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hersfel-erTageblatt

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Hersfelder Kreisblatt

Amtlicher /lnZeiger für den Kreis hersfel-

Nr. 268 sErster BliN) Gonnabend, den 14. November 1831

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81. Jahrgang

Prüfung der Gesamtlage Deutschlands

Frankreich kündigt Einberufung der BZz°A«rschuffer an Staatssekretär von Bülow fährt nach Paris

Las Kernproblem der Abrüstung

Betrachtungen von Reichswehrminister Dr. Groener.

Im Zusammenhang mit den Erörterungen über die be­vorstehende allgemeine Abrüstungskonferenz gewährt« Reichswehrminister Dr. Groener einem Vertreter der Chicago Tribune" eine Unterredung, in welcher er fol­gende Gesichtspunkte zum Ausdruck brächte.

Ich bin gefragt worden, ob Deutschland beabsichtige, seine nationale Sicherheit dadurch wiederzuerhalten, daß die gleichen Abrüstungsmethoden, die 1919 auf die besiegten Länder angewandt wurden, setzt für alle Staaten in Geltung gesetzt werden. Diese Frage trifft das Kernproblem ) e r A b r ü st u n g, so wie es sich von Deutschland aus bar» teilt. Deutschland hat das Recht auf g l e i ch e V e h a n d- u n g wie alle anderen Staaten. Es hat das Recht auf die gleiche Sicherheit und auf die gleichen MetHo­den der A b r ü st u n g. 1919 ist ihm ausdrücklich zugesichert worden, daß die anderen Staaten auf dem Wege folgen würden, auf dem Deutschland durch seine sofortige Ab­rüstung voranging. Deutschland gehört dem Völkerbund an. Der Artikel 8 des Völkerbundspaktes sichert allen Mitglie­dern die nationale Sicherheit zu. Deutschlands Ziel auf der Abrüstungskonferenz muß es deshalb sein, seine nationale Sicherheit dadurch wiederzuerlangen, daß die andern Staa­ten nach denselben Methoden abrüsten, die sie seinerzeit Deutschland auferlegt hatten, d. h. es darf den anderen Staaten nichts erlaubt sein, was Deutschland verboten ist und umgekehrt. Verboten wurde uns z. V. seinerzeit die schwere Artillerie, die Tanks, die militärische Luftfahrt, fer­ner alle Kriegsschiffe über 10 000 Tonnen, alle U-Boote; so­gar die Flugabwehrartillerie hat man dem deutschen Heere verboten, eine Maßnahme, die ein belgischer Politiker bei Deutschlands jetziger Lage als eine zy>. '^e Grausam- k e i t bezeichnet hat. Und weiterhin hat man Deutschland die allgemeine Wehrpflicht verboten und hat ihm im ein» zelnen auf das genaueste vorgeschrieben, wie seine Wehr­macht organisiert werden mußte.

Nun ist folgendes klar: Diese Methoden haben zur voll­kommenen Entwaffnung Deutschlands geführt. Der Beweis ist also geführt worden, daß sie eine wirksame Abrüstung verbürgen. Würde es nicht aller Logik ins Gesicht schlagen und würde es nicht einen Bruch der feierlichen Verpflichtung zur Abrüstung, die alle anderen Staa­ten eingegangen sind, darstellen, wenn jetzt die Abrüstungs­konferenz auf jene Staaten andere Methoden anwenden wollte als auf Deutschland? Aus diesem Grunde bekämpfen wir den Konventionsentwurf, den die Vorbereitende Äb- rüstungskommission ausgearbeitet hat. Er schlägt dem Grundsatz der Gleichberechtigung der Staaten ins Gesicht, indem er den Unterschied zwischen den Siegern und Besieg­ten des Weltkrieges in der Weise verewigen will, daß den ersteren eine effektive Abrüstung nicht zugemutet wird, wäh­rend für die letzteren die Bestimmungen des Versailler Ver­trages weiter gelten sollen. Der Konventionsentwurf erfaßt weder dieReservenanMenschen nochanMate- r i a l, in denen die e i g e n t l i ch e S t ä r k e der gewalti­gen Heere der Welt liegt. Er verbietet keine der Waffen­gattungen, die für Deutschland verboten sind. Kurz, er würde den Gedanken der Abrüstung, nach dessen Verwirk­lichung sich die ganze Welt sehnt, nicht fördern, sondern ihn unmöglich machen.

