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Hersfel-erTageblaa

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Hersfelder Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfel-

Nr. 265 Mittwoch, den 11. November 1931

81. Jahrgang

Japan fordert Uebergabe von Tsitsikar -

Bom Kriegsschauplatz

Uebergabe Tsitsikars?Vorübergehender Rückzug.

Lharbin, 11. November

Die japanischen Truppen haben sich bis 12 Kilometer südlich der Nonni-Brücke zurückgezogen, es verlautet jedoch, daß sie einen neuen Vormarsch aus Tsitsikar beabsichtigen.

Der Sonderkorrespondent desDaily Telegraph" in Tsitsikar teilt mit, er sei als erster ausländischer Korrespon­dent im Hauptquartier des chinesischen Generals Matschan- schon eingetroffen. Der General habe ihm mitgeteilt, daß ihm die Japaner ein neues Ultimatum übermittelt hät­ten. Tsitsikar, die Hauptstadt der Provinz Heilungkiang, sofort dem mit den Japanern befreundeten chinesischen General Tschanghaipeng zu übergeben.

Der Korrespondent erklärt, entgegen anderslautenden Ge- rücht/n frier- keine russischen Soldaten oder Ratgeber bei General Matschanschan, und es seien auch keine russischen Geschütze vorhanden.

ArjegserMrung MatschaMans?

Einer Meldung der japanischen ZeitungNitschi-Nikschi SbhnbutC zufolge hat der chinesische General Makschanschan den Japanern den Krieg erklärt. Japanische Pressemeldun- geo .behaupte« daß bereits heftige-rpse im Gange seien.

Die Japan« behaupteten nach wie vor, daß die chine- sischen Truppen durch russische Soldaten und Offiziere ver­stärkt worden seien. Sie begründeten diese Behauptung mit der verheerenden Wirkung der chinesischen Artillerie und dem Abichießen von vier japanischen Flugzeugen, wobei darauf ginge miesen werde, daß die Chinesen überhaupt keine Flugzeugaowehrgeschütze hätten. Die Japaner zögen bereits neue Truppen heran, um die Nonnibrücke erneut zu nehmen

Die Lhina-Preß meldet, daß er her Eisenbahnstrecke wt Luvriulk it vvo rnuuii ftrpu'miMü-Lruppru zuMuuru gezogen worden seien, um nach Norden weiterzumarschie- ten. Der japanische Oberbefehlshaber im besetzten Gebiet habe den Kriegsminister telegraphisch gebeten, alle freien Truppen aus Korea und drei Divisionen aus Japan nach der Mandschurei zu entsenden, um die militärische Aktion in der Mandschurei fortzusetzen.

Wieder Ruhe in Tientsin

In Tientsin ist die Ordnung wiederhergestellt, nachdem die chinesischen Aufständischen von japanischen Truppen mit Maschinengewehrfeuer auseinandergetrieben wurden. Da­bei wurden vier Mann getötet und zehn verwundet. Der chinesische Stadtteil wurde von japanischen Flugzeugen mit 40 Bomben belegt. Von japanischer Seite wird behauptet, daß der Aufruhr von chinesischen Soldaten, die aus der Mandschurei zurückgekehrt seien, entfesselt worden sei. Nach chinesischen Nachrichten handelt es sich jedoch um eine japa­nische Unternehmung, die den Borwand für die Besetzung von Tientsin liefern sollte.

Washington hofft aus direkte Verhandlungen

Die amerikanische Regierung hält, wie verlautet, nach wie vor an der Hoffnung fest, daß China und Japan dazu gebracht werden können, den mandschurischen Streit durch direkte Verhandlungen beizulegen. Es sind Aufforderungen an China und Japan vorbereitet worden, die Feindselig­keiten einzustellen und ihre Truppen aus der Gefahrenzone zurückzuziehen.

Nie englische Thronrede

Fortsetzung der Verständlgungsarbeik.

London, 11. November

Das englische Parlament ist mit der Thronrede des Königs feierlich eröffnet worden. In der Thronrede erklärte der König u. a.: Meine Beziehungen zu den auswärtigen Mächten sind nach wie vor freundschaftlich.

