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Berskider Tageblatt

2. Blatt.

Sonntagsgedanken

„Fürchtet such nicht vor denen, die den Leib töten und die Seele nicht töten können. Fürchtet euch aber vielmehr vor dem, der Leib und Seele verderben mag in die Hölle." So hat Jesus zu seinen Jüngern gesprochen, als zu solchen, denen im Umgang mit ihm die Gewißheit einer zukünftigen Welt aufgegangen ist Zu solchen, die er dUrch den Glauben hinausgehoben hat aus dem Staube dieses Lebens in eine lichte, obere Gotteswelt; denen das, was jenseits des Gra­bes liegt, nicht als ein dunkles Etwas entgegengähnt, son­dern als eine selige Wirklichkeit ins Herz leuchtet. Sie wis­sen, sie haben etwas in sich, das ist nicht von Erde und das lebt nicht von Erde, und das wird nicht zur Erde, und wenn der Leib auch in Staub zerfällt, dann lebt die Seele doch weiter. Wie Schiffbrüchige getrost alles in die See werfen, wenn sie nur das nackte Leben retten können, so geben sie in der Brandung des Todes alles freudig dahin, ob auch der Nachen zerschellt und der Leib zerbricht, —wenn sie nur selig landen am Gestade der Ewigkeit.

Wir zittern so oft um unser Leben; haben wir schon ein­mal gezittert um unsere Seele? Wir sorgen so sehr um un­sre Zukunft; haben mir schon einmal vor der Frage ge- tanden: wo werden wir unsere Ewigkeit zubringen? Wir ind bange bei dem Gedanken, daß unser Glück in Trümmer inken kann; aber daß unser Gewissen verletzt wird, davor rangen wir nicht. Wir sagen: wenn ich nur gesund bin, Ge- undheit ist das Beste; aber, daß wir keinen Schaden nehmen an unserer Seele, daß unsere Füße nicht straucheln unter den Versuchungen, und wir geborgen bleiben in Gottes Gnade, darum haben wir keine Sorge? Soviel Menschen­furcht geht unter uns um: Aus Menschenfurcht duckt man sich, schmeichelt man, tut man das Gute und das Böse, je nachdem es verlangt wird. Ach, daß wir diese elende Men­schenfurcht austrieben durch die Furcht vor dem heiligen, lebendigen, starken Gott! — Im Grunde gehen alle Offen­barungen und Veranstaltungen Gottes darauf hinaus, in dieser verschüchterten und verzagten Welt sich ein Geschlecht von Helden zu schaffen, die die Menschen nicht fürchten und den Tod nicht fürchten und die Ewigkeit nicht fürchten. Wie kommen wir zu dieser Furchtlosigkeit? Unser Evangelium antwortet: den Herrn fürchten, ihm vertrauen, ihn beken­nen — das treibt alle böse Furcht aus!

Kundsedungen für den deutschen Straßenbau.

Der Internationale Straßenkongreß hat im Herbst '1930 eine Tagung in Washington veranstaltet. Deutsch­land war seit dem Kriege von diesen Kongressen aus­geschlossen und hat im Jahre 1930 zum erstenmal wie­der teilnehmen können. An diesem Kongreß haben29 deutsche Vertreter teilgenommen, unter ihnen, der Di­rektor der Anskuufts- und Beratungsstelle für Teer- straßenbau, Herr Laeger aus Eisen. Dem Verein deut­scher Ingenieure im Verein unt dem Archrtekten- unD Jngenieurverein war es gelungen, Herrn Laeger für einen Lichtbildervortrag über seine Reife zu gewinnen. Dieser Vortrag hat am verflossenen Dienstag im dicht gefüllten Vortragssaale des Landesmuseums zu Kassel stattgefuNden. Der Vortragende gab - unterstützt von vorzüglichen Lichtbildern — einen fesselnden Ueberblick über den amerikanischen Teerstraßenbau und über die tiefgehenden Eindrücke, die er im Lande der unbegrenz­ten' Möglichkeiten empfangen hat. Wenn auch die groß­zügigen Bauweifeu der reichen U. S. A. nicht ohne weiteres auf deutsche Verhältnisse übertragbar sind, so bot er doch schon deswegen viel des Interessanten, weil er auch dem Straßenbauer in seinem ureigensten Son- dergebiet den ungeheuren wirtschaftlichen Abstand zwi­schen den Vereinigten Staaten und dem ausgebeuteten Deutschland zeigte. An zeichnerischen Darstellungen erläuterte der Vortragende den steigenden Teerver­brauch in Deutschland, der in den letzten Jahren durch­schnittlich um jährlich 25 000 Tonnen zugenommen hat, aber weder absolut noch relativ dem Verbrauch anderer europäischer Großmächte entspricht, obwohl wir dav Land in Europa sind, das die größten Teermengen er-

1 "'Reicher Beifall wurde dem mit gespannter Aufmerk­samkeit entgegengenommenen Vortrag zuteil.

