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pnjciQtupctfs t Dk tinfpolfigt p^Htjcfk 15 Pftnnla, öle Reklamezettr 50 Pfennig. (GrunSschrist Korpus). Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Preis­nachlaß gewährt. Kür die Schristleitung verant- wottlich: Kranz Kunk fit Hersfeld. Kernsprecher Nr.

Hersfelder Kreisblatt p

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld h

Monatlichervezuk Reichs-Mark, aus 1.20 Reichs-Mark

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1.00 Reichs-Mark.» druck und Verlag von Ludwig Kunks Buchdruckerei in Hersfeld, Mitglied des vdZV.

Nr. 270

Dienstag, den 17. November 1931

81. Jahrgang

Die neuen Fronten

Drei große Blocks: Nationalsozialisten, Sozialdemokraten und Kommunisten Zentrum in der Mitte

Wahllehren

Nach geschlagener Wahlschlacht beginnt regelmäßig in den parteipolitischen Büros und in der parteipolitischen Presse eine große Erörterung über die Frage: was lehren uns die letzten Wahlen. Je nach der Einstellung und nach dem Temperament des einzelnen fällt die Antwort in der Regel ebenso verschieden wie unsachlich aus. Nur in den seltensten Fällen wird man feststellen können, daß man zu der Ueberzeugung kommt: Fehler, tw wir selbst machten, haben das Wahlergebnis zu unseren Ungunsten beeinflußt. Es ist nicht gerade geistreich und politisch klug, daß man die Fehler immer auf der andern Seite sucht. Man hält es offenbar nicht für nötig zu überlegen, welche Maßnahmen und welche Entscheidungen in der Wählerschaft mißverstan­den oder eben als ungerecht oder den Verhältnissen nicht Rechnung tragend empfunden werden.

An sich ist es wohl kaum überraschend, daß bei uns in Deutschland die politische Willens- und Meinungsbildung nicht geradlinig verläuft. Der ungeheure Druck von außen, die Auswirkungen im Innern und das Betroffenwerden je­des einzelnen machen es erklärlich, daß die Auffassung über die Zweckmäßigkeit einer Maßnahme je nach ihrer Auswir­kung von den einzelnen Gruppen verschieden ausfällt und deshalb die politische Nutzanwendung sich in dem Auf und Ab der Wählerstimmen äußert. Und dennoch läßt sich seit über einem Jahre von Wahl zu Wahl feststellen, daß die Wählerschaft sich aus der Vielheit der Parteien mehr und mehr um drei große Konzentrationspunkte sammelt. Die Parteien, die sich um den Marxismus gruppieren, also die Sozialdemokraten und Kommunisten mit ihren in letzter Zeit mehrfach zutage getretenen Absplitterungen, stellen die ein« Gruppe der politisch Interessierten dar. Die zweite wird von den Zentrumswählern gebildet und hat sich bisher, von un­wesentlichen Schwankungen abgesehen, ziffernmäßig immer in dem gleichen Rahmen gehalten. Am interessantesten und für die weitere Entwicklung des politischen Lebens wahrscheinlich am entscheidendsten ist die nationalsozialistische Bewegung, die je länger, je mehr die Wählerstimmen aus dem bürgerlichen Lager der Mitte und der Rechten aufsaugt.

Es ist in den letzten Monaten und Jahren schon so viel über die nationalsozialistische Bewegung geschrieben, ge­sprochen und verordnet worden, ohne daß man zu der Ueber­zeugung gekommen wäre, daß man sich über das Wesen und den Anlaß dieser Bewegung völlig klargeworden wäre. Liest man z. B. die verschiedenen Wahlbetrachtungen zu den Hessen-Wahlen, dann gewinnt man eigentlich den Ein­druck, als sähe man in den Nationalsozialisten politisch völlig neue Menschenmassen, die plötzlich irgendwoher gekommen und eigentlich dem deutschen Parteileben wesensfremd wären. In Wirklichkeit ist es eine Wählerschaft, die vordem in anderen Parteilagern stand oder ihnen wenigstens par­teipolitisch nahe gewesen ist. Das Ergebnis oo,n Hessen ist überraschend insofern, als es den Nationalsozialismus in einer nicht erwarteten sprunghaften Aufwärts- entwialung zeigt, von der selbst die sozialistischen Parteien nicht unberührt geblieben sind. Im übrigen aber bringt das Ergebnis der Hessen-Wahlen nur eine Bestäti­gung für die Tatsache einer radikalen Umgruppierung der Wählermassen, wie sie seit dem September 1930 sich Schritt für Schritt vollzogen hat.