Deutschland kann deshalb diesen Entwurf keinesfalls als Unterlage der Abrüstungskonferenz anerkennen. Franzö­sische Staatsmänner haben Worte ausgesprochen wie jene: Ein entwaffnetes Land ist eine Versuchung für seine Nach­barn" oderDie Unsicherheit für einen Staat bedeutet die Unsicherheit für alle übrigen." Wir können diese Worte nur unterschreiben, denn sie geben den Zustand wieder, in dem Deutschland sich befindet. Um nur ein Beispiel zu erwähnen: Deutschland ist jede Befestigung auf dem linken Rheinufer und 50 Kilometer rechts des Rheines verboten. Es darf in dieser entmilitarisierten Zone keinen Soldaten unterhalten. Frankreich aber darf ungeheure Befestigungen so weit vor­schieben, daß die deutsche Grenzbevölkerung nicht nur unter der Tragweite der französischen Geschütze, sondern sogar der französischen Maschinengewehre leben muß! Die Sicher- heit Deutschlands und die Sicherheit der Welt wird erst dann wiederhergestellt sein, wenn alle Staaten nach den gleichen Methoden abgerüstet worden sind.

Dieselben Grundsätze, die ich eben ausgeführt habe, gel­ten natürlich auch für die Seeabrüstung. Deutschland hat gerade hier besonders augenfällig den Beweis geliefert, daß es nur von dem guten Willen der anderen Staaten abhängt, Deutschland auf dem Wege der Abrüstung zu folgen. Es hat durch die Konstruktionen seiner 6000 Tonnen-Kreuzer und neuerdings durch den Bau des ersten Panzerschiffes (Ca­pital ship) von 10 000 Tonnen den Beweis geführt, daß ptan durchaus leistungsfähige Kriegsschiffe auch in den ihm vorgeschriebenen Grenzen bauen kann. Welche Erleichterung für die Welt würde es bedeuten, wenn alle Staaten die glei­chen Einschränkungen auf sich nehmen wollten!

Wird Deutschland eine größere Armee fordern, wenn sich die schwer gerüsteten Länder weigern sollten, die Stärke ihrer Armeen erheblich herabzusetzen? Diese Arage würde voraussetzen, daß die Abrüstungskonferenz

scheitert. Was Deutschland in einem solchen Falle tun würde, kann ich nicht sagen. Meine Meinung ist es, daß alle Völker der Welt die größten Anstrengungen machen soll­ten, daß die Abrüstungskonferenz nicht scheitert, sondern daß sie zu einem positiven Erfolg führt, der die Welt von der Last der Rüstungen und von der ewigen Kriegsdrohung wirksam befreit. Ein solches Ergebnis kann erreicht wer­den, wenn die Staatsmänner aller Nationen gewillt sind, ihre Abrüstungsoerpflichtung ernst zu nehmen und den gro­ßen Grundsatz der Gleichberechtigung aller Staaten zu ver­wirklichen.

Die Pariser Verhandlungen

Paris kündigt Einberufung des BJZ-Ausschusses an.

Paris, 14. November

Botschafter von Hoesch hatte am Freitagvormittag eine Unterredung mit Ministerpräsident Laval, die die Fort­setzung der jetzt geführten Verhandlungen über die Ein­setzung des Sachverständigenausschusses des Poungplanes zur Nachprüfung der Leistungsfähigkeit Deutschlands bildete.

Das französische Ministerpräsidium veröffentlicht fol­gende amtliche Verlautbarung:

Sofort nach seiner Rückkehr aus Amerika hat Minister­präsident Laval den deutschen Botschafter von Hoesch zu sich gebeten, um mit ihm über die Möglichkeit der Einberufung des im Poungplan vorgesehenen beratenden Sonder-Aus- schusfes bei der B33 zu sprechen. Verschiedene Male hat sich Herr von Hoesch seither mit Ministerpräsident Laval, Au- ßenminister Briand und Finanzminister Flandin über die Fragen des Verfahrens des beratenden Sonder-Ausschusses bei der BJZ upterhalten. Der Besuch am Freitag bezog sich ebenfalls auf diesen ©instand. Es scheint, daß die deutsche ReichsregierLUA in aüernöchster-Aeib-eine ^ntf^ei- dung in dieser Frage treffen wird."