Da zu erwarten war, daß zu diesem interessanten Bortrage viele Besucher von auswärts rommen wür­den, so hat die Landstraßenbauverwaltung des Bezirks- verbandes in Gemeinschaft mit der Hesysch-Hannover- schen Basalt-Union die Gelegenheit benutzt, um am folgenden Tage (Mittwoch, den 4. 11.) eine Aussprache zwischen Verbrauchern und Erzeugern von Basaltpfla­ster zu verunstalten. Die Tagung begann vormittags im Sitzungssaal des Ständehauses. Sie wurde erösf- uet durch eine einleitende Ansprache von Herrn Lam deSoberbaurat Becker, der darauf hinwies, daß es sich um eine ganz besondere Tagung handelte, insofern, als w ihr sämtliche Interessenten zugezogen waren nnd zwar als Bauherren die interessierte Behörde von^Mit­teldeutschland, als Vertreter von. Industrie und Ge­werbe die Besitzer der Hartsteinbrüche und die Pflaster- meister und schließlich die Arbeitnehmer, vertreten durch ihre Gewerkschaften. Die bei solchen Tagungen ung^ lvöhnliche Zuziehung der Arbeitnehmer erklärt sich daraus daß bei der zur Sprache kommenden neuen Technik die Pflasterarseiten die wichtigste Rolle spielen. Sie haben den schwierigsten Teil der Aufgabe zu lösen und von ihrem festen Willen zu dem neuen Gedanken hängt der Erfolg ab.

Die eigentliche Sitzung begann mlt emem Vortrag von Herrn Landesoberbaurat Becker über die wirt­schaftliche Bedeutung und die technische Konstruktion des Polygonalkleinpflasters. Der Besuch übertraf alle Erwartungen, sodaß der große Sitzungssaal des Ständehauses bis zum letzten Platz besetzt war und die für die Bereifung bereit Omnibusse die Menge der Erschienenen (180 Personen) kaum fassen konnten. Becker erläuterte in seinem Vortrag, daß das bisherige teure Kleinpflaster in seiner exakten Bearbeitung für den Bau von Ueberlandstratzen nicht mehr erschwing­lich sei und machte Vorschläge für eine Verbilltgung, die letzten Endes darauf hinausliefen, daß an der teu­ren Bearbeitung der Pflastersteine gespart werden solle, sodaß hierdurch eine Einsparung an Pflasterkosten von etwa 20 bis 30 Prozent erfolgen könne. Der Vortra­gende erzählte von den großen Mühen urck> Schwierig­keiten, die die Einführung des neuen Gedankens ver­ursacht haLe und begründete die Tagung mit der Ab-

ficht, die Technik und die wirtschaftlichen Vorteile der neuen Sparideen einem größeren Kreise zugänglich zu machen. Nach dem Vortrag im Ständehaus fuhren die Teilnehmer in den Söhre-Basaltbruch bei Wellerode, wo Musterpflasterungen, wie sie sein sollen und wie sie nicht sein sollen, zur Schau gestellt waren.

Dann hielt der Generaldirektor der Basalt-A.-G., Linz a. RH., gleichzeitig Direktor der Kasseler Basalt­industrie, Dr. Heim, emen Vortrag über Gewinnung des Rohmaterials und Herrichtung von Basaltpolygo­nalkleinpflastersteinen. Er warnte namentlich die Bau­herren davor, ihre Ansprüche an die Bearbeitung des Materials in technisch unzweckmäßiger Weise zu stei­gern, da dadurch die Herstellungskosten der Pflaster­steine erheblich m die Höhe getrieben werden. Daran habe aber die Hartsteininoustrie kein Interesse, da sie 'sich bewußt sei, daß ihr durch hochgetriebene Preise für Pflastersteine eine wertvolle Befchäftigungsmöglichkeit für ihre Betriebe verloren gehe. Der Hartsteinindustrie käme es aber jetzt vor allen Dingen darauf an, Arbeit zu erhalten, damit sie ihre Betriebe aufrecht erhalten unD damit sie sich ihren Arbeiterstamm erhalten könne. Die Industrie ist sich völlig klar darüber, daß bei der derzeitigen Finanzlage die Kommunen nur mit den allerbilligsten Bauweisen ihre öffentlichen Aufgaben weiterhin erfüllen können.

