hofft, daß jede Wettbewerbs- gefahr der deutschen Wirtschaft und jede selbständige poli­tische Regung Deutschlands ausgeschlossen bleibt. Die Krise der Zwergstaaten soll hierdurch zugleich ihre Behebung fin« den, da die Verbindung des s ii d ö st l i ch e n Blocks mit einem gefesselten Deutschland natürlich nur den Vasallenstaa­ten Frankreichs Nutzen bringt.

Diese Pariser Pläne würden selbstverständlich in Prag auf größte Gegenliebe stoßen, wenn man sich nicht doch noch benachteiligt fühlen würde. Man bejaht zwar die F e s s e - l u n a D e u t s ch l a n d s, die es vor allem zu einem lah- men Partner gegenüber dem südosteuropäischen Block machen fe& fürchtet indes, daß sich aus den deutsch-französischen

Verständigungsverhandlungen Kartellabmachungen ergeben werden. Und um der tschechischen Industrie hierbei Quo­ten zu sichern, müßte die Tfchechei in die Kartellverhand­lungen einbezogen sein. Das glaubt Prag aber nur er­zwingen zu können, wenn es den Pariser Donauföderations­plänen eine eigene Konzeption entgegensetzt. Und diese er­blickt Benesch in der Bildung eines Dreiecks Berlin- Paris-Prag, wobei in der Furcht vor der Gegner­schaft Deutschlands man die deutsch-französische Verständi­gung zwar forcieren will, insgesamt aber Deutschland an der Bildung des Südostblocks interessiert und dadurch mit der Tschechei auf Kosten Frankreichs gestärkt werden soll.

Sowohl der Pariser wie der Präger Plan lassen erken­nen, daß man einmal die Lage in Mitteleuropa für äußerst bedroht ansieht und den Zeitpunkt zu handeln für unbe­dingt gekommen erachtet, zum anderen aber, daß die Pläne von der Furcht getrieben sind, Deutschland wolle einen eige- genen ernsten Plan zur Gestaltung Mitteleuropas durch­führen. Wird dies deutscherseits erkannt, so ergibt sich klar die Richtung der Politik. Es gilt einzusehen, daß die Exi­stenz unseres Volkes und unserer Wirtschaft auf der bisheri­gen Grundlage des freien weltwirtschaftlichen Güteraus­tausches nicht gesichert werden kann, sondern daß wir ge­zwungen sind, den Schwerpunkt unserer wirtschaftlichen und politischen Betätigung in den Raum zu verlegen, in den die Geschichte das deutsche Volk gestellt hat.

Und es gilt weiter, die Gegensätze zu erkennen, die sich zwischen Frankreich und seinen Vasallen auftun, um den einen und den anderen Plan, beide gleich die Existenz Deutschlands bedrohend, durch einen eigenen Staats- und wirtschaftspolitischen Plan zu ersetzen, der den mitteleuropäi­schen Raum für deutsche Lebensmöglichkeiten erschließt.

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Denkschrift Nankings an den Völkerbund.

Paris, 23. November.

Der chinesische Vertreter Sze hat dem Generalsekreta- riat d-^ Völkerbundes eine Denkschrift zu gehen lassen, in der »s nach einmal zur Frage der Entsendung eines Un= lersuchvnqsansschusses Stellung nimmt. Die Denkschrift weist darauf hin, daß einem derartigen Ausschuh grunb« säglich nichte «ntgegenzuhalten sei, daß er im Gegenteil schon vor zwei Monaten hätte entsandt werden können, wenn die japanische Regierung sich nicht dagegen gewehrt hätte. Die Entsendung eines derartigen Ausschusses würde jedoch über- a werden, wenn nicht zu gleicher Zeit diejenigen Maß­en aetroffen würden, die die sofortige Regelung der Streitigkeiten und den sofortigen Rückzug der japanischen Truppen sicherstellten.