Meine Regierung beabsichtigt, sich weiterhin der För­derung des Friedens und der Verständigung zu widmen und tätigen Anteil an den Arbeiten des Völkerbundes zu neh­men. Insbesondere schenkt meine Regierung den Vorberei­tungen für die bevorstehende Abrüstungskonferenz große Aufmerksamkeit, und ich bin überzeugt, daß ein glückliches Ergebnis der Konferenz großen Nutzen für die ganze Welt stiften würde. Die ernste Finanz- und Wirtschaftslage der Welt bildet eine schwere Sorge meiner Regierung, die ihr möglichstes tun wird, um mit den anderen Regierungen im Geiste gegenseitiger Hilfsbereitschaft die Mittel zur Wieder­herstellung des früheren Umfanges des Internationalen Han­dels zu finden.

Die indische Konferenz am Runden Tisch setzt ihre Ar­beiten fort, und die Konferenz mit den Vertretern von Bir­ma wird demnächst zusammentreten. Es ist mein sehnlich­ster Wunsch, daß die Beratungen dieser zwei Konferenzen von Erfolg gekrönt werden. Meine Regierung hat von der kanadisihen Regierung den Vorschlag entgegen genommen,

ostasiatische Bl Kriegserklärung" des Lhinesengenerals 3

Dag die im Jahre 1930 vertagte Wirtschaftskonferenz so bald wie möglich nach Ottawa einberufen werden soll.

Der König hatte sich zur Parlamentseröffnung in Be­gleitung der Königin in der goldenen Staatskutsche von dem Buckingham-Palast nach Westminster begeben. Der seltene Anblick der prächtigen Kutsche, eskortiert von beritte­ner Leibgarde in ihren rotweißen Uniformen mit blitzenden Brustschilden, hatte trotz des regnerischen Wetters eine große Menge von Schaulustigen herbeigelockt, die längs des Weges Spalier standen.

Arbeiterpartei gegen Kriegsschuldlüge

In der von der Opposition im Unterhaus vorgebrach­ten Adresse zur Danksagung für die Eröffnungsansprache des Königs wird geltend gemacht, daß im Jahre 1918 das Par­lament einen Frieden gemacht hätte, der kein Frieden ge­wesen sei.

Es sei ein Frieden, der dem deutschen Volke die Schuld an dem großen kriege aufbürdete. Wie aber jedermann wußte, sei das deutsche Volk nicht mehr verantwortlich als jedes andere, was ja klar aus den jetzt erschlossenen Tage­büchern der Staatsmänner, die den krieg und den Frieden gemacht haben, hervorgehe. Wäre es für die Regierung jetzt nicht an der Zeit, jedes Andenken an den krieg da­durch auszulöschen, daß alle Wiedergutmachungen und Repa­rationen in der ganzen Welt ausgestrichen würden? Ein solcher Schritt heute getan, müsse rasch zur Gesundung der Welt beifragen.

McDonald

erklärte im Zusammenhang mit dem Schulden- und Repa- rationsproblem, es gäbe seiner Ansicht nach so lange keine Prosperität in der Welt, als der Wille der Menschen sie in eine unnatürliche ökonomische Organisation gezwungen hätte. Was zunächst hätte getan werden können, und man sei schon dabei es zu tun. fei. einmal mir den unmittelbar betroffenen ,m IM Iiffwwi'ifi, Hp'wwr-N n .......... I., treffen, durch die man selbst aus dieser absurden wirtschaft­lichen Geistesverwirrung gelöst werden könne.

Die Pfundentwertung hat Vorteile?

Die Dumping-Erklärung findet geteilte Aufnahme.

London, 11. November.