Ein klar gefaßtes Regelblatt, das den Teilnehmern ausgehändigt wurde, gab Aufschluß über die besonde­ren Eigentümlichkeiten der neuen Technik, die übrigens ihre Entstehung zu verdanken hat den vorbereitenden Arbeiten von Landesbaurat Beck in Fulda, der in sei­nem sogenannten Beckpflaster eine Befestigungsart ge­schaffen hat, die zwar noch billiger ist als das neue Polygonalpflaller, die aber aus bestimmten technischen Gründen eine größere Verbreitung nicht gewinnen kann.

Irrtümer der Kommunalpolitik

Von Dr. W. Helm, Berlin

Die Kommunalpolitik, die in den letzten Jahren von den Großstädten betrieben worden ist, war teilweise falsch. Unter dem Eindruck vorübergehender Erscheinungen der Nachkriegszeit glaubte man, daß ein weiteres Anwachsen der Großstädte Platz greifen würde. Das hat dazu geführt, daß die Großstädte riesige Kapitalmengen anlegten, um ihrer weiteren Ausbreitung die Wege zu ebnen. Das führte nicht nur zu überhöhten Zinslasten, sondern z. T. auch zu den überhöhten Tarifen im Verkehrswesen und anderen kommunalen Einrichtungen.

Jene, die einmal mit der 10-Millionenstadt Berlin rech­neten, haben unrecht behalten. Am Ende der Fehlinvesti­tionen der Kommunalpolitik steht eine beginnende Großstadtflucht.

Nach dem Kriege 1871 trat infolge der Industrialisie­rung eine Bevölkerungsumschichtung ein. 1871 wohnten in den Großstädten 5 v. H. der Bevölkerung, in den Landge­meinden 6.4 v. H.; 1900 ist Die GroßstadtbevölkerunL. (Städte über 100 000 Einwohner) auf 16 v. H. gestiegen, in Land^ gemeinden wohnen 46 v. H. Heute wohnen in Großstädten etwa 27 v. H. der Bevölkerung. Die Folge davon ist, daß die immer mehr abnehmende Bevölkerung auf dem platten Lande keinen weiteren Nachschub mehr in die Städte leisten kann. Früher wurden hauptsächlich heiratsfähige Personen in die Großstadt abgegeben; auch das hat jetzt aufgehört. In den Großstädten selbst aber gehen die Eheschließungen und Geburtenziffern immer mehr zurück.

Verstärkt wird diese Entwicklung-aber auch durch die Arbeitslosigkeit. Eine große Zahl Arbeitsloser, ins- ' ' ige, sind vielfach unter Verzicht auf

Großstadt abgewandert, um nur

besondere junge und ledige, sind vielfach unter Verzicht auf Unterstützung aus der Großstadt abgewandert, um nur irgendwo Arbeit zu bekommen. Die Berichte der Arbeits­ämter, die aus den letzten Monaten vorliegen, zeigen deut­lich diese neueste Verschiebung. Dort wird festgesiellt, daß die Arbeits-Vermittlungstätigkeit der Aemter stark unter dem Selbstangebot Ausgesteuerter, Wohlfahrtserwerbsloser, Nichtunterstützter und anderer Arbeitsuchender gelitten bat. Fast in allen Teilen Deutschlands kann man feststellen, daß sich städtische Arbeitslose unmittelbar z. T. gegen niedrigstes Entgelt, in der Landwirtschaft zur Arbeit anwerben ließen. Aus Süddeutschland wird festgestellt, daß Mädchen, die in der Stadt keine Arbeit mehr finden konnten, wieder in ihren ursprünglichen Beruf aufs Land zurückgingen. Man könnte diese Beispiele noch beliebig vermehren. Alles in allem genommen wird aber durch diese Entwicklung, die zweifellos in vielen ihr Gutes hat, der Rückgang der Groß­städte vergrößert. Infolgedessen werden die Fehlerquellen sich immer mehr bemerkbar machen; sie werden dazu füh­ren, daß die Großstadtbevölkerung verhältnismäßig über­höhte Lasten zu tragen hat und was wiederum sehr leicht, namentlich für manche Industriezweige, zu einer erneuten Abwanderung in mittlere und kleinere Städte oder gar aufs platte Land führen kann. Bildlich gesprochen: Die Großstädte haben sich einen Anzug angemessen, der ihnen langsam zu mett wird.

