Hersfel-erTageblatt
^n^dosopttls! Wi tftifpolffßt ytüf^ilt 15 Pftnnln^ öle Reklamezelle 50 Pfennig. (Gmnöschrlst Korpus). Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Preisnachlaß gewährt. ♦ Kür die Schristleitung verant- wörtlich: Kranz Zunk in Hersfeld. ♦ Kernsprecher Nr.
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hersselder Kreisblatt p
Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelü U
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Rr. 272
Freitag, den 20. November 1931
81. Jahrgang
Vereinbarung mit Frankreich
Deutschland hat die Einberufung des BJZ-Ausschusses beantragt
Ergebnis der Woche
Eine Kulturschande.
R. P. Gleichsam als Auftakt zu dem kirchlichen Bußtax hielt Reichsinnenminister Dr. Groener auf der Konferenz der Innenminister eine sehr deutliche Rede, die entschieden« Maßnahmen gegen die immer mehr zunehmende Mord- unt Terrorseuche verlangt. Er hat diese Zustände mit Recht als Kulturschande bezeichnet und gefordert, daß bei der Bekämpfung dieser innerpolitischen Auswüchse „Gerechtigkeit walte! und ein gerader Kurs eingehalten" wird. Diese Forderung ist offenbar nicht ohne Absicht erfolgt, nachdem es von veo schiedenen Seiten immer so hingestellt wurde, als ob dies« Bluttaten allein von nationalsozialistischer Seite ausgingen Die SA. haben sich daher veranlaßt gesehen, dem Reichspräsidenten eine Denkschrift zu überreichen, in welcher ein« Zusammenstellung über Terror- und Gewaltakte mit ihren Folgen für Leben und Gesundheit der betroffenen SA.-Mitglieder enthalten ist. Der Reichspräsident hat diese Denkschrift zur weiteren Verfolgung an den zuständigen Reichsinnenminister weitergeleitet. Gleichzeitig wird vom Nationalsozialistischen Pressedienst eine Mitteilung veröffentlicht, wonach seit 1928 rund 200 Nationalsozialisten durch solche Gewaltakte getötet und seit dem 1. Januar 1931 allein 4618 Nationalsozialisten getötet oder verletzt wurden. Auch von anderer Seite ist eine Statistik aufgemacht und dem Reichskanzler unterbreitet worden, die ergeben soll, daß ähnliche Terrorakte auch gegen Mitglieder linksstehender Organisationen mit entsprechenden Folgen zur Ausführung gekommen seien. Es soll hier nicht geprüft werden, auf welcher Seite die Hauptschuld liegt. Die Tatsache allein dürfte genügen, daß unbedingt etwas geschehen muß, um diesen Zuständen ein Ende zu machen. Das gerade in den letzten Wochen an den verschiedensten Stellen des Reiches zusammengetragene Material über Pläne gewaltsamen Umsturzes, über systematische Vorbereitung des Bürgerkrieges und Ausbildung kommunistischer Vertrauensmänner für den Bürgerkrieg zeigt deutlich genug, in welcher Gefahr sich Deutschland und das deutsche Volk befinden.
Die Hessen-Wahlen.
Die hessischen Landtagswahlen haben im übrigen bewiesen, wie die Bevölkerung auf all die Vorgänge innen- und wirtschaftspolitischer Art reagiert. Die nationalsozialistische Welle ist entgegen allen Prophezeiungen nicht zu- rückgeebbt, sondern ist mit Ungestüm vorwärts geschlagen. Innerhalb eines Jahres haben sich die nationalsozialistischen Stimmen mehr als verdoppelt. Schon macht sich auf der Linken das Bestreben nach einer „gemeinsamen Front gegen )en Faschismus" bemerkbar, nicht zuletzt wohl aus der Be- ürchtung heraus, daß diese Bewegung, die vorerst fast aus- chließlich die Wählermassen der bürgerlichen Mittelparteien ergriffen hat, sich auch auf die Kreise erstrecken könnte, die bisher aus Gründen sozialer und arbeitsrechtlicher Art ihre Hauptstütze bei den Linksparteien suchten. In Hessen wird es sich jetzt entscheiden müssen, welche Folgerungen man in den beteiligten Parteien aus dem Wahlausfall ziehen will. Die bisherige Weimarer Koalition wäre nur aufrechtzuerhalten, wenn sich die Kommunisten bereit fänden, sie zu tolerieren und einen Mißtrauensantrag gegen die Regierung abzulehnen. Das erscheint vorerst fraglich. Es bliebe dann nichts anderes übrig, als den Nationalsozialisten die Regierungsbildung zu übertragen, die wiederum nur mit dem Zentrum eine tragfähige Mehrheit zustande bringen könnten.