Premierminister MacDonald sagte in seiner gest­rigen Unterhausrede, es bestehe kein Zweifel darüber, daß die englische Ausfuhr gewisse Vorteile durch Abgehen von der Goldwährung erzielt habe. Diese Vorteile kämen jedoch le­diglich England zugute, und man müsse damit rechnen, daß andere Länder, die mit England in Handelsbeziehungen stehen, Gegenaktionen unternehmen würden. Das Problem der Ausbalancierung der englischen Handelsbilanz sei also auf diesem Weg noch keineswegs gelöst. Es bestehe weiter die große Gefahr, daß die Währungsänderungen spekulativ ausgenüßt würoen; die Regierung werde aber ein wach- Ses Auge gegenüber diesen spekulativen Bestrebungen en.

Der linksradikale Arbeiterführer M a x t o n erklärte, er habe keinen Glauben an die nationale Regierung, daß diese die Fähigkeit habe, die Krise Englands zu überwinden.

Die vorsichtige Unterhausrede MacDonalds hat bei den konservativen geteilte Aufnahme gefunden. 200 Konser­vative traten abends zu einer Sitzung zusammen. In einer Ansprache betonte Baldwindie Notwendigkeit der Loyali­tät gegenüber dem Einpeitscher der Partei. Die Anhänger des Schutzzolls versammelten sich in einem besonderen Raum, um die Rede des Premierministers zu besprechen. Sie schei­nen mit MacDonalds Erklärungen über.die Bekämpfung des Dumpings bei weitem nicht zufrieden zu sein, und sie planen einen Antrag einzubringen, in dem das Bedauern dar­über ausgesprochen wird, daß in der Thronrede keine be­sonderen Maßnahmen zur Schaffung eines allgemeinen Zoll­tarifs erwähnt worden sind.

Aus dem Ton der Rede MacDonalds schließt man, daß der Premierminister sich der schwierigen Aufgabe voll be­wußt ist, daß er sich jedoch durch niemanden drängen oder beunruhigen lassen wird.

China will ebenfalls abrüsten verlangt zuvor aber Klärung der mandschurischen Verhältnisse.

Genf, 11. November.

Chinas Vertreter hat den Völkerbundssekretär davon in Kenntnis gesetzt, daß die chinesische Regierung zwar bereit ist, der vom Völkerbund vorgeschlagenen Rüstungs- pause als einer Vorbereitung der Abrüstungskonferenz zu- zustimmen, ihre endgültige Stellungnahme dazu und zu der Abrüstungskonferenz selbst aber vom Äusgang des gegen­wärtigen mandschurischen Konfliktes abhängig macht. Wenn der Völkerbundspakt und der Kellogg-Pakt sich nicht als Boll­werke des Friedens und der internationalen Gerechtigkeit er­weisen sollten, wäre die chinesische Regierung zu ihrem großen Bedauern gezwungen, über alle ihre anderen natio­nalen Aufgaben die 5Raffung eines nationalen Verteidi- gungssysiems zu fetzen, um sich Respekt zu verschaffen und um sich vor einem äußeren Angriff auf die Gebietshoheit und die politische Unabhüngigkest ^to au schützen.

itidjanjthan Neue Sümpfe im Gange

Zahlungsfrist in Aufwertungs- Sachen verlängert

Berlin, 11. November.

Der Herr Reichspräsident hat am 10. November auf Grund des Artikels 48 Abs. 2 der Reichsverfassung eine Verordnung über die Zahlungsfrist in Auswertungssachen erlassen.

Am 1. Januar 1932 werden die von den Gläubigern vor Jahresfrist gekündigten Aufwertungshypotheken fällig. Nach dem Gesetz über die Fälligkeit und Verzinsung der Auf­wertungshypotheken vom 18. Juli 1930 hatte zwar der Grundstückseigentümer die Möglichkeit, innerhalb von drei Monaten nach Zugang der Kündigung bei der Aufwertungs- stelle eine Zahlungsfrist zu beantragen. Zahlreiche Schuld­ner Haber aber damals den Antrag nicht gestellt, weil sie mit Recht annehmen, konnten, den Aufwertungsbetrag 1932 zahlen zu können. Ander« Schuldner haben den Antrag zwar gestellt, ihn aber zurückgenommen, nachdem sie sich verge­wissert haben, daß sie für den zurückzuzahlenden Betrag von einem anderen Gläubiger eine Ersatzhypothek bekommen würden. Endlich haben in den Fällen, in denen das Zah­lungsfristverfahren durcbgeführt ist, häufig die Aufwertunzs- stellen den Antrag abgelehnt, weil nach der damaligen Wirt­schaftslage die Aufwertungsstelle zu der Auffassung kam, daß dem Schuldner die Rückzahlung der Hypothek zuzumuten sei. Diese Verhältnisse haben sich durch die Ereignisse seit Juni d. I. grundlegend geändert.