Die Gesundheit des Schulkindes

Von Dr. med. Charlotte Zschoke

Die Gesundheit des Schulkindes wird jetzt in anderer Weise überwacht als in der Vorkriegszeit. Häufige Turnstunden, Tageswanderungen, obligatorische Schwimmkurse sichern die körperliche Ausbildung neben dem üblichen Unterricht. Schulspeisungen ergänzen die manchmal infolge der Not der Zeit ungenügende Er­nährung im Elternhause. Die regelmäßige Unter­suchung durch den Schularzt ermöglicht Maßnahmen zur Verhütung von Krankheiten und Körperfehlern im ersten Stadium und Aussonderung von ansteckungs- fähigen und gebrechlichen Kindern, sei es durch vor­übergehende Entfernung aus der Schule bis zur Ge­sundung oder durch Ueberbringung in Klassen für Schwerhörige, Stotterer, Sehschwache und in Hilfsschulen für geistig Zurückgebliebene, wodurch dem gesunden rote dem kranken Kinde gleichermaßen geholfen wird.

Mit diesen fürsorgerischen Maßnahmen ist aber durchaus nicht dem Elternhause die Vepflichtung abge­

nommen, für eine gesunde Lebensweise und sachgemäße Ernährung Sorge zu tragen; denn die Heranwachsenden Kinder, besonders die 10—14jährigen stellen einen großen Prozentsatz der Patienten in der Sprechstunde des Kinderarztes und der Kinderpolikliniken. Der Grund dafür ist teils in schnellem Wachstum, teils in unver- nüftiger Lebensweise zu suchen. Was ich in folgendem sage, gilt hauptsächlich für die 10—14jährigen, obwohl es im wesentlichen auch auf jüngere und ältere Schul­kinder anzuwenden ist. Wichtig für die ungehemmte Entwicklung ist vor allem eine genaue Zeiteinteilung, die Anfstehen und Zubettgehen, sowie Arbeits- und Freizeit regelt und nur ganz ausnahmsweise durchbrochen werden darf.

Ein Kind braucht 10 bis 12 Stunden Schlaf, für dessen pünktlichen Beginn und ungestörte Dauer die Eltern zu sorgen haben. Bei einem ausgeschlafenen Kinde wird auch das Ausstehen ohne große Schwierig­keiten vor sich gehen. Je nach der Länge des Schul­weges wird dieser Zeitpunkt morgens 1—2 Stunden vor den Schulbeginn zu legen sein. Auf olle Fälle muß das Kind sich ohne Haft anziehen und in Ruhe frühstücken können. Die Viertelstunde mehr Schlaf, die sich schwache Mütter immer wieder abbringen lassen, bringen dem Kinde nicht den geringsten Nutzen, wohl aber vielerlei Schaden, nämlich: Das unge­waschene oder ungenügend gewaschene Kind ist halb verschlafen, unlustig und daher unfähig, dem Unter­richt zu folgen. Die gründliche Reinigung, die am besten in einem täglichen, mäßig warmen Bade, mindestens aber in gründlichem Abseifen von Kopf bis zu Fuß bestehen muß, findet besser abends vor dem Schlafengehen statt, weil einerseits mehr Zeit ist, andererseits Staub und Schmutz des Tages nicht mit ins Bett genommen werden, was nicht nur aus ästhetischen, sondern auch aus hygienischen Gründen zu fordern ist. Diese gründliche Reinigung bildet zu­sammen mit Zähneputzen (stets mit Zahnpasta!) und Säubern der Finger- und Fußnägel, sowie Auswischen der Ohren mit einem von Matte dünn umwickelten zu­gespitzten Holzstäbchen einen weitgehenden Schutz vor Infektionskrankheiten. Die Eltern sollten diese Reinigung überwachen und bei dieser Gelegenheit den nackten Körper ihres Kindes unauffällig mustern, damit ihnen Hautausschläge, Entzündungen und andere äußere Krankheitserscheinungen rechtzeitig bekannt werden.