Was man gegen uns ausnutzt.
Es wird bekannt, daß Frankreich jetzt in Amerika eine sehr wirkungsvolle Propaganda gegen Deutschland dadurch einleitete, daß es die verschiedensten Prachtbauten in Deutschland den Amerikanern im Bilde vor Augen führt. Damit versucht Frankreich, seine These in Amerika zu stützen, daß die privaten Schulden Deutschlands nicht mit den Reparationsschulden auf eine Stufe gestellt werden könnten. Man will also die Ueberzeugung erschüttern, daß bei der Feststellung der Zahlungsfähigkeit Deutschlands private und Reparationsschulden gemeinsam festgestellt werden müßten. Noch ein weiteres muß berücksichtigt werden, wenn man verstehen will, weshalb das Ausland so wenig Ver- ständnis für die wirkliche Lage in Deutschland aufzubringen in der Lage ist. Ein Teil der deutschen Sensationspresse bemüht sich fast täglich, durch eine entsprechende Aufmachung in Schlagzeilen die Verhältnisse in Deutschland so verhäng- nisvoll wie möglich erscheinen zu lassen. Man kann nicht verlangen, daß das Ausland Deutschland mehr Vertrauen entgegenbringt als ein Teil seiner eigenen Presse. Es wäre wirklich notwendig, daß wir uns in Deutschland einmal über unsere tatsächliche Lage klar und dann einig darüber wür- den, wie wir aus dieser Lage wieder herauskommen. Die bisher geübten Methoden aus parteitaktischen oder sensationslüsternen Gründen müssen uns immer tiefer in die Krise hineinführen.
Frankreichs Vertragskrankheit.
Die deutsch-französischen Verhandlungen über die Repa- rationsfrage haben sich schon wieder einmal zugespitzt. Frankreich reitet wieder sein altes Steckenpferd: Unan« tastbar kett der Verträge! An dem Young-Plan
soll, wenn er sich auch noch so undurchführbar erweist, nicht ein Tüpfelchen geändert werden. Es hat es durchgesetzt, daß Deutschland nach dem Hoover-Moratorium die Uoung-Be- stimmungen für ein Reparationsmoratorium in Anwendung bringt und die Einberufung einer Sonderkonferenz der Gläubigerstaaten zur Nachprüfung der deutschen Zahlungsfähigkeit beantragt. Ueber die Formulierung dieses Antrages ist man sich offenbar insoweit einig geworden, als Deutschlands Antrag in Basel voraussichtlich im Laufe des heutigen Tages überreicht wird. Welche Vorbehalte Frankreich machen will, um seine These von privaten und Reparationsschulden zur Anerkennung zu bringen, steht allerdings noch nicht fest. Die Pariser Kammerverhandlungen über die Außenpolitik haben jedenfalls einige bedenkliche Redewendungen gebracht, denen entnommen werden muß, daß Frankreich nur unter gewissen politischen Bedingungen Deutschland Erleichterungen gewähren will.
„Friedensbemühungen" mit Tanks und Fliegerbomben.
Zu einer Groteske gestalten sich die Pariser Völkerbundsratsberatungen zur Beilegung des Mandschureikonflikts. Während man im Rat noch nach einer Formel sucht, um den streitenden Mächten eine gütliche Beilegung des Konflikts zu empfehlen, haben sich in der Mandschurei Vorgänge entwickelt, die man unter gewöhnlichen Verhältnissen als ernste kriegerische Kampfhandlungen ansprechen würde. Die Japaner haben mit Tanks, Fliegergeschwadern und Panzerzügen den Eisenbahnknotenpunkt Angantschi und die Stadt Tsitsikar eingenommen. Die beiderseitigen Verluste betragen über 4000 Tote und Verwundete. Alles das geschieht in durchaus „friedlicher Absicht". Wenn man dieses Beispiel auf die europäischen Verhältnisse übertragen wollte, ' muß man mit Entsetzen an die Lage Deutschlands denken, das sich in Kürze auf der Genfer Abrüstungskonferenz einer französischen ..Abrüstung?"-Tl-.'se apaenüb»rsi-ht die etma ebensoviel mit AbrMirrg-^ll iün yüt -mtrW MüMM-" rischen Vorgänge mit dem Völkerfrieden.