Es ist müßig, angesichts der bei diesen und den vorauf­gegangenen Wahlen zutage getretenen kritischen Betrach­tungen sich mit den Meinungen der Parteipresse zu beschäf­tigen. Man zeigt nicht dadurch eine sachliche Ueberlegenheit, daß man eine unbequeme Tatsache mißdeutet oder die An­hänger einer Bewegung herabwürdigt und verunglimpft. Was wir schon nach den Septemberwahlen von 1930 schrie­ben, hat heute noch volle Gültigkeit: Eine Bewegung, die Millionen Anhänger hinter sich bringt, muß man psycholo­gisch und politisch werten, und zwar mit der Sachlichkeit, die wir für uns selbst erwarten. Man kann die Millionen Men­schen, die sich der nationalsozialistischen Bewegung angeschlos­sen haben, nicht bewußt und gegen jedes demokratische und parlamentarische System aus der Politik und der Regierung ausschließen wollen, wenn die Stimme der Wählerschaft immer und immer wieder verlangt, sie positiv in die Ver­antwortung einzuspannen. Man kann das um so weniger, nachdem sich die Führer dieser Bewegung in verantwortlicher Weise für eine legale Betätigung im und am Staat aus­gesprochen und ihre Bereitschaft zur Staatsverantwortung wiederholt betont haben. Je ostentativer man sich gegen diese Bewegung stellt, um so größer wird das Mißtrauen gegen die Parteien sich gestalten, die ihre Mitverantwortung ab­lehnen.

Es ist kaum eine Neuigkeit, wenn man mitteilt, daß in weitesten politischen Kreisen, die sich als Gegner der Na­tionalsozialisten erklären, die Auffassung vertreten wird, die nationalsozialistische Bewegung sei keine politische sondern eine glaubensmäßige. Man wird dann um so mehr dafür eintreten müssen, daß die Nationalsozialisten den Teil der Verantwortung übernehmen, der ihnen ziffernmäßig zu- lammt. Erst durch ihre praktische Betätigung in der Regierungsverantwortung kann sich zeigen, wieviel Spreu unter dem Weizen ist, erst dann sind die übrigen Parteien berechtigt, Wert oder Unwert der nationalsozia- Wischen Bewegung festzustellen. Nicht falsche Beschuldign»«,

gen, nicht Verdächtigungen, sondern Loyalität und Aner­kennung der Tatsachen sind notwendig, um zu klären, ob die Neugruppierung der deutschen Wählerschaft eine ernsthafte und dauernde oder nur eine vorübergehende ist. Diese For­derung erhebt sich um so mehr, nachdem die Landtagswahlen in Hessen den Eindruck hinterlassen haben, daß die natio­nalsozialistische Bewegung immer größere Wählermassen er­greift, die von ihr einen Wechsel der bisherigen Regierungs- methoden und des bisherigen Parteiwesens erwarten.

Schwierige Regierungsbildung in helfen

Entscheidende Stellung des Zentrums.

Bei den hessischen Landlagswahlen hat sich, wie bereits berichtet, die Mehrheit der bisherigen Regierungsparteien Zentrum und Sozialdemokraten in eine starke Minder­heit verwandelt. Während bei den letzten Reichstagswahlen sich die Stimmenzahlen der hessischen Regierungsparteien und der Opposition fast genau die Waage hielten, brachten die Neuwahlen den Regierungsparteien nur noch 25 von insgesamt 70 Landtagssitzen.

Die gesamt« Rechtsopposition verfügt über 32 Sitze, selbst wenn man also den staatsparteilichen Abgeordneten zur Rechtsopposition hinzurechnen wollte, ist diese nicht in der Lage, ohne das Zentrum eine Mehrheit zu bilden, da ihr mindestens drei Stimmen fehlen.

Das Zentrum wird daher auch bei den kommenden Verhandlungen um eine Regierungsbildung den Ausschlag geben. Immerhin ist auch möglich, daß vorläufig die bis­herige Regierung als geschäftsführendes Kabinett im Amte bleibt.

Bei den hessischen Landtagswahlen wurden 785 481 gültige Stimmen abgegeben. Die Wahlbeteiligung betrug bei 955 185 Stimmberechtigten 82,2 Prozent.