Eine Untersuchung, die nicht von derartigen Maßnah­men begleitet sei, würde nichts anderes bedeuten, als ein Hinausziehen der Angelegenheit und die ungerechtfertigte Besetzung chinesischen Gebiets durch einen Angreifer, der sein ungesetzliches Ziel bereits erreicht habe. Es fei unmög­lich, an der Aufstellung der dem Ausschuh zu erteilenden Befugnisse teilzunehmen, solange der Untersuchung nicht die angeführte Grundlage gegeben werde.

Vor neuen Kämpfen.

Nach japanischen Meldungen ist der Verkehr auf der PekingMukden-Eisenbahn infolge der Truppenbewegun­gen Tschanghsueliangs in der Gegend von Tschingtschau lahmgelegt. Die Truppen Tschiangkaischeks seien im Vor­marsch auf Mukden begriffen. Nach chinesischen Meldungen aus verschiedenen Quellen scheint andererseits festzustehen, daß die Japaner einen Generalangriff auf Tschingtschau planen und bereits mit großen Truppenabteilungen und Panzerwagen entlang der chinesischen Ostbahn vorrücken. Die Telegraphen- und Telephonleitungen sind durchschnit­ten. Die Ausfallstraßen von Mukden nach Peking sind durch Drahtverhaue abgesperrt und stehen unter scharfer ja­panischer Bewachung.

Japanischer Fliegerangriff.

Nach einer Meldung aus Peking haben japanische Flie- ger Kintschou an der Eisenbahnlinie Tientsin-Mukden bom­bardiert. Die Japaner haben mehrere Bomben auf den Zug des Maschalls Tschangbsueliang abgeworfen, ohne den Marschall zu verletzen. Die japanischen Flieger wurden von den Chinesen stark beschossen.

Anschlag auf japanischen Truppentransportzug.

Wie aus Tokio gemeldet wird, ist bei Mukden ein mit japanischen Truppen beladener Zug entgleist. Die Ursache ist eine durch chinesische Banditen vorgenommene Beschädi­gung des Bahnkörpers. Die Verluste Der Japaner sind be- trächlich. Umfassende Maßnahmen sind eingeleitet worden.

Nanking gegen den Kommunismus.

Einer Timesmeldung aus Schanghai zufolge befaßt sich der Kongreß der Kuomintang in Nanking gegenwärtig mit der kommunistischen Bewegung in den Provinzen Kiangsi, Hupeh, Hunan, Honan, Fukien und Anwhei.

Als Gegenmaßnahmen sollen militärische Operationen in allen sechs Provinzen geplant sein. Die Kosten dieser militärischen Unternehmung, so heißt es weiter, müßten von der Zentralregierung getragen werden.

Schwierige Kabinettsarbeit Zunächst einmal Preissenkung.

Berlin, 25. November.

Das Reichskabinelt begann am Dienstag mit der Bera­tung der Ergebnisse der Verhandlungen des wirkschaftsbei- rates, die nunmehr vom Reichskabinett in praktische Maß­nahmen umgewertet werden sollen. Auch in den nächsten Tagen wird das Kabinett längere Sitzungen abhalken, um in etwa zehn Tagen bis zum Beginn der internationalen Verhandlungen seine Beratungen beendet zu haben.

Die Kabinettsberatungen bezogen sich zunächst auf die Fragen, die bei der Unterredung der sozialdemokratischen Vertreter mit Mitgliedern der Reichsregierung (Reichskanz­ler, Reichsfinanz-, Reichsernährungs- und Reichsarbeits- minister) Gegenstand eingehender Besprechungen gewesen waren, nämlich auf die Senkung des Brokpreises und die Verbilligung des Fleisches für Erwerbslose.