Deutschlands Wirtschaftslage wird nachgeprüft

Wie von unterrichteter Seite in Berlin mitgeteilt wird, sind sich die deutsche und die französische Regierung mate­riell dahin einig geworden, daß die gesamte Lage Deutsch­lands nachgeprüst werden muß. Jedoch ist eine Reihe von Formalien noch nicht geklärt, so daß es noch einige Tage dauern dürfte, bis die Verhandlungen zu einem endgültigen Ergebnis führen.

Trendelenburg verlangt ständige Fühlungnahme

Die erste Sitzung der deutsch-französischen Kommission.

Paris, 14. November.

In der ersten Sitzung der gemischten deutsch-französischen Kommission knüpfte Ministerpräsident L a o a l in seiner Be­grüßungsansprache an die Besprechungen mit Reichskanzler Dr. Brüning an und betonte die Notwendigkeit zur Behebung der Weltwirtschaftskrise zu einer Zusammenarbeit zu gelan­gen. Staatssekretär Dr. Trendelenburg überbrachte die Grüße des Reichskanzlers Dr. Brüning und wies darauf hin, daß der Reichskanzler den Arbeiten der Kommission vol­les Interesse und hohe Sympathie entgegenbringe und zur Mitarbeit in jeder Hinsicht bereit sei. Bei den Verhandlun­gen müsse auch aus die allgemeine Weltwirtschaftskrise und die Lage Deutschlands innerhalb dieser Kriese Rücksicht ge­nommen werden. Wenn das gegenwärtige Wirtschaftssystem aufrecht erhalten werden solle, müsse man auch den organi­schen Gesetzen dieser Wirtschaftsordnung und ihren Regeln Rechnung tragen. Im Vordergründe der Beratungen der Kommission stünden natürlich die speziellen deutsch-französi­schen Fragen, aber sie dürften nicht ohne Zusammenhang mit den Interessen anderer Länder behandelt werden. Dr. Trendelenburg betonte auch, daß es sich nicht um eine ein­malige Zusammenarbeit handele, es sei vielmehr Aufgabe der Kommission, eine ständige Fühlungnahme zu wahren. Zum Schluß gab er dem Willen sämtlicher deutscher Delega- tionsmitglieder Ausdruck, mit der französischen Delegation wirksam zusammenzuarbeiten.

Als Sekretär des ersten Ausschusses ergriff hierauf der französische Industrielle und Abgeordnete Fougere das Wort, der darauf hinwies, daß die beiden Unterausschüsse der Ersten Kommission für Handels- und Wirtschaftsfragen ergänzend Zusammenarbeiten müßtM

von Bülow führt M Ratstagung

Berlin, 14. November.

Der Slaakssekrekär im Auswärtigen Amt, von Bülow, wird sich am Sonntagabend nach Paris begeben, um dort die deutschen Interessen bei der Ratstagung über die mandschu- rlsche Frage wahrzunehmen.

In seiner Begleitung wird sich der Gesandte von Mu- tius befinden. Von Bülow wird jedoch voraussichtlich nicht an der gesamten Ratstagung teilnehmen, sondern dürfte sich nach Berlin zurückbegeben, sobald eine Beilegung des Kon­flikts auf der Ratstagung in Aussicht steht.

Der Reichskanzler über

Wirtschastsfragen

Die letzten Reparationen vom Ausfuhrüberschuß bezahlt!

Mainz, 14. November.

Nunmehr hat auch Reichskanzler Dr. B r ü n i n g in den hessischen Wahlkampf eingegriffen. Der Reichskanzler betonte in der Mainzer Stadthalle vor 8000 Personen:

Deutschland stehe vor entscheidenden Stunden. In der Reparationsfrage sei jetzt die sachliche Entscheidung reif geworden. Mit besonderem Nachdruck hob Dr. Brüning hervor, daß

Deutschland bis zum Inkrafttreten des Hoover-Jahres von Beginn des Frühjahres 1931 ab zum ersten Male seit der Stabilisierung Reparationen nicht aus Anleihen und ausländischen Krediten, sondern aus eigener Kraft bezahlt habe.

Es fei zweckmäßig, es der Welt zu sagen, daß die Repara- tionslasten von Deutschland nur durch einen wachsenden und ausschließlichen Ausfuhrüberschuß tatsächlich bezahlt werden können. Das sei gelungen. Wir haben, so fuhr der Reichskanzler fort, die Einfuhr fortschreitend gesenkt, wir sind in der Ausfuhr an der Spitze der Nationen geblieben. Der Reichskanzler wies energisch den Vorwurf der Passivität der deutschen Regierung zurück.