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In der Reichsregierung nahestehenden Kreisen wird die Bedeutung der Landtagswahlen in Hessen nicht verkannt. Man ist der Ansicht, daß es nach Lage der Dinge nunmehr an dem hessischen Zentrum liege, den einzuschlagenden Weg zu finden, wobei man in Zentrumskreisen darauf hinweist, daß sich in dem großen Umbildungsprozeß der Wühlermas­sen das Zentrum als ein Block der Mitte erwiesen habe, der bei den gestrigen Hessenwahlen sogar noch habe ver­stärkt werden können. (Gegenüber den Reichstagswahlen von 13,9 auf 14,3 o. H. des Gesamtergebnisses der Stim­men).

Es schälten sich also drei große Blocks heraus, der marxistische (Sozialdemokraten und Komunislen), der Zentrumsblock und der nationalsozialistische Block, der auf kosten der bisherigen Mittelparteien immer noch weiter zuzunehmen scheine.

Ob das hessische Zentrum aus der gegenwärtigen Lage die Folgerung ziehe, nunmehr ein Zusammengehen mit den Nationalsozialisten zu versuchen, ließe sich von Berlin aus natürlich nicht bestimmen. Was die Verhältnisse im Reich angeht, so müßten hinter der Außenpolitik in dem gegen­wärtigen Augenblick größter und die deutsche Zukunft be­stimmender Entscheidungen alle Koalitionsgespräche zurück­treten, da langwierige innerpolitische Verhandlungen die gegenwärtigen außenpolitischen Notwendigkeiten nur ge­fährden könnten.

ErNarungen der Reichsleitung der NSDAP.

Die Reichsleitung der Nationalsozialisten veröffentlicht eine Erklärung zu dem Ergebnis der hessischen Wahlen, die besagt:

Die Landtagswahlen in Hessen haben der NSDAP. den erwarteten großen Sieg gebracht. Noch weit stärker als

bei den letzten Wahlen in Hamburg, Anhalt und Meck­lenburg hat die Bewegung das Tempo ihres unaufhalt­baren Vormarsches gestaltet. Die schwarz-rote Regierungs- Koalition ist von der NSDAP. entscheidend geschlagen

42 Mandaten 16.

wor­

den und verliert von ihren

Die NSDAP. konnte ihre Stimmenzahl gegenüber der letzten Reichstagswahl um 115 Prozent steigern. Unter Be­rücksichtigung der weit stärkeren Wahlbeteiligung hat der Gesamt-Marxismus eine schwere Niederlage erlitten. Ge­genüber dem nationalsozialistischen Riesen sind andererseits die sogenannten rechten bürgerlichen Parteien zur Bedeu­tungslosigkeit herabgesunken. Im neuen Landtag werden die Freiheitskämpfer im Braunhemd allein rund 40 Pro­zent der gesamten Mandate repräsentieren.

Wenn das Zenkrum weiter gegen das erwachende Deutschland regieren will, wird es sich seine Bundesgenossen bei den Kommunisten suchen müssen. Denn in Hessen ist nicht nur um die Landespolitik gekämpft worden, sondern die Hessenwahl ist in ganz besonderem Maße die Antwort des Volkes an den Kurs des Herrn Brüning, und ein un- krügliches Stimmungsbarometer gegen die heutige Reichs- politik.

In Hessen hat das Volk wieder und in weit überzeu­genderer Weise als bisher schon zum Ausdruck gebracht, daß es die Herrschaft des Nationalsozialismus will. Wie lange werden noch die Kapitolswächter der Demokratie sich weigern, ihre eigenen Gesetze zu vollziehen, wenn der Wille des Volkes sich überzeugendst gegen sie entscheidet?"

Einheitsfront SPD.-KBD.?

Berlin, 17. November.

Die letzte Red« des Führ«rs der Sozialdemokratischen Reichstagsfraktton, des Abg. Dr. Breitscheid, in Darmstadt hat in politischen Kreisen zu lebhaften Erörterungen Anlaß gegeben. Namentlich haben die die Kommunisten betreffen­den Ausführungen Breitscheids Aufsehen erregt. In einem Teil der Presse ist aus dieser Stellungnahme geschlossen wor­den, daß schon seit längerer Zeit Verhandlungen zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten geführt würden, und daß ein Zusammenschluß beider Parteien nur noch eine Frage der Zeit sei.