Die neue Verordnung sieht daher vor, daß in den ange­gebenen Fällen die Schuldner, die durch die Veränderung der allgemeinen Wirtschaftsverhällnisse überrascht worden sind, bis zum Ablauf des 30. November 1931 bei der Aufwertungs­stelle den Antrag auf Bewilligung einer Zahlungsfrist nach­holen oder ihn, sofern er bereits rechtskräftig abgewiefen war, erneuern können.

bis höchstens Ende 1934 für die fällig werdenden aufgewer- teten Kapitalbeträge nicht aber für die bis zum 31. Dezem­ber 1931 gestundeten Tilgungsteilbeträge in ähnlicher Weise gewährt werden. Zuständig für die Bewilligung der Zahlungsfrist ist die bei den Oberlandesgerichten nach frühe­ren Verordnungen gebildete Spruchstelle. Die Anrufung der Spruchstelle muß spätestens bis zum 30. Novencher d. I. er­folgen.

Keine Zwangskonvertierung deutscher / Werte

Berlin, 11. November.

Zu den Gerüchten über angebliche Zwangskonvertie- rungspläne für deutsche Werte wird mitgeteilt, daß niemals, von irgendwelcher Seite auch nur erwogen worden ist, Aus­ländsanleihen zu konvertieren. Ueber die der Regierung von privater Seite nahegebrachten Gedanken, Inlandsanlei­hen zu konvertieren, haben in der Reichsregierung keinerlei Erörterungen stattgefunden.

Um das Wmterorogramm Beginn der Beratungen des Wirtschaftsbeirates.

Berlin, 11. November

Die erste Sitzung des Ausschusses des Wirtschaftsbei­rates, der sich mit der Herabsetzung von Produktionskosten und Preisen zu befassen hat, begann damit, daß der Kanz­ler dem Ausschuß zunächst die Leitsätze vortrug, die das Kabinett ausgearbeitet hat. Es handelte sich dabei allerdings

nicht um fertige Lösungen, die die Reichsregierung dem

Wirtschaftsbeirat vorschlägt,

und über die er sich dann nur gutachtlich zu äußern hätt«, sondern mehr um eine Disposition für den Gang der Ver­handlungen, um ein Verzeichnis der Fragen, die angefaßt werden müssen, wenn man die Ziele erreichen will, die in den ersten Plenarsitzungen des Wirtschaftsbeirates vor zehn Tagen aufgezeigt wurden.

Der Wirtschaftsbeirat wird also von sich aus Wege zei-

. gen müssen.

Dabei kann man aber wohl annehmen, daß das Reichska­binett seinen eigenen Standpunkt zu den Problemen bereits gewonnen hat. Es scheint, daß das Kabinett gewissermaßen den Spielraum ausgemessen hat, der zwischen einem Maxi­mal- und Minimal-Programm möglich wäre, und daß die Lösungen, die aus den Beratungen des Wirtschaftsbeirates herauskommen, sich innerhalb dieses Rahmens bewegen müssen. Aus alldem, was oisher an Kritik und Vorschlägen an die Regierung herangetragen worden ist, sollen jetzt die Konsequenzen gezogen werden.

Sollte es nicht gelingen, in der einen oder anderen Frage zu einer Verständigung zu gelangen, so müßte das Kabinett natürlich von sich aus seine Entscheidungen treffen. Jedenfalls rechnet man damit, daß die Verhandlungen des Beirates etwa eine gute Woche in Anspruch nehmen, und daß das Kabinett dann an die Ausarbeitung der großen Wirtschaftsnotverordnung herangehen wird, die bestimmt bis Ende dieses Monats fertiggestellt werden soll.