Als vornehmstes Gebot der Gegenwart bezeichnete er die Wirtschaft fortan restlos nach gefunden und ehrlichen Grundsätzen zu führen.

Zu der vielbesprochenen Frage der Zinssenkung sagte Dr. Brüning, die Regierung habe sich nicht mit einer zwangsläufigen Herabsetzung der Zinsen beschäftigt. Die Zu­kunft des deutschen Volkes beruhe auf dem Glauben, daß es möglich und notwendig sei, unter allen Umständen die deutsche Währung stabil zu erhalten. Wenn man das wolle, . .WÜÜL man vor allen Dingen bis Wivtschvft elchtischer ge- stalten, als sie es heute sei. Die Preise müßten sich den ge­gebenen Bedingungen schnell anpassen könen. Es sei not» wendig, mit einem geringeren Kreditvolumen vom Aus­lande her die deutsche Wirtschaft anzutreiben, und das sei möglich. Alle diese Dinge seien durchaus durchführbar, wenn Verständnis und Miterleben der breitesten Massen der Be­völkerung der Regierung entgegengebracht werden. Der Reichskanzler gab daraufhin eine Aufzählung der von der Regierung in Angriff genommenen und erfolgreich durch­geführten Arbeiten, die Senkung -des Preisniveaus, den Ver­hältnissen entsprechende Preisgestaltung bei der Landwirt­schaft, Abdrosselung der Einfuhr durch hohe Zölle und ander« Maßnahmen, was besonders der Viehwirtschaft zugute ge­kommen sei. Es zeige sich aber, daß die Preise sich nicht nach den Zöllen richten, sondern daß die Preise mehr oder weni­ger zwangsläufig sich der gesunkenen und der eingeschrumpf« ten Kaufkraft der Bevölkerung anpassen. Daraus ergebe sich, daß das Allheilmittel der Rettung der Landwirtschaft nicht einfach durch Aufrichtung von Zollmauern zu suchen sei, und daß man nicht einfach auf der anderenSeite sagen könne, wenn die Löhne immer weiter geworfen würden, dann würde es besser werden. Alle diese Dinge müßten vielmehr sorgfältig gegeneinander abgestimmt werden, und wenn in einem Punkte die Entwickelung auf einem anderen Wege zu schnell vorangegangen sei, könne es zu einem Rückschlag und zu einer Krise kommen, die nur schwer zu überwinden sein würde.

Der Reichskanzler betonte zum Schluß, daß nur die Er­kenntnis der Wirklichkeit, nur die Erkenntnis der Fehler der Verganoenheit die einzigen Möglichkeiten der Rettung für ein Volk feien, das sich in einer so einzigartigen, schwierigen Lage befinde.

Höpker-Aschoffs interessante Mitteilungen

Gießen, 14. November.

Der frühere preußische Finanzminister Dr. Höp k e r -. Aschoff machte hier interessante Mitteilungen darüber,' lvarum er nicht wieder preußischer Finanzminister geworden sei. Höpker-Aschoff erklärte, daß er während einer Reise von dem Staatssekretär im Preußischen Finanzministerium an» gerufen und gefragt worden sei, ob er das Preußische Fi­nanzministerium wieder übernehmen wolle. Er habe dar-, auf erwidert, er würde sich einem solchen Rufe nicht versagen, sähe es jedoch als notwendig an, sich vor einer erneuten Uebernahme des Ministeriums mit dem Ministerpräsidenten Braun über die schwebenden politischen Fragen auszuspre- chen. Anderentags sei er zu dieser Aussprache in Berlin er­schienen. Er habe keinerlei Bedingungen an die Wiederüber- nahme des Finanzministeriums geknüpft und auch keinerlei besondere Vollmachten erbeten. Davon sei auch der Mini- Iterpräftbent unterrichtet worden, jedoch sei es zu einer Aus- prache zwischen dem Ministerpräsidenten und ihm überhaupt nicht gekommen, da diese Besprechung vom Ministerpräsiden­ten abgesagt worden sei, da dieser sich wegen der Besetzung des Finanzministeriums inzwischen anders entschieden gehabt

i Auf ein« besonder« Anfrage aus der Versammlung her­aus erklärte Höpker-Aschoff erneut und mit Nachdruck, daß «r niemals irgendwelch« Bedingungen gestellt oder beson- £ew Vollmachten gefordert hab«. Wenn in der Presse das KegeWÜ tzMttPtej v-MM, d Ki das völlig unricktia.