Neues Stillhalteabkommen
Einberufung des Young-Ausschuffes beantragt.
Berlin, 20. November.
Die Reichsregierung hat beschlossen, nunmehr den Antrag auf Einberufung des im Neuen Plan des Haager Abkommens vorgesehenen Beratenden Sonderausschusses zu stellen. Das Memorandum wird im Laufe des heutigen Tages der BJZ. in Basel und den Regierungen der Gläubigerländer übergeben werden.
Der Ausschuß der deutschen Schuldner hat gleichzeitig den am Stillhalteabkommen beteiligten ausländischen Gläubigerausschüssen im Hinblick auf den Ablauf des Stillhalteabkommens am 29. Februar 1932 alsbaldigen Verhandlungs- beginn über eine Neuregelung vorgeschlagen.
Londoner „Evening Standard" will aus amerikanischen Bankkreisen erfahren haben, daß jetzt die Mitarbeit Amerikas bei der Prüfung der deutschen Zahlungsfähigkeit auf Grund des Poung-Plans sichergestellt sei.
DuS bekannte englische Finanzblatt „Financial News" tritt in einem Leitaufsatz der französischen Auffassung über die Priorität der Reparationen entschieden entgegen und meint, diese These sei nach Ansicht Englands und der Vereinigten Staaten ungerecht gegen die kommerziellen Gläubiger und sogar unzweckmäßig vom Standpunkte der Repa- rationsempfänger aus, da die Vorzugsbehandlung der Reparationen den deutschen Kredit derartig schädigen würde, daß Deutschlands wirtschaftliche Erholung, von der seine Fähigkeit, Reparationen zu zahlen, überhaupt abhänge, unmöglich gemacht werden würde. Der einzige Punkt, auf dem im Zusammenhang mit dem deutschen Schuldenproblem bestanden werden müsse, sei, daß es in seiner Gesamtheit behandelt und die Lösung im Hinblick auf die allgemeine wirtschaftliche Erholung nicht nur Deutschlands, sondern auch aller anderen Länder gefunden werde.
Grandi ist optimistisch
Washington. Der italienische Außenminister Grandi sagte gestern in einer Rundfunkansprache an das amerikanische Publikum, Amerika und Italien verpflichteten sich, ihre Kräfte in den Dienst der allgemeinen guten Sache zu stellen. Seine (Grandis) Aussprache mit H o o v e r und S t i m s o n hätte ihn überzeugt, daß die Zusammenarbeit zwischen Amerika und Italien gute Früchte tragen werde.
Alle politischen, wirtschaftlichen und finanziellen Tages- fragen seien Fragen des gegenseitigen Vertrauens, und njenn alle Länder diese Probleme anpackten im Geiste gegenseitigen Verstehens und mit gesundem Menschenverstand, so sei ihre Lösung wahrscheinlich näher, als es heute scheinen möge.
Im Reichstag trat der Vorstand der Zentrumsfraktion unter dem Vorsitz des Abgeordneten Dr. Perlitius zu einer Sitzung zusammen, die der Besprechung der politischen Lage gewidmet war.
Deutsche Kolonialvolitit gerechtfertigt
Rom, 20. November.
Das führende italienische Kolonialblatt „Azione Colo- niale" hat im Zusammenhang mit den Anklagen gegen die deutsche Kolonialtätigkeit in der Vorkriegszeit eine Rundrage an führende deutsche Kolonialpolitiker gerichtet. In einer neuesten Nummer veröffentlicht das genannte Blatt als ersten Beitrag einen Aufsatz des Berliner Universitäts- professors Hans Z i e m a n n , in dem die gegen die deutsche Kolonialtätigkeit während und nach dem Kriege erhobenen Anklagen eine wohlbegründete Widerlegung erfahren.