Manche Kinder sind sogenannte Leseratten. Es ist verkehrt und zwecklos, ihnen dieses Vergnügen zu rauben. Man versuche nur, die Lektüre unauffällig zu überwachen und selbst dem Interesse und Geschmack des Kindes entsprechende Bücher- ausfindig zu machen Man lasse sie in ihrer Freizeit bei gutem Wette, im Freien lesen, sonst tun sie es heimlich bei jeaec sich bietenden Gelegenheit, und wenn es für Minuten aus der Toilette ist abends im Bett mit der Taschenlampe, zwischen den Schularbeiten! Die Lesewut ist eine manchmal ans Pathologische grenzende Erscheinung bei intelligenten, wissensdurstigen Kindern, die man nur durch Verständnis in gemäßigten Grenzen halten kann.

Die Mahlzeiten müssen regelmäßig eingenommen werden. Sie sollten den Ergebnissen der modernen Ernährungslehre entsprechend zusammengesetzt sein. Die Hauptmahlzeit besteht aus wenig Fleisch, viel Gemüse, Salat, Obst. Zum Frühstück gibt man am besten einen nahrhaften Mehl-, Haferflocken- o8er Grießbrei, dessen Langweiligkeit durch Zusatz von Nüssen und Obst aus­geglichen wird. Vollkornbrot anstatt Semmel oder Hausbrot ist unerläßlich wegen des höheren Gehalts an Kalorien und Mineralsalzen, dann zur Kräftigung der Zähne (Vollkornbrot erfordert energisches Kauen) und nicht zuletzt als Mittel gegen Entstehung und zur Bekämpfung der Verstopfung. Milch oder Frucht­säfte ersetzen den Kaffee, Tee oder Kakao! Spirituosen sind keinesfalls, auch nicht tropfenweise zum Kosten, zu erlauben.

griebmftW zwischen Reich und Gemeinden?

Die durch die Wirtschaftslage bedingten Mindererträge an Steuern haben auch für die Gemeinden entscheidende Bedeutung; diese werden nicht nur von dem Rückgang der Realsteuern betroffen, sondern auch von starken Minderun­gen der ihnen vom Reich überwiesenen Anteile an dem Aufkommen der Einkommen- und Körperschafts teuer. Diese Anteile werden nach einem bestimmten Schlüssel auf Die Gemeinden verteilt. Der Einheitssatz, der nach diesem Schlüssel bisher den Gemeinden je Kopf des Einwohners zustand, betrug z. B. in Preußen bei Einkommen- und Körperschaftssteuer zu Beginn des laufenden Rechnungs­jahres 0,18 begw. 0,17 RM. Nach neuesten Schätzungen kann jetzt nur noch mit Einheitssätzen von je 0,11 RM ge­rechnet werden. Das bedeutet für die preußischen Gemein­den eine Einbuße von über 40 o. H. allein bei diesen wich­tigsten Ueberweisungssteuern! Diesen sinkenden Einnahmen stehen dauernd erhöhte Ausgaben im Wohlfahrtswesen ge­genüber. Die Folge ist ein recht unerfreulicher Kampf zwr- schen Reich und Gemeinden, wenn die Gemeinden sinan- sielle Hilfe verlangen. Wem nützt dieser Kampf eigentlich. Es wird soviel von Gemeinschaftssinn und Gemeinschafts­geist geschrieben und gesprochen, jeder fordert ihn — vom andern. Uns möchte scheinen, als ob Die Verwaltungsbe­hörden untereinander auch etwas mehr von jenem Geist Des gegenseitigen Verstehens und der gegenseitigen Duldung höchst notwendig brauchen könnten, den sie dem Untertanen empfehlen, und der heute wenigstens die ungastliche Stätten der Ministerialstuben „ziemlich fast beinahe verlassen hat. Und trotz alledem kann es nichts anderes geben, als N) mit­einander vertragen zu lernen: Reich, Lander und Semem den find miteinander auf Gedeih und. Verderb verbunden.