Der Reichsernährungsminister unterbreitete dem Ka­binett eine entsprechende Vorlage, durch die ermöglicht wer­den soll, daß den Erwerbslosen das Fleisch 30 Pf. je Pfund billiger als im Normalpreis ab­gegeben wird. In der Frage der Brotpreisgestaltung wird die Reichsregierung alle gesetzlichen Handhaben anwenden, um eine Steigerung des Brotpreises über das Niveau des Vorjahres zu verhindern. Diese gesetzlichen Handhaben sehen u. a. die Aufhebung des Nachtbackverbots vor, außerdem soll durch Einwirkung auf den Roggenmarkt eine Verteuerung des Roggenmehlpreises verhindert werden. Man nimmt an, daß gegebenenfalls auf die reichseigenen Bestände des Roggenvorrats zurückgegriffen werden wird, um zu verhindern, daß ausländisches Getreide in stärkerem Maße einaefübrt wird_________________

Die Gewerkschaften warnen

' Berlin, 25. November.

Der Gesamtvorstand des freiheitlich-nationalen Gewerk- schastsringes erklärt einmütig zu dem Ergebnis der Verhand­lungen im Wirtschaftsbeirat, die von der Reichsregierung j formulierten Leitsätze zeigten, daß man nicht bis zu den Kernfragen der Krise notgedrungen sei.

So lange immer nur einseitig an Lohn und Gehalt her­angegangen würde, müsse sich die katastrophale Schrumpfung des Jnlandmarktes in verhängnisvoller Weise fortsetzen. Die jetzige Kaufkraft des Arbeitnehmereinkommens müsse und könne die Reichsregierung erhalten, wenn sie den stärksten Druck auf alle anderen Selbstkostenfaktoren ausübe.

Sie Reichsregierung müsse sich allen entgegenstehenden Arbeitgebereinflüssen verschließen.

Preußens Polizei auf dem Posten"

Severing spricht vor den Jungrepublikanern. _ ;

Berlin, 25. November.

In einer von dem Deutschen Republikanischen Stu- dentenbund, der Freien Nationalen Schülerschaft und dem Deutschen Republikanischen Pfandfinderbund verunstalteten, stark besuchten Jugendkundgebung im Plenarsaal des ehema­ligen Herrenhauses sagte gestern abend der preußische Innen­minister Severing:

Ls ist gelungen, die Polizei zur Stützung der Republik heranzuziehen, es muß aber auch das Heer erobert werden." Komme der Faschismus durch den Unverstand der Massen, dann hätten die Republikaner, so sagte Severing, dafür zu sorgen, daß dieserwüste Traum", dieseNebelung der Ge­hirne" bald einer besseren Zukunft weichen. Auf jeden Fall würde die preußische Polizei auf dem Posten sein. Wenn auch gegenwärtig die Republik bedroht sei, an dem Felsen der Republikaner würde der faschistische Sturm zerschellen.

Wirtschafts-Problem Mitteleuropa

Paris, 25. November.

Als letzter Interpellant in der gestrigen Kammersitzung erklärte der katholische demokratische Abgeordnete P e ze t, die Regierung müsse sich effektiv der Organisierung einer re­gionalen Wirtschaftsunion, die für Mittel- und Osteuropa be­sonders dringlich sei, widmen.

Man dürfe nicht vergessen, daß an der Donau 65 Millio­nen Menschen in einem unstabilen wirtschaftlichen Zustande lebten. Darum müsse man die Wirtschaftsunion Mittel- europas verwirklichen. Wenn die italienischen Jntrigen die­sen plan gefährdeten, oder wenn der deutsch-französische Ge­gensatz anhalte, dann werde es unmöglich sein, Mitteleurova wieder hochzubringen. Die deutsch-französische Verständi­gung würde es ermöglichen, Mitteleuropa seinen Wert wie- der zu geben.

Die Weiterberatung der außenpolitischen Debatte wurde darauf auf morgen vertagt.

Wirtschaftsverhandlungen mit Italien

Berlin. Die deutsch-italienischen Verhandlungen über ein Zusatzabkommen zum Handelsvertrag werden voraus­sichtlich am Freitag, 27. WpembeH in Rom beginnen.