Professor Ziemann weist insbesondere auf den heutigen Alkoholmißbrauch und die Verschlechterung der hygienischen Verhältnisse im früheren Deutsch-Ostafrika und Deutsch-Kamerun hin und erinnert daran, daß unter der deutschen Herrschaft der Alkoholversand in das Innere der Kolonie aufs strengste verboten war.
Zur Abrüstung oerpslichtet!
Widerlegung der französischen Sicherheitsthese.
Paris, 20. November.
Ueber die Abrüstung im Spiegel der internationalen öffentlichen Meinung sprach auf einer internationalen Vor- tragsveranstaltung der Chefredakteur des „Journal de Ge- növe" William Martin.
Das in der Präambel zu Teil 5 des Friedensvertrages niedergelegte allgemeine Abrüstungsverfprechen stelle unbestreitbar eine formale und für alle Signalarmächte bindende Verpflichtung dar. Wenn Frankreich diese Erfüllung von der NVA «M'StM-,i"SK°K«W Wig werde durch die seit 1918 abgeschlossenen Verträge sehr viel wirksamer garantiert als durch noch so weitgehende Rüstungen.
■ Für die französische Furcht vor einer Bedrohung durch Deutschland oder Italien fehle dem Ausland jegliches Verständnis. Von Deutschland her könne Frankreich weder durch den Stahlhelm noch durch die Hitlerschen Kampfverbände ernsthafte Gefahr drohen, da der militärische Wert dieser Organisationen nach dem Urteil aller Fachleute sehr gering zu veranschlagen sei. Frankreich, dessen Machtstellung heute stärker sei als unter Ludwig XIV. würde sich danach vor der ganzen Welt ins Unrecht setzen, wenn es durch einen Widerstand gegen eine allgemeine Abrüstung die Genfer Konferenz 1932 zum Scheitern bringen würde.
Die furchtbarste Gefahr, die Europa heute drohe, liege weit weniger in der Möglichkeit neuer internationaler Verwicklungen. als vielmehr in den beängstigenden Fortschritten des Prozesses sozialer und wirtschaftlicher Zersetzung, in dem sich Deutschland und mit ihm ganz Mitteleuropa befinde, und der zur sozialen Revolution führen müsse, wenn Deutschland nicht von außen her wirksame Hilfe zuteil werde.
Vom deutschen Bvrgerkriegsschauvlatz
Nationalsozialistische Verlustliste.
München, 20. November,
Die Pressestelle bei der Reichsleitung der NSDAP. veröffentlicht ziffernmäßige Angaben über die Opfer der Partei an Toten und Verwundeten. Daraus geht hervor, daß die Totenliste der NSDAP. fast 200 Namen umfaßt. Im letzten Berichtsmonat allein wurden der Hilfskaffe der NSDAP. 226 Schwerverletzte und 14 Tote gemeldet.
Zur Illustration, in welchem Maße sich der Mordterror gegen die Nationalsozialisten ständig gesteigert habe, wird darauf hingewiesen, daß der hilfskaffe der NSDAP. an Toten und Verletzten gemeldet wurden: im Jahre 1928 360, im Jahre 1929 880, im Jahre 1930 2501 und feit dem 1. Januar 1931 4618. Die Angrife, denen diese Nationalsozialisten zum Opfer fielen, seien ausnahmslos durch Kommunisten und Reichsbannerleute erfolgt.
Wieder Bankkrach in Berlin
Die Reichsregierung greift ein.
Berlin, 20. November
Die Bank für Handel und Grundbesitz Aktiengesellschaft Berlin (Kapital 2 Millionen Reichsmark) hat ihre Schalter geschlossen. Die Reichsregierung hat die erforderlichen Maßnahmen ergriffen, um eine ruhige Abwicklung der Bank zu gewährleisten.
Es ist beabsichtigt, die Abwicklung durch die Dresdener Bank vornehmen zu lassen. Die Reichsregierung wird zu diesem Zweck der Dresdener Bank eine Summe zur Verfügung stellen, "M mit ihrer Hilfe eine Vereinbarung mit den Kreditoren der Bank über die Art der Abwicklung herbeizuführen.
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