Von maßgebender sozialdemokrattscher Seite wird dazu erklärt, daß zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten bisher keinerlei Verhandlungen stattgefunden hätten, und daß überhaupt von Verhandlungen von Partei zu Partei weder für die Vergangenheit noch für die unmittelbare Zu­kunft die Rede sein könne. Breitscheids Rede gehe im wesentlichen auf die Tatsache zurück, daß bei einem begin­

nenden Bürgerkrieg sich ohne jedes Zutun absolut aus dem Gefühl, der Menschen heraus eine Ueberbrückung der Gegen­sätze zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten anbahne.

wo die Nationalsozialisten als Gegner der Linken auf- treten, wie es mit Braunschweig begonnen habe und in den übrigen Ländern sich fortsehen werde, ständen Kommunisten und Sozialdemokraten in gemeinsamer Abwehrfront neben­einander. Durch die Antiterror-Erklärung des Kommunisti­schen Zentralkomitees sei diese wichtige Tatsache noch deut­licher gemacht worden. Ein solches Zusammengehen brauche keinerlei organisatorische Aenderungen zur Folge zu haben, so daß auch von parlamentarischen Arbeite.

' ' M..... "' solches Vorgehen würde

!en kommunistischen Par­

,ß auch von parlamentarischen Arbeitsgemeinschaften nicht die Rede sein könne. Ein solches vorgehen würde

teiparole, dem Kampf gegen die Sozialdemokrakie, stehen, die die Partei bisher nicht aufgegeben habe. Es würde auch eine vollkommene Liquidation der Taktik der Kommunisten in den letzten 10 Jahren bedeuten. Wohin allerdings in spä­terer Zukunft diese Entwicklung einmal führen werde, lasse sich heute noch in keiner Weise übersehen.

Ungarns Sindenburg-Ehrung

Berlin, 17. November.

Eine Abordnung des 3. königlickpungarischen Infanterie­regiments in Stuhlweißenburg ist unter Führung ihres Kommandeurs, des Obersten Otto von Koos, in Berlin ein­getroffen.

Der Zweck des Besuches war, dem Generalfeldmarschall von Hindenburg, der Inhaber des 69. königlichen Ungari­schen Infanterieregiments war, das nach dem kriege auf­gelöst wurde, die Urkunde über die Jnhaberschaft des 3. In­fanterieregiments zu überreichen, das die Tradition des auf­gelösten Regiments übernommen hat.

Die ungarischen Gäste besuchten, nachdem sie dem Ge­neral der Infanterie Hasse und dem Kommandeur des Wehrkreises III, Generalleutnant von Stülpnagel, einen Be- such abgestattet hatten, das preußische Ehrenmal Unter den Linden. Sie wurden hier vom Kommandanten der Stadt Berlin, Oberst von Witzendors, und zwei Offizieren der Ma­rineleitung empfangen. Sie legten einen Kranz nieder mit der InschriftIn dankbarem Angedenken der treuen Waffenbrüderschaft die Königlich-Ungarische Honved."

Darauf begaben sich die Gäste zum Reichswehrminister Groener und zum Chef der Heeresleitung von Hammerstein. Im Anschluß hieran empfing Reichspräsident von Hinden- burg die Gäste, um die Urkunde entgegenzunehmen.

Eine Ehrenwache hatte im Vorgarten des Palais Auf­stellung genommen und salutierte vor den hohen Militärs und Diplomaten, die in großer Zahl erschienen waren. Die ungarische Abordnung befand sich in Begleitung des unga­rischen Gesandten und Militärattaches. Dem Empfang wohnten u. a. Reichskanzler Brüning, Reichswehrminister Groener, der Chef der Heeresleitung, General von Ham­merstein, der Stadtkommandant von Berlin und zahlreiche höhere Offiziere der Reichswehr und der Reichsmarine bei.

RiiftungsftMau- in Kraft

Genf, 17. November.

Der Generalsekretär des Völkerbundes, Sir Eric Drum- mond, hat an sämtliche Völkerbundsmächte sowie an die Richtmitgliedstaaten ein offizielles Schreiben gerichtet, daß nach den nunmehr vorliegenden Zustimmungen sämtlicher Regierungen die auf der letzten Völkerbundsversammlung beschlossene Vereinbarung über den einjährigen Rüslungs- stillsland mit dem 1. November in Kraft getreten ist.

Reichsbahnlohnspruch verbindlich

Im Lohnstreit bei der Deutschen Reichsbahngesellschaft wurde der Schiedsspruch vom 11* November vom Reichs- arbeitsminister für verbindlich